Mamils

„Mamils“ – seit ich dieses Akronym neulich in einem Artikel in der “Süddeutschen“ gelesen habe, will es mir nicht aus dem Kopf. Bei Mamils handelt sich um eine „sehr besondere“ Spezies: „Middle-aged men in Lycra“. Nicht die Schnellsten, nicht die Schönsten – aber Ausrüstung und Outfit vom Allerfeinsten. 😉

Heute wieder erlebt: Ich fädle mich auf einen Radweg ein, auf dem zwei dieser Mamils von hinten angestrampelt kommen. Als erstes hängen sie sich mal an mein Hinterrad. Nicht dass ich besonders viel Windschatten böte. Und nicht dass es außer ein wenig Fahrtwind nennenswerte Luftströmungen gäbe. Vielleicht wollen sie mir einfach auf den A## gucken, keine Ahnung. Jedenfalls sind sie lästig, weil sie unentwegt sabbeln. Nach ein paar Minuten ziehen sie endlich an mir vorbei, ich freu mich und denk, jetzt ist Ruhe.2015-05-31_EuropKunst03Nix da! Die supercoole Wir sind hier die Kerls, also überholen wir!“-Nummer musste wohl sein. Aber dann gleichmäßig und zügig weiterfahren können oder wollen sie nicht. Stattdessen werden 2 bis 3 km/h gegenüber meinem vorherigen Tempo rausgenommen. Ergo hänge ich jetzt hinter den beiden fest und muss ihnen auf die fetten Ä### gucken – kein schöner Anblick. 🙄

Und nun? Derart gebremst hinterherfahren mag ich nicht. Wenn ich sie aber meinerseits überhole, verträgt das ihr Ego nicht und wir spielen das gleiche Spielchen wieder und wieder. Weil ich keine Lust auf solch ein Rennen habe, nehme ich ein paar hundert Meter weiter die nächste Brücke und bin sie los.2015-05-31_EuropKunst02Davon abgesehen: Doch, Radfahren ist immer noch klasse! Mein Hintern sieht das zwar etwas anders, aber der wird sich schon dran gewöhnen. Weil er im Moment nach gut 50 km streikt, besteht auch keine Gefahr, dass ich vor lauter Begeisterung für mein neues Sportgerät das Knie überlaste.

Ein bisher festgestellter Nachteil des Radfahrens: Ich hab dabei – im Gegensatz zum Laufen – nur selten Lust zum Fotografieren anzuhalten. Aber für die Skulpturen, die offenbar von SchülerInnen der Europäischen Kunstakademie am Moselufer ausgestellt wurden, hab ich eine Ausnahme gemacht. Schon sehr … ääääh … interessant! 😉

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24 Gedanken zu “Mamils

  1. Liebe Anne,
    Du hast Dich schlau aus der Situation „gerettet“. Gut, dass es diese Brücke auf der Strecke gab! Solche Rennen braucht kein Mensch, aber es wäre wohl sicher so gekommen. Und die ganze Zeit im eigenen Schwung gebremst auf die Pöter der Herren zu schauen. Och nee, bei manchen Mamils mag das vielleicht ganz nett sein, aber ich habe da heute auch andere Exemplare gesehen, als ich an der Weser von eben solchen beim Laufen überholt wurde. 🙄
    Die Kunst am Ufer – ja, tatsächlich interessant könnte man sie nennen. Kunst halt…
    Einen schönen Sonntag und liebe Grüße
    Bianca

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    • Liebe Bianca,

      mit „Jungs“ um die Wette zu fahren ist mir einfach zu blöd – ich brauch solche Spielchen nicht. Und Är##en folgen muss ich in anderen Kontexten oft genug, da muss ich das nicht auch noch in der Freizeit tun! 😉
      Manche der Kustwerke find ich klasse, manche dagegen … 🙄

      Liebe Grüße,
      Anne

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  2. Diesen Begriff kannte ich bislang auch noch nicht. Aber das Verhalten mancher Männer ist mir schon vertraut. Kenne ich sowohl vom Radeln als auch vom Laufen her. Kann gut verstehen, dass Du Dir einen anderen Weg gesucht hast.
    Sieht übrigens immer wieder schön aus bei Euch an der Mosel.
    Lieben Gruß
    Kornelia

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    • Bis vor ein paar Wochen kannte ich den Begriff auch noch nicht, das Verhaltensmuster hab ich aber auch schon oft genug beobachten können. Braucht keine Frau! 😎

      Danke dir & liebe Grüße,
      Anne

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  3. Och jo, diese Mamils, wer kennt sie nicht, sei froh, dass du sie erfolgreich aus deinem Radlerdasein eleminieren konntest, so was brauchen wir Frauen schon lange nicht.

    Freue mich, dass du eine schöne, ausdauernde Fahrt mit und ohne Rückenwind hattest, dein Hinterteil gewöhnt sich daran, wie wir wissen, spätestens bei der nächsten längeren Fahrt auf dem neuen Sattel.

    Die Werke auf deiner Strecke gefallen mir, ich mag, wenn Menschen kreativ sind, ob es als Kunst deklariert werden kann oder nicht – immer noch tausend Mal besser, als die Umwelt zu verschmutzen. Auch hier in Ahrenshoop findet man derlei Kreationen im Freien, ich mag das !

    Lass‘ es dir gut gehen, liebe Anne 😎

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    • Immerhin hatten die Mamils keinen Akku am Rad, das wäre noch der Gipfel gewesen! 😆

      Der Hintern muss sich halt erst gewöhnen, meine längste Tour in diesem Jahr war 38 km lang, die 53 km jetzt (nach etwa 35 km gestern) waren eine gewisse Herausforderung für ihn! 😉

      Einige der Kreationen fand ich auch richtig gelungen. Andere dagegen … nichtsdestotrotz eine Bereicherung für das ansonsten nicht besonders attraktiv gestaltete Ufer, für die ich gern eine Pause eingelegt habe.

      Lass es dir ebenfalls gut gehen, liebe Margitta – und grüß mir deinen lieben Samariter 😉

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  4. Mamils, wieder was gelernt. Ich werde wohl niemals mehr in meinem Leben das in grünweißes Lycra gewandete Hängebauchschwein vergessen, das mir vor Jahren mal im Harz begegnete. Sowas krasses hatte ich noch nie auf einem Rennrad -oder war es ein Mountinbike?-gesehen und werde es hoffentlich auch nie wieder.

    Du hast zum Glück Deinen Weg gefunden, Dich der beiden Mamils zu entziehen. Sicher die vernünftigste Art. Wer will sich schon mit solchen Ä### ein Rennen liefern.

    Die Kunst ist teilweise ganz schön, teilweise sieht sie auch wie Reste vom letzten Moselhochwasser 😉

    Liebe Grüße
    Volker

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    • Hängebauchschweine, ja, sowas ist mir auch schon radelnd in Lycra gewandet begegnet. Ich frag mich immer, wie lange man die Druckstellen vom Oberrohr noch auf der Plauze sieht … 😉

      Die Exemplare heute waren dagegen ganz manierlich. Trotzdem: Wettrennen brauch ich nicht. 😎

      Den „Kabelsalat“ hab ich zuerst auch als Abfallhaufen interpretiert, aber der ist wohl auch Kunst. Die Riesenskulptur aus Latten hat mich dagegen von Anfang an fasziniert. Und wenn man sie nicht mehr sehen mag, kann man sie wenigstens noch verheizen … 😎

      Liebe Grüße,
      Anne

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  5. Solche Begegnungen der dritten Art wären mir auch ein Graus. Da kann ich dich gut verstehen. Zum Glück passiert mir das beim Laufen nicht. Wobei ich nicht ausschließe, dass Frauen auch das schon erlebt haben … 😦

    Die Kunst am Moselufer ist … interessant. Die Skulpturen aus Holzstäben gefallen mir. Aber das ist auch keine wirklich neue Idee.

    Liebe Grüße und weiterhin viel Sitzvermögen

    Rainer 😎

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    • Lieber Rainer,

      tja, Begegnungen der dritten Art, die hat man als Radfahrer wohl öfter. Es macht Spaß, aber echte Entspannung findet man nur beim Laufen. Da ist auch die Spezies der Mamils nicht ganz so aufdringlich … 😉

      Neu und ausnehmend kreativ sind die Skulpturen wirklich nicht. Aber die Jungs und Mädels üben ja noch. Diese Dachlattenkonstruktion gefällt mir auch am besten, dicht gefolgt von dem „Wespennest“ aus weißem Ich-weiß-nicht-was“. 😎

      Dankeschön! Bis einschließlich Mittwoch ist erstmal Sitzfleisch am Schreibtisch gefragt. Da passt höchstens ein klitzekleiner Testlauf dazwischen …

      Liebe Grüße,
      Anne

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  6. Männerprobleme 2.0. halt 🙂

    Als Vertreter eben dieser Altersklasse weiß ich natürlich, was sich gehört – Mountainbiken ausschließlich in Jogginghose, ohne jeglichen Technikfirlefanz und selbstverständlich schlecht rasiert. Die selbstdefinierten Modemännchen, die Du da so herrlich beschrieben hast, sind doch wirklich nur Opfer ihres Materialwahnsinns.

    Und am Montag im Büro hört man(n) dann wieder ihre Beschreibungen der Heldentaten und Mördertouren. Oh, verdammt. Morgen ist ja schon wieder Montag.

    Viele Grüße aus dem Süden
    Lars

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    • Tja, Lars, „Understatement“ heißt die Devise! Es soll gern jeder seinen Carbonrenner fahren. Nur muss er auch damit leben, dass ich über ihn schmunzele und „Perlen vor die Säue“ denke, wenn er mit so einem Nobelteil durch die Gegend schleicht! Frauen sind aber auch nicht besser, nur in anderen Bereichen – über die Gelegenheitsautofahrerinnen, die sich mit Panik in den Augen an das Lenkrad ihres SUV krallen, kann ich auch nur grinsen.

      Frohen Montag und viel Spaß beim Erzählen und Anhören der Heldentaten! 😉
      Anne

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  7. Liebe Anne,
    ich hätte auch das Weite gesucht… und Du hast es ja gefunden. Es mag ja jeder egal wie gewandet seien Sport treiben, aber bitte anderen nicht auf den Geist gehen.
    Kunst in der Landschaft ist immer wieder interessant!
    Liebe Grüße
    Elke

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    • Liebe Elke,

      ja, ich hab mein Heil in der Flucht über die Brücke gesucht. Du hast schon recht, jeder trage, was er mag, und nutze den fahrbaren Untersatz, den er will. Diese Art des Überholens und Ausbremsens ist allerdings schon etwas albern! 😉

      Liebe Grüße,
      Anne

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  8. Liebe Anne,
    danke für diesen Beitrag! Sitze gerade mit dem Laptop auf meiner Terasse und die Nachbarn schauen schon so neugierig herüber, weil ich so laut lachen musste! 😀
    Diese Überholtaktik gibt es übrigens nicht nur auf Rädern, sondern auch in Autos. Gerade wenn man/frau in einem etwas kleinerem Exemplar über die Straßen fährt, überholen gerne Männer (behaupt ich jetzt einfach mal nicht ganz vorurteilsfrei) in größeren Dosen. Und dann werden sie langsamer… ÄCHZ! 👿

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    • Liebe Doris,

      schön, wenn ich dich erheitern konnte – der Beitrag ist halt „mitten aus dem Leben“! 😉 Dass Männer auch gegenüber Autofahrerinnen so ticken, war mir nicht bewusst. Aber ich glaub’s dir nur zu gern … 😎

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  9. Liebe Anne,

    Kunst in der Natur finde ich immer deutlich hübscher als im Museum. Von daher kann ich verstehen, dass es der Knipserei wert war. Dass man beim Rad fahren nicht so häufig fotografiert, liegt wohl in der Natur der Sache.

    Und ja… noch besser sind aber die älteren Radfahrer, die unvermittelt auf dem Radweg stehen bleibt und man, wenn man einigermaßen sportlich unterwegs ist, in die Vollbremsung gehen muss.

    Gruß
    Anja

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    • Liebe Anja,

      geht mir auch so, zumindest manche der Skulpturen gefallen mir gut. Und sie wirken in der Natur einfach stärker auf mich!

      Über (nicht nur ältere) Radfahrer und Fußgänger, die sich auf Radwegen verhalten, als seien sie allein auf der Welt, schreib ich demnächst mal einen eigenen Post. Radfahren macht Spaß – aber wirklich entspannend ist es nicht! 🙄

      Grüße,
      Anne

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  10. Mamils… noch nie zuvor gehört: Danke für diese Bereicherung meines Wortschatzes. Wobei ich peinlich darauf achten werde, niemals zu dieser Spezies zu gehören! 😉

    Und Danke auch, dass Du unterwegs doch abgestiegen bist: die Fotos sind klasse!

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  11. Mamils, ja, die sieht man von Zeit zu Zeit 🙂
    Deine Reaktion ist vorbildlich liebe Anne. Ein Überholen deinerseits hätten die beiden nicht verkraftet. Das hätte schwer schwer ihr Ego verletzt.
    Da wir aber ja Tierfreunde sind, wollen wir das ja nicht. 😆
    Ja, und die Kunst die ist sehr sehr …. na du sagst es ja schon: interessant 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

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    • Das mit dem Überholen und dem sich daraus entwickelnden Rennen hab ich ein einziges Mal gemacht, liebe Helge – allerdings nicht mit Mamils, sondern mit Jungmännern, einer ganz gut in Schuss, der andere … naja! Ich hab sie irgendwann ziehen lassen – aber, nur um sie dann hinter der übernächsten Biegung stehen zu sehen. Der nicht eben fitte wirkte so fertig, wie er da japsend mit tomatenrotem Kopf über sein Rad gebeugt hing, dass ich mir ein: „Alles ok bei euch?“ nicht verkneifen konnte … 😆

      Interessant, joah, manches nett anzusehen, anderes wohl eher ein Fall für die Deponie!

      Liebe Grüße,
      Anne

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  12. Liebe Anne,

    was es alles nicht gibt… „Mamils“… 😆

    Es dauert immer eine Weile bis sich auch den Hintern an das Fahrradfahren gewöhnt hat, danach ist das Fahrradfahren aber auch eine sehr gute Alternativsport!! Schön, dass es Dir so gut gefällt!! 😀

    Fotostops auf dem Fahrrad sind in der Tat viel aufwändiger, an das habe ich bis jetzt eigentlich noch nie gedacht – ich bin den Berg hinauf, habe oben ein paar Bilder gemacht und bin wieder runter… 😉 anders ist es natürlich wenn man kein Berg auf und ab fahrt…

    Liebe Grüße Anna

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    • Liebe Anna,

      mein Hintern und ich arbeiten an der Gewöhnung. Das wird schon! 😎

      Mit dem Fotografieren hab ich es im Grund ähnlich gemacht wie du: Bis zum Wendepunkt fahren – fotografieren – zurück. Nur die Kunstbilder sind das Ergebnis eines nicht plangemäßen Stopps. 😎

      Liebe Grüße,
      Anne

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