Duft der Kindheit

Was Marcel Proust der Geschmack seiner Madeleines, ist mir der Geruch der Kartoffelernte: Ein Sinneseindruck, der intensive Kindheitserinnerungen heraufbeschwört und die Gefühle reaktiviert, die damit verbunden waren. In meinem Fall der Duft nach frischer, staubiger Erde, gepaart mit einer ganz leichten Abgas- und Maschinenölnote, der über das Feld wabert. 2015-09-08_Igel-Radtour04

Lebhaft tauchen sie auf, die Bilder von Stunden und Tagen auf dem Acker. Vor mir rotierende Walzen, über die die frisch geernteten Knollen laufen, gemischt mit Steinen, Lehmbrocken, faulen oder beschädigten Kartoffeln, Holzstücken, lebenden oder toten Fröschen und sonstigen Dingen, die im Lager nichts zu suchen haben und aussortiert werden müssen. Monoton, manchmal anstrengend, aber immer das gute Gefühl hinterlassend, etwas geschafft zu haben. – Kennt ihr auch Geschmacks- oder Geruchseindrücke, die so lebhafte Erinnerungen in euch auslösen?

2015-09-08_Igel-Radtour03Den Duft der Kartoffelernte nehme ich auch auf dem Rad wahr. Für ein Stündchen Richtung Luxemburg und retour hat’s nach einem frühen Feierabend gereicht.

Gegen die Mosel ist nichts einzuwenden. Bisschen windig, bisschen viel Feierabendverkehr vielleicht, aber gut.

2015-09-08_Igel-Radtour06Gegen Radfahren ist auch nichts zu sagen, sieht man mal von der Cabrio-Tussi ab, die mir von ihrem Grundstück in den Moselradweg einbiegend die Vorfahrt nimmt und sich natürlich nicht entschuldigt. Das „Geht’s noch?“ sollte sie gehört haben, das „Blöde Ische!“ zum Glück nicht mehr.

2015-09-08_Igel-Radtour02Aber ich bleibe dabei, der vorige Satz lässt es wohl schon ahnen: Laufen entspannt einfach besser.

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27 Gedanken zu “Duft der Kindheit

  1. Liebe Anne,

    kann Dir nur beipflichten, auf dem Rad muss man immer aufmerksam sein und v.a. die Dosentreiber immer im Blick haben, deshalb ist das Radfahren für mich nur Mittel zum Zweck und meist keine Erholung im Gegenteil zum Laufen.
    Die Gerüche, die eine Erinnerung auslösen kenne ich auch, der Geruch von frisch gebackenem „Hefezopf“ erinnert mich immer an die Küche meiner Oma, ich erinnere mich, dass sie mindestens 2x die Woche einen gebacken hat und ich habe ihn – und natürlich auch sie – geliebt 🙂 Wahrscheinlich ist es wie ein déjà vu und sicherlich für mich der Geruch meiner Kindheit…

    Salut

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    • Lieber Christian,

      man nimmt, was man kriegt – und wenn es eben nicht immer Laufen sein kann, muss es die (mit gehörigem Abstand nach oben) zweitbeste Art der Fortbewegung sein. Viel besser als nichts!

      Hefezopf, hmmmmm! Meine Großtante backte manchmal Buttermilchsemmel, auch mit Hefe. Den Geruch hab ich auch noch in der Nase und erzeuge ihn ab und an selbst, indem ich Hefebrot oder -kuchen backe. 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  2. Liebe Anne,

    konkrete, intensiv in Erinnerung gebliebene Gerüche verbinde ich nicht mit meiner Kindheit. Vielleicht fällt mir aber auch nur gerade keiner ein, bis ich ihn wieder riechen würde…

    Das Radfahren verlangt schon mehr Achtsamkeit als das Laufen. Erschwerend hinzu kommt, dass man sich in solchen von Dir beschriebenen Schreckmomenten auch noch der Klickpedale gewahr sein muß 😉

    Mir wäre es allerdings egal gewesen, wenn die Cabriotussi auch noch die „Blöde Ische“ aufgeschnappt hätte :mrgreen:

    Liebe Grüße
    Volker

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    • Lieber Volker,

      bestimmt wird sich auch bei dir eine Erinnerung einstellen, wenn dir ein bestimmter Geruch in die Nase kommt …

      Die Klickpedale nutze ich momentan nicht. Das macht es etwas ungefährlicher. Schön ist so eine Begegnung trotzdem nicht, allerdings ist es auch nicht gerade angemessen, die Verursacherin zu beleidigen, und könnte mir einigen Ärger einbringen. Insofern gut, dass sie nichts gehört oder es ignoriert hat.

      Liebe Grüße,
      Anne

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  3. Der Geruch und die Arbeit auf dem Kartoffelfeld sind auch mir noch bekannt. Zwar nicht mehr ganz so präsent da die Kartoffelmenge dann doch immer nur für den Eigenbedarf war (20 Personen 😀 – also einige Zentner) aber eben doch noch da. Und ich habe das Glück auch hier auf den Feldern jede Menge Kartoffeläcker zu haben. So kann ich zumindest noch zuschauen wenn ich laufen bin und den Geruch etwas wahrnehmen 🙂

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    • Lieber Markus, egal ob ein paar oder ein paar tausend Zentner – der Geruch ist unverwechselbar. Bei mir war es Zufall, just am Erntetag an einem der spärlichen Äcker am Stadtrand vorbeizukommen. Bevor ich das Feld sah und die Maschinen hörte, merkte ich am Geruch, was da gerade los war. 🙂

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  4. Oh, liebe Anne, die Konzentration auf dem Fahrrad lerne ich hier im Sommer sehr gründlich, da man sich ständig auf Unerwartetes einstellen muss, von vorne, von hinten, von allen Seiten, man muss hellwach unterwegs sein.

    Kindheitsdüfte – kann ich mich sehr gut erinnern, in meinem Kindergarten – schon ein paar Jahre her – stand ein Nussbaum – der hatte eine Duft, der mir tief in der Nase steckt, und wenn immer ich ihn irgendwo einatmen darf, sehe ich meinen Kindergarten leibhaftig und sehr gerne vor meinen Augen – komisch !!

    Pass‘ gut auf dich auf und freue dich über jeden Ausflug, egal, welcher Art ! 😎

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  5. Ja, liebe Margitta, den Verkehr auf deinen Wegen kann ich mir lebhaft vorstellen, du hast ihn ja beschrieben und ich hab Ansätze davon auch schon bei euch erlebt. Die anderen Radler, Gassigänger und E-Biker haben gestern nicht für Schreckmmomente gesorgt, wohl aber zwei Autofahrer. Wie titelte ich neulich mal? „Abschalten können Sie woanders!“ Ist leider so!

    Hmmmm, der Duft eines Walnussbaums, vor allem im Herbst wenn die Nüsse und die Blätter fallen. Der Walnussbaum meiner Kindheit steht noch, nur ein paar Meter vom Haus meiner Eltern entfernt, inzwischen krumm und schief, so dass er gestützt werden muss, um nicht umzufallen. 🙂

    Dankeschön, wird gemacht. Vielleicht lauf ich heute mal wieder. Gaanz vorsichtig. 😎

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  6. Liebe Anne,
    bei mir ist es zum Beispiel der Pfefferminztee. Schon als Kind habe ich von meiner Oma Tee aus frischer Pfefferminze bekommen.
    Und heute gibt es den auch noch. Und wenn ich den Aufbrühe dann riecht es so, wie vor vielen Jahren bei meinen Eltern zu Hause morgens in der Küche ….

    Mit dem Radfahren an der Mosel kann ich dich sehr gut verstehen. Das ist stressig. Unentspannt. Nervig.
    Deshalb fahre ich nie auf dem Radweg.
    Mit dem MTB im Wald oder mit dem Rennrad in Hunsrück oder Eifel.
    Da ist die Welt noch in Ordnung 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

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    • Liebe Helge,

      frischer Pfefferminztee, ja, das ist auch ein sehr intensiver Duft. Mag ich sehr, erinnert mich aber an nichts. 🙂

      Mir wäre auch sehr viel lieber, auf andere Strecken ausweichen zu können. Aber leider gehen mir im Moment ziemlich schnell die Gänge aus, wenn ich bergauf fahre. Und wenn ich größere Gänge nehme und viel Druck auf die Pedale geben, beschwert sich das Knie. 😦

      Liebe Grüße,
      Anne

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  7. Liebe Anne,
    ach so schön, wie du deine Dufteindrücke beschrieben hast, meine ich fast, sie selbst auch riechen zu können! 🙂
    Schöne Bilder hast du mitgebracht – da hast du dir eine tolle Runde ausgesucht. Und rücksichtslose Autofahrer trifft man auch als Läufer, letzte Woche wäre mir fast eine „blöde Ische“ über die Zehen gefahren. War wahrscheinlich der Meinung sie hätte im Auto mehr Recht auf die Straßenbenützung, als eine Fußgängerin! 🙄

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    • Liebe Doris,

      manche AutofahrerInnen versteh ich nicht. Vielleicht denken sie wirklich, ein Auto hat eingebaute Vorfahrt?!

      Hast du auch einen Geruch (oder Geschmack), der die quasi „in die Kindheit zurückbefördert“? ❓

      Liebe Grüße,
      Anne

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      • Nein, ich habe überlegt, welcher Geruch/Geschmack das bei mir sein könnte, aber da fällt mir leider gar nichts dazu ein. Außer vielleicht…. der beißende Geruch von verschwitzter Eishockeyschutzbekleidung. 😯 Wir hatten nämlich oft nach denen Training und benutzten die gleiche Umkleidekabine! Aber ich hoffe sehr, dass ich diesen Geruch nicht mehr in die Nase bekomme! 😀

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  8. Liebe Anne,
    natürlich, Kartoffelduft, feuchte Erde, Herbst. Die Maschinennote dazu ist mir fremd, ich möchte aber noch Kartoffelfeuer ergänzen und dann das Aroma der darin zubereiteten Kartoffeln – herrlich! Ich kenne das, Geruchserinnerungen. Die überfallen einen manchmal so ganz plötzlich. Neulich zum Beispiel im Haus der Geschichte in Bonn. In einer Ecke zur Wendezeit der DDR tauchte plötzlich so eine Wolke auf, Plaste&Elaste, wie man sie im Osten oft hatte. Ich bin gleich stehen geblieben, habe die Quelle gesucht, aber nicht gefunden. Der Wärter wurde schon misstrauisch, weil ich in so komischen Verrenkungen da immer wieder hin und her schlich…
    Ja, und laufend oder radelnd kommen auch immer wieder mal spannende Düfte in die NAse!
    Liebe Grüsse
    Elke

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    • Liebe Elke,

      komisch, deine Kommentare waren im Spam – jetzt hab ich sie gefunden und ausgegraben. Ja, Kartoffelfeuer, danach der Geschmack der angekokelten Pellkartoffeln.

      Plaste und Elaste, auch spannend! Ich hatte heute eine sehr lebhafte Erinnerung beim Öffnen eines Eiweiß-Riegels mit Vanillegeschmack. Der Kram roch wie das Milchpulver, das wir immer für unsere Kälber angerührt haben! 😆

      Liebe Grüße,
      Anne

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  9. Liebe Anne,
    irgendwie mag mich wordpress gerade gar nicht…:-(
    Ich hatte angemerkt, dass zum Herbstkartoffelduft für mich auch noch das Kartoffelfeuer gehört, in dem man köstliche Restkartoffeln nach dem Auflesen zuubereitete, herrlich! Und ich kenne das auch, dass einem plötzliche Duftnoten sofort vermeintlich vergessene Dinge wieder wachrufen.
    Liebe Grüsse
    Elke

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  10. Den Geruch der Kartoffelernte kenne und mag ich auch. Allerdings hat das mit meiner Kindheit nicht viel zu tun. Welche Gerüche erinnern mich an damals? Gar nicht so einfach. Es ist so ein gewisser Kautschukgeruch, der mich zurückbeamt, aber woher der kommt, das weiß ich nicht.

    Und – alle Vegetarier mögen mir verzeihen – es ist der Geruch aus der Schlachtküche. Denn damals war das einmal im Jahr ein echtes Fest, inklusive massenweise Bazooka-Kaugummi. Aber das ist eine andere Geschichte. 😉

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

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    • Kautschukgeruch? Sonderbar! Vielleicht solltest du mal eruieren, welche Erlebnisse dahinter stehen … obwohl: Manchmal ist es ganz gut, etwas nicht zu wissen! 😉

      Der Schlachtfestgeruch weckt in mir auch sehr lebhafte Erinnerungen. Noch mehr der Geruch von geräucherter Mettwurst … tja, wer auf dem Bauernhof groß geworden ist … 😎 Was das Bazooka-Kaugummi damit zu tun hat, bekäme ich aber schon gerne mal erzählt. 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  11. Liebe Anne,

    Erinnerungen die von Gerüchen in der Kindheit ausgelöst werden kenne ich auch gut – ich kann Dir im Moment aber nicht einmal ein gutes Beispiel geben. Oft kann ich so ein Geruch bzw. Gefühl nicht einmal richtig zuordnen, und trotzdem löst er eine Art Déjà-vu aus 🙂

    Laufen ist auf jeden Fall entspannender und beruhigender als das Radfahren, da gebe ich Dir vollkommen recht! Pass gut auf Dich auf!!

    Liebe Grüße Anna

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    • Liebe Anna, manches andere mag bei mir auch Erinnerungen auslösen, aber gerade weiß ich nicht mehr was. Bei den Kartoffeln fiel es mir besonders auf.

      Danke dir, mach ich! 😎

      Liebe Grüße,
      Anne

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  12. Liebe Anne,
    da bist Du doch glatt aus meinem Reader geflogen – keine Ahnung warum! Egal, jetzt bist’e wieder drin.
    Spontan fällt mir der Geruch von Spritzgebäck meiner Großmutter in der Weihnachtszeit ein. Später hat es meine Mutter genaus gebacken, und als Erwachsene werden sich hoffentlich meine Kinder positiv daran zurückerinnern. Hmmm, bald geht es los!
    Brathähnchen – gab‘ es früher bei uns aus so einem Grill mit Drehrost. Roch auch seeehr gut!
    Hat – na klar – beides mit Essen zu tun.
    Liebe Grüße
    Bianca

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    • Komisch, liebe Bianca, erst Elke im Spam, dann du ohne Weinbergschnecke im Reader – merkwürdig!

      Spritzgebäck, hmmmmm! Unser Traditionsgebäck waren ganz schlichte ausgestochene Kekse aus Mürbeteig, die dann mit Puderzucker-Zitronen-Glasur bestrichen wurden. Dieser Geruch beim Backen … 🙂

      Und Brathähnchen … hach, Essen und seine Gerüche sind schon was Feines! 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  13. Pingback: Syltrosen | Deichlaeufer

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