Dreistellig

Zwischen „meditativ“ und „langweilig“ ist es ein schmaler Grat. Auf dem bewege ich mich heute radelnderweise. Ursprünglich war mir nach Eifel und Maare-Mosel-Radweg. Aber heute früh war mir dann gar nicht mehr nach Bahn-Anreise. Also Hunsrück. Nur: Steil mag das Knie momentan nicht. Ganz sanft bergauf geht dagegen gut – womit wir beim Ruwer-Hochwald-Radweg wären. Und auf dem Grat zwischen Meditation und Langeweile.

2012-10-20_hochwald06Auf den ersten Kilometern dominiert eindeutig „beschränkt“. Ich kenne keinen Radweg, der durch so viele Schranken und Sperrpfosten blockiert wird. Warum er als „familienfreundlich“ bezeichnet wird, bleibt mir wohl auf ewig ein Rätsel. Für Räder mit Anhänger ist praktisch kein Durchkommen. Und für ungeübte Radler/innen ist das enge Slalomfahren um die Sperrbügel auch nichts.

2011-04-10_ruwer-radweg19

Archivbild: April 2011

Erst hinter Waldrach wird die Strecke halbwegs barrierefrei. Die Landschaft lässt sich mit einem Wort beschreiben: Wald. Wald. Wald. Nur ganz selten Ausblicke in die sanften Hügel des Hochwalds und auf kleine Dörfer. Angenehm schattig ist der Weg an heißen Tagen. Aber etwas düster an diesem wolkenverhangenen Morgen, darum gibt’s auch keine aktuellen Fotos.

So rollt man eben, wie in einem alten Blogbeitrag beschrieben, auf einem glatten Asphaltband wie auf Schienen dahin. Langweilig isses. Eindeutig. Wenigstens keine Autos, damit tröste ich mich. Und damit, dass Grundlagenausfahrten auf dem Rad nun einmal was von Mentaltraining haben. Aber ob ich mich an diese mentale Herausforderung gewöhne? So ganz in den Meditationsmodus komme ich jedenfalls nicht. Und ich bin froh, dass um Mandern herum wenigstens ein paar kurze Wellen den gleichmäßigen 1- bis 1,5%igen Anstieg unterbrechen.

Nee, bis Hermeskeil mag ich nicht fahren, denn gerade die letzten 10 Kilometer des Radwegs habe ich als ätzend langweilig in Erinnerung. Der untere Teil ist, zumal im später im Herbst, immer noch deutlich netter. Also liegt der Wendepunkt in Kell bei km 42. Vor der Rückfahrt gilt es noch Essen und Getränke zu fassen. Mit meinem geübten Näschen für Orte, an denen es morgens um 9 schon was zu futtern gibt, spüre ich den kleinen Dorfladen auf. Rosinenschnecke und Apfelschorle kommen gleich in den Magen, Banane und Wasser in den Rucksack.2011-04-10_ruwer-radweg05Danach geht’s „bergab“. Wo ich vorher im knieschonenden Seniorentempo hochgestrampelt bin, saust es sich nun ohne große Anstrengung mit deutlich mehr als 30 km/h hinunter. Feine Belohnung! Vor allem sind angesichts der instabilen Wetterlage die Sonntagsfahrer daheim geblieben, sonst wäre zügiges Fahren gar nicht drin.

Nach ca. 75 km gönne ich mir zwischen Waldrach und Kasel einen Milchkaffee. Ohne Kuchen. Die Riesen-Rosinenschnecke aus Kell hält noch vor. 😎 Nach Hause sind es noch etwa 11 km. Aber irgendwie … irgendwie juckt es in den Beinen, einen Schlenker dranzuhängen und die 100 km vollzumachen. Wäre erst der zweite Hunderter meines Lebens – und für den ersten vor ein paar Jahren an der Mosel entlang habe ich mir damals einen ganzen Tag Zeit genommen.14047188_10205160596333087_7487439051922163049_oAlso in Ruwer nicht nach links Richtung Trier, sondern „noch eben“ rechts ab und über Kenn, Schweich und Ehrang an der Mosel entlang zurück. Rollt. Brauchbar sogar. Trotz Gegenwind. Nur die kurze Steigung vom Südbahnhof nach Heiligkreuz nimmt sich – nun ja – ein wenig fordernd aus. Aber einen km vor dem Ziel abzusteigen wär auch blöd … 😉

Fazit: Knapp 105 km an einem Vormittag. „Schnell“ ist anders. Muss aber auch nicht. „Ausdauernd“ ist mir wichtiger. Und in der Hinsicht bin ich durchaus mit mir zufrieden. Wenn jetzt doch bitte endlich der elende Kohldampf vorüber ginge … ich weiß langsam nicht mehr, was ich essen soll, um endlich satt zu werden! Hat jemand den ultimativen Tipp?

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31 Gedanken zu “Dreistellig

  1. Liebe Anne,
    einen Rat zum satt werden habe ich nicht, ich rate Dir aber nach der dreistelligen Radtour: iss was Du willst, denn die Kalorien sind ja schon verbrannt.
    Schade, dass der Radweg nicht viel zu bieten hatte, umso respektabler Deine Leistung, gratuliere 🙂

    Erhol Dich gut und konzentrier Dich auch vierstellig 😉

    Salut

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      • Lieber Christian,
        danke dir! Irgendwann überwinde ich mich vielleicht diesen Herbst doch noch einmal undf fahre ihn bis zum Ende, wenn Zeit und Wetter passen. Der sanfte Anstieg ist nämlich eigentlich ganz gut für mich. Aber vierstellige km-Zahlen? Nö! Da arbeite ich lieber darauf hin, dass es irgendwann mal wieder was mit dem Laufen und dabei womöglich mit zweistelligen km-Zahlen was wird. 🙂

        Nach Eiweißshake mit Obst, ein bisschen mehr Kartoffelsalat, einer Portion Vollkornnudeln mit Pfifferlingen und einer doppelten Portion frischen Beerenquarks war ich halbwegs gesättigt, ein Stück Schololade und so diese und jene Kleinigkeit nebenbei mussten aber auch noch sein. Ich fürchte, damit habe ich den Verbrauch überkompensiert. 😉

        Schönen Sonntag und liebe Grüße,
        Anne

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  2. 105 Kilometer! Da ist es kein Wunder, wenn der Körper nach Kalorienzufuhr giert. Ich habe leider keinen Tipp, den Du nicht schon kennst. Aber ich denke, Du hast es überlebt 😉

    … und kein Gramm mehr auf den Rippen …

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

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    • Lieber Rainer,

      überlebt, aber gerade so! Wenn die Rosinenschnecke unterwegs nicht gewesen wäre … 😉

      Erstaunlich, was man nach dem Sport so futtern kann, ohne dass das böse Folgen auf der Waage hinterlässt. 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  3. Na, liebe Anne, da ist ja schön, dass Du angesichts von 105 Radkilometern durchaus mit Dir zufrieden bist 😉 Deine Bescheidenheit ziert Dich 😀

    Das Ganze meditativ bis langweilig an einem Vormittag. Du hälst Dein Trainings- und Ausdauerlevel sehr hoch, Respekt!

    Was den ewigen Hunger angeht, den kenne ich auch. Dagegen hilft leider nur essen und das in der Regel zuviel 😦 Aber wer so viel Radfährt … :;-)

    Liebe Grüße
    Volker

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    • Na, lieber Volker,

      den leicht ironischen Unterton hast du dir aber von mir abgeguckt. 😉 Das Sprüchlein mit der Bescheidenheit kriegt du zurück, wenn du mal wieder über ein 20 km-Läufchen schreibst. Sehr viel mehr sind diese 100 km trainingstechnisch nämlich nicht wert, wenn man den Zeitaufwand für Radeln – Laufen wie empfohlen im Verhältnis 2:1 umrechnet. Knapp 4:30 h Rad klingen erst einmal viel, entsprechen aber nur etwa 2:15 h Laufen … das war früher meine normale Sonntagmorgendosis. 😎

      Immerhin habe ich den Hunger noch so weit stillen können, dass ich mich nicht mit Magenknurren in den Schlaf weinen musste … erstaunlich, was man alles so futtern muss, um diesen Zustand zu erreichen. 😉

      Liebe Grüße,
      Anne

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  4. ü100 ist schon ’ne Radelhausnummer! Bei mir hilft hinterher zum zunächst deftigen Essen ein dunkles Weizen (oder wie der Bayer es nennt: Weißbier) – zum Nachtisch entweder Eis oder Schokokekse. Oder beides 😉

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    • Von all dem hatte ich leider nur Ersteres im Hause – Kartoffelsalat mit Wiener Würstchen. Statt Eis gab es Eiweißshake mit Banane (vorher) und Beerenquark (einige Zeit später). Aber das Weißbier hat eindeutig gefehlt … 😉

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  5. Liebe Anne,
    wow – du machst ja vielleicht Kilometer!!! Mit welchem Rad fährst du denn deine großen Touren?

    Wie nett, dass das Wetter dir (fast) freie Radwege beschert hat. Und so ein wenig Meditation am frühen Morgen hat doch was! 😀
    Mir helfen bei solchen Hungerattacken oft Nüsse ganz gut, die lassen sich auch schon reinschaufeln, während das „eigentliche“ Essen, wie Reis oder Getreide noch kochen muss! 😉

    Schön, dass du so gut unterwegs bist! 🙂

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    • Liebe Doris,

      für die Touren auf Asphalt nehme ich den schwarzblauen Flitzer: https://weinbergschnecke.wordpress.com/2015/05/21/leider-geil/.

      Der Weg war wirklich fast leer. Auf dem Hinweg hab ich in zwei Stunden gerade einmal zwei Menschen getroffen (ok, es war zwischen 7 und 9 in der Früh). Auf dem Rückweg waren es nicht wesentlich mehr. V.a. gab es keine ungeübten Radlergruppen und keine schnatternden Läufer- oder Walkertreffs, die jegliches Klingeln ignorieren. 😎

      Mir hilft normalerweise Studentenfutter, aber ich hatte keines besorgt … dumm! Insgesamt rollte es sich ganz gut. Ich darf halt nur mit limitiertem Krafteinsatz fahren, sonst sticht es kräftig im Knie. Wenn ich mich daran halte, komme ich aber klar.

      Liebe Grüße
      Anne

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  6. Liebe Anne, über 100 Kilometer und dann noch am frühen Morgen ! Sagte ich doch, irgendwann stehst du mit dem Fahrrad vor meiner Tür !! Super !!

    Was den Hunger angeht, kann ich dir leider keine Ratschläge und/oder Tipps geben, weil ich solche Attacken nicht habe, keine Ahnung, warum !!

    Sonnige Ostseegrüße 😎

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    • Danke, liebe Margitta! Sei froh, dass du solche Heißhungerattacken nicht hast! Ganz schön lästig, sowas … Aber da ich die nächsten 2 Wochenenden nicht zu längeren Touren komme, hab ich das dieses Wochenende gern in Kauf genommen.

      Regnerische Grüße von der Mosel … 😎

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  7. Liebe Anne,

    super!! An einem Vormittag einfach so einen dreistelligen Anzahl von Kilometer zu fahren und das Ganze in einen schönen Meditativen, wenn auch manchmal etwas langweiligen, zustand.

    Gegen den Hunger würde ich es mit gesunde energiereiche Sachen wie Nüsse, Avocado, fettarmen Käse probieren und dazu natürlich einen ordentlichen Mahlzeit 😉

    Liebe Grüße Anna

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    • Liebe Anna, ja, Nüsse sind lecker und energiereich und machen satt. Käse, ok, auch gut, aber den ganz fettarmen (Harzer etc.) bringe ich leider nicht runter. Das Wichtigste finde ich eh, sich dann, wenn man ein bisschen erholt ist, was „Handfestes“ zu gönnen. 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  8. Liebe Anne,
    wow, 100+ km, mein Respekt! Aber warum darbst Du dann freiwillig? Auch wenn es „nur“ 2:15 laufen entspricht, das ist doch auch ein gutes Pensum an verbrannten Kalorien. Ich habe nach großen Anstrengungen meist das Gegenteil: Die Augen wollen mehr als der Magen annehmen will. Kann Dir daher leider nicht mit Rat helfen.
    Liebe Grüße
    Elke

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    • Liebe Elke,

      ganz so dumm, wie du zu denken scheinst, bin ich dann ja doch nicht … 😉 Ich wusste, wie sehr ich mich subjektiv angestrengt habe (stark, aber nicht bis zur Erschöpfung, die mir den Appetit verdorben hätte) und dank meiner Uhr auch ungefähr, wie viel Energie ich dabei verbraucht hatte. Gleichzeitig wusste ich beim Blogeintrag-Schreiben, wie viel ich bereits wieder zugeführt hatte und dass ich damit den Verbrauch schon wieder weitgehend ausgeglichen hatte. Gedarbt habe ich also mitnichten – und trotzdem hatte ich immer noch Hunger. 😎

      Viele Grüße,
      Anne

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  9. Cool 100! Ich greife am WE erstmals die 50 an. 🙂
    Gegen Hunger hilft mir am besten Magerquark mit Obst und Nüssen drin, gesüßt mit Honig oder Marmelade.
    Schön, wieder von Dir zu lesen! Und irgendwann klappt das auch wieder mit dem Laufen. Aquajoggst Du noch?

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    • Viel Spaß beim 50er! 🙂 Für mich sind Touren von 40-60 km inzwischen eine normale Feierabendrunde, alles ab 80 km verbuche ich momentan unter „lang“. Schön wäre, wenn gegen Ende der „guten“ Radsaison dreistellige km-Zahlen für die langen, niedrigpulsigen Ausfahrten die Regel wären, das würde meiner sehr subjektiven Definition von „Fitness“ entsprechen. Mir graut allerdings vor dem Winter, bei Kälte und Nässe kann ich mir sowas nicht vorstellen und auf der „Rolle“ würde ich nach spätestens 2 Stunden vor Langeweile sterben.

      Magerquark mit Obst und Nüssen ist mein regelmäßiges Abendessen, ohne was Süßes drin, Obst reicht schon als Süßungsmittel. Hätte ich vielleicht nach der Tour auch mal futtern sollen …

      Doch, so einmal wöchentlich gehe ich zum Aquajoggen. Gewalkt wird auch. Mit dem Laufen schaun mer mal, wird auf jeden Fall ein Geduldsspiel, das einen sehr vorsichtigen Einstieg erfordert.

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  10. Liebe Anne,
    wenn du weiter so machst, hängst du mich ab wenn wir mal zusammen fahren. Ich finde wir sollten das jetzt mal in Angriff nehmen und eine schöne kleine Tour zusammen mit Karina planen 🙂
    Du bist echt fleißig unterwegs. Und auf die Geschwindigkeit kommt es eh nicht an.
    Ja, und wegen essen: Das Gefühl kenne ich. Ich werde immer ganz gut satt von dunklem Brot mit reichlich Butter 😆
    Liebe Grüße
    Helge

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    • Liebe Helge,

      jau, wenn euch nach einer entspannten Rekom-Einheit ist, sollten wir das jetzt unbedingt planen. An den kommenden 2 Wochenenden bin ich leider anderweitig eingespannt bzw. nicht in Trier, aber danach … 🙂

      Dunkles Brot mit Butter, hmm, das probier ich mal. Nudeln haben leider nicht geholfen. 😎

      Liebe Grüße,
      Anne

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