„Rome wasn’t built in a day“

„Rome wasn’t built in a day“ – da ist was Wahres dran! An der italienischen Capitale machen sie der Sage nach schon seit knapp 2.800 Jahren rum. So viel Zeit mag ich meinem Knie nicht geben – hab ich (rein statistisch betrachtet) auch gar nicht. Die sprichwörtliche Geduld brauche ich trotzdem. Und um die im nötigen Maße aufbringen zu können, richte ich mein Augenmerk auf die kleinen Fortschritte im Wiederaufbauprozess.

Da gibt’s die Veränderungen im Physioprogramm: Bewegungs- und Kräftigungsübungen werden durch solche ergänzt, die der Steigerung der Belastbarkeit dienen. Mit dem quietschgrünen Pezzi-Ball lässt sich eine Menge anstellen: Rollen, Dagegendrücken, Sich Drauf-Abstützen, Hochheben mit gestreckten Beinen. Radgefahren wird vorerst nur in der Luft, wie ein Käfer auf dem Rücken liegend. Immerhin läuft die Bewegung recht flüssig ab. Die ersten vorsichtigen Schritte ohne Gehstützen hab ich innerhalb der Wohnung auch schon mal probiert. Klappt, beansprucht das Knie aber natürlich spürbar – wie sollte es nach 2 ½ Wochen mit Hilfsmitteln anders sein? Vollbelastung ist ja laut Plan erst ab Freitag/Samstag vorgesehen, bis dahin tut sich sicher noch was.

Ansonsten gibt es noch die Premieren: Vor ein paar Tagen das erste Mal allein die Treppe runter zum Zeitungholen. Dann zwei Treppen runter, um die Waschmaschine im Keller zu beschicken. Gestern der erste Einkauf im 400 m von der Wohnung entfernten Supermarkt. Und das erste Mal Busfahren, wie befürchtet beinahe mit einem Sturz verbunden, weil der Chauffeur sportlich-rasant anfuhr, bevor ich mich irgendwo festhalten, geschweige denn hinsetzen konnte. Immerhin: Meine sarkastische Beschwerde „Es wäre wirklich nett, wenn Sie Rücksicht auf Fahrgäste mit Gehbehinderung nehmen könnten! Danke!“ trug mir sowohl den lautstarken Applaus anderer Fahrgäste als auch eine Entschuldigung des Fahrers ein.

Doch, Fortschritte sind unverkennbar und der Aktionsradius wird allmählich größer. Das erste Mal Staubsaugen heb ich mir für das Wochenende auf. Bis dahin muss ich halt die Augen zumachen, wenn ich das schmuddelige Elend nicht mehr sehen kann. Aber ich glaube, ganz genau so geht es einem im modernen Rom auch manchmal … 😉

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24 Gedanken zu “„Rome wasn’t built in a day“

  1. Stell Dir mal vor, wir müßten 2.800 Jahre auf dieser Erde herumtrampeln, entsääätzlich 😯

    Da ist es doch erfreulich, dass Dein Knie erheblich schneller Vorschritte macht und es dem Busfahrer zum Glück nicht gelungen ist, diese zu torpedieren!

    Weiterhin gute und erfolgreiche Aufbauarbeit wünscht Dir
    Volker

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    • Ob ich 2.800 Jahre leben wollte? Ich weiß nicht … käme wohl auf die Gesamtumstände an. Aber ich werde mich wohl mit 30-40 weiteren Jahren begnügen müssen. In denen brauche ich ein möglichst gut funktionierendes Knie. Ich arbeite dran. 😎

      Dankeschön und liebe Grüße,
      Anne

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  2. In der Statistik gibt es aber auch immer Ausreißer nach oben oder unten. Wobei ich dir weder des eine noch anderes andere wünsche. Nicht weil ich es dir nicht gönne, sondern weil ich es grauenhaft fände…
    Step by Step wird aber in den nächsten Tagen und Wochen alles zurück kommen. Das packst du!

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  3. Liebe Anne, kann nichts Negatives aus deinem Text entnehmen, es geht aufwärts, nur die Geschichte mit dem Busfahrer hätte dir erspart bleiben können, vielleicht aber hat er daraus gelernt. Jede Woche ein bisschen näher dem Ziel, und wir sind mit dabei ! 😎

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    • Liebe Margitta, hast du nach was Negativem gesucht? Ich wüsste nicht, warum ich was hätte reinschreiben sollen, läuft alles normal bis hervorragend. Im Grunde gibt’s jeden Tag Fortschritte, bisher wenigstens. Allenfalls mal einen kleinen Warnschuss, wenn ich es etwas übertreibe. Und der Busfahrer geht auch als „Anekdote am Rande“ durch – ich fand vor allem den Applaus der anderen Fahrgäste sehr witzig! 🙂

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  4. Liebe Anne,
    das sind ja erfreuliche Nachrichten!
    Zeitung, Waschmaschine, Busfahren.. das klingt schon alles wieder nach Alltagsbewältigung im „normalen“ Ausmaß! 🙂
    Und du radelst schon wieder zuhause rum und machst Pezzi-Ball-Spiele! 😉

    Ich bin mir sicher, dass die weitere Heilung auch so gut verläuft, weil du so diszipliniert und geduldig warst und bist! Das hast du dir verdient! 🙂

    PS: und Putzen darf man krankheitsbedingt ruhig mal ausfallen lassen – hab ich auch, weil Hand-aua! 😀

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    • Liebe Doris, doch, zunehmend kehrt Normalität ein. Das Radeln geht allerdings erst in der Luft (also als Trockenübung) – und auch da muss ich noch sehr vorsichtig sein, denn leichte Überlastung zigt sich bei dieser Bewegung sehr schnell und deutlich. Aber ich finde auch, die Fortschritte hab ich mir bei dieser Disziplin in punkto Üben und Befolgen von therapeutischen Anweisungen verdient. Die Selbstdisziplin in punkto Putzen kommt auch irgendwann dazu. 😉

      Liebe Grüße und gute Besserung für deine Hand,
      Anne

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  5. Liebe Anne,

    willkommen zurück in der Gesellschaft. Es freut mich, dass weiterhin alles so gut vorangeht. 🙂

    Du bleibst vorsichtig und arbeitest konsequent an dem Ziel, wieder richtig mobil zu werden. Und mit ein wenig sozialer Kontrolle über den Blog funktioniert das noch besser 😉

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

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    • Danke, lieber Rainer! Hab erst überlegt, ob ich den Beitrag nur „intern“ in mein Tagebuch schreibe. Aber soziale Kontrolle ist manchmal wirklich ganz gut. 😎

      Liebe Grüße,
      Anne

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  6. Liebe Anne,

    der Vergleich mit Rom hinkt, denn Du kommst mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder in Ordnung, Rom hingegen, wird nie fertig, geschweige sauber und ordentlich 😉
    Ich wünsch Dir weiter viel Geduld und ausreichend Schlagfertigkeit für die Trierer Busfahrer, sowie massenweise Gesundheit.

    Salut

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    • Lieber Christian,

      vielleicht hinkt der Vergleich so wie ich im Moment. Aber ganz aus der Luft gegriffen ist er nicht, denn richtig „fertig“ (im Sinne von „wie neu“) wird mein Knie ja nicht mehr – ich werde immer drauf achten müssen, ein vernünftiges Maß an Belastung einzuhalten und es durch genügend Kraft- und Alternativtraining gesund und schmerzfrei zu halten. Hab keine Lust drauf, mir in 15 Jahren ein Ersatzteil einbauen zu lassen. Letztlich freu ich mich drauf! Ein abwechslungsreiches Training macht ja jede Menge Spaß!

      Danke dir für die guten Wünsche! Ich hoffe, die Schlagfertigkeit brauche ich nicht noch einmal … 8-).

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  7. Liebe Anne,
    so lange bauen die schon an ihrem Rom rum? Na dann dürfen sich die Kölner mit ihrem Dom ja ruhig noch etwas Zeit lassen, und die Berliner mit BER…
    Ich stelle mir das als ziemlich Geduldsprobe vor, nach einer OP so schrittchenweise wieder ins normale Leben zu gelangen. Aber Hauptsache, jedes Schrittchen, und sei es auch noch so klein, bringt Dich Deiner Genesung wieder näher!
    Weiter so, und schon bald wirst Du die aktuelle Phase nur noch rückblickend beschmunzeln…
    Liebe Grüße
    Elke

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    • Liebe Elke,
      BER wird glaube ich noch im Bau sein, wenn Rom und der Kölner Dom längst in Trümmern liegen! 😆
      Die Geduldsprobe empfinde ich als nicht besonders groß, weil bislang alles gradlinig und ohne ernstliche Rückschläge aufwärts geht – da war von (Blogger-)Freundinnen erheblich Schlimmeres zu lesen, so dass ich einfach nur happy sein kann, wie gut es bei mir läuft. Natürlich sind die Schritte klein, aber verglichen mit denen anderer eben doch riesig ***aufHolzklopf*** – und wenn ich sogar heute schon wieder die komischen Momente an der Situation sehen und drüber schmunzeln kann, ist ja wirklich alles gut.

      Liebe Grüße,
      Anne

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  8. Liebe Anne,

    2,5 Wochen sind ja noch nix und die Fortschritte doch deutlich sichtbar. Alles wird gut, ist mein altes Mantra. Ist es nicht unglaublich, wie sehr einen eine Gehbehinderung einschränkt? Ich hatte vor Jahren ein Morten-Neurinom, bis zur OP dauerte es 3 Monate. In der Zeit war sogar ein Gang in den Supermarkt eine Qual und was hab ich mich gefreut, als ich nach der OP den ersten Spaziergang von 2 Kilometern machen konnte. Ich habe seit dem sehr viel Demut in Bezug auf Beweglichkeit bzw. weiß sehr zu schätzen, dass ich sie habe.

    Weiterhin gute Besserung, bin gespannt, wann die ersten Laufschritte folgen – dass Du das nicht zu früh angehst, ist ja selbstverständlich.
    Gruß

    Anja

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    • Liebe Anja,

      3 Monate mit so deutlichen Beschwerden auf eine OP warten? Wie fies, da kann ich nur zu gut verstehen, dass du schmerzfreie Beweglichkeit als ein so hohes Gut schätzen gelernt hast! Meine 2,5 Wochen sind wirklich nix dagegen. Inzwischen gehe ich in der Wohnung ohne Stützen und werde sie draußen auch nur nnoch zur Sicherheit brauchen. Herrlich! Ein bisschen unangenehm und ungewohnt fühlt sich alles noch an, wie’s eben zu erwarten war. Insofern ist klar, dass die ersten Laufschritte noch einige Zeit auf sich warten lassen. Erst einmal kommt Aquajoggen dran. Und voraussichtlich ab Mitte kommender Woche das Rad auf der Rolle. So viel Zeit und Geduld müssen sein!

      Viele Grüße,
      Anne

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  9. Liebe Anne,
    es geht voran. Das ist wirklich gut. Auch gut, das du deinen Unmut über die Fahrweise des Busfahrers direkt kund getan hast. Vielleicht hilft es ja dem einen oder anderen späteren Fahrgast.
    Und wegen dem Staub musst du dir keine Sorgen machen: der liegt eben so lange da, bis du Staubsaugen willst 😆
    Der läuft nicht weg. Who cares?
    Ich finde auch Staub hat durchaus seine Daseinsberechtigung 😆
    Liebe Grüße
    Helge

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    • Liebe Helge,

      zumindest diesem Fahrer wird es nicht so leicht wieder passieren, dass er sich so unaufmerksam verhält. Hoffe ich wenigstens für alle Gehbehinderten der Stadt, zu denen ich zum Glück nicht mehr gehöre, jedenfalls nicht mehr wirklich: 1. kleinen Spaziergang geschafft, bei dem die Gehhilfen bereits mehr Ballast als Hilfe waren.! Es geht voran. Und diese Fortschritte sind mir viel wichtiger als die Beseitigung einer Staubschicht, die zwar nicht schön, aber auch nicht extrem störend ist. 😉

      Liebe Grüße,
      Anne

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  10. Liebe Anne,

    das hört sich doch super an – Fortschritte sind immer Fortschritte, egal wie schnell oder langsam sie gehen und Hauptsache es geht in die richtige Richtung !! 🙂 und bei Dir geht es auf jeden Fall in die richtige Richtung – das freut mich sehr!!

    Liebe Grüße Anna

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    • Danke auch dir, liebe Anna! Die Richtung stimmt auf jeden Fall, und auch wenn es möglicherweise noch den einen oder anderen Rückschritt geben wird, passt das prima! 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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