Safety first

Seit etwa drei Monaten habe ich jetzt ein Wochen-Laufpensum, das immer so bei drei, höchstens vier Läufen mit insgesamt 30 bis 35 Kilometer liegt. Manchmal weniger, selten unwesentlich mehr. Das Ganze entgegen allen Lehrbuchempfehlungen recht intensitäts-lastig gestaltet mit Intervalltraining, Tempoläufen und Hügeln satt. Lehrbuch hin, Lehrbuch her – es ergibt sich einfach so und ich vertrag’s. Gut sogar. Nur kommt mir das eben ein bisschen wenig vor. 30 bis 35 Kilometer. Pah! Laufen andere an einem Tag. 😉 Mehr und häufiger Laufspaß zu haben, das wär’s! 😎

Die Idee, die Anfang März aufkeimte, war daher: Bis zum Fährturmlauf mach ich mal so weiter. Danach nehme ich Intensität raus und schraube dafür die Umfänge – allmählich über mehrere Wochen! – auf etwas mehr als einen Marathon pro Woche hoch, also so auf 40 bis 45 Kilometer, entsprechend einem Plus von gut 25 Prozent gegenüber vorher, verteilt auf vier Läufe.

Jetzt liegt der Fährturmlauf hinter mir und es könnte losgehen. Aber irgendwie … nee! Der Kopf will das nicht. Er hat ja so seine Erfahrungen mit dem dazu gehörigen Körper. Und der hat bisher noch jedes Mal gezickt, wenn ich ihm über längere Zeiträume 40 Wochenkilometer und mehr zugemutet habe. Egal, wie langsam oder wie schnell ich lief und wie vorsichtig oder abrupt ich gesteigert habe. Warum sollte ich mich also wieder in diese „Gefahrenzone“ begeben?

Wenn ich außerdem so in mich reinspüre und ehrlich Bilanz der letzten Monate ziehe: Lange, verträumte Läufe in ruhigem Tempo auf flachem Geläuf, bei denen ich früher wunderbar abschalten konnte, vertrage ich einfach nicht gut. Gelegentlich mal 90 bis 120 Minuten lockeres Laufen auf wechselndem Untergrund in leicht profiliertem Gelände gehen – wie jetzt am Sonntag – komplett beschwerdefrei. Das gleichmäßige Dieseln auf dem Moselleinpfad ruft dagegen schon nach 45 Minuten erste Unmutsbekundungen im Knie hervor. Und einen 90-Minuten-Lauf auf Asphalt spüre ich noch zwei Tage danach. Nix Schlimmes. Aber auch nicht eben beruhigend.

Also lautet das Motto: „Safety first!“ Bevor ich mich jetzt durch eine Umfangssteigerung wieder „reinreite“, bleibe ich bei meinem Trainingsmix: Laufen und Radfahren, ein bisschen „Gedöns“ drumherum und ab Mai wieder gelegentliche Wasserstrampeleien im großen Nordbad-Becken.

Welche läuferischen Ziele damit erreichbar sind, wird sich zeigen. Wenn die Ausdauer zum Teil aus dem Radfahren kommt, reicht’s für den einen oder anderen flotten Zehner allemal. Vielleicht auch für einen nicht übermäßig ambitioniert gelaufenen Halbmarathon im Herbst, wenn ich vorher ein paar etwas längere Läufe einstreue. Dass bei 30 bis 35 Wochenkilometern und moderatem Radtraining ein Marathon nicht auf die Agenda gehört, ist ja selbstverständlich – und über alle Distanzen darüber hinaus müssen wir gar nicht erst reden. Aber es muss – um Rainers Bild aufzugreifen – ja auch nicht jeder die läuferische Königsdisziplin bezwingen oder sich gar zur (Ultra-)Laufkaiserin aufschwingen. Für meinen Teil bin ich mit der Regionalliga sehr zufrieden.

Vielleicht entwickle ich irgendwann wieder mehr Risikobereitschaft und drehe dann an der Umfangsschraube. Aber letztlich gilt immer noch: Ich will doch nur laufen! Und dabei kann ich keine Verletzungspausen brauchen. 😎

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22 Gedanken zu “Safety first

  1. Liebe Anne,

    was für Dich die Steigerung der Umfänge ist für mich das Tempobolzen. Das verbindet mein Kopf nach Jahren immer noch mit Schmerzen und Verletzungen in den Gräten.

    Und was für die eine das Sausenlassen irgendwelcher Königs- und Kaisersdisziplinen ist, ist für den anderen das Hetzen nach Bestzeiten.

    Man ist zwar nie ganz davon frei, da ab und zu mal nach zu schielen. Aber bevor wir davon einen Knoten im Sehnerv kriegen, laß uns lieber auf das Machbare gucken, als sich damit zu kasteien, was wir nicht hinkriegen.

    Also mir macht das Machbare ausgesprochen viel Spaß 😀

    Liebe Grüße
    Volker

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    • Lieber Volker, genau, das Machbare ist es, was zählt. 🙂 Bei meinen Tempobolzereien geht es gar nicht um Bestzeiten. Mir machen derzeit die schnellen Sachen sehr viel Spaß und ich vertrag sie gut, also laufe ich sie und nehme „persönliche Tempo-Rekorde“ gerne mit. 😎 Es gibt so viele Arten zu laufen! Und keine ist die einzig Wahre und Seligmachende, keine ist besser oder wertvoller als die andere. Jede/r muss gucken, was in einer bestimmten Phase zu ihm/ihr passt – beim einen ist das eben (Ultra-)Marathon, beim anderen Kurzstrecken-PB-Jagd, beim dritten schlichtes Rumjoggen ohne größere Ziele. Alles ist gut, alle gehören gleichermaßen zur großen LäuferInnenfamilie!

      Liebe Grüße,
      Anne

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  2. Liebe Anne, du tust gut daran, nur auf dich und deinen Körper zu hören, immer das zu tun, was dir dein Körper zugesteht. Im Grunde genommen lebe ich auch nach diesem Motto, nur anders eben. Im Vordergrund steht das Wohlfühlen , da muss jeder für sich das richtige Maß finden – und das tust du, Hauptsache Bewegung, die einem gut tut – YES ! 😎

    Schöne Frühlingsimpressionen von deiner Gegend, soweit sind wir noch lange nicht, aber es wird langsam aber stetig !

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    • Liebe Margitta, jede nach ihrer Fasson, dann ist alles gut! 🙂

      Auch bei euch kommt der Frühling, selbst wenn er jetzt noch einmal eine Pause einlegen sollte … das wird! 🙂

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    • Lieber Rainer,

      bei dir immer noch Zwicken? 😦 Mist! Vielleicht reicht’s ja morgen oder übermorgen wieder zu einem therapeutischen Lauf – ich stünde theoretisch als Bremse zur Verfügung! 😉

      Auch ich hab mich schon hinreißen lassen und hatte meine Warnschüsse, nur habe ich die hier nicht beschrieben. Passiert einfach „im Eifer des Gefechts“ und braucht dann ein paar Tage, bis alles wieder im Normbereich ist. Das wird auch bei dir so sein!

      Toitoitoi & liebe Grüße,
      Anne

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  3. Liebe Anne,
    du scheinst doch deinen Körper gut zu kennen! – Also machst du auch genau das Richtige! 🙂
    Tempolaufen und schnelle Trainings war bei mir früher … aber in deinem Alter! 😛
    Vielleicht muss ich ja revidieren, wenn meine Fitness zunimmt und plötzlich was Schnelles wieder reizvoll wird. 😉
    Nee, bleib erstmal dabei, alles weitere wird sich ergeben, zumal du schön abwechslungsreich unterwegs bist!
    LG Manfred

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    • Lieber Manfred,

      so einige Wehwehchen und langwierige Beschwerden hab ich schon durch; daher bin ich vielleicht etwas übervorsichtig, aber das scheint sich im Moment zu bewähren. Auf Pausieren-Müssen hab ich gerade so gar keine Lust!

      Danke dir und liebe Grüße,
      Anne

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  4. Liebe Anne,
    es lagt ja irgendwie doch in unserer Natur, das wir uns steigern wollen.
    Umso lobenswerter, das du da mit viel Überlegung ran gehst und zu dem Schluss kommst, das dein Körper das gerade vorhandene Maß wohl gut verkraftet und mehr vielleicht nicht.
    Und wie du schon sagst: nicht jeder muss in der Klasse der Könige und Kaiser mitlaufen.
    Was du irgendwann man tust, kann man ja jetzt nicht wissen, vielleicht sind irgendwann auch mal alle Zweifel ausgeräumt und du willst dann doch noch mehr. Aber solange ist es ja einfach mal die Hauptsache, das du überhaupt läufst 🙂
    Da sind die Anzahl der KM völlig nichtig 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

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    • Klar, liebe Helge, schneller und/oder weiter will wohl jeder von uns. Will ich im Grunde auch, aber das hat sich bei mir mehrfach nicht bewährt.

      Vielleicht bin ich übervorsichtig und könnte mehr, v.a. mit den verbesserten Voraussetzungen in punkto Gewicht. Aber gerade liegt meine Risikobereitschaft nahe Null. Das wird sich vermutlich irgendwann wieder ändern und ich bin wieder bereit meine Grenzen auszuloten (was impliziert, dass man auch mal drüber geht und die Quittung bekommt). Und hoffentlich habe ich dann im Umgang mit dem Körper so viel dazugelernt, dass ich sensibler für erste Warnzeichen bin und ein, zwei Gänge runterschalte. Momentan zählt allerdings allein, dass ich überhaupt laufen kann. Da fallen die Umfänge eben etwas knapper aus. 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  5. Liebe Anne,
    dass der Kopf nicht will, hat vielleicht einen guten Grund. Und deshalb finde ich es richtig, bei Deinem Sportmix und Deiner momentanen Art, zu laufen, zu bleiben. Und mit der Zeit ergibt sich evtl. ganz spontan oder schleichend eine Richtungsänderung. Egal wie, Hauptsache gesund laufen. Ich hoffe, es bleibt so für Dich.
    Liebe Grüße
    Bianca

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    • Liebe Bianca,

      vielen Dank! Ja, ich denke auch, das mit der „Kopfbremse“ hat schon gute Gründe und ist richtig so. Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen.

      Liebe Grüße (ich meld mich die Tage mal per Mail, momentan bin ich etwas schreib-unlustig und viel draußen, aber denk auf jeden Fall an dich! 🙂 )
      Anne

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  6. Es gibt keinen besseren Berater als das eigene Gefühl. Keiner kann besser spüren, was gut für Dich und Deinen Körper ist. Und Geduld ist an dieser Stelle auf jeden Fall auch gut.
    Lieben Gruß
    Kornelia

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    • Liebe Kornelia, wenn man doch nur die Sprache des Körpers immer richtig verstehen würde … aber ich glaub, ich habe dazugelernt! 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  7. Liebe Anne,
    ich finde, du machst das genau richtig. So laufen, wie es sich für dich gut und problemlos anfühlt. 🙂
    Schon witzig, wie unterschiedlich wir da alle sind. Dir tut lang und langsam nicht so gut, Volker spürt hingegen das Tempo, ich hatte vor 2 Jahren am ehesten Probleme, wenn ich lange Läufe mit Bergwanderungen kombiniert habe??? 🙄
    Aber wie auch immer, wir sind ja lernfähig! 😀 Du gehst deinen persönlichen Weg, was ja nicht heißt, dass sich daran nicht auch immer wieder mal was ändern wird. Aber ich finde es einfach nur schön für dich, dass du läufst und radelst und dabei strahlst! 🙂

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    • Liebe Doris, ja, Körper sind unterschiedlich und verändern sich. Früher hab ich auch kein Tempo vertragen, heute geht das wirklich gut. Wenn man sensibel genug bleibt, spürt man diese Veränderungen und lernt sich anzupassen. Trotzdem kann mal „was schiefgehen“, aber manches Problem lässt sich so vermeiden. Schaun mer mal, wie es weitergeht. 🙂

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  8. Liebe Anne,
    was soll ich jetzt zusätzlich noch schreiben? Alles schon gesagt. Genieß, was geht. Auch wenn du gerne mehr laufen würdest. Du weißt inzwischen anscheinend sehr gut einzuschätzen, was dir gut tut. Als (kleinen) Trost hast du ja den großen Vorteil dass du mit dem Rad weit herum kommst und auf diese bewegte Weise auch viele schöne Eindrücke und Erlebnisse sammeln kannst.
    Liebe Grüße
    Birthe

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    • Liebe Birthe,

      ja, ich genieße das, was möglich ist – auch das Radfahren. Das macht mir manchmal genau so viel Spaß wie das Laufen. Und der Aktionsradius erweitert sich dadurch enorm. 🙂

      Liebe Grüße.
      Anne

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