„Wenn der Alpenfirn sich rötet, …“– Stralugano 2017

„Wenn der Alpenfirn sich rötet, betet, freie Schweizer, betet!“ – mit Inbrunst schmettert eine junge Dame die schweizerische Nationalhymne, allerdings in italienischer Sprache, schließlich sind wir in der italienischen Schweiz. Dass in Deutschland vor einem Volkslauf „Einigkeit und Recht und Freiheit“ gesungen würde – undenkbar!

Na gut, dann wird also in der Schweiz beim Anblick des sich rötenden Alpenfirns gebetet. Beim Anblick einer sich rötenden Läuferin wohl eher nicht, schon gar nicht beim Anblick von über 2.000 sich rötenden Läufern. Unterwegs verfluche ich mich wegen der Idee, bei Mitte 20 Grad eine Startnummer anzupinnen und in der größten Mittagshitze zwischen 13 und 14 Uhr zu rennen. Ist schon verflixt warm auf diesen 10 Kilometern. Aber schön. Zu schön, um die Chance der Teilnahme nicht zu nutzen, wenn man schon aus beruflichen Gründen zufällig gerade dann vor Ort ist, wenn die Stralugano stattfindet.

Wenn man das mit der Zeit und dem Wettkampfcharakter nicht ganz so eng sieht, hat man sogar was von der schönen Strecke: Man läuft durch Teile der Altstadt von Lugano, Richtung Mont Bre auf der Uferstraße, zurück durch den Parco Civico, am Ufer des Sees bis Paradiso und von dort zurück in die Innenstadt. Die fantastische Kulisse und die großartige Stimmung unter den vielen, vielen Zuschauern entschädigen für ein bisschen Quälerei. Die hält sich aber in Grenzen, weil ich mir an den Getränkeständen ein paar Schritte Gehpause gönne und eine Fotopause einlege, wo die Strecke besonders schöne Ausblicke über den See auf die schneebedeckten Berggipfel erlaubt. Für eine Zeit knapp unter 54 Minuten reicht es trotzdem noch. Aber die ist mir wurscht, es ging mir nur um das Erlebnis.

Für diejenigen, die sich für das Drumherum der Veranstaltung interessieren: Alles in allem ein top organisierter und sehr empfehlenswerter Lauf. Die Strecke ist topfeben und unter normalen Bedingungen und bei vollem Einsatz absolut bestzeitentauglich. Da gestaffelt aus Blöcken gestartet wird und die meisten TeilnehmerInnen halbwegs realistische Meldezeiten angegeben haben, verliert man auch insgesamt wenig Zeit durch Überholen, zumal die Strecke auf den ersten Kilometern sehr breit ist.  Über die Duschen im Messezentrum (etwa 800 m vom Ziel entfernt und beim Auslaufen, notfalls auch mit dem Shuttlebis erreichbar) kann ich nichts sagen, da ich die Gelegenheit hatte, nach dem Lauf im Hotelzimmer zu duschen. Für deutsche Verhältnisse fällt das Startgeld mit 50 Euro bei kurzfristiger Nachmeldung sehr hoch aus. Man zahlt halt viele Zugaben mit: Funktionsshirt im Starterbeutel, zusätzlich jede Menge Krams zum Futtern und für die Körperpflege. Im Ziel eine Medaille und ein Handtuch für jeden Finisher, außerdem natürlich Verpflegung und Schwämme unterwegs und im Ziel sowie hinterher eine Pastaparty im Parco Civico. Der Halbmarathon, bei dem es wegen der früheren Startzeit nicht ganz so heiß wird, ist leistungsmäßig besser besetzt als der 10er. Man läuft zwei Runden – selbst bei einer schönen Strecke ist das nicht jedermanns Sache. Mir haben die 10 km vollauf gereicht.

Ich wollte und musste ja auch noch arbeiten – dazu war ich schließlich vor Ort.

Aber für ein wenig Sightseeing und eine Bähnlifahrt (zum Wandern reichte die Zeit dann doch nicht mehr) auf den Mont San Salvatore war dann doch noch Gelegenheit. Das Panorama hätte ich um nichts in der Welt versäumen mögen.

Und die grandiosen Ausblicke von der kleinen Propellermaschine aus auch nicht, die uns bei klarster Sicht von Lugano nach Zürich über die Alpen schaukelt. Herrlich!

Doch, solche Highlights tun gut! Sie bringen zwar einerseits noch mehr Zeitdruck in den straff getakteten Plan, aber anderseits: Wer will denn bitteschön so was verpassen?

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Läuft

Läuft. Momentan wenigstens. Am Samstagmorgen erstmals seit gut 11 Monaten wieder 30 Minuten „am Stück“. Ohne ernsthafte Probleme unterwegs und hinterher. Ok, ziemlich „dicke Beine“ hatte ich am Sonntag. Selbst das Aquajoggen im Mertesdorfer Freibad war anstrengend. Das könnte allerdings auch an der 76 km-Radtour vom Samstagvormittag gelegen haben. 😉2017-08-31_hoope-107

Wie auch immer: Ich bleib dran. Und bleibe trotzdem vorsichtig. Größere Rückschläge könnte ich momentan ziemlich schlecht verkraften. Also lieber ruhig laufen und langsam Umfänge steigern. Und angenehme Laufuntergründe suchen.

So was Angenehmes wie in meiner norddeutschen Heide-Heimat hab ich hier leider noch nicht gefunden: Weiche Sandwege. Kein tiefer „Karnickelsand“, in dem man hin und her rutscht und nicht vom Fleck kommt. Sondern fester Untergrund mit einer dünnen Sandauflage. Wunderbar dämpfend und fast federnd. Herrlich!  Nur leider teilweise ein kleines bisschen verboten … 😉

Pflichtbewusst

Einmal sollte man seine Siebensachen
Fortrollen aus diesen glatten Geleisen.
Man müsste sich aus dem Staube machen
Und früh am Morgen unbekannt verreisen …

(Mascha Kaléko, 1907-1975)

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Man sollte, man müsste … dafür bin ich zu protestantisch-pflichtbewusst. Also bleibt’s bei den „kleinen Fluchten“ am Sonntagmittag, wenn die Arbeit getan ist: Mit dem Bus hoch nach Bonerath. Von dort auf dem Saar-Hunsrück-Steig hinunter zur Riveristalsperre und weiter auf dem Steig und dem Morscheider Grenzpfad über Waldrach (inklusive Zwischenstopp am Kuchenbüffet bei der Laurentius-Kirmes 😉 ) bis Kasel und von dort mit dem Bus zurück. Zuviel und zu steil bergab, dem Knie war’s gar nicht recht. Schön war’s trotzdem.

Fazit: Man müsste viel öfter unbekannt verreisen … nur nicht allzu weit, damit man abends wiederkommen, den Kühlschrank leerfuttern, sich mit einem Glas Tee auf den Balkon lümmeln und hinterher gemütlich ins eigene Bett krabbeln kann! 🙂 Und heute mache ich mal komplett Sportpause. Nur arbeiten und danach zuhause die Beine hochlegen und regenerieren. Manchmal ist Schonprogramm eben auch „Pflicht“.2017-08-14_MorscheiderGrenzpfad18

Stille

Das Jahr 2016 kann ja doch noch „Sommer“. Keinen heißen. Sondern einen perfekt temperierten. Allerbestes Wanderwetter!2017-07-31_Naumett-Ruwertal-Wandern17Heiligkreuz – Tarforst – Naumetter Kupp – Waldrach – Kasel – mit dem Bus zurück. Ungefähr 15 Kilometer. Sträßchen – Feldwege – Waldwege – Trails. Zwischen Tarforst und Waldrach nicht eine Menschenseele unterwegs. Kein Autolärm, nichts. Nur Stille. Nur der Wald, die Felder und ich. Wunderbare Ausblicke inklusive. Passt so. 😎2017-07-31_Naumett-Ruwertal-Wandern15

Die Wälder schweigen

Die Jahreszeiten wandern durch die Wälder.
Man sieht es nicht. Man liest es nur im Blatt.
Die Jahreszeiten strolchen durch die Felder.
Man zählt die Tage. Und man zählt die Gelder.
Man sehnt sich fort aus dem Geschrei der Stadt.

Das Dächermeer schlägt ziegelrote Wellen.
Die Luft ist dick und wie aus grauem Tuch.
Man träumt von Äckern und von Pferdeställen.
Man träumt von grünen Teichen und Forellen.
Und möchte in die Stille zu Besuch.

Man flieht aus den Büros und den Fabriken.
Wohin, ist gleich! Die Erde ist ja rund!
Dort, wo die Gräser wie Bekannte nicken
und wo Spinnen seidne Strümpfe stricken,
wird man gesund.

Die Seele wird vom Pflastertreten krumm.
Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden
und tauscht bei ihnen seine Seele um.
Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm.
Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.

Erich Kästner

 

(K)Ein Laufblog

Damit’s hier heute nicht nur einen  gefrusteten Text (siehe unten) zu lesen, sondern wenigstens was Schönes zu sehen gibt, erst einmal als Nachtrag zum Vancouver-Trip noch einige Eindrücke vom kanadischen Nationalfeiertag am 1. Juli.

Nun zu den unschönen Dingen: Das hier war mal ein Laufblog. Und nun? Inzwischen ist klar: Laufen ist bis auf Weiteres, möglicherweise auf Dauer nicht mehr mein Sport. Und das tut weh. Sehr weh. Entsprechend sind derzeit auch Laufblogs nicht mehr meins. Meine Fähigkeit, mich darüber mitzufreuen, dass andere ihren Laufspaß haben und/oder gleichartige OPs wie meine deutlich besser weggesteckt haben als ich, sogar wieder Marathons und mehr planen, stößt momentan an deutliche Grenzen. Der eine oder die andere wird das vielleicht nicht verstehen und falsch oder unangenehm missgünstig finden – aber es ist leider so. Mir tut das Lesen und Kommentieren gerade einfach nicht gut, also lasse ich es.

Auch in meinem Blog gibt’s erstmal nur Beiträge auf Sparflamme. Über Aquajogging, Gymnastik und Hantelnschwingen schreibt es sich wahrlich nicht besonders unterhaltsam und abwechslungsreich. Beim Radfahren halte ich nicht so gern zum Fotografieren an, also wird das auch nur unregelmäßig was mit den Tourenberichten.

Mag sein, dass ich’s demnächst trotz allem mit dem klassischen „1 Minute Joggen – 1 Minute Gehen“–Laufeinsteigerprogramm probiere. Aber mögliche Erfolge oder Misserfolge dabei teile ich lieber im Privaten, als dass ich eine anonyme Öffentlichkeit daran teilhaben lassen mag. Hier stelle ich allenfalls ab und an ein paar Rad- oder Reisebilder ein, wenn ich Spaß dran habe. Ergo: Das ist kein Laufblog mehr. Wenigstens vorerst. Ob es je wieder einer wird, muss die Zeit zeigen.

Vancouver

Die unerfreulichen Dinge vorweg: Jeweils ca. 24 Stunden An- und Abreise per Bahn, Flieger und Bus, eeewige Wartezeiten inbegriffen. Ein Koffer, dem es beim Zwischenstopp  in Toronto so gut gefiel, dass er sich heute noch dort rumtreibt. Eine mittelprächtige Tagung. Ein Knie, das zwar radfahren, aber nicht bergwandern mag. Schlafmangel wg. Zeitverschiebung.

Für die erfreulichen Dinge wähle ich mal Bilder statt Worte. Einfach kunterbunt gemischt. Zum  Ordnen und Berichten bin ich einfach immer noch zu müde. Nur so viel: Vancouver ist eine traumhafte Stadt. Und die Landschaft drumrum ist einfach großartig. Wenn’s nur nicht so elend weit wäre.

Sauer

Gründe zum Sauer-Sein gab’s reichlich in den vergangenen Tagen. Zum Glück ließen sich einige beseitigen. Aber es bleiben genügend andere. Und um die wenigstens vorübergehend aus dem Kopf zu kriegen, dachte ich, – Bitte um Verzeihung für die folgenden sehr flachen Wortspiele – ich probier’s mal mit dem An-der-Sauer-Sein. Schließlich ist bekannt: Sauer macht lustig!
Der Plan war eigentlich, auf der luxemburgischen Seite bis Moersdorf zu radeln und dort die Brücke zu queren, die beim DEULUX-Lauf immer so schön im Takt der Läuferfüße mitschwingt. Aber leider hat es sich vorerst ausgeschwungen.

Also Kehrtwende, zurück bis zur nächsten Brücke in Langsur und von dort auf der deutschen Seite zurück. Die letzten 5 der 40 Kilometer werden ein bisschen zäh. Reicht aber noch ohne Notstop bei Mäcces in den Moselauen. Den will ich eigentlich schon seit Längerem mal einlegen – nur ist das vermutlich sehr unkreativ und ich bin bei Weitem nicht die Erste, die mit dem Rad an den Drive In-Schalter fährt. 😉

Wie auch immer: Irgendwie komm ich doch noch mit genügend Schwung und ohne Hungerast bergauf. Zuhause im Kühlschrank wartet eine Dose Chemieplörre seit ungefähr 8 Monaten darauf getrunken zu werden. Jetzt ist der Augenblick gekommen. Ziemlich scheußlich. Aber gerade genau richtig. Fazit: Sauer macht nicht unbedingt lustig. Aber ist wunderschön. Und entspannend!

2016-06-23_Sauer01