Saisonauftakt – 7. Schweicher Fährturmlauf

Puh, was für eine vollgepackte Woche! Stimmung könnte erheblich besser sein – ich arbeite dran mich wieder aufzurichten. Und was eignet sich am besten zum Wieder-Aufrichten? Bei mir definitiv das Laufen! Schon am Dienstag hat Jens im HM-Kurs mit seiner Lieblings-Trainingseinheit „Kraft, Koordination, Karacho“ für gute Laune gesorgt – und für ein bisschen Muskelkater an den folgenden Tagen. Lauf-ABC, Steigerungsläufe und schließlich als Krönung zur Pfeife des Trainers noch Hock-Streck-Sprünge und Sprints in Kombination. „Get fit“ – der Name von Jens‘ Sportschule ist Programm. Hoffe ich wenigstens.

Der Saisonauftakt wird es zeigen. In den vergangenen 8 Wochen gab es regelmäßig Intervalltraining oder knackige Tempoläufe. Aber ein 10 km-Wettkampf ist nochmal eine andere Hausnummer. Also auf nach Schweich zum Fährturmlauf, wo ich im vergangenen Jahr endlich die „25 auf 5“-Schallmauer reißen konnte. Dieses Jahr also 10 km. Ausreden gibt es keine, wie Cheforganisator Dirk Engel beim kurzen „Hallo“ betont: Trocken von oben, perfekten Temperaturen von gut 10 Grad und wenig Wind. Die drei Kilo mehr auf den Hüften im Vergleich zum Vorjahr sind natürlich überflüssiger Ballast. Selbst schuld! Bis zum Halbmarathon im Mai müssen die runter sein.

Aber heute lauf ich mit diesem Zusatzgepäck. Das lockere Einlaufen fühlt sich prima an. Trotzdem weiß ich nicht so ganz, was ich mir zutrauen soll. Und bin nervös und hibbelig, obwohl es doch eigentlich um nix geht. Aber beim ersten Start im getfit-Trikot will ich dem Coach keine Schande machen, zumal ich über ihn einen kostenlosen Startplatz bekommen habe. 😊

20180310_Anne-Schweich

Vor der Startlinie reihe ich mich im Mittelfeld ein. Mittelmaß, das sollte halbwegs passen. Startschuss, auf geht’s, dem aus dem letzten Jahr hinlänglich bekannten Zick-Zack-Kurs folgend. Raus aus dem Stadion, am Parkplatz vorbei und durch eine Unterführung. Am Fährturm steht der Coach und treibt uns durch rhythmisches Getrommel an. Natürlich bin ich auf dem ersten Kilometer wieder viel zu schnell. Ich glaub, ich lern es nicht mehr. Knapp über 5 Minuten. Das wäre zwar meine Wunsch-Kilometerzeit gegen Ende der Saison. Aber im Moment kann ich das noch nicht über 10 km durchlaufen, wie die Beine mir deutlich zeigen. Also nehme ich etwas Speed raus, um locker, aber hart unterwegs zu sein – Zehner-Tempo eben.

Einige hundert Meter hänge ich mich an Holger aus meinem Laufkurs, ziehe dann aber langsam weg, als ich merke, dass er keinen guten Tag hat. Das Tempo von Kilometer 2 passt. Auf 5:12, 5:13 pendle ich mich für die nächsten Kilometer ein. Überholen, überholt werden, immer drauf konzentriert locker zu bleiben. Etwa bei Kilometer 3,5 kommen uns die ersten Läufer wieder entgegen. Der Sieger wird am Ende eine Zeit unter 31 Minuten hinlegen, die schnellste Frau kommt mit etwa 37:30 ins Ziel. Saustark!

Davon trennen unsereinen natürlich Welten. Aber ich laufe eben mein Tempo – und das relativ konstant. Die Wende etwa bei Kilometer 4,5 erlaubt es, die Schnelleren zu sehen und die Abstände einzuschätzen. Überraschend nah dran bin ich an Moni und Simone, beide aus meiner Altersklasse, aber normalerweise ein bis zwei Minuten schneller als ich. Geht da was? Ich guck mal – und hänge mich bis dahin an „Tom“. Ich weiß nicht, ob „Tom“ wirklich Tom heißt. Aber der Name steht auf seinem Shirt und zieht sich fast über die ganze Breite seines ziemlich breiten unteren Rückens. Und da Tom gleichmäßig in etwa mein Tempo läuft, versuche ich dranzubleiben.

Ein Stückchen gelingt das auch gut. Wir saugen uns langsam durch’s Feld nach vorn. Einige Schritte Abstand gewinnt er, aber auch ich überhole häufiger, als ich überholt werde. Unter anderem „kassiere“ ich Moni. Sie hat wie Holger nicht den besten Tag erwischt und schickt mich mit ein paar wohltuenden ermutigenden Worten allein weiter auf die Reise, obwohl auch ich gerade einen kleinen Durchhänger habe. Kilometer 7 wird mit 5:17 der langsamste des gesamten Laufs. Aber für den Rest genau so langsam machen wäre auch doof. Also weiter.

Noch knapp drei Kilometer. Irgendwie habe ich „Tom“ aus den Augen verloren. Hinter mir werden stattdessen zwei andere männliches Wesen aktiv. Zunächst höre ich nur eines – und das in einer Lautstärke, dass mir fast die Ohren dröhnen. Wo man eigentlich atemloses Geröchel und Geschnaufe erwartet, werden mit scharfer Stimme Motivationssprüche und Anweisungen gebrüllt: „Jaaaa, du machst das super, Stefan! Bleib locker! Jetzt nicht nachlassen!“ Etc. etc. etc. Ich beschließe, die Anfeuerungen auf mich zu beziehen. Damit läuft es sich in der Tat leichter. „Achte nicht auf die Wade! Das ist alles nur der Kopf!“ krakeelt es unmittelbar hinter mir. Sekundenbruchteile später ein Schrei – bei einem kurzen Schulterblick sehe ich ein schmerzverzerrtes Gesicht und ein humpelnden Kerl mit krampfendem Haxen. Da ich „Stefan“ bei seinem bölkenden Coach, der ihn in dieses Schlamassel hineingescheucht hat, in guten Händen wähne, bleibe ich nicht zum Helfen stehen, sondern renne weiter, um dem Ganzen möglichst schnell ein Ende zu machen.

Der Fährturm ist schon in Sicht! Noch einmal rund ums Hafenbecken, vorbei am Campingplatz, am Fährturm selbst und an Jens mit seiner Trommel. Beim Fünfer im vergangenen Jahr durfte ich hier Richtung Ziel abbiegen. Aber beim Zehner ist noch eine Extra-Schleife bis zur Autobahnbrücke zu laufen. Also vorbei an Harald, einem treuen Laufkumpan, der leider schon seit Monaten außer Gefecht ist. Hoppla, Tom ist wieder in Sichtweite. Den krieg ich noch! Auch wenn sich das eklig anfühlt. Diese ver####, bl####, besch### Brücke will einfach nicht kommen.

Jetzt wird nicht mehr auf die Uhr oder sonstwohin geguckt, sondern nur noch stupide gewetzt. Vorbei an Tom, rund um den Wendepylon, und dann den weißblond getönten Haaren von Simone hinterher. Kurz vor der Unterführung hab‘ ich sie. Für eine Aufmunterung reicht die Luft nicht mehr. Ich röchle einfach durch das Zickzackgewirr der letzten paar hundert Meter. Für den groben Schotter am Eingang zum Stadion, auf dem ich fast umknicke, wünsche ich den Zuständigen bei der Gemeindeverwaltung die unschönsten Dinge an den Hals bzw. die Füße.

Noch ein kurzer Sprint über die Kunststoffbahn, etwas halbherzig, weil der Läufer vor mir eh nicht mehr zu kriegen ist. Dann lieber nur auf der vorletzen Rille ins Ziel und noch Kraft für ein Lachen und das Victory-Zeichen unterm Zielbogen (hier das Beweisfoto – ich kann leider nicht direkt verlinken, daher in der Galerie selbst Foto 47 von 52 suchen). Jau! 52:24, zweitbester je gelaufener Zehner, so gefällt mir das! Gibt Zuversicht, dass ich Mitte Mai beim Halbmarathon nicht nur Spaß haben werde, sondern auch eine schöne Zeit erreichen kann. Nochmal unter zwei Stunden zu kommen fänd‘ ich schon fein.

Fazit: Man sagt, Training hülfe. Kann ich nach heutigem Stand so bestätigen – vielen Dank an Jens (und Philipp) für’s Beine-Machen! 😉 Und der Fährturmlauf in Schweich war wie jedes Jahr die perfekte Veranstaltung, um die Form zu Saisonbeginn zu testen: Schnelle Strecke, tolle Orga, leckeres Kuchen- und Salatbüffet – und viele, viele schöne Begegnungen. Läuferherz, was willst du mehr?

 

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27 Gedanken zu „Saisonauftakt – 7. Schweicher Fährturmlauf

  1. Liebe Anne,
    Gratulation und meinen tiefen Respekt…eigentlich wird man doch auf so „Kurzen“ mit zunehmendem Alter langsamer, Du hast bewiesen, dass da doch noch viel mehr drin ist. Toll gemacht und wie Du schon geschrieben hast: Training zahlt sich aus, auch wenn der Plan nicht stoisch eingehalten wird 😊
    Es freut mich wirklich, dass Du einen rundum gelungen Fährturmlauf abgeliefert hast…regenerier dann mal ordentlich und ich bin schon gespannt auf den Halben.

    Salut

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    • Vielen Dank, lieber Christian!

      Momentan hab ich glaube ich die richtige Mischung aus „Training nach Plan“ und „Flexiblem Fünfe-gerade-sein-Lassen“. Was mMn für’s Tempo richtig gut tut und was eher neu für mich ist, sind die regelmäßig eingebauten Tempospritzen in Form von Steigerungsläufen am Ende der meisten Einheiten. Ich bin zwar früher auch schon nach Lust und Laune Tempodauerläufe oder Intervalle gelaufen, aber diese kurzen schnellen Sachen hab ich nicht gemacht, obwohl es ja eigentlich kein Akt wäre, sie auch mal in normale Läufe spielerisch einzubauen. So wissen die Beine eben, wie sich schnelles Laufen anfühlt, und kriegen keinen Schock, wenn ich ihnen das im Wettkampf abverlange. 😉

      Heute gab’s auf Anweisung vom Coach aktive Regeneration bei einer langsamen Radrunde. Und morgen ist Ruhetag, bevor es Dienstag wieder zur Sache geht. 🙂

      Liebe Grüße
      Anne

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  2. Tolles Foto (auf meinen sehe ich wesentlich derangierter aus 😉) und wie bereits geschrieben war das ein bombastischer Lauf. Respekt dafür und ich bin gespannt auf Deinen HM.
    Friemel/Christine 😊

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    • Vielen Dank, liebe Christine! Es gibt auch ein anderes Foto etwas weiter vorm Ziel, auf dem ich deutlich derangierter aussehe. Von dem hoffe ich, es bleibt in den dunklen Tiefen des Netzes verborgen. Ich verlinke es jedenfalls nicht … 😉

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  3. Liebe Anne,
    es freut mich, zu lesen, dass es wieder so fantastisch läuft bei Dir! Herzlichen Glückwunsch zum tollen Finish. Eine gute Vorbereitung auf den Halben! Und auch sonst… Du trainierst richtig… Finde ich super. Auch, dass Du dabei ab und an alle Fünfe gerade sein lässt. Welcher HM wird es denn? Ist irgendwie am mir vorbei gegangen.
    Liebe Grüße, Bianca

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    • Vielen Dank auch dir, liebe Bianca! Ich bin total happy, wie es läuft, mit dem Training wie auch den WK-Zeiten.

      Den HM will ich am 12. Mai in Mannheim laufen. Am gleichen Abend wäre auch das Quasi-Heimspiel in Luxemburg. Aber da hab ich mich zu spät um einen Startplatz gekümmert. Und zum Schnell-Laufen eignet der sich auch nicht. Mannheim ist flach, da ist vielleicht sogar eine neue Bestzeit drin, wenn es so gut weitergeht und ich noch ein wenig abspecke. 1:57:42 bräuchte ich … 😎

      Liebe Grüße
      Anne

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    • Das realisiere ich ja jetzt erst, dass es bis zum HM noch ein Weilchen dauert … aber besser früh und mehrfach gewünscht als zu selten 😉 Auf dem Foto siehst du übrigens klasse aus. Ist das von vorher oder nachher?

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    • Vielen Dank, Lizzy! Am 12. Mai ist es so weit – vorheriges Daumendrücken ist aber auch gut, insbesondere für eine verletzungsfreie Vorbereitung. Das Foto im Blog ist – leicht skeptisch – noch von vor dem Lauf.

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  4. Herrlich liebe Anne,
    das liest sich einfach wunderschön!! Herzlichen Glückwunsch zum zweitbesten je gelaufener 10er und zum schönsten Beweisfoto 👍 Du strahlst und das getfit-Trikot passt wie die Faust aufs Auge – so sieht Lauffreude aus! 😊
    Ganz liebe Grüße Anna

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    • Danke dir, liebe Anna! Das Foto gefällt mir auch ausnehmend gut. Ich glaube, ich maile den Fotografen mal an (den ich auch persönlich kenne) und frage, ob ich es kriegen kann.

      Ganz liebe Grüße zurück
      Anne

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  5. Liebe Anne,

    ich wundere mich und staune gar, dass Du an so einem HM-Training Spaß hast, aber wenn so eine prima 10 km-Zeit und eine total glückliche Anne dabei herausspringt, ist es ja genau das richtige 🙂

    Glückwunsch zum gelungenen Saisonauftakt. Wir dürfen auf den HM gespannt sein ❗

    Liebe Grüße
    Volker

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    • Lieber Volker,
      wenn du dich einmal wöchentlich mit der Gruppe austobst und den restlichen Plan als lockere, aber hilfreiche Stütze für die Vorbereitung verwendest, kann das wirklich Spaß machen. Hast du sowas schon mal probiert? Ist viel lustiger, als du vielleicht vermutest.

      Vielen Dank für die Glückwünsche und liebe Grüße
      Anne

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  6. Liebe Anne, Glückwunsch zu deinem persönlichen Erfolg, da hat es sich gelohnt, die Hilfe eines Trainers und Trainingsplan in Anspruch zu nehmen, du strahlst – und das finde ich besonders schön – wie man auf dem Foto des Zieleinlaufes erkennen kann, ein schöner Saisonauftakt, mögest du beim Einlauf ins Ziel des vorgesehenen Halbmarathons mindestens genauso strahlen und noch vieeeeeeeeel mehr – das wünsche ich dir ! 😎

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    • Dankeschön, liebe Margitta! Manchmal macht es richtig Freude und ist nützlich, unter Anleitung zu trainieren. Du erklärst deinen „Schäfchen“ sicher auch, wie sie laufen sollten, und machst vielleicht die eine oder andere Übung zum Dehnen mit ihnen oder mal was für die Koordination. Nix anderes (nur auf etwas schnellerem Niveau) machen wir. Und wenn sich das dann so auszahlt und geteilte Freude mit den Kurskolleg/innen doppelte Freude ist – um so schöner!

      Liebe Grüße
      Anne

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  7. Liebe Anne,
    wow – super Zeit! Gratuliere ganz herzlich. 😀
    Was mich ein bißchen nachdenklich stimmt… du schreibst Training hilft???? Naja, dann sollte ich vielleicht doch auch mal wieder… 😆 😉
    Erhol dich gut und weiterhin viel Spaß bei der HM – Vorbereitung!

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    • Dankeschön auch dir, liebe Doris! Ich weiß jetzt ja nicht, ob Training wirklich jeder hilft. Aber wenn du wieder fit bist, könntest du vorsichtig in Erwägung ziehen, es mal damit zu probieren! 😉

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  8. Hach, sowas liest der Fuchs doch gerne! Herzliche Glückwünsche zu deinem famosen Lauf, der – das wird allzu schnell vergessen – ja so manche Leidensgeschichte in der Vorgeschichte hatte… Und jetzt sowas! Einfach nur gut gemacht … du Rennschnecke! 🙂

    Gute Reha … ähhh … Regeneration und weiterhin
    flotte Beine auf dem Weg zum HM!

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  9. Liebe Anne,
    ganz herzlichen Glückwunsch zu diesem tollen Lauf und der mega Zeit. 🙂
    Training zahlt sich auf jeden Fall aus und wenn man mit einem erfahrenen Trainer trainiert, dann schon dreimal.
    Der Jens ist ja „dran Schuld“, das ich beim Triathlon gelandet bin. 😆
    Jetzt schön dran bleiben und dann wird das mit dem HM ein Kinderspiel.
    Liebe Grüße
    Helge

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    • Vielen Dank, liebe Helge! Das Training bei Jens ist manchmal echt nicht ohne (9 km TDL im HMRT, auweiauwei), aber ich verlass mich auf seine Erfahrung – bislang mit Erfolg. Und ich vertraue drauf, dass das auch beim HM so sein wird. Zum Triathlon bringt er mich aber nicht … oder doch … oder … 😉

      Liebe Grüße
      Anne

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