Sirup

Zäh startet das Jahr, zäh geht es voran mit dem Wieder-fit-Werden. Ein Gefühl wie in einem riesigen Sirupfass zu stecken – kaum hast du einen Arm befreit, zieht das Zeugs das Bein auf der Gegenseite wieder runter. Und zusätzlich taucht eine dichte Nebelwand auf und legt sich um den Kopf. Wenn wenigstens die äußeren Bedingungen unterstützender wären. Aber dieses ewige Dauergrau am Himmel schlägt auf’s Gemüt und den Antrieb!

Genug gejammert. Ganz einfach ist das mit dem „Think pink“ zwar nicht. Aber es gibt ja Lichtblicke: Begegnungen mit lieben Freunden und Bekannten, wie neulich beim Silvesterlauf, den Herr Midlaufcrisis aka Rainer und das Tridreamteam Karina und Helge schon in Wort und Bild blogmäßig verwurstet haben. Gemütliche vier Wände, in die ich mich mit einem Stapel guter Bücher zurückziehen kann. Neuerdings habe ich Thai-Massagen für mich entdeckt und gönne mir alle paar Wochen mal eine. Ein herrliches Gefühl und wohltuend für die immer noch zickende Hüfte und den Piriformis. Und auch sonst fällt mir noch manch angenehmes und hilfreiches Dies und Das ein.

Mitte des Monats kann ich nach fast halbjähriger Pause endlich wieder arbeiten gehen. Erstmal nur stunden- und versuchsweise, aber immerhin ist es ein Anfang. Dem wohnt bekanntlich ein Zauber inne. Damit dieser Zauber aber kein fauler ist, muss er in eine dauerhaft veränderte Haltung zum Beruf und teilweise auch in eine Veränderung der Aufgaben übergehen. Allein das wird noch harte Arbeit gegen alte innere und äußere Muster und Strukturen. Die sind zäh – womit wir wieder beim Thema „Sirup“ wären und bei der Frage, wie man das Zeugs so verdünnen kann, dass man leichter wieder in Bewegung kommt.

Die Antwort lautet – natürlich, wie könnte es auf diesem Blog anders sein – „Ausdauersport“! Ich hab’s im Oktober noch einmal mit Fitnessstudio versucht, wenigstens als Ergänzung. Nun gut. Wenn es draußen ganz schaurig und dunkel ist und ich nicht schon wieder laufen sollte und nicht radeln mag, setze ich mich auch mal 45 Minuten auf meinen schwarzblauen Blitz, der auf dem Rollentrainer eingespant ist, und lasse die Beine fliegen. Alles ganz nett. Und viel, viel besser als nichts. Aber eben nicht das Wahre. Nur die zweitbeste Lösung.

Die beste Lösung ist ganz simpel: Raus! Auf die Suche gehen nach Sonne, Sturm und Regen. Nach dem Geruch von Holzfeuer im Winter, von den ersten Blüten im Frühjahr, von frisch gemähtem Gras im Sommer und von Laub im Herbst. Dabei auch mal frieren, schwitzen, über nasse Füße fluchen, kalte Finger, Schweiß in den Augen und schneidenden Wind im Gesicht, über nicht angeleinte Hunde oder unaufmerksame radelnde oder autofahrende Zeitgenossen – kurzum: Dabei alle Widrigkeiten und natürlich erst recht die wunderbaren Dinge erleben, die den Sport im Freien so „besonders“ machen.

Auch wenn ich mich damit gegenüber dem letzten Blogbeitrag wiederhole: Zumindest ich brauch diese Verbindung zur Natur, um eins zu werden mit mir! Nichts auf der Welt ersetzt mir momentan dieses Grinsen, das auf’s Gesicht getackert ist, wenn ich mich nach hartem innerem Ringen „wenigstens für eine halbe Stunde“ in die Lauf- oder Radklamotten gequält habe und dann nach ein, zwei Stunden schlammbespritzt und verschwitzt, aber innerlich gelöst und unendlich zufrieden wieder vor der Haustür lande. Da ist der Sirup – wenigstens für ein paar Stunden – nur noch dünnes Zuckerwasser, in dem sich auf das Angenehmste baden lässt.

Mich mit Gymnastikmatte und einem Satz Kurzhanteln auf den Balkon zu bemühen hätte irgendwie nicht den gleichen Effekt … 😉 Trotzdem gehört das (Matte plus Hanteln, nicht unbedingt der Balkon 😎 ) irgendwie auch dazu. Aber das ist eine Geschichte, die ein andermal erzählt werden soll. Ebenso wie die vom funkelnagelneuen Spielzeug, das im Arbeitszimmer steht und darauf wartet ausprobiert zu werden. 😎

 

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Just another year …

… und doch ein Jahr wie kein anderes. Momentan zahle ich den Preis für all die vergangenen Jahre, in denen ich über meine Kräfte gelebt habe. Ich hätte nicht erwartet, dass dieser Preis so hoch ist und ich so lange abzuzahlen habe. Aber so ist es nun einmal. Es wird noch dauern, bis wieder komplette Normalität einkehrt – und die wird in Teilen eine andere sein als früher.

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Laufen und generell Sport werden weiter als wichtige Bausteine dazugehören. Was mit dem Bloggen wird, muss sich zeigen. Wirklich Lust auf regelmäßiges Schreiben habe ich derzeit nicht, wie ich überhaupt nicht viel Zeit in elektronische Aktivitäten und die virtuelle Dokumentation meines realen Lebens stecken mag. Also läuft der bebilderte Plaudermodus vorerst weiter auf Sparflamme. Es gibt heute nur – liebgewonnenes Ritual – einen sportlichen Jahresrückblick und eine Vorschau auf das, was 2018 kommen soll.

20171208_132105Läuferisch werden es wohl annähernd 1.600 km sein, die bis zum 31.12.2017 zusammenkommen. Ähnlich viele bzw. wenige km sind es auf dem Rad (da ich dabei nicht immer die Uhr mitlaufen lasse, weiß ich das nicht so genau). Ein wenig Alternativsport mit Aquajoggen und Schwimmen war auch dabei, aber nicht so viel, wie gut für mich wäre. Momentan geben mir Piriformis und unterer Rücken deutlich zu verstehen, dass mehr Gymnastik und Kräftigungsübungen ganz nach oben auf die sportbezogene To do-Liste gehören.

Was sich beim Laufen im vergangenen Jahr bewährt hat, sind die komplette Planlosigkeit und damit verbunden relativ geringe Trainingsumfänge von selten mehr als 35 km pro Woche. Die meisten Trainingspläne sehen ja mehr Kilometer vor. Aber mit diesem „Mehr“ habe ich mich (unabhängig vom Tempo der Läufe!) in der Vergangenheit immer wieder in Verletzungen reinmanövriert. Mit den reduzierten Umfängen dagegen bleibe ich ziemlich kontinuierlich verletzungsfrei. Und ich war 2017 auf den gelaufenen Wettkampfdistanzen von 5, 10 und 15 km schneller denn je. Ist mir nicht wirklich wichtig. Nur ein hübscher Nebeneffekt, der auch ein bisschen stolz macht.

Ich gestehe: Ein wenig beneide ich diejenigen, die 60, 70 und mehr km Laufgenuss pro Woche erleben können. Für meine Orthopädie scheint das nichts zu sein, auch wenn ich hoffe, mit disziplinierterer Gymnastik die Umfangs-Stellschraube ein wenig höher drehen zu können. Naja, und die Gewichtsschraube muss ich wieder ein wenig nach unten drehen … nach den Feiertagen! 😉

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Trotzdem: Besonders „ambitioniert“ werde ich das Laufen auch 2018 nicht betreiben. Es ist für mich ein wunderbarer Ausgleich zum Alltag. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Herausforderungen suche und finde ich in anderen Bereichen. Auch mit meinem Schmalspurtraining wird es aber hoffentlich zu einem oder zwei Halbmarathons reichen. Einfach weil ich Lust habe, mal wieder bei einem größeren Stadtlauf mitzumachen. Und weil ich das beim voll gelaufenen Halbmarathon eingeschlagene Tempo gern mag. Ansonsten will ich nach je Lust und Laune an ein paar Volksläufen mit und ohne Zeitnahme in der Region teilnehmen. Und voraussichtlich im Juni mit ein paar virtuellen Lauffreunden ein etwas größeres Abenteuer angehen. Das allerdings extrem entspannt und vor allem um der Geselligkeit und nicht der Leistung willen. Nun ja, und der Hospizlauf im Juli ist ja fast schon „Pflichtprogramm“.

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Vor allem aber will ich „einfach so rumlaufen“. In der Natur sein, auf „meinen“ Strecken im Wald, in den Weinbergen, auf den Höhen und an der Mosel. Mir Wind und Regen um die Nase wehen und das Hirn freipusten lassen. In der Sommerhitze vor Schweiß triefen, in der schneidenden Winterkälte das schützende Tuch ein wenig fester vor’s Gesicht ziehen. Asphalt, Waldwege, Wiesenboden, Schotter, Schlamm und Schnee unter den Schuhsohlen spüren. In den leuchtenden Sonnenaufgang hineinlaufen und die Sonne beim Feierabendläufchen hinter den Moselbergen versinken sehen. Dankbar dafür, dass ich all das erleben darf. Und voll Hoffnung, dass das noch lange so sein möge.

In diesem Sinne: Habt wunderbare friedliche Weihnachtstage und kommt gut und gesund ins neue Jahr 2018! Wir lesen uns … wann auch immer!

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Prioritäten

Fast könnte man beim Lesen meiner letzten Blogposts den Eindruck gewinnen, ich liefe nur noch bei Veranstaltungen mit oder ohne Wettkampfcharakter – oder nur die seien mir wichtig genug, um über sie zu bloggen.

Weit gefehlt! Die kleinen Läufe im Alltag sind’s, die mir etwas bedeuten. Die Pausen am Pfahlweiher, der so ruhig und unberührt mitten im Wald liegt. Die Radrunden an der Mosel (z.B. nach Traben-Trarbach, wo ich in einen Festumzug gerate) und Saar (mit Pause im Philosophischen Friedhofsgarten in Kanzem). Die Besuche im Garten, durch den ich bald mit der Machete Schneisen schlagen muss, wenn ich noch ins Gewächshaus an die reifen Tomaten will. All das passt „irgendwie“ in mein Leben, tut gut, gibt mir Energie, hilft klären, ordnen, Abstand gewinnen.

Nur mag ich im Moment nicht viel darüber schreiben. Wer anderweitig mit mir im Kontakt ist, der versteht vielleicht auch warum. Die Beiträge hier werden vorübergehend eher noch weniger werden. Denn zwar bedeutet mir die Bloggerei sehr viel, aber, wie Oprah Winfrey so schön sagte, „You can have it all. You just can’t have it all at once.“ Es gibt eben manches, das momentan auf der Prioritätenliste weiter oben steht. Die Zeit zum regelmäßigeren Bloggen wird wieder kommen. Irgendwann.

Hollywood ruft! – 5. Trail Römische Weinstraße in Leiwen

Etwas irritiert hält mein Blick inne, der über die Weinberge oberhalb des Dorfes schweift – so schlecht können Rainers und mein Orientierungssinn doch nun wirklich nicht gewesen sein. 😉2017-07-23_5terTRW04Auch wenn der Schriftzug anderes verkündet: Leiwen ist nicht Hollywood! Sondern ein Dorf an der Mosel, in dem in diesem Jahr zum 5. Mail der Trail Römische Weinstraße stattfindet. Handelte es sich bei den ersten Austragungen noch um Ultraläufe der härteren Sorte, ist die Veranstaltung in diesem Jahr mit Strecken von 30, 15 und 7,5 km deutlich massenkompatibler, so dass sich insgesamt wohl an die 400 Teilnehmer/innen zusammengefunden haben. Ein Spaziergang wird es trotzdem für keinen, das lassen schon die angekündigten Höhenmeter ahnen: 1.500 sind es auf der 30 km-Strecke und immerhin noch 265, behauptet meine Uhr, auf dem von mir gewählten 7,5 km-Jedermann-/frau-Schnuppertrail. Das alles mitten in den Weinbergen und Wäldern. Nur ein kurzes Stück führt die Strecke auf Asphalt durch den Ort, dann geht es weiter auf Schotterwegen, mehr oder weniger grasbewachsenen Steilhängen und wurzeldurchzogenen Singletrails. Das Ganze wird garniert mit dünnen Bäumchen, die quer über der Strecke liegen, und ein paar Pfützen von den gestrigen Gewittern. Lecker. Wenn man’s mag und verträgt. 😉

Passend zur Kürze meiner Strecke fasse ich mich heute mal kurz, was meine Erfahrungen unterwegs angeht: Viele liebe Leute getroffen, die beste Startnummer ever erwischt, mit der Strecke wegen Höhenangst und mangelnder Trittsicherheit überfordert gewesen, das nach kurzem Frust ziemlich schnell akzeptiert und mir unterwegs noch mehr Zeit als geplant für’s Fotografieren genommen. Und darum lasse ich jetzt Bilder sprechen …

Fazit: Tolle Veranstaltung, fantastische Strecken, liebevoll gestaltete, originelle Urkunden und Holz-Medaillen für jeden Finisher – ein tolles Erlebnis und ein Muss für alle Trailliebhaber/innen. Für mich persönlich hat sich leider bestätigt, was ich im Grunde vorher wusste: „Richtige“ Trails und ich werden in diesem Leben keine Freunde mehr.

Jetzt kühle ich erstmal die zickenden Gräten und hoffe, dass Knie und Achillessehne sich schnell wieder einkriegen. Und danach suche ich mir hübsche halbwegs ebene Waldwege und Sträßchen, auf denen ich friedlich geradeaus, bergauf und bergab joggen kann. Bin halt doch mehr der Typ „Pussy Lane“ und nicht „Singletrail“.  Dass auf der Urkunde trotzdem eine vordere Platzierung steht, ist schlicht der zahlenmäßig sehr begrenzten „Konkurrenz“ geschuldet. 😉

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14-1.033-29-41-0 – Hospizlauf 2017

Hospizlauf in Trier – ins Leben gerufen durch den Ultraläufer Jörg Engel. Der legte vor knapp anderthalb Jahrzehnten die 200 km von Koblenz nach Trier laufend „am Stück“ zurück, nur begleitet von einem Radfahrer und einem PKW mit Verpflegung. Eine außergewöhnliche Unternehmung, um Aufmerksamkeit für die damals noch recht junge Hospizbewegung in Trier zu wecken und  dringend benötigte Spenden für die so wichtige Einrichtung zu sammeln.

Was damals eine exotisch anmutende Einzelaktion war, ist mittlerweile ein „Event“ geworden. Davon zeugen insgesamt 1.033 laufende, radelnde und skatende Teilnehmer, die bei der 14. Auflage längere oder kürzere Abschnitte zurückgelegt haben. Man kann nur ahnen, welche Mammutaufgabe die Organisatoren bewältigen – und mit größtem Respekt alle vorhandenen Hüte davor ziehen und ein riesiges DANKESCHÖN für den großartigen Einsatz sagen!  Wenn alles (zumindest aus Sicht der Teilnehmer) so perfekt abläuft und – hoffentlich – nicht nur eine Rekordzahl an Aktiven, sondern auch eine Rekord-Spendensumme zusammenkommt, haben sich der riesige Aufwand, die unzähligen Stunden Arbeit und der Verzicht auf die Nachtruhe sicherlich gelohnt.

Seit 2010 bin auch ich als Läuferin beim Hospizlauf dabei, sofern es Zeit und (wichtiger) Gräten zulassen (gerade mal nachgeschaut: hier die Berichte aus 2010, 2012, 2013 und 2014). Bisher meist nur auf sehr kurzen Abschnitten. In diesem Jahr erstmals über Nacht, dank der logistischen Unterstützung von Rainer und seinen Kumpels vom Lauftreff Olewig, die einen Kleinbus als Begleitfahrzeug gechartert haben. Eigentlich bin ich als Unterstützung für die etwas spärlich besetzte Staffel gedacht. Das stellt sich aber als unnötig raus – die Herren (und die Damen, die am Freitag- und Samstagmittag den Tross verstärkten) wären auch ohne mich klargekommen. Das Asylangebot im Bus wird aber trotzdem nicht zurückgezogen – dankeschön! 🙂

Da für mich der Freitag noch Arbeitstag ist, geht es erst am frühen Abend per Zug an die Mittelmosel. Angesichts der extremen Hitze und Schwüle kann ich nicht sagen, dass es mir Leid tut, den Nachmittag auf der Strecke verpasst zu haben. Als ich gegen kurz vor 21 Uhr in Ediger-Eller aus der Regionalbahn steige, finde ich es noch immer elend warm. Ein wenig Fahrtwind auf dem Rad schadet also nicht auf den 2 Kilometern bis Bremm, wo fast direkt unterhalb des Bremmer Calmont, des steilsten Weinbergs der Welt, der Wechselpunkt aufgebaut ist. Im Gewusel treffe ich Rainer und die Olewiger Kollegen, die es sich vor dem Kleinbus auf Isomatten und Campingstühlen bequem gemacht haben. Schnell das Rad auf den Anhänger geladen, den die Organisatoren bereitgestellt haben, dann kurze Absprachen darüber, wer welche Etappen bewältigen wird. Eigentlich wollte ich direkt in Bremm loslaufen. Nur: Gleich zum Einstieg eine 12,8 km lange Etappe – und das bei der heftigen Restwärme? Auch wenn das 6:30er-Tempo für mich inzwischen leicht bis locker ist, traue ich mir das nicht zu. Also entscheide ich mich, erst ab Zell zu laufen.

Halbwegs pünktlich trifft der Tross ein und wird mit Blasmusik begrüßt. Viele Begegnungen am Rande, nicht nur hier, sondern überall unterwegs. Die komplette Trier-Eifel-Hunsrück-Läuferszene ist vertreten, irgendwann trifft man so gut wie jede/n, den man aus diesem Umfeld kennt. Da ich im Moment aus Gründen, die nicht in einen öffentlichen Blog gehören, in mich gekehrter bin als sonst, ist das manchmal ein bisschen viel für mich. Aber alles in allem freu ich mich doch drüber.

Nachdem die Läufer aufgebrochen sind, packen wir unsere Sachen und fahren zum nächsten Etappenort Zell, zur „Schwarzen Katz“, ebenfalls eine berühmte Weinlage, der man im Ort ein kleines Denkmal gesetzt hat. Es dämmert schon, mein Handy liefert leider nur etwas grobkörnige Bilder. Hier geht es nun gegen 23 Uhr also los mit der Lauferei. Gemeinsam mit Rainer mache ich mich auf die knapp 9 km lange Etappe. Hell gekleidet mit Warnweste und Stirnlampe dazu, weil der Weg am Rand öffentlicher Straßen entlangführt. Obwohl sich die Luft beim Loslaufen fast schon (zu) kühl anfühlt, fördert die hohe Luftfeuchtigkeit die Schweißproduktion – das wird die ganze Nacht über so bleiben! Nach jeder Etappe kann ich das jeweils getragene Shirt auswringen, trotz wirklich moderaten Tempos und niedriger Pulswerte, die ebenfalls belegen, dass der Lauf für das Herz-Kreislauf-System nicht übermäßig anspruchsvoll war.

Schnell ist der Abschnitt bis Reil bewältigt, die Ablösung geht auf die Strecke, Rainer und ich krabbeln in den Bus und lassen uns von Christoph nach Traben-Trarbach kutschieren. Dort ist Weinfest, die Musik von dort weithin zu hören. Mir ist flau, schlafen kann ich nicht. Also noch eine schnuckelige 9 km-Etappe laufen durch die Finsternis. Startzeit: 1:15 Uhr, das hatte ich noch nie.

Diese Etappe hätte wunderbar friedlich sein können, weil sie ab Wolf fernab der Straßen verläuft. Nur das Tappen der Läuferfüße, leise Gespräche und leichtes Schnaufen durchbrechen die Stille der Nacht … so ungefähr hätte ich mir das vorgestellt. Mit 30, 40 Leuten und mehr in Laufschuhen und auf Rädern hatte ich nicht gerechnet. Und auf Begleitung durch einen Radfahrer, der auf seinem Anhänger eine Stereoanlage platziert und uns abwechselnd mit Techno-Gewummer und Helene Fischer beschallt, war ich nicht gefasst. Es mag gut gemeint gewesen sein und den einen oder anderen motiviert haben. Mich hat es genervt. Mir wären ein bisschen weniger Partycharakter und ein bisschen mehr Ruhe zum  Nachdenken und Gedanken-Schweifen-Lassen lieber gewesen. Ob das angesichts des Zwecks, den der Lauf verfolgt, nicht auch irgendwie passender wäre, könnte man diskutieren …

Die nächsten zwei Etappen pausiere ich. Etwas fröstelnd. Merke: Bei der nächsten Auflage an lange Hose und Pulli oder Fleecejacke denken! Rainer rettet mich mit einem Shirt und seinem Daunenschlafsack, mit dem ich mich im Bus zudecke. Bisschen dösen im Sitzen – schlafen kann ich nicht. Anzahl Schlafstunden in dieser Nacht also: 0.

Meine nächste Laufetappe startet am Wohnmobilstellplatz in Wintrich. Und sie motiviert besonders, warten doch an ihrem Zielort Piesport der erste Kaffee des Tages und der beste Streuselkuchen der Welt. Gegen 5:30 Uhr, schon im Hellen, aber vor Sonnenaufgang geht es wieder mit Rainer auf die Strecke, die knapp 6 km der Belohnung entgegen. Herrlich! Kann Streuselkuchen besser schmecken? Mengenmäßig halte ich mich trotzdem zurück, wohl wissend, dass frischer Hefekuchen dem Magen einige Herausforderungen bereiten kann und dass es später noch andere Köstlichkeiten gibt. Eine zweite kurze Etappe von knapp 6 km bis Neumagen hängen wir dran, genießen den Sonnenaufgang über der Mosel.

Dann reicht’s mir erstmal mit dem Laufen. Aber in den Bus mag ich jetzt, wo ich mal wach bin, auch nicht mehr. Also mit netter Hilfe das Rad vom Hänger geladen und radelnd ab über Trittenheim nach Leiwen, das nächste Etappenziel. Dort warten frische, knusprige Brötchen mit Käse und ein umfangreiches leckeres Obstbüffet.

Weiter nach Detzem, Marcel laufend, die anderen per Bus, ich radelnd durch die Weinberge und am Ufer entlang. An der Staustufe der nächste Wechselpunkt. Ich überlege, ob ich Lust habe, das Rad auf den Hänger zu laden und noch ein oder zwei Etappen zu laufen. Nein! Ich habe knapp 29 km in den Beinen, könnte ausdauermäßig noch deutlich mehr, bin aber nicht sicher, ob das dem Knie und vor allem den Achillessehnen gut tut, die sich trotz Schuhwechsel die ganze Zeit leicht beschweren. Und so langsam sind es mir – für mein momentanes Gesamtbefinden – viel zu viele Leute. Also verabschiede ich mich von den Olewiger Männern und radle einfach das letzte Stück. Insgesamt 41 Radkilometer kommen so bis Trier zusammen.  Ok, die letzten waren etwas unangenehm. Ich hätte besser die Polsterhose getragen.  😉 Aber den Beinen tut das Ausradeln gut.

Gegen 10 Uhr bin ich daheim. Kaffee, Dusche, bisschen Beine hochlegen. Aber nur nicht einschlafen. Schließlich gilt es spätestens um 12 Uhr am Hospizhaus zu sein, um die eintreffenden Massen zu begrüßen.

Auf dem Weg treffe ich die Olewiger, die ihren Bus in meiner Nachbarschaft abgestellt haben. Rainer und ich stillen erst einmal mit Schwenkbraten und bleifreiem Bier den Appetit auf Deftiges, dann geht Rainer seinen Verpflichtungen als Chefreporter des Trierischen Volksfreunds nach, fotografiert den Bischof, der in diesem Jahr als Schirmherr der Veranstaltung fungiert, die Bundesfamilienministerin, die aus der Region stammt und sich solch ein Ereignis im Wahlkampf auch nicht entgehen lassen kann, und schließlich den riesigen Läufertross. Weil Rainer schlecht Spiegelreflexkamera und Smartphone gleichzeitig bedienen kann, gebe ich die liebreizende Assistentin und versuche mich an einem Videomitschnitt des Zieleinlaufs. Geschafft! Noch ein Bierchen trinken im Garten des Hospizhauses. Kuchen passt leider nicht mehr rein. Und das Sofa lockt … siehe „Schlafstunden: 0“. Also heimwärts.

Fazit: Ein intensives und auch schönes Erlebnis! Ob ich es in dieser Form noch einmal haben will? Weiß ich nicht. Für mich persönlich ist die Veranstaltung zu groß. Aber vielleicht lauf ich ja mal einzelne Etappen allein oder mit wenigen Freunden, um die mystische Atmosphäre zu genießen, die so ein Nachtlauf in der Natur haben kann. Und das „Event“ nehme ich der wichtigen Sache wegen trotzdem mit. Auf eine Nacht Schlaf kann man auch mal verzichten.

„Wenn der Alpenfirn sich rötet, …“– Stralugano 2017

„Wenn der Alpenfirn sich rötet, betet, freie Schweizer, betet!“ – mit Inbrunst schmettert eine junge Dame die schweizerische Nationalhymne, allerdings in italienischer Sprache, schließlich sind wir in der italienischen Schweiz. Dass in Deutschland vor einem Volkslauf „Einigkeit und Recht und Freiheit“ gesungen würde – undenkbar!

Na gut, dann wird also in der Schweiz beim Anblick des sich rötenden Alpenfirns gebetet. Beim Anblick einer sich rötenden Läuferin wohl eher nicht, schon gar nicht beim Anblick von über 2.000 sich rötenden Läufern. Unterwegs verfluche ich mich wegen der Idee, bei Mitte 20 Grad eine Startnummer anzupinnen und in der größten Mittagshitze zwischen 13 und 14 Uhr zu rennen. Ist schon verflixt warm auf diesen 10 Kilometern. Aber schön. Zu schön, um die Chance der Teilnahme nicht zu nutzen, wenn man schon aus beruflichen Gründen zufällig gerade dann vor Ort ist, wenn die Stralugano stattfindet.

Wenn man das mit der Zeit und dem Wettkampfcharakter nicht ganz so eng sieht, hat man sogar was von der schönen Strecke: Man läuft durch Teile der Altstadt von Lugano, Richtung Mont Bre auf der Uferstraße, zurück durch den Parco Civico, am Ufer des Sees bis Paradiso und von dort zurück in die Innenstadt. Die fantastische Kulisse und die großartige Stimmung unter den vielen, vielen Zuschauern entschädigen für ein bisschen Quälerei. Die hält sich aber in Grenzen, weil ich mir an den Getränkeständen ein paar Schritte Gehpause gönne und eine Fotopause einlege, wo die Strecke besonders schöne Ausblicke über den See auf die schneebedeckten Berggipfel erlaubt. Für eine Zeit knapp unter 54 Minuten reicht es trotzdem noch. Aber die ist mir wurscht, es ging mir nur um das Erlebnis.

Für diejenigen, die sich für das Drumherum der Veranstaltung interessieren: Alles in allem ein top organisierter und sehr empfehlenswerter Lauf. Die Strecke ist topfeben und unter normalen Bedingungen und bei vollem Einsatz absolut bestzeitentauglich. Da gestaffelt aus Blöcken gestartet wird und die meisten TeilnehmerInnen halbwegs realistische Meldezeiten angegeben haben, verliert man auch insgesamt wenig Zeit durch Überholen, zumal die Strecke auf den ersten Kilometern sehr breit ist.  Über die Duschen im Messezentrum (etwa 800 m vom Ziel entfernt und beim Auslaufen, notfalls auch mit dem Shuttlebis erreichbar) kann ich nichts sagen, da ich die Gelegenheit hatte, nach dem Lauf im Hotelzimmer zu duschen. Für deutsche Verhältnisse fällt das Startgeld mit 50 Euro bei kurzfristiger Nachmeldung sehr hoch aus. Man zahlt halt viele Zugaben mit: Funktionsshirt im Starterbeutel, zusätzlich jede Menge Krams zum Futtern und für die Körperpflege. Im Ziel eine Medaille und ein Handtuch für jeden Finisher, außerdem natürlich Verpflegung und Schwämme unterwegs und im Ziel sowie hinterher eine Pastaparty im Parco Civico. Der Halbmarathon, bei dem es wegen der früheren Startzeit nicht ganz so heiß wird, ist leistungsmäßig besser besetzt als der 10er. Man läuft zwei Runden – selbst bei einer schönen Strecke ist das nicht jedermanns Sache. Mir haben die 10 km vollauf gereicht.

Ich wollte und musste ja auch noch arbeiten – dazu war ich schließlich vor Ort.

Aber für ein wenig Sightseeing und eine Bähnlifahrt (zum Wandern reichte die Zeit dann doch nicht mehr) auf den Mont San Salvatore war dann doch noch Gelegenheit. Das Panorama hätte ich um nichts in der Welt versäumen mögen.

Und die grandiosen Ausblicke von der kleinen Propellermaschine aus auch nicht, die uns bei klarster Sicht von Lugano nach Zürich über die Alpen schaukelt. Herrlich!

Doch, solche Highlights tun gut! Sie bringen zwar einerseits noch mehr Zeitdruck in den straff getakteten Plan, aber anderseits: Wer will denn bitteschön so was verpassen?

Schäfchen im Trockenen – Panoramalauf Olewig

Frühling in Hochform. Leuchtend grüne Bäume, sattgrüne Wiesen, blühende Rapsfelder – und das alles unter blauem Himmel mit wuchtigen Wolkengebirgen. So schön, dass am Schreibtisch sitzend der Blick immer wieder sehnsüchtig vom Bildschirm nach draußen wandert. Aber so ein bisschen Broterwerb muss nun mal auch sein. Es gibt ja den Heimweg nach Feierabend und die 40 Minuten Spaziergang über den Petrisberg bis nach Hause.

Und es gibt den Panoramalauf des LT Olewig. Einen Freundschaftslauf ohne Zeitmessung. Das hindert nicht unbedingt daran loszurennen, als gäbe es doch eine. Aber irgendwann erinnert man sich dann noch daran, dass es keine gibt, und lässt es ruhiger angehen.

So halte ich das wenigstens auf der 16 km-Strecke, die ich gebucht habe, um mich Rainers ortskundiger Führung anzuvertrauen. So komme ich zwar nicht zu einem gemeinsamen Lauf mit Doris, die sich mit den 10 km begnügt. Dafür treffe ich andere: Die ersten 5 km zum Neubaugebiet am Trimmelter Hof geht’s recht flott hinauf, zusammen unter anderem mit Trailfrosch Birthe. Wir freuen uns beide riesig, dass es endlich mal mit einem gemeinsamen Läufchen klappt – und darüber, dass ihr nicht die Füße einschlafen und ich nicht röchelnd am Streckenrand verende.

Nach dem ersten Verpflegungspunkt entscheide ich mich dann für „piano“ und halte mich in der gut 30 Leute umfassenden Gruppe bewusst hinten bis ganz hinten. Das erlaubt es mir, mit Harald zu quatschen, mit dem ich auch ewig nicht gelaufen bin, weitere Läufer kennenzulernen und nebenbei die Gräten zu schonen. Schmerzen hab ich nicht, nur muskulär und vom Puls her merke ich, dass mir nach der vielen schnellen Rennerei in den letzten 14 Tagen mit 2 Wettkämpfen und vorgestern dem flotteren Lauf mit Rainer ein ruhigeres Tempo besser tut. Außerdem geht es langwierig bergauf, am Rand von Tarforst entlang und zwischen Filsch und Tarforst durch die Felder auf die Höhe. Dort der zweite Verpflegungspunkt bei toller Aussicht, aber auch mitten im Wind – das wird frisch. Gut, dass es bald weitergeht, nun unterteilt in zwei Gruppen, damit die Schnelleren ohne schlechtes Gewissen wegziehen und die Langsameren ohne Druck ihr Tempo laufen können.

Durch die Felder führt die Strecke nun rüber Richtung Domäne Avelsbach, erst durch das idyllische kleine Dörfchen mit den ehemaligen Arbeiterhäusern, die jetzt allesamt liebevoll saniert und mit gepflegten Gärtchen einen Puppenstubencharme versprühen. Dann am „Schlösschen“ vorbei runter ins Tal, hoch zum Unicampus und über den Skulpturenweg auf den Feldweg, der unterhalb von Campus 2 in die Olewiger Weinberge führt. Dort ist gerade wieder einmal der Schäfer aus Oberemmel mit seiner Herde unterwegs. Direkt an den Schafen mit ihrer Nachzucht vorbei traben wir mit teils nun doch schon müden Beinen.

Noch einmal vom Weinbergsweg ausgiebig den Weitblick genießen! In der klaren Luft des Tages sieht man bis fast nach Luxemburg hinüber und kann sich über die sonnenglitzernde Mosel in der Ferne freuen – aber auch mit einem Stirnrunzeln sehen, was sich da an Gewitterwolken zusammenbraut. Egal, nur noch ein gutes Auslaufkilometerchen, dann ist’s geschafft und Rainer hat alle seine (Lauf-)Schäfchen wieder ins Trockene gebracht. Dem Guide der 25 km-Läufer wird das nicht mehr gelingen und die Strecke wird dank nicht ganz so ortskundiger Führung auch etwas länger ausfallen. Aber ein bisschen Wasser von oben und ein paar Kilometer mehr haben noch keinem trainierten Läufer geschadet. Das süße und herzhafte Büffet ist außerdem so überreichlich gefüllt, dass auch der letzte Läufer ausgehungert ankommen, aber pappsatt wieder von dannen fahren kann. Bisschen quasseln noch mit Karin, Doris und manch anderem. Dann aber ab nach Hause. Einen nassen Balg krieg ich auf dem Rad dann doch noch. Aber so ein bisschen Wasser …

Fazit: Fein war’s! Durchaus fordernd waren die 16,7 km. Das war angesichts der Höhenmeter zu erwarten (waren lt. meiner Uhr nur 300 und nicht 400, fühlten sich aber wie 400 an)  und wurde durch die teils stechende Sonne und eine gewisse Schwüle verstärkt. Aber das Wetter war der Hammer! Sonne, Wolken, Wind, unglaublich klare Luft – ein Läuferträumchen! Die Strecke war einfach toll gewählt, die Bezeichnung „Panoramalauf“ war alles andere als eine Mogelpackung!  Und die Orga drumherum mit dem exzellenten Büffet war wie immer vom Feinsten – vielen Dank an die Mädels und Jungs vom Olewiger Lauftreff! Gerne wieder im kommenden Jahr!