Absurd

Mein Umfeld lässt mich gerade jede Menge – vorsichtig formuliert – absurde Erfahrungen machen. „Kafkaesk“ trifft es auch. Kostet Energie und Nerven, genau wie die wieder anstehende Reiserei.

Naja, wenigstens gibt es das Laufen, das einen gewissen Ausgleich bietet. Auch wenn es nicht immer leicht fällt sich zu überwinden. Heute früh zum Beispiel. Todmüde, da richtig schlecht geschlafen. Mittels handelsüblicher Digitalwaage gemessenes Gewicht: 63,2 kg. Gefühltes Gewicht: 163,2 kg. 😦

Trotzdem: Geplant ist geplant. Also gegen 7 Uhr raus in die Morgendämmerung. Das Wetter ist überraschend ein wahrer Lichtblick: Trocken und relativ warm, dazu windig, aber nicht stürmisch. Ab Richtung „Tiergarten“. Tempo objektiv ganz normal. Subjektiv Rückwärtsgang. Ist das zäh!

Kurz vor km 3 Vollbremsung: Eine etwas verschlafene Dame lässt ihren riesigen Hirtenhund frei (immerhin mit einer Schleppleine) laufen – was kein Problem wäre, würde der Gute nicht meinen, er müsse mit heiser klingendem Gebell auf mich zurennen und mir zeigen, dass er da ist. Zwar ist an seiner Körpersprache zu  erkennen, dass da keine bösartige Aggression im Spiel ist, aber natürlich bleibe ich trotzdem stehen, lasse Hundi sich beruhigen und Frauchen ihre 1.000 Entschuldigungen loswerden. Noch ein bisschen knuddeln mit dem wolligen Kerl, der sich nach kurzem Beschnuppern der Läuferin als ausgesprochen verschmust erweist, dann geht’s weiter.

Um vollends munter zu werden und die Schwere und Anspannung abzuschütteln, ist manchmal schnell zu laufen ein gutes Mittel. Eigentlich ist das eine absurde Idee – erstens mit müden Beinen und zweitens sowieso – ich sollte froh sein, dass ich einfach wieder so rumtraben kann, da muss ich nicht rennen wie ’ne Blöde.

Trotzdem: So müde die Beine sind, es juckt in ihnen. Ok, dann also 2, 3 kurze zügige Abschnitte auf den asphaltierten Tal-Kilometern, abwechselnd etwa 200 m schnell, 200 m Trab. Halb so wild, geht ja „bergab“ (so 1 % Gefälle ungefähr, schätze ich). Nach dem 3. schnellen Abschnitt der Gedanke: „3 x 200 m schnell sind PillePalle“.  Vielleicht kann ich nochmal 3 x 200 m schnell „bergauf“? Kann ich. Ich muss nur einen Teil der Trabpause durch Gehen ersetzen, weil ich das Tempo nicht richtig dosiere. Bin halt nichts Flottes mehr gewöhnt. 6 x 200 m schnell. Klingt so unrund. Also nochmal 3 x 200 „bergab“. Zum Schluss ein Abschieds-200er obendrauf, weil man ja eigentlich erst nach 10 x 200 m was geleistet hat. 😉

Fazit: Gefühlt wieder Normalgewicht. Und vorübergehend ein bisschen endorphin-umnebelt. Andere joggen die Paces, die ich auf den schnellen Abschnitten hingelegt habe, beim Ein- und Auslaufen. Aber egal! Für meine Verhältnisse war ich schnell. Absurd schnell. Und – viel wichtiger – ich konnte für ein paar Minuten die Absurdität der Welt vergessen.  😎

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24 Gedanken zu “Absurd

  1. Liebe Anne, sei froh, dass du das Laufen hast, das dir gut tut, das deine Stimmung – zumindest zeitweilig – verbessert, dich ablenkt, dir den Tagesanfang erleichtert, das dich jetzt auch wieder zum Austoben schnelleren Tempos bringen kann. Das war die eine lange Zeit nicht gegeben, ein Grund mehr, auf die Tube zu drücken – freut mich sehr für dich !

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    • Liebe Margitta, ja, wenn ich das Laufen nicht hätte … das jetzt auch „schnell“ wieder geht, ist gar nicht nötig, aber die Kirsch auf der Sahne! 🙂 Danke dir!

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  2. Liebe Anne,

    da haben wir uns tatsächlich um eine Stunde verpasst. Aber um 7 Uhr hätte ich heute die Beine auch noch nicht hochbekommen. Toll, dass Du Dich zu intervallen motivieren konntest. Dazu hat es bei mir nicht gereicht. 😉

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

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    • Lieber Rainer, irgendwie ergab sich das spontan und wie von selbst. Dann zu merken, dass „es läuft“, war Motivation genug, es auch „durchzuziehen“. Mal gucken, wie ich das vertrage. Ich trau meinem Fahrwerk ja immer noch nicht über den Weg … momentan sieht’s aber gut aus. 🙂 Kommt bei dir auch wieder, wenn du dich erstmal ganz auskuriert hast. 😎

      Liebe Grüße,
      Anne

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  3. Liebe Anne,
    das sieht ja aus wie Herzrhythmusstörungen. Gut, dass es nur ein morgendliches Austoben war. Manchmal braucht man das, um die Trägheit loszuwerden. So ab und zu ist das genau das Richtige, um morgens in die Gänge zu kommen. Das mit der Uhrzeit allerdings…. da muss ich mich Rainer anschließen. so ab acht ist ja in Ordnung. Aber um sieben? Alle Achtung.
    Liebe Grüße,
    Birthe

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    • Liebe Birthe, da ich eher Lerche als Eule bin, fällt mir das schnelle Laufen morgens um 7 gar nicht so schwer. Abends wäre das problematischer, da könnte ich nicht einschlafen. Und später am Morgen geht es auch nur, wenn ich erst sehr spät ins Büro gehe, denn nach so einer Einheit leg ich zuhause gern noch ein halbes Stündchen die Füße hoch.

      Liebe Grüße,
      Anne

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  4. Liebe Anne,
    die Absurditäten des Alltags zumindest beim Rennen mal kurz vergessen. Super, dass dir das wieder möglich ist. Und nebenbei noch das gefühlte Gewicht arg reduziert… Ein Traum!
    Liebe Grüße, Bianca

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  5. Toll, Anne!
    Wir haben das gleiche Gewicht, aber du läufst mir allmählich wieder davon. Nach deiner langen Leidenszeit freue ich mich für dich, dass du so gut drauf bist.
    Ich mache jetzt vier Tage Sportpause in Venedig.
    Liebe Grüße
    Harald

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    • Danke, Harald! Dass ich dir möglicherweise davonlaufe, liegt an der Gnade der späteren Geburt! 😉

      Viel Spaß in Venedig – muss eine tolle Stadt sein! 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  6. Ach, liebe Anne, es ist so schade, dass Du einfach nicht für längere Zeit mal in ruhigere Fahrwasser kommst. Da muß das Laufen wieder herhalten und tun was es tun kann. Immerhin funktioniert es.

    ich wünsche Dir aber trotzdem mehr Genuß- als Frust(-abbau)läufe!

    Liebe Grüße
    Volker

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    • Lieber Volker,

      keine Ahnung, was ich tun würde, wenn ich den sport nicht hätte – ich bin jedenfalls unendlich dankbar dafür, dass mir jetzt wieder Läufe unterschiedlichster Art möglich sind, bei denen manchmal unterwegs aus Frustabbau der pure Genuss wird! 🙂

      Danke dir & liebe Grüße,
      Anne

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  7. Liebe Anne,
    toll, dass du dir diesen Ruck gegeben hast und dann die 10 x 200. Alle Achtung! 🙂
    Da ist das Tempo der anderen überhaupt nicht entscheidend! Nimm dir von solch tollen Highlights möglichst viel mit in deinen Alltag!
    LG Manfred

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    • Lieber Manfred,

      so eine Einheit bin ich in meinem ganzen langen Läuferinnenleben noch nicht gelaufen – und so schnell (Paces < 4:30) auch noch nicht oft. Egal, wie schnell andere sind: Für mich war das ein Highlight und ich stolz wie Bolle! 😎

      Danke auch dir & liebe Grüße,
      Anne

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    • Eben, Markus! 🙂 Und selbst wenn zig Fittere zuhause sitzen: Ich fand’s gut, mich ins Schwitzen gebracht zu haben – und fand das Tempo FÜR MICH eh schnell genug! 😎

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  8. Liebe Anne,
    also ich möchte das von Markus gesagte unterstreichen 🙂
    Es ist doch nur einfach hammer hammer hammer das du wieder läufst und damit die Anstrengungen des Alltags verarbeiten kannst. Geschwindigkeit ist relativ.
    Und mal ganz ehrlich: Besser 63 kg wiegen die sich anfühlen wie 163 als umgekehrt 😆
    Cooler Lauf und ich wünsche dir noch ganz ganz viele davon 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

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    • Liebe Helge, so isses – ich bin einfach unglaublich dankbar und froh, wie viel läuferisch wieder möglich ist. Schnellere gibt’s immer, insofern kann man sich als Hobbyläuferin (wenn man denn überhaupt auf Geschwindigkeit schielt) eh nur „sinnvoll“ an den eigenen Möglichkeiten messen und nicht an anderen. Entscheidend ist eh das gute Gefühl – beim Laufen. Beim Gewicht würde ich behaupten, dass die objektiven Werte die Wichtigeren sind … 😉

      Danke dir & liebe Güße,
      Anne (die hofft, dass du auch bald wieder auf der Laufpiste bist, wenn das nicht eh schon der Fall ist)

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  9. Liebe Anne,
    um einer absurden Realität entfliehen zu können, bedarf es manchmal brachialer Mittel und wenn es ein Intervalltraining sein soll, umso besser. Die Idee ist ja spontan entstanden und damit hätten es auch „krumme“ Zahlen sein dürfen, aber der Ordnung halber ist 10x200m schon besser 😀

    Erhol Dich gut

    Salut

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    • Lieber Christian, ja, manchmal braucht es diese brachialen Mittel, entweder weit oder schnell. Natürlich hätte ein simples Fahrspiel ohne Blick auf die Uhr und ausschließlich nach Gefühl den leichen Zweck erfüllt. Aber mir war so nach Struktur und Ordnung in all dem Durcheinander! 😆

      Danke – dir ein schönes WE mit einem hoffentlich gelingenden Lauf-Wiedereinstieg! 😎

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  10. Liebe Anne,
    oje, oje. Wenn Kafka in den Alltag reinspielt, ist das meistens sehr zermürbend. (So gerne ich seine Bücher immer wieder lese!) 🙄 Wohin geht denn die nächste Dienstreise?

    Aber dein Lauf ist ja umso toller. Wow! Intervalle am Morgen!! Hut ab!!! 😀
    So wie du sie beschreibst, habe ich auch richtig Lust bekommen, mal wieder mit dem Tempo zu spielen. Naja, heute nicht mehr, mal sehen, was das Wochenende noch an Laufmöglichkeiten bietet! 🙂

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    • Liebe Doris, mit „oje“ und „zermürbend“ ist meine Situation gut beschrieben. Es geht gen Osten, Genaueres nach der Rückkehr. 😎

      Mit dem Tempo zu spielen macht Spaß, sehr zu empfehlen! Bin gespannt, ob du am Wochenende oder nächste Woche deine Lust drauf in die Tat umsetzt. 🙂

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