Trümmerhaufen

Brückenwochenende in der Hauptstadt. Eigentlich nicht zum Vergnügen. Sondern vor allem zum Arbeiten, genauer: zum Besuch einer sehr interessanten Tagung, zu der ich einen Vortrag beisteuern darf. Aber Zeit genug ist auch für das Vergnügen vor und nach der Arbeit. Zwei wunderschöne Nachmittage mit Kerstin, einer waschechten Berlinerin, die mir munter und bestens ortskundig einige Sehenswürdigkeiten Berlins präsentiert: Hackesche Höfe, Spreeufer, Angies Privatresidenz, „Unter den Linden“, Brandenburger Tor mit türkischer Hochzeitsgesellschaft als speziellem Unterhaltungsevent. Dazu kulinarische Exkursionen in hervorragende kroatische Grillstuben, internationale Eismanufakturen, italienische Ristorantes und amerikanische Cocktailbars … das mit dem Wiegen lassen wir an den nächsten Tagen wohl mal besser bleiben. 😉

Um das gewichtstechnische Elend in Grenzen zu halten, mein durch fast 9 Stunden Bahnfahrt strapaziertes Knie wieder flott zu kriegen (merke: lange Sitzen geht gar nicht!) und meine Stimmung im Griff zu behalten, muss jede Menge Bewegung her. Wenn’s mit dem Laufen nicht läuft, geht Gehen. Und wenn das Hotel ganz in der Nähe des Volksparks Friedrichshain liegt, kann man dort morgens vor dem Frühstück eine wunderbare Runde im Grünen drehen – sofern das Grün vor lauter Müll noch zu erkennen ist! 😦

Im besagten Volkspark gibt’s zudem zwei Berge, die natürlich prompt „bestiegen“ werden müssen: Den Großen Bunkerberg und den Kleinen Bunkerberg. Beides „im Kern“ kleine natürliche Anhöhen, heute aber vor allem eines: Riesengroße Trümmerhaufen! Gesprengte Flaktürme aus der Nazizeit. Darüber aufgetürmt Millionen Kubikmeter von Schutt. Die Überreste der im 2. Weltkrieg zerbombten umliegenden Stadtviertel – zusammengekarrt und mit Erde überdeckt. Kaum zu glauben: Was einstmals entsetzlich trist war, wirkt nun, etwa 70 Jahre später, wie ein ganz normaler dicht bewaldeter Hügel mit Wegen, Treppen, Picknickplätzen und Aussichtspunkten. Nur wer genauer hinschaut, erkennt an manchen Stellen noch die Überreste der alten Bunkeranlagen.

Beeindruckend, was aus einem Trümmerhaufen alles werden kann! Aber es gehören halt auch ein tragfähiges Konzept, helfende Hände und vor allem viel Zeit und Geduld dazu! Hätte all das gefehlt, hätte – wie anderenorts – jahrzehntelang ein hässlicher, von Unkraut überwucherter Schuttberg überdauert.

Ok, soweit hab ich das wohl verstanden. Jetzt brauch ich als Erstes mal’n Konzept. Die bisherige Behandlung hat jedenfalls noch nicht den durchschlagenden Erfolg gebracht. Mal sehen, ob der Arzt nächste Woche ein Konzept hat oder ob ich da wieder unter die Räder komme. So langsam vergeht mir das Lachen doch sehr gründlich, auch wenn ich mir das nicht immer anmerken lasse.

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26 Gedanken zu “Trümmerhaufen

  1. Hmmmm, liebe Anne, Berlin!!!

    Ich hoffe Du warst mit Deinem Vortrag erfolgreich!

    Berlin, soviel Geschichte, soviel Leben, soviel Vielfalt, soviel Berlin, ich liebe diese Stadt!

    Du hast aber eine verdammt lange Reise von und nach Berlin. Von Oldenburg schafft man das glücklicher Weise unter vier Stunden.

    Das Dir Geduld und Lachen langsam abhanden kommen, kann ich so gut verstehen. Und trotzdem kann ich Dich nur aufrufen beides nicht zu verlieren. Bleib stark!

    Ganz liebe Grüße
    Volker

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      • Keine Ahnung, was der Zaun soll. Vielleicht soll wenigstens eine Wiese nicht so verdreckt aussehen wie alle anderen Wiesen der Stadt. So wie im Volkspark sieht es nämlich überall aus, wo Menschen bei schönem Wetter im Freien zusammenkommen, grillen und picknicken – und ihren Müll zurücklassen! 😦

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    • Lieber Volker,

      Berlin ist wirklich eine tolle Stadt – ich musste sie erst lieben lernen, aber nun, wo ich das gelernt habe, kann ich sie auch genießen. Nur die Reise nervt. Die Bahnverbindungen von Trier aus sind eine Strafe. Für die Stecke Köln-Trier, die man per Auto in ca. 2 Stunden schafft, braucht man per Bahn im Idealfall 2:45 Stunden, meist aber 3 Stunden, gestern waren es 3:40 Stunden … 😦
      Dank dir für den Aufruf! Schön, dass du da bist! 🙂

      Ganz liebe Grüße zurück,
      Anne

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  2. Liebe Anne,

    vielen Dank für die Impressionen aus der Hauptstadt – immer eine Reise wert, wie ich finde.

    So langsam weiß ich nicht mehr, was ich Dir noch zum Trost schreiben soll außer der Tatsache, dass es Zeit benötigt und ich Dir Geduld schicke. Ich schrieb es ja bereits, die Tatsache, dass man nicht weiß, wann es wirklich besser wird, ist das, was es so schwer macht. Du hast auf jeden Fall mein Verständnis aber lass Dich nicht unterkriegen.

    Gruß
    Anja

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    • Liebe Anja, Berlin ist wirklich immer eine Reise wert!

      Zum Thema „Trösten“: Ich glaube, da gehen nicht nur dir die Worte aus, verständlicherweise, denn man kann auch nur gebetsmühlenartig wiederholen, was du geschrieben hast. Du musst eigentlich auch gar nichts dazu schreiben … ich weiß um dein Verständnis und es tut mir gut! 🙂

      Dank dir für die Aufmunterung, viele Grüße,
      Anne

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  3. Liebe Anne,
    abgedroschen, aber immer wieder bestätigt: Berlin ist eine Reise wert, wie ich an Deinen tollen Motiven erkennen kann. Und wenn Du dann auch noch mit einem ortskundigen Scout unterwegs sein darfst, was kann es schöneres geben….obwohl die Arbeit einem im Nacken sitzt.
    Vortragsreisen oder Kongresse bieten immer wieder die Chance Städte zu erkunden und das hast Du prachtvoll hinbekommen.
    Für das Geläuf drück ich weiter die Daumen.

    Salut

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    • Lieber Christian,

      diese Dienstreisen sind Strafe (wg. der langen Fahrten), Pflicht und Privileg zugleich, Letzteres vor allem dann, wenn das Programm auch Raum zur Stadterkundung lässt. Und mit ortskundiger Führung macht die gleich doppelt Spaß!

      Danke für’s Daumendrücken und lieben Gruß,
      Anne

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  4. Alle mögen Berlin – ich auch 😀 Die leckeren Eismanufakturen und damit wichtigsten Probierenswürdigkeiten hast du auch gefunden … fehlte also außer gesunden Beinen nix. Und zu denen fällt mir auch nix mehr ein 😦 Möge das Konzept kommen und gelingen.

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  5. Guten Morgen, liebe Anne, was hast du für tolle Fotos von dem ebenfalls tollen Berlin mitgebracht, freut mich für dich, dass wenigstens einiges bei dir gut läuft. Die Zugfahrt ätzend, kann es gut nachempfinden, auch dass es dem lädierten Knie nicht bekommt, das war bei mir genauso.

    Alle Daumen sind für den nächsten Schritt fest gedrückt – mal vier !!
    Bleib optimistisch, auch wenn es manchmal schwer fällt !!
    Bin gespannt – kannst du mich bitte informieren !

    Sommerliche Grüße, gestern hatten wir 27 Grad – und das an der Ostsee !! 😎

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    • Liebe Margitta, klar, läuft nicht alles mies und ich nehme auch ganz bewusst und gezielt alles Positive und Schöne mit, was ich so bekommen kann! Ich glaube, die nächste Berlin-Reisen lege ich doch fliegend zurück, irgendein Weg wird sich finden, um morgens zum Flughafen zu kommen (oder doch am Abend vorher hinfliegen).

      Klar, ich halte dir/uch auf dem Laufenden, vielen Dank für’s Daumendrücken! 🙂

      Sonnige Grüße zurück … 27 Grad, unglaublich!

      Anne

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  6. Liebe Anne,
    Dein kurzer Städtetrip sieht und hört sich trotz lange Zugfahrt und Arbeit doch sehr schön und gelungen an – sehr schöne Bilder hast Du uns auf jeden Fall mitgebracht!! 🙂
    Ich kann sehr gut verstehen, dass Dir langsam aber sicher das Lachen vergeht… 😦 Auch hier sind alle Daumen fest gedrückt, dass bald eine brauchbare Lösung in Richtung Besserung kommt!!
    Ganz liebe Grüße Anna

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    • Danke, liebe Anna! Ja, Berlin war auch eine schöne Ablenkung, trotz der Reise“strapazen“. Alles andere wird schon … irgendwie …

      Danke dir & liebe Grüße,
      Anne

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  7. Liebe Anne,
    ich bin ja auch desöfteren mal dienstlich in Berlin und ich muss sagen, ich mag diese Stadt kein bisschen. Es ist schmutzig und wenn es warm ist, fängt es an zu stinken.
    Und überall dieser Müll.
    Bäh, nee, das ist nichts für mich.
    Aber ich muss sagen, du hast ein paar beeindruckende Bilder gemacht.
    Ich drücke dir von ganzem Herzen die Daumen, das der Besuch beim Arzt dir einen Schubs in die richtige Richtung bringt.
    Liebe Grüße
    Helge

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    • Liebe Helge,

      Müll und Überfüllung sind auch die Dinge, die ich an Berlin nicht mag! Aber ich habe irgendwann gemerkt, dass hinter diesen hässlichen Fassaden auch viel Schönes, Interessantes und Lebendiges steckt. Und das genieße ich inzwischen einige Male im Jahr und übersehe das Unschöne. Nur leben wollte ich dort nie!

      Vielen Dank für’s Daumendrücken – mal sehen, was der Termin am Donnerstag so ergibt!

      Liebe Grüße,
      Anne

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  8. Liebe Anne,
    ach was für wunderbare Bilder!
    Schön zu lesen, dass du aus einem Arbeitswochenende soviel schönes rausholen konntest! 🙂

    Die Bilder sind ein Traum und haben mich gerade richtig in Beschlag genommen. Am meisten jedoch faszinieren mich die Trümmerhaufen. Volker läuft auf einem Müllberg, du walkst über Trümmer… wie doch immer wieder aus „Schlechtem“, Gutes werden kann.
    Ich hoffe, dass dir der Arztbesuch zeigt, dass es auch bei dir so sein wird!

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    • Liebe Doris,

      trotz „voll“, „laut“ und z.T. „dreckig“ – Berlin hat einfach viel zu bieten und ich hatte das Glück, es genießen zu dürfen!

      Diese Trümmerhaufen haben mich auch extrem fasziniert, nicht nur, weil die Metapher so gut auf meine momentane Situation passt. Falls du mal nach Berlin kommst – der Park ist einen Besuch wert – und viel sicherer als der Tiergarten! 🙂

      Danke dir für die guten Wünsche! 🙂

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  9. Liebe Anne,
    in Berlin war ich noch immer nicht. Aber Deine Bilder machen Lust drauf. Also, bis auf den Müll!
    Hoffentlich bringt Dich der Arztbesuch weiter. Es nervt total, wenn es nicht so recht auswärts geht, oder es sogar Rückschritte gibt. Ich verstehe doch gut. Bitte lass den Kopf nicht hängen! Irgendwann muss es mal positive Nachrichten geben. Ich drücke Dir die Daumen und gebe Dir ein bisschen Geduld ab.
    Liebe Grüße
    Bianca

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    • Liebe Bianca,

      viel Müll ist halt kaum zu vermeiden, wenn viele und vorwiegend junge Leute zusammenkommen. Ich war allerdings auch geschockt davon. Ansonsten fasziniert mich Berlin, nachdem die Stadt mich anfangs sehr eingeschüchtert hat. Ist doch gar nicht sooo weit von euch – gönnt euch doch mal einen Wochenendtrip zum Kennenlernen.

      Danke für die Anteilnahme und die Geduld. Meine ist allmählich echt erschöpft … aber den Kopf hängen zu lassen bringt ja nun auch nichts.

      Liebe Grüße,
      Anne

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  10. Hallo Anne,
    mein Bruder wohnt in der Nähe des Parkes. Er hatte mir Fotos zwischen dem morgendlichen Grün und den abendlichen Müllbergen geschickt. Mensch an Mensch. Das wäre nix für mich. Für einen Besuch ist Berlin toll, leben möchte ich da nicht. Trier ist da ganz genau richtig von der Größe her 🙂 .
    Mit dem Knie ist echt ärgerlich, aber es ist auch ein schwieriges Gelenk mit viel zu vielen Möglichkeiten. Unserer Tochter wurde jetzt gesagt, dass sie zeitlebens Knieprobleme haben wird aufgrund einer Anomalie der Kniescheiben. Mal sehen, was uns da noch bevor steht.
    Dir wünsche ich, dass es endlich mal was defintives genaueres gibt, was man dann entsprechend angehen kann.
    Liebe Grüße
    Karina

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    • Hallo Karina,

      diese Menschenmassen würden mich auch erschlagen. Aber morgens um 6 Uhr ist der Park (fast) ganz leer, nur ein paar einsame LäuferInnen und FlaschensammlerInnen. Leben möchte ich in Berlin auch nicht, eine Reise wert ist es aber doch immer wieder.

      Ja, das Knie ist wohl echt ein kompliziertes Gelenk – was mich halt verunsichert, sind die für mich nicht ganz nachvollziehbaren und z.T. widersprüchlichen Aussagen über die Beschwerdenursachen. Ich hoffe, dass es bei Julia nicht so kommt wie ihr jetzt prophezeit wurde … du hast ja selbst die fachliche Expertise, um zu wissen, dass eine einzelne Arztmeinung kein „Gottesurteil“ ist.

      Danke für die guten Wünsche und liebe Grüße,
      Anne

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  11. Liebe Anne,
    das ist doch prima, wenn Du auch noch etwas Zeit für Dich unterbringen kannst. Ich liebe auch Dienstreisen nach Berlin mit Freizeitanteil. Immer viel zu sehen dort, die spezielle Luft zu schnuppern. Aber ich komme aus dem Gewusele auch immer gern zurück heim.
    Danke für die vielen schönen Eindrücke!
    Und fürs Knie drücke ich weiter fest die Daumen!
    Liebe Grüsse
    Elke

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    • Liebe Elke,

      so isses – schön, dort auf Entdeckungsreise zu gehen – aber auch schön, in die beschaulichere Umgebung zurückzukehren. 🙂

      Danke für’s Daumendrücken und liebe Grüße,
      Anne

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  12. Berlin, Berlin, ist immer wieder eine Reise wert. Egal zu welchem Anlass, zu welcher Jahreszeit, wie lang oder kurz, für mich eine Stadt, die nie ihren Reiz verliert. Ich mag Berlin gerne.
    Für Dein Knie drücke ich Dir gerne die Daumen.
    Lieben Gruß
    Kornelia

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