Überstanden

So, überstanden! Nach 2 x 7 Stunden Bahnfahrt, also fast 2 Arbeitstagen im Zug, liegt die voraussichtlich letzte größere (Dienst-)Reise des Jahres hinter mir. Unter die Top 3 schafft sie es allenfalls, was den beruflichen Part angeht. In touristischer Hinsicht fällt sie leider doch etwas ab.

Das liegt nicht an der Regensburger Altstadt. Wie schön die ist, kann ich in der knappen Stunde erahnen, die mir für einen Spaziergang im Hellen bleibt. Aber es war eben zu wenig Zeit für ausgedehnte Besichtigungen. Und die Uni, für die ich mehr Zeit hatte, gehört sicher nicht zu den Perlen der Architektur: Ein 60er-/70er-Jahre-Campus, dessen Alter man den Räumlichkeiten überdeutlich anmerkt. Die Teppichböden in der Bibliothek dürften noch aus der Bauzeit stammen und haben ihre besten Zeiten seit langem hinter sich. Der Sichtbeton dagegen, der jahrzehntelang ein komplettes „No Go“ war, kommt gerade wieder richtig in Mode! 😎

Auch das gebuchte Hotel (nein, nicht das „Zum fröhlichen Türken“ – bei dem war mir der Name schon suspekt! 😉 ) strahlt den sehr speziellen Charme der 70er aus. Mein Zimmerchen erinnert an die „Einzelzellen“, wie man sie in kirchlichen Bildungshäusern findet: Nach heutigem Geschmack billig wirkende furnierte Pressspanmöbel mit angeschlagenen Kanten. Plastik- und Stoffblumen als Deko. Vergilbte Lichtschalter. Über allem wabert der Duft von Raumsprays, der den Muff der sauber gehaltenen, aber natürlich nicht mehr wirklich sauberen Teppichböden kaschieren soll.  Immerhin hab ich eines der „Komfort-Zimmer“ mit eigenem Bad und WC erwischt. Normalerweise gibt’s Gemeinschaftsdusche und Klo aufm Flur! 😆

Aber ich will nicht meckern! Der Service ist freundlich und das Frühstück ist so schlecht auch nicht. Letzteres hab ich mir allerdings hart verdient. Weil die Nachtruhe mal wieder viel zu früh endet, wird der als Stadtbesichtigung bei Tageslicht geplante Lauf ein morgendlicher Nüchternlauf durch die Dunkelheit. Nicht um 4:45 wie in Berlin, sondern erst um 6:15 Uhr. Allerdings wäre 4:45 Uhr die bessere Wahl gewesen. Es ist nämlich kalt. Saukalt. Minus 7 Grad zeigt das Thermometer beim Loslaufen. Und da die Temperaturen bekanntlich zum Sonnenaufgang noch etwas fallen, sind es gegen 7:15 zurück am Hotel sogar minus 9 Grad. Brrrr! Sowas ausgerechnet mir mit meinen dünnen Fingerhandschuhen. Der Skifäustlinge, die ich sonst bei diesem Wetter übergestreift hätte, liegen natürlich zuhause!

Überflüssig zu erwähnen, dass ich mich natürlich auch noch verlaufe. Die Strecke, die ich mir auf GoogleMaps zusammengeklickt hatte, ist mir zu einsam und schlecht beleuchtet. Und auf der vermeintlichen Umgehungsroute biege ich an einer Stelle in die falsche Richtung ab. Was soll’s, irgendwie findet man heutzutage mithilfe von Smartphone und Befragen von Passanten immer zurück – sogar ich! Und das Gefühl, wenn der Schmerz in den halb erfrorenen Fingern nach 10 Minuten unter fließendem lauwarmem Wasser endlich nachlässt – einfach unbezahlbar! 😉

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19 Gedanken zu “Überstanden

  1. Liebe Anne,
    du Arme, musst du vor Jahresende noch in Einzelhaft! 😆
    Ich war mal zu einem Halbmarathon in Regensburg. Mir hat es ganz gut gefallen, allerdings war ich auch privat untergebracht. – Bei mir war nur ein extremer Allergieanfall in der Nacht vor dem Wettkampf so leistungsmindernd, dass die Erinnerung daran natürlich nicht so gut ausfällt.
    Das nächste Mal unbedingt wärmere Handschuhe mitnehmen, vor allem wenn es zu dieser Jahreszeit ins Bayrische geht! 😉
    Komm gesund zurück!
    LG Manfred

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    • Lieber Manfred,

      zum Glück war es ja nur für eine Nacht … 😉

      Dann verbinden wir jetzt wohl beide mit der Stadt eher durchwachsene Erinnerungen, wobei ich meine inzwischen eher unter „amüsant“ verbuche. Wenn es ein nächstes Mal gobt und wieder Winter ist, kommen auf jeden Fall die Skihandschuhe mit! 😉

      LG,
      Anne (inzwischen gesund daheim)

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  2. Liebe Anne,
    wenn es fachlich gepasst hat, kann man doch über die mangelnden Komfortleistungen hinweg sehen, oder? 😉
    Ich kenn das, in Innsbruck war ich mal in einem Traditionshotel untergebracht, die Nasszelle war der absolute Lacher, ein aus Kunststoff gegossenes Etwas, was in eine Raumecke gepfercht war, ähnlich der Nasszelle in einem Wohnwagen 😀

    Ein Morgenlauf in einer düsteren und kalten fremden Umgebung kann schon mal zu einem Abenteuer ausarten, aber wenigstens bist Du nicht erfroren, wenn auch die Finger gelitten haben. Genieß die heimatlichen Gefilde und freu Dich, dass Du (wahrscheinlich) nicht mehr Dienstreisen musst in diesem Jahr.

    Salut

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    • Lieber Christian,

      auf Dienstreisen kann man so einiges erleben … evtl. muss ich im Februar auch nach Innsbruck, da werde ich dich ggf. fragen, welches Hotel ich NICHT buchen sollte! 😆

      Ich war schon froh, dass gegen 6:45 etliche Leute draußen unterwegs waren; ich war schon 1,5 km in die völlig falsche Richtung gelaufen, als mir das komisch vorkam und mir jemand erklärte, dass ich eine 2180 Grad-Wende machen muss. Danach hab ich dann doch die Navifunktion des Smartphones bemüht …

      Jetzt genieße ich es in diesem Jahr wohl nicht mehr reisen zu müssen. 🙂

      LG,
      Anne

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  3. Liebe Anne,

    meine Schwester hat mal das Motto ausgegeben, dass Sie nur noch (sofern in dem Ort vorhanden) Zimmer in Hotelketten bucht. Da weiß man welcher Standard geboten wird. Aber wie gesagt, die muß es ja erstmal geben.

    Und so eine Zeitreise hat doch auch mal was. Mittelalterliche Städte hat es doch fast überall, aber wo kann man noch ungetrübt den Charme der 60iger und 70iger Jahre genießen 😀

    Ganz schön schattig war es. Den Schmerz auftauender Glieder kenne ich auch. Aber wie Du schon schreibst, es ist ja so schön, wenn selbiger nachläßt 😉

    Ich hoffe, dass Du nach Abschluß der letzten Reise jetzt etwas runterfahren und die besinnliche Zeit genießen kannst.

    Liebe Grüße
    Volker

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    • Lieber Volker,

      tw. mach ich das so wie deine Schwester – nur klappte das in Regensburg nicht, weil die entsprechenden Hotels nicht existierten, ungünstig lagen oder ausgebucht waren. Also Retro-Charme statt moderner und steriler, aber berechenbarer Standardhotels! 😎

      Runterfahren? Mal sehen. Eigentlich muss ich nach der vielen Reiserei jetzt endlich mal wieder was Richtiges arbeiten! 😉

      Danke dir und liebe Grüße,
      Anne

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  4. Liebe Anne,
    wenn eine eine Reise tut, dann kann sie was erzählen! 😀 Herrlich deine Beschreibung des Hotels, schaurig kalt, die deines frühen Laufs. Zum Glück hast du schnell wieder ins Hotel zurückgefunden. Sonst wären die Erfrierungserscheinungen noch stärker geworden. 😯

    Ich hoffe in Trier ist es nicht ganz so kalt (heute hier bei uns übrigens auch nicht mehr) und du kannst den Dezemberbeginn so richtig genießen! 🙂

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    • Liebe Doris,

      solange da Schmerz ist, ist da auch noch Leben! 😎 Viel länger hätte der Lauf aber nicht dauern sollen, es war schmerzhaft genug. Inzwischen ist es auch hier wieder etwas milder … wobei ich die knackige Kälte sehr mag, wenn ich gut gegen sie gewappnet bin.

      Danke dir und liebe Grüße,
      Anne

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  5. Guten Morgen, liebe Anne, ach ja, Regensburg, da habe ich erst – es erscheint mir wie gestern – eine Hochzeit feiern dürfen, wo ich vor Ort allerdings in einem sehr ansehnlichen, komfortablen, modernen Hotel mit wunderschönem Blick auf den Fluss die Nächte verbringen durfte. Aber das wurde von Kennern vor Ort für uns arrangiert.

    Die Läufe durch die Straßen der Städte in unserem Lande finde ich gut, am besten natürlich früh morgens, denn sonst würden sie uns wohl weniger gut bekommen !

    Verlaufen in eine Stadt finde ich gut, weniger angenehm allerdings, wenn ein Termin dann den anderen jagt !

    Der Dezember ist heute eingeläutet, in ein paar Wochen hast du es geschafft ! 😎

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    • Liebe Margitta,

      leider ist komfortabel und modern oft auch zu teuer gemessen an dem, was wir für unsere Dienstreisen ausgeben dürfen … aber für eine Nacht ist man ja auch mal mit weniger Komfort zufrieden und amüsiert sich drüber. 😉 Außerdem war die Lage zwischen Bahnhof und Uni sehr praktisch.

      In Städten mag ich eigentlich nur morgens sehr früh oder abends nach Ende des Berufsverkehrs laufen. Ansonsten sind mir Autos und ampeln zu nervig. Wenn nichts los ist, lauf ich auch mal bei Rot rüber und hab nicht dauernd nervige und – bei Kälte – auch unangenehme Stehpausen. Das mit dem Verlaufen ist heute dank Smartphone ja kein Drama mehr. Wenn man sich wirklich verfranzt hat, findet man immer zurück. Nur hätte es gestern nicht so weit sein müssen, wg. der kalten Finger machten die letzten 10 Minuten keinen Spaß mehr …

      Geschafft? Gerade mal eine Woche Luftholen, dann geht es munter weiter. Aber kurz innezuhalten tut auch gut!

      Liebe Grüße,
      Anne

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  6. Liebe Anne,
    ich hoffe, der inhaltliche Teil war in Ordnung. Denn das Rumsitzen und die nicht sehr anheimelnde Einzelzelle müssen ja durch irgendetwas wett gemacht werden.
    Der Vergleich mit der kirchlichen Bildungsanstalt ist gut, aber es gibt Ausnahmen: In Wuppertal z.B. existiert eine solche Einrichtung mit ganz hübschen Einzelzellen und einer suuuper Küche. (Allein das Frühstücksbuffet….)
    Willkommen zu Hause,
    LG Birthe

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    • Liebe Birthe,

      zumindest mit meinem Vortrag war ich zufrieden – und auch sonst gab es nette Gespräche am Rande und ein paar interessante Impulse. Ich werde anregen, dass wir uns beim nächsten Mal in Wuppertal treffen, wenn es da eine Bildungseinrichtung gibt, die sich kulinarisch so sehr lohnt! 😉

      Dankeschön und lG,
      Anne

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  7. Liebe Anne,
    …die letzte größere Dienstreise und auch der November hast Du überstanden! 🙂 Es schneit schon wieder *schön* und ich denke (und hoffe) jetzt kann es nur noch besser werden!!
    Bewegung tut gut, wenn die Finger dabei aber fast abfrieren ist es nicht so schön… 😦 Zum Glück hast Du wieder zeitig zurückgefunden!
    Ich wünsche Dir eine ruhigere Zeit und keine Reisen mehr in diesem Jahr!!
    Liebe Grüße Anna

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    • So fast unmerklich ging der November rum, liebe Anna! Und bei Kälte und Raureif ist er auch gar nicht so schlimm wie bei Nebel und Regen. Zuhause hab ich ja auch bessere Handschuhe, um mich gegen die eisigen Temperaturen zu wappnen.

      Danke dir für die guten Wünsche und liebe Grüße,
      Anne

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    • Survival-Trips, liebe Anja! Aber ich habe mich dann doch für das Zimmer mit eigenem Bad entschieden! 😉

      Ja, schade, denn die Stadt machte einen einladenden Eindruck. Auf den Weihnachtsmarkt wäre ich auch gern gegangen. Aber so ist das mit Dienstreisen, sie dienen ja nicht dem Vergnügen!

      Viele Grüße,
      Anne

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  8. Was ist suspekt an fröhlichen Türken (ein eindeutig ansprechenderer Hotelname als z. B. „Zum grimmigen Deutschen“ 😉 und Gemeinschaftsbädern auf dem Flur? (Davon hatte ich alleine im Laufe des letzten Jahres dreimal in ganz wunderbaren Häusern. Auf Langeoog, wo „Hev Tied“ so eine Art „Jugendherberge für die Senioren-Generation“ war, in Bremen das Hotel Bölts am Park mit gleichzeitig drei sehr verdienten Sternen und zuletzt letzte Woche im Seminarhaus-Engl und damit sogar im absoluten Daten-OFF)

    Regensburg jedenfalls ist eine wirklich ansprechendev Stadt, deine Fotos belegen es einmal mehr. Wobei mir für das Typische ein bisschen die Brücken fehlen und das fließende Wasser darunter.

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    • Ich finde den Namen einfach sehr stereotyp (immerhin war es nicht „Zum fröhlichen Mohren“) und nicht mehr zeitgemäß. Zudem zeugt auch ein altbackenes Schild, auf dem die Zimmer als „modern“ angeprisen werden, mMn nicht eben von wirklicher Modernität. Aber das ist wohl eine Sache persönlichen Geschmacks, ebenso das Thema „Gemeinschaftsbad“. Ich fand Jugendherbergen, Campingplätze und andere derartige Gemeinschaftseinrichtungen schon als Kind bzw. Jugendliche ätzend, egal wie gepflegt und sauber sie waren. Und nein, ich werde mich dafür nicht rechtfertigen … 😉

      Um an die Donau zu kommen, reichte die Zeit leider nicht mehr. Und ein wenig fehlte auch die Lust darauf, bei frostigen Temperaturen mitsamt Gepäck längere Strecken durch die Stadt zu latschen. Eigentlich wollte ich ja meinen Tageslichtlauf u.a. auf der Donauinsel machen. Aber da ich mich im Dunkeln verlaufen hatte, klappte das nicht …

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      • rechtfertigen? Aber um Himmels Willen – das wäre ja nun auch wirklich unangebracht und ganz sicher nicht von mir erwartet. Was ich sagen wollte: nicht alles, was als Gemeinschaftsbad daherkommt, muss Ähnlichkeiten mit Jugendherbergen haben – ich habe es im Gegenteil schon regelrecht luxoriös und modern erlebt (den baulichen Gegebenheiten geschuldet in dem Fall) und ein Genuss wäre mir entgangen, hätte ich mich nur deshalb gegen das Haus entschieden. In Berghütten z. B. meide ich die Bäder auch meistens und putze mir die Zähne samt Gesichtswäsche lieber am Bergbach.

        In Naumburg gibt’s ein Mohrencafé am Dom und ich rechtfertige mich auch nicht dafür, dass ich solche Namen ziemlich harmlos finde und gut damit leben kann. Bin sogar überzeugt, dass die streckenweise ins Absurde getriebene „political correctness“ der letzten Jahre auf vielen Gebieten das Kind nicht nur mit dem Bad auskippt sondern das Gegenteil dessen erreicht, was angedacht war.

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