Statt Eimersaufen

Normalerweise verbringe ich meinen Urlaub ja gern ziemlich aktiv: Lange Strandspaziergänge an der Nordsee. Wandertouren in der Eifel. Radfahren auf Usedom. Laufen am Ostseestrand von Rügen oder auf dem Darss. Durch Städte schlendern und stundenlang Museen und Ausstellungen begucken. Nur bekommt mir das momentan aus bekannten Gründen alles nicht so gut.

Aber was bleibt dann noch? Eimersaufen auf Malle – ist ja neuerdings wieder erlaubt! Beim Golfkurs in Malaga mit einem kleinen Elektrowägelchen über den Platz sausen. Auf einer SeniorInnen-Reise per Bus von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit kutschiert werden, beste medizinische Betreuung inklusive.

Ist alles nicht so meins. Mit entspanntem Rumhängen in einem Wellness-Hotel kann ich mich dagegen eher anfreunden. Füllt mich nicht aus, jedenfalls keine ganze Woche. Aber um drei Tage Abstand vom Alltag zu gewinnen, ist es ganz wunderbar! Und wenn ich nicht das Bedürfnis habe, stundenlang eine neue Gegend zu erkunden, kann ich meinen Tapetenwechsel auch in wohlbekannte und schnell erreichbare Gefilde verlegen, genauer: An die Mittelmosel nach Traben-Trabach. Keine anderthalb Stunden per Zug entfernt, ergo kein Reisestress. Dafür zügiges Ankommen und Einchecken in einem Hotel mit wunderschönem Jugendstil-Ambiente, enorm zuvorkommendem Service, gehobenem Restaurant (15 Punkte im Gault Millau 😎 ), ziemlich neuem Sauna-, Spa- und Beauty-Bereich und kleinem Cardio-Fitnessraum.

So vertrödeln sich drei Tage auf das Wunderbarste: Morgens ’ne halbe Stunde auf den Ergometer zum Wachwerden. Frühstücksbuffet plündern. Spazierengehen – was überraschend gut klappte, sei es nun der Einnahme von Wobenzym, der bisher bewiesenen Geduld oder schlicht der mit dem Urlaub verbundenen Entspannung geschuldet. Im Schlendertempo mit vielen Fotopausen waren es einmal knapp 8 hügelige und einmal 11 ganz flache Kilometer, die lediglich ein leichtes Murren im Gebälk auslösten.

Im Anschluss aber (natürlich!) wieder das Faultier-Programm: Windgeschützt stundenlang in der Frühlingssonne oder im warmen Salon sitzen, Tee und Milchkaffee trinken und dicke Schmöker lesen. Weitere Stunden im kleinen Pool die Gegenstromanlage testen, in der Sauna oder im Sanarium schwitzen, auf der Dachterrasse wieder abkühlen, in einem der Ruheräume auf Liege oder Wasserbett rumdösen oder ein kleines Nickerchen halten.

Abends dann ein gediegenes Drei- oder Viergangmenü schlemmen und feststellen, dass der Magen zu klein geworden ist für solcherlei Unternehmungen. Aber wer kann schon widerstehen bei Köstlichkeiten wie Garnelen auf orientalischem Couscous mit Gewürzjoghurt, Maispoularde auf Kräuterrisotto, Topinambursüppchen, Schwarzem Heilbutt auf Kartoffel-Bohnenragout oder lauwarmer Schokoladentarte mit Ananaskompott und Joghurteis? Wiegen werde ich mich wohl erst in drei, vier Tagen wieder – alles andere könnte den gewissen Erholungseffekt gefährden, den die freien Tage bewirkt haben. 😉

Und sonst so? Doch, an der Mosel ist es idyllisch – etwas graubraun um diese Jahreszeit, aber dafür angenehm touristenfrei. Die Bildergalerie zeigt es: Viel Natur. Edle Weinhändlervillen mit traumhaftem Moselblick. Putzige Fachwerk- und Schieferhäuschen mit liebevoll gestalteten Details und mehr oder minder weisen Sinnsprüchen. Und das eine oder andere skurrile „Kunstwerk“, das ein wenig wie „aus der Zeit gefallen“ wirkt. Alles in Allem: Sehr hübsch. So einen Kurztrip – vielleicht auch mal nur für eine oder zwei Nächte – sollte man sich eigentlich öfter gönnen, solange es der Geldbeutel zulässt. Es muss eben nicht Eimersaufen auf Malle sein! 😎

 

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31 Gedanken zu “Statt Eimersaufen

  1. Liebe Anne,

    Eimersaufen auf Malle ist wieder erlaubt? Da muß ich hin! Ne ne, da würde ich auch Deine Variante vorziehen.

    Du scheinst die drei Tage genossen zu haben. Auch das Wetter war Dir offensichtlich hold. Das liest sich wunderbar, auch das Du 19 km ohne große Auswirkungen spazieren konntest.

    30 % Gefälle, ui ui.

    Ich wünsche Dir sehr, dass diese drei Tage der Einstieg in bessere Zeiten waren!

    Liebe Grüße
    Volker

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    • Lieber Volker,

      die von mir gewählte Variante hätte dir bestimmt auch gefallen, v.a. der Part mit dem vielen Rumdösen und so … 😉

      Alles in Allem stimmen die Tage ganz zuversichtlich … schaun mer mal!

      Liebe Grüße,
      Anne

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  2. Liebe Anne,
    oh das klingt alles schön. Wunderschön. Und so entspannt! Und du auch. 🙂 Ich habe das Gefühl, dieser Wellnessurlaub war genau das, was du im Moment gebraucht hast.
    Die Bilder unterstreichen diesen Eindruck auch ganz stark. Hach! 🙂

    Also nicht traurig sein – Eimersaufen gehst du dann nächstes Jahr wieder! 😉

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    • Liebe Doris,

      ja, das war gerade genau das Richtige! Schön war’s, gut tat’s, wenigstens als kurze Auszeit. Das Eimersaufen hab ich gar nicht vermisst … 😉

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  3. Das liest sich sehr gut, liebe Anne. Lass es Dir ein paar Tage mal so richtig gut gehen. Entspanne, lass Dich verwöhnen, genieße das gute Essen. Wird Deiner Seele gut tun und am Ende vielleicht auch Deinem Körper.
    Lieben Gruß und alles Gute
    Kornelia

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  4. Liebe Anne, die beste Idee, die du haben konntest, nicht allzu weit fahren, ein schnuckeliges Hotel heraussuchen und bewohnen mit dem Komfort, den du dir zum Erholen, Regenerieren wahrlich verdient hast. Wie man liest, hat auch dein Bein relativ ruhig gehalten, wusste Bescheid, dass du keine Lust auf größere Probleme mehr hast.

    Und nun kannst du dann wieder frisch ans Werk – und lass‘ dich ja nicht ärgern, damit sich die kleine Pause auch wirklich gelohnt hat ! 😎

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    • Liebe Margitta, ja, das war wahrlich verdient und genau richtig. Hoffen wir, dass Besserung und Ruhe anhalten … körperlich wie seelisch! 😎

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  5. Liebe Anne,
    ich hoffe sehr, dass die Erholung anhält. Scheint ja ein tolles Resort gewesen zu sein 🙂
    Manchmal liegen die besten Dinge so nah und wenn sie dann noch nachhaltig für einen Erholungseffekt sorgen, ist es noch besser.

    Salut

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    • Lieber Christian,

      ja, das mit der anhaltenden Erholung hoffe ich auch – allerdings war ich gestern durch ein paar mails und Anrufe schon wieder „mittendrin“, leider nicht nur in erfreulichen Entwicklungen.
      „Resort“ trifft’s eigentlich nicht so, zumindest stell ich mir da immer ausgedehnte Anlagen mit Außenpool und Park vor. Das Hotel gehört dagegen zu einer Kette von „Romantik-Hotels“, mehrere alte Gebäude, die inzwischen großenteils baulich miteinander verbunden sind und so saniert und gestaltet wurden, dass es eine schöne Kombination aus „alt“ und „modern“ ergibt. Kein Spitzenhotel, aber die Atmosphäre und der tolle Service machen kleinere Schwächen wett. Da werde ich sicherlich nochmal landen – eigentlich ist das mit gut 80 km auch eine schöne Radtour: An einem Tag hin, nachmittags ankommen, bisschen Wellness, abends lecker essen und dann am nächsten Morgen wieder zurück. 😎

      Liebe Grüße,
      Anne

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  6. Liebe Anne,

    Eimersaufen auf Malle ist nun wirklich keine Alternative. Traben-Trabach augenscheinlich schon. Klingt gut und sieht gut aus. Die Gegend kenne ich durch meine Aufenthalte während Franks Reha und Bernkastel-Kues und wäre die persönliche Situation nicht so bescheiden gewesen, hätte ich es wohl auch alles recht schön gefunden. 🙂 Du hast es auf jeden Fall genossen und das ist gut so… und ach.. die Waage.. was solls.

    Gruß
    Anja

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    • Liebe Anja,

      wenn der Anlass des Aufenthalts eine so schwere gesundheitliche Krise war, kann man die Region tatsächlich nicht genießen in ihrer Schönheit – da kämen sicherlich auch heute noch zu viele Erinnerungen an die böse Zeit hoch. Ich kommte ja unbelastet von solchen Erfahrungen hin und es daher genießen. Ach ja, die Waage zeigt heute 1 kg mehr als vor der Reise, aber das können auch ganz normale Schwankungen sein, auf jeden Fall ist es nichts, was meine Stimmung trüben könnte. 😎

      Viele Grüße,
      Anne

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  7. Das Wetter hätte sicher ein bisschen mehr Malle sein dürfen dort an der Mosel – alles andere kann locker mithalten und klingt nach tollem Kurzurlaub.

    Mit dem Eimersaufen im Kontrast zum schnieken Wellnesshotel hast du mich auf eine hübsche Geschäftsidee gebracht (die ich wie alle meine dreihundertsiebenundfünfzig bisherigen Geschäftsideen auch natürlich niemals in die Realität umsetzen werde 😉 ) : Man könnte Trinkgefäße in Eimerform aber normalüblicher Trinkglasgröße entwerfen und produzieren (lassen) – als Blumentopfe gibts sowas schon in etwa .. Bisschen nobler im Style natürlich .. und die dann auf vielen Getränkekarten auch noblerer Trinkstätten hierzulande für sowas wie „Urlaubsfeeling“ oder „Mosel-Malle-Gebinde“ präsentieren. Dann ginge alles in Einem: Eimersaufen in heimischer Nobelumgebung und vielleicht sogar ohne allzu gewaltigen Kater.

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    • Och, so schlecht war das Wetter nicht … ok, der mallorquinische Frühling wär auch nett gewesen, aber die Sonne hatte auch hier schon viel Kraft. 😎

      Die Idee mit den Saufeimerchen müsstest du bis zur Marktreife noch etwas ausbauen; Sangria hat sich an der Mosel noch nicht durchgesetzt. Da müsste man gleichzeitig ein neues, „Sangria-inspiriertes“ Getränk auf den Markt bringen, das ausschließlich in diesen Gefäßen serviert wird, vielleicht eine „Mosel-Sangria“-Komposition aus Riesling, Weinbergpfirsichen und einem kräftigen Schuss rotem Traubensaft. 😎

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      • Das klingt super! Deine Mosel-Malle-Kreation könnte man zumindest auf Weinfesten mit Sicherheit gut anbringen und damit das dem trockeneren Wein nicht ganz so zugeneigte Publikum auch locken (und abfüllen). Wobei durchaus unterschiedliche Befüllungen und „Rahmen-Gestecke“ je nach Ambiente rund um die Trinkgefäße denkbar wären. Damit ließen sich auch diverse Pauschalangebote für Kurzurlaube, die leicht runtergedimmte deutsch-gediegene Varianten der „Zügellosigkeit“ bewerben. „Saufeimerchen“ finde ich übrigens einen tollen Ausdruck 😀 und ich bin sicher, dass auch ein GRoßteil der noblen Trinkkundschaft seinen Spaß daran hätte.

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  8. Liebe Anne,
    10 Jahre lang haben wir in Traben-Trarbach gewohnt.
    Ein beschauliches Städchen, nur im Sommer und Herbst die Touristen Hölle. Aber zur jetzigen Zeit schön ruhig.
    So einen Urlaub klingt doch echt sehr entspannend. Und du fühlst dich hinterher sicher sehr viel besser, als wenn du Eimer am Ballermann gesoffen hättest 😀
    Liebe Grüße
    Helge

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    • Liebe Helge,

      ja, so wie du es beschreibst, hab ich mir das Ganze vorgestellt. War sehr entspannend. Alkohol getrunken habe ich zwar, aber immer nur einen Aperitif und ein Glas guten Wein zum Essen – Verträglichkeit bestens. Wer braucht da den Ballermann? 😉

      Liebe Grüße,
      Anne

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  9. Liebe Anne,
    beim ersten Hinsehen las ich glatt „Satt Eimersaufen“ und verfiel schon in ziemlich Sorge um Dich! Aber wie wir ja hier detailliert lesen dürfen, lässt es sich Frau Weinbergschnecke mal so richtig wohl ergehen, innerlich wie äußerlich. Süppchen ohne Eimerchen im Teesalon 😉
    Liest sich prächtig und das Hotel sieht auch sehr ansprechend aus. Ja, so lässt es sich aushalten! Tank auf, damit Du dann den Tiger im Tank und nicht nur im Eimerchen hast!
    Liebe Grüße
    Elke

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  10. Liebe Anne,

    das hört ich absolut wunderbar an – noch mehr in meinen Ohren im Moment da wir seit über eine Woche krank sind. Zuerst haben die Kinder die Grippe bekommen und dann natürlich auch ich. Zum Glück sind wir alle wieder auf dem aufsteigenden Ast 🙂

    Das man nicht immer weit weg fahren muss um ein wenig zu entspannen, entspricht absolut meiner Meinung! Den Bildern nach hast Du wirklich ein gemütliches Plätzchen gefunden 🙂

    Ich drücke Dir die Daumen, dass die eingeholte Entspannung und Erholung noch lange anhält!!

    Liebe Grüße Anna

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    • Oh weh, liebe Anna, Grippe ist fies – ich wünsch dir, dass die Besserung schnell voranschreitet und du bald wieder fit bist!

      Leider ist die Erholung zu einem guten Teil schon wieder verpufft; ist im Moment ein bisschen unschön hier.

      Liebe Grüße,
      Anne

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    • Liebe Bianca, schön war es dort – sowas sollte man sich wirklich öfter gönnen!

      Wie geht es bei dir? Bisschen Aufwind? Ich hoffe doch sehr!

      Liebe Grüße,
      Anne

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      • Tatsächlich hatte ich jetzt schon mal folgenden Gedanken: „Oh, zwei Tage den Fuß gar nicht gemerkt.“ Das finde ich schon toll. Ich denke, es wird – allerdings laaangsam. Die Ansprüche sinken. 😉
        Dein Knie muckt sich ja auch immer wieder. Doof!
        Ich drücke Dir weiter die Daumen!
        Liebe Grüße
        Bianca

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        • Immerhin bist du schon in dem Stadium, in dem du deinen Fuß nicht mehr merkst. Davon bin ich weit weg. Aber man gewöhnt sich dran und – wie du schreibst – wird weniger anspruchsvoll.

          Toitoitoi auch dir weiterhin,
          Anne

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