Überwindung

Manchmal kostet Laufen eine gewisse Überwindung. Den einen, wenn’s heftig regnet. Den anderen, wenn er noch oder schon wieder müde ist. Mich vor allem dann, wenn ich irgendwo mitten in der Stadt bin. Und wenn ich an der Straße entlang und mit etlichen Ampelstopps durch Duftwolken von Abgasen, Dönerbuden, Kanalisation und Mülltonnen rennen müsste, um irgendwo hinzukommen, wo es ruhiger, schöner und wohlriechender ist.

2015-09-19_DGPs-GP_Graz01In Graz ist mir diese Überwindung nicht gelungen. Das Hotel lag zwar nur einen knappen Kilometer von der Mur entfernt. Aber die hat keine echte Uferpromenade. Oder vielleicht hat sie eine, aber die liegt weiter außerhalb. Also hätte ich oberhalb des Flusses an der Straße laufen müssen. Der Stadtpark war vielleicht 1,5 Kilometer entfernt. Und auch dort hört man überall den Verkehr. vor allem: Wenn ich nur 35 bis 40 Minuten laufen kann, hätte das bedeutet: Je ca. 10 Minuten gehen für den unschönen Hin- und Rückweg drauf. Bleiben maximal 20 Minuten in erträglicher bis schöner Umgebung. Mehr als nichts. Aber eben wenig. Zu wenig, um mir Lust auf’s Laufen zu machen.

Ergo: Nicht laufen. Stattdessen arbeiten (dafür bin ich schließlich in erster Linie da).

Und Sightseeing. Die Schlossbergstiegen rauf, Stadtpanorama gucken.

Durch die Altstadt schlendern. Vom Café auf der Dachterrasse des Kaufhauses nochmal Stadtpanorama gucken. Durch den Stadtpark schlendern.

Ist kein Sport, aber wenigstens moderate Bewegung. Und davon sollte man aus gesundheitlichen Gründen mindestens 150 Minuten pro Woche haben, wie die ReferentInnen auf dem Kongress teils schon fast gebetsmühlenartig wiederholten. Doch, hab ich hingekriegt. Nicht wöchentlich. Täglich! 😎

Gelaufen bin ich dann heute nach der Heimkehr wieder. Eine Stunde über die Kernscheider Höhe. Ganz ohne Überwindung! Und das, obwohl ich nach anstrengender Rückreise und viel zu kurzer Nacht ziemlich kaputt war. Wahrscheinlich werde ich morgen, spätestens übermorgen wieder mit Knieschmerzen und Gehumpel für den Genuss bezahlen. Aber der Lauf musste sein. Für Körper, Geist und Seele – ergo war’s das wert!

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24 Gedanken zu “Überwindung

  1. Ach ja, auf Reisen kann das Laufen wirklich manchmal mühsam sein, so mühsam, dass man es besser läßt. Kann ich gut verstehen.
    Heute warst Du dann aber wieder unterwegs und hast es genossen. Ich hoffe aber sehr für Dich, dass sich Dein Knie nicht beschwert darüber.
    Lieben Gruß
    Kornelia

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    • Liebe Kornelia, für einen längeren Luf hätte ich vielleicht die Schuhe geschnürt. Aber wenn die kurzen Runden fast nur im Straßenverkehr stattfinden können, lässt man es besser bleiben. Dafür war’s heute um so schöner. Bislang meckert das Knie nur leicht mal sehen, was morgen ist.

      Liebe Grüße,
      Anne

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  2. Liebe Anne,

    Sightseeing und Shoppen 😉 können doch auch in Sport ausarten, allerdings ist dabei die nicht so schöne Umgebung nicht so unerträglich.
    Schön, dass Du es zu Hause wieder auf die Piste geschafft hast. Die Bilder aus Graz sind dennoch sehr stimmungsvoll, Danke dafür.

    Salut

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    • Lieber Christian, ja, das Sightseing war auch fast sportlich – ich musste natürlich die Stiegen hoch, statt den Aufzug oder die Bahn zu nehmen. 😉 Shoppen hab ich mir gespart, weil ich nur mit Handgepäck gereist bin. Fiel mir aber schwer, in dem großen Sportgeschäft hätte es schon das eine oder andere gegeben … ach ja, und Graz ist eh ein nettes Städtchen.

      Gern geschehen – lieben Gruß,
      Anne

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  3. Liebe Anne, erst einmal, schön, dass du wieder zu Hause bist. Kann sehr gut nachempfinden, dass man in einer Stadt (dazu noch fremd) Probleme hat, die Laufschuhe zu schnüren und NUR Sehenswertes gehend erlebt, würde mir nicht anders gehen. Schöne Impressionen hast du mitgebracht, so erleben wir Graz, eine Stadt, die ich nicht kenne !!

    Aber dann zu Hause geht es leicht, wieder in gewohnter Umgebung eine Runde zu drehen – ich hoffe nicht, dass du dafür bestraft werden wirst.

    Die Ostsee lässt dich grüßen – ganz ♥-lich NUR DICH ! 😎

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    • Liebe Margitta,
      doch, Graz ist wirklich ganz sehenswert – nur laufend hätte mir das wenig Spaß gemacht, es sei denn, die Belastbarkeit hätte gereicht, um die Stiegen am Schloßberg nicht hinaufzugehen, sondern zu laufen, das hätte mich gereizt! 😉
      Schaun mer mal, im Moment noch alles im leicht orangenen Bereicht.

      Die Ostsee? NUR MICH! Danke, liebe Ostsee – fühle mich geehrt und freue mich riesig! 😉

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  4. Liebe Anne,
    ach in Graz warst du die letzten Tage – ich mag die Stadt ja gerne, kann aber gut verstehen, dass dir der Aufwand für einen ruhigen Lauf zu groß war. Trotzdem hast du viel von der Stadt gesehen und in wunderbaren Bildern festgehalten. 🙂
    Und kaum zuhause, läuft es/sie wieder wie von selbst! Das klingt gut! 😀

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    • Liebe Doris,

      ja, die Stadt ist wirklich schön, aber zum Laufen nichts, wenn man in Bahnhofsnähe wohnt und nur kurze Strecken läuft. Der Schlossberg hätte sicher Spaß gemacht, auch das Aus-der-Stadt-Rauslaufen an der Mur lang.

      Klingt gut, war gut! 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  5. Och, für eine sooo schöne Städtetour lässt sich das doch wirklich auch mal auf’s Laufen verzichten. Wobei … auf die Arbeit eigentlich auch, dann wäre mehr Zeit für die Fotos – tolle Ausbeute übrigens!

    Alles Gute dem Knie – möge es friedlich bleiben und den Rand bzw. das Band halten!

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    • Och nöö, auf die Arbeit hätte ich nicht verzichten mögen, ich mag sie ja und fand den Kongress sehr interessant!

      Danke dir – Knie nörgelt ziemlich, aber es hätte schlimmer kommen können.

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  6. Willkommen daheim!
    Wenn ich mir die Fotos ansehe, hast Du es aber richtig gemacht: die Stadt besichtigt und Eindrücke gesammelt. Es scheint eine schöne Stadt zu sein.
    Ich hoffe, das mit den Problemen morgen wird keine sich selbst erfüllende Prophezeiung!

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

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    • Graz ist wirklich schön, lieber Rainer! Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung ist es leider nicht, ich kenn mein Knie inzwischen und weiß, was es mag und was nicht. Aber es hätte schlimmer kommen können.

      LG,
      Anne

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  7. Liebe Anne,

    warum sich in der Stadt mit dem Laufen abquälen, wenn Shopping und Sightseeing die viel bessere Alternative ist, ist ja schließlich auch Bewegung – und zudem Knieschonender! Hätte ich genauso gemacht an Deiner Stelle!

    Umso schöner dann der Lauf zu Hause – ich hoffe Du musst ihn nicht so sehr büßen!!

    Schöne Bilder von Graz – noch viel schöner finde ich aber die von Deinem Lauf 😉

    Liebe Grüße und einen guten Start in die neue Woche wünsche ich Dir!
    Anna

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    • Liebe Anna,

      Laufen in der Stadt muss keine Quälerei sein, aber dort wäre es das für mich gewesen. Und ich habe so viele km gehend zurückgelegt, dass ich mehr als das erforderliche Quantum Bewegun hatte und zudem mehr gesehen habe als beim Laufen möglich gewesen wäre.

      Liebe Grüße und vielen Dank für die guten Wünsche – alles im orangenen Bereich!
      Anne

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  8. Liebe Anne,

    Du hast aber spannende Fotos mitgebracht. Die verzwirbelte Brücke und die lange Treppe haben es mir besonders angetan. Scheint eine interessante Stadt zu sein, ich war noch niemals da.

    Ich laufe in solchen Fällen ja sogar gern in der Stadt und blende das mit den Abgasen aus.

    Nun wünsch ich Dir aber von ganzem Herzen, dass Du den Lauf in heimischen Gefilden nicht bereust – welche Kontrast zu den anderen Fotos.

    Gruß
    Anja

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    • Liebe Anja,

      die Stadt ist sehr interessant und schön (UNESCO-Weltkulturerbe) – es gibt viel zu entdecken. Was ich am Laufen in der Stadt nicht mag, ist neben den Abgasen etc. das „Stop-and-Go“. Hin und wieder für ein Foto anhalten – ok. Aber das sind durch Ampeln undsoweiter so viele Stops, dass ich meinen Rhythmus nicht finde.

      Bereut hab ich den Lauf keinesfalls, aber mein Knie meckert schon … alles im Rahmen, aber ich weiß jetzt, dass ich seine Belastbarkeit richtig einschätzen kann.

      Viele Grüße,
      Anne

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  9. Liebe Anne,
    tolle Fotos 🙂
    Ich finde Sightseeing ist anstrengender als Laufen. Also musst du kein schlechtes Gewissen haben. Hauptsache in Bewegung. Und ide hattest du ja.
    Ich hoffe, dein Knie hat sich nicht aufgeregt nach deinem „Ich-bin-wieder-zuHause“ Lauf.
    Den hast du ja richtig genossen und das ist die Hauptsache 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

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    • Liebe Helge,

      die Stadt macht einem die tollen Fotos leicht – es gibt viele tolle Motive. Aufgeregt hat sich das Knie schon, ich humple ein bisschen. Aber da ich das erwartet habe, ist es nicht so schlimm … bestärkt mich nur in der Erkenntnis, dass ich mich vor der OP besser nicht drücken sollte.

      Liebe Grüße,
      Anne

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  10. Liebe Anne,
    oooohh, Graaaaz! Da war ich auch mal beruflich, 2003, als sie Kulturhauptstadt Europas waren. Dass es dort keine gescheite Laufmöglichkeit gibt, störte mich damals nicht, da war Laufen für mich noch kein Thema. Aber wenn ich es überlege, glaube ich Dir gern, dass es kaum möglich ist in der Stadt. Doch laufen wäre auch viel zu schnell, um all die Schönheit gebührend bewundern zu können! Ich erinnere mich noch an ein Café wie zur k.u.k-Zeit, wo es „Sisi-Busserl im Häferl“ gab. Und damals bauten sie gerade die „Blase“, das futuristische Museum mitten im Altstadtbereich.
    Dann hast Du ja aber doch läuferisch noch nachholen können, in wunderschöner Kontrastlandschaft 😉
    Liebe Grüße und danke für die optische Erinnerung an Graz!
    Elke

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    • Liebe Elke,

      für mich war’s das erste Mal – und ich war froh, Zeit zum Schlendern und Entdecken zu haben. Man kann dort sicher laufen, in fitteren Zeiten hätte ich mich gern am Schlossberg versucht oder wäre raus aus der Stadt, wo vermutlich das Tal breiter ist und es (hoffentlich) auch einen Weg direkt am Murufer gegeben hätte.
      Das Museum ist architektonisch wirklich spannend. Ich wollte eigentlich auch in die Ausstellung, hatte dann aber meh Lust, den Spätsommer im Freien zu genießen.

      Liebe Grüße,
      Anne

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