Is dat Kunst?

Wenn’s schon über das Laufen mangels Lauf nix zu bloggen gibt, dann wenigstens über die Betrachtungen auf meinem fast täglichen Arbeitsweg. Der führt mich eine Straße entlang, an der viel Geld und wenig Geschmack eine – nach meinem Empfinden – für’s Auge teils recht unerfreuliche architektonische Mesalliance eingegangen sind (Die Häuser habe ich aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes der Bewohner/innen nicht fotografiert – ihr müsst die Bilder vor eurem inneren Auge entstehen lassen):

Ein holzvertäfeltes, falunrot gestrichenes Schwedenhaus wurde da neben ein konventionelles sonnengelbes Familienheim gesetzt. Dessen nachträglich an der Querseite knapp unterm Dach angebauter Balkon verändert die Proportionen äußerst unvorteilhaft und vermittelt den Eindruck, als müsse das Häuschen gleich auf die Nase bzw. den Hintern kippen. Direkt nebenan wurde eine Rostlaube errichtet, deren Fassade aus Alteisenplatten besteht. Für eine ästhetische Grundstücksgestaltung hat das Geld dann wohl doch nicht mehr gereicht, nachdem der Stararchitekt sein Honorar kassiert hatte. Aber immerhin waren noch ein paar Baustahlmatten übrig, die dann flugs zu einem ebenfalls rostigen Kubus zusammengeschweißt wurden, der sich nahezu perfekt in die Wüste aus verdorrtem Unkraut und welkenden Brombeerranken einpasst.2014-10-10_Kunst02Die ehemals in grellem Lachsrot strahlende Villa mit dem Säulenportal ist zum Glück über die Jahre etwas nachgedunkelt. Die Besitzer der „Burg“ nebenan wiederum mögen es rustikaler: Kupferbeschlagene Türen und eine sehr „spezielle“ künstlerische Vorgartengestaltung mit  pseudobarocken Putten, die – wie dereinst Baron von Münchhausen – auf einer Kanonenkugel reiten, und einem steinernen Medusenhaupt, dessen pflanzliche „Schlangen“ wohl mangels liebevoller Pflege  das Zeitliche gesegnet haben. Oder sollte es sich um einen etwas feminin geratenen Bacchus handeln? Die Trauben, die sich malerisch um seine Schläfen ranken, lassen das vermuten. Auf der Dauerbaustelle „Vorgarten“ nebenan ragt dagegen ein kopfloser Engel auf und bewacht den Schotterhaufen, der vielleicht in fünf, sechs Jahren (wenn es im gleichen Tempo weitergeht) zu einem Parkplatz eingeebnet sein wird.

Dieser Stil wiederum beißt sich kräftig mit dem der modern-eckigen 300 Quadratmeter-Wohnpaläste von gegenüber. In einem der Gärten hat wohl der gleiche Künstler, dem auch der rostige Kubus zu verdanken ist, ein paar Stahlskulpturen Marke „Schrotthändlers Freude“ verstreut – und es scheinen immer mehr zu werden.

Die Besitzer des Glas-Metall-Beton-Tempels rechts davon haben einen anderen Weg gewählt. Weil Grünzeug Arbeit macht (igitt!), wurden Einfahrt und Platz vor dem Haus großflächig in eine Pflasterwüste verwandelt. Motto: Der Garten des forsthausähnlich anmutenden Häuschens nebenan mit dem sorgfältig geschorenen Rasen und dem munter plätschernden Bächlein mit seinem Plastik-Fischreiher ist Natur genug.

Kurzum: Die einen loben das Ganze als Ausdruck von Individualität. Für die anderen ist es ein wüstes Tohuwabohu. Manche wiederum finden die Kunstobjekte wirklich gelungen, wünschen ihnen aber mehr und besseren Platz, damit sie zur Geltung kommen. Und was meint ihr: Is dat Kunst oder kann dat wech? 😉

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28 Gedanken zu “Is dat Kunst?

  1. Meine Lehrer-Horrorfrage im Kunstunterricht in der Schule: „Was will uns der Künstler damit sagen?“.
    Und was die Häuser betrifft. In Roscheid ist es ähnlich. Das steht die „Burg“ oder Toscana Villa neben dem Glasbau etc. Ich dachte immer, es gibt Vorschriften, damit es nicht ganz so kunterbunt wird.
    Und an den Kunstobjekte auf unseren vielen Verkehrskreiseln hier im Ort scheiden sich ja auch die Geister.
    Liebe Grüße
    Karina
    (Achja, in Kunst hatte ich immer ne 1 😉 )

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    • Liebe Karina,

      hihi, in Kunst hatte ich erst gute Noten, als das mit dem Interpretieren losging – malen konnte ich nie, aber Fantasie hatte ich jede Menge! 😆 Das mit den Bauschriften wird heute glaube ich in den meisten Vierteln sehr locker gehandhabt. Der Petrisberg mit seinem Bauhaus-Abklatsch-Stil ist da wohl eher die Ausnahme. 😉

      Liebe Grüße,
      Anne

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  2. Früher gab es Bauvorschriften, die Farben und Fassaden bis hin zur Dachneigung vorgeben haben. Was da seinerzeit wohl zuviel war, ist heute wiederrum zuwenig. Es zeigt sich, dass der pure Individualismus auch nicht unbedingt der Brüller ist.

    In Bezug auf die Monsterkunst wünscht man sich fast die Gartenzwergidylle zurück :mrgreen:

    Liebe Grüße
    Volker

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    • Ja, lieber Volker, „Uniform-Look“ muss nicht sein, aber dieses Sammelsurium tut mir im Auge weh. Vor allem, wenn Häuser oder Monster-Kunstwerke dann auch noch auf zu kleinen Grundstücken stehen, wirken sie einfach nicht. Aber Gartenzwergidylle? NEIN!!!! 😎

      Lieben Gruß,
      Anne

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  3. Hallo Anne,
    wie Du weißt, kenne ich besagte Straße nur zu gut. Und Du hast Recht. Kraut und Rüben, wie der Volksmund so schön sagt. Schließe mich meinen Vorrednern an. Bebauungspläne haben auch ihr Gutes. 😉
    Guter Geschmack lässt sich eben auch mit Geld nicht immer kaufen.
    Leider gibt die Topographie viel Raum für zweifelhafte Vorgarten Kunst.
    Da muss man sich als Vorbeiläufer schon mal wundern und an den Sperrmüll denken…
    Was die Rostlaube des Stararchitekten betrifft, eine kleine Anmerkung.
    Hier wurde meine Abschlussarbeit an der Technikerschule fast 1 zu 1 kopiert. Die Schule hat meinen Entwurf ohne mein Wissen ins Netz gestellt und der Herr Architekt hat ihn abgekupfert und damit sicher einen Haufen Kohle verdient. Für dieses Kunstwerk bin ich also ein wenig mit verantwortlich. 😉 Aber Kunst ist ja, wie schon so oft bemerkt, wirklich Geschmacksache.

    LG Marion

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    • Hallo Marion, fast habe ich manchmal den Eindruck, Geld und guter Geschmack schließen sich aus, wenn ich in diese Straße komme. 😉 Das mit der abgekupferten Abschlussarbeit ist ja ein Hammer. 😦 Gegen Ideenklau hat man ja leider extrem schlechte Chancen bzw. hat vielleicht auch keine Lust, sich da auf womöglich langwierige juristische Streitereien einzulassen. Superärgerlich finde ich es auf jeden Fall!

      Liebe Grüße,
      Anne

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  4. Schwierig, schwierig, liebe Anne, was ist Kunst, was nicht ? Kannst du keine leichteren Fragen stellen, ich kann zu letzteren, modernen Teilen nur sagen, dass mir – zumindest die letzten zwei – gefallen, ob es Kunst ist oder nicht, das überlasse ich anderen, es zu beurteilen. Und überhaupt – was sich heute alles Künstler nennt, da fange ich schon an zu grübeln.

    Im Gegensatz zu Volker ziehe ich diese Art von Freiflächengestaltung immer die der Gartenzwergidylle vor. Es lebe der Individualismus !

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    • Ach, in begrenztem Rahmen hat auch sowas wie die britisch-uniforme Arbeitersiedlung ihren Charme. Insgesamt bin ich aber eher für sowas wie „Individualität im einheitlichen stilistischen Rahmen“. Z.B. war ich mal in Brooklyn in einer Straße, in der die alten Holzhäuser aus der Zeit um 1900 noch erhalten waren. Alle im gleichen Stil: Holz, spitze Dächer, Vorgarten. Aber jedes unterschiedlich in Farbe, Form und Lage der Veranda (offen/geschlossen als Wintergarten, oben, unten oder oben und unten), Gartengestaltung. Harmonisch und doch individuell.

      Die Kunstwege finde ich z.T. auch ganz anregend. Aber nicht so dicht zusammengequetscht auf einem dafür wieder zu kleinen Grundstück. 😎

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  5. Ach, von Kunst habe ich mal gar keine Ahnung. Entweder es gefällt oder nicht. Und über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.
    Ich persönlich mag das schon, wenn es bunt durcheinander zugeht in einer Wohnsiedlung. Besser als so ein Einheitsbrei von Häuser, bei denen eins wie das andere aussieht. Find‘ ich doof.
    Liebe Grüße
    Bianca

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    • Ahnung hab ich auch keine – mir gefällt’s oder nicht, genau wie dir. 😉

      Ein bisschen bunt finde ich auch schön. Dieser Stilmischmasch ist meinem Hirn allerdings zu bunt.

      LG,
      Anne

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  6. Liebe Anne,
    ich habe ja keine Ahnung von Kunst.
    Die lustigste Art von „Kunst“ war für mich ein Bild in einem Museum mit dem Titel: Wiese mit Bank.
    Das Bild war ein Grünes Blatt Papier mit einem kleinen schwarzen Papierstreifen in der Mitte.
    Ahhhhhh …..ja! Wiese mit Bank eben 😆
    Aber wie gesagt: ich habe keine Ahnung von Kunst.
    Liebe Grüße
    Helge

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    • Liebe Helge,

      wer hat schon Ahnung?! Und vor allem: Das, was angeblich Kunst ist, ist für mich oft keine – das von dir Beschriebene z.B. Oder das, wozu ich in einem Museum für moderne Kunst befragt wurde: Eine Masterarbeitsstudentin wollte untersuchen, was Leute beim Betrachten bestimmter Objekte denken – man wurde vor ein „Bild“ geführt und sollte ganz spontan sagen, was einem dazu durch den Kopf geht. Was soll ich machen, wenn sie mich vor eine riesige in matten Hautrosatönen eingefärbte Leinwand schleift? Da muss ich doch an die Schweineställe aus meiner Kindheit denken … 😆 War eine lustige Studie für Forscherin und Befragte. 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  7. Liebe Anne,

    Kunst ist etwas sehr heikles und ich habe mich bei der Beurteilung von solcher schon häufig in die Nesseln gesetzt. Bei Kunstobjekten in der Architektur scheint es sich häufig um missglückte Design- oder Funktionalobjekte zu handeln, ganz besonders wenn sie mit Ausstellungscharakter zusammenhangslos aneinander gereiht werden 😉
    Die Engel sind definitiv Kitsch und die Stahlgebilde? Ich weiß nicht…Kunst ist für mich etwas, was mich sofort positiv anspricht, wie bei Musik, was ja auch eine Form von Kunst ist 🙂

    Salut
    Christian

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    • Lieber Christian, oh ja, bei vermeintlichen „Kunstexperten“ kann man ernstliche Empörung auslösen, wenn man seine ehrliche Meinung zu Bildern oder Objekten zum Ausdruck bringt. Da bin ich auch SEHR vorsichtig! 😉

      Die Engel sind grauenhaft kitschig. Den Kubus finde ich sogar noch irgendwie witzig. Aber Kunst? Ichweißjanicht. Spricht mich jedenfalls nicht an.

      Schönes WE,
      Anne

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  8. Liebe Anne,

    über Geschmack kann man ja angeblich nicht streiten. Deinen Beschreibungen folgend würde ich da aber bei der Burg eine Ausnahme machen. 🙂

    Und die letzten 3 Kunstwerke sprechen mich an, mir fehlt nur wahrlich das passende Wohnobjekt dazu.

    Also, lass die 3 letzten stehen, den Rest kannste wech machen.

    Gruß
    Anja

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    • Liebe Anja,

      Streiten kann man über Geschmack wahrlich nicht – aber sagen, was einem gefällt und was nicht. Manches wird uns beiden nicht gefallen, die Burg z.B.

      Die Eisen-Kunstwerke würden mMn auf größerem Raum ganz anders wirken, mir vielleicht sogar gefallen. Aber in der schieren Menge und dicht zusammengepfercht haben sie was von „Altmetallsammlung“. 😉

      Stehen lassen muss ich sie eh angesichts ihrer Größe und ihres Gewichts. Ich wüsste aber auch gar nicht, wohin damit. Mein Garten wäre selbst für eines wohl zu klein.

      VG,
      Anne

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  9. Liebe Anne,

    was für dein einen Kunst ist, ist für den anderen Schrott – und umgekehrt…
    Ganz ehrlich ich schätze die „Kunst der Natur“ am aller meisten – bei mir im Garten kommen auf jeden Fall keine andere Kunstwerke als die natürlichen 😉

    Liebe Grüße Anna

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  10. Hier in Berlin wird ständig Metallisches geklaut, vorzugsweise von Gräbern oder Kabel aus U- und S-Bahnen. Vielleicht sollte man den Dieben mal ein paar kleine Tipps geben, wo gut was zu holen ist, dann müssen sie sich hier nicht auch an wirklich schönem alten Grabschmuck vergreifen oder den ÖPNV still legen. 😉

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    • In unserer Gegend kommen solche Diebstähle auch vor. Besonders beliebt sind Kupferkabel. Aber solche Skulpturen würde man sicher auch nehmen – wundert mich fast, dass sie noch da sind. 😎

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  11. Deine Beschreibung ist auf jeden Fall sehr gelungen und damit Kunst. Der Rest…. jaaaaaa…. ähem…. also die Steinfiguren können definitiv weg. Bei den Metalldingern kommt es ganz aufs Umfeld an.
    Bei uns in der Nachbarschaft ist übrigens mal ein 1,50 m hoher Plastikgartenzwerg einem Anschlag mit Feuerwerkskörpern zum Opfer gefallen. Er sah danach (ohne Kopf und leicht zerschmolzen) deutlich besser aus als vorher. Vandalismus im Sinne des guten Geschmacks… Und, nein, ich war’s nicht.

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    • Danke, liebe Christiane! Diese Steinfiguren sind grausig, manche der Metallskulpturen würden frei und allein stehend sicher ganz gut wirken, aber so leider nicht.

      Zerschmolzener Gartenzwerg – oh, DAS ist ein SEHR spezielles Kunstwerk! 😆

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  12. Also ich muss immer ein wenig schmunzeln, wenn ich in besagte Straße komme. Da haben sich die offensichtlich gut betuchten Hausbesitzer doch etwas übernommen. Die „Villa“ mit den Säulen übersteigt aber definitiv jede Toleranzgrenze in Sachen Geschmack.

    Dagegen lobe ich mir den Petrisberg. Über die Gebäude dort lässt sich zwar auch diskutieren. Aber da steckt wesentöich mehr Konzept dahinter, als man glaubt. Das lässt sich aber oft erst erkennen, wenn man in das Wohngebiet mit seinen Höfen und Patio-Häusern geht.

    Kunst kommt auch von Können. Kunstwerke aufzustellen und dann das Umfeld zu vernachlässigen wäre auch ein Konzept. Aber das gilt höchstens für die rostende Fassade des Plattenbaus oder den Turm Luxemburg.

    Mein Tipp: Wenn Du diesen Beitrag fortsetzen willst, dann schaue doch mal in das Neubaugebiet von Trier-Irsch 😉

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

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    • Ich kann mich nicht entscheiden, was ich schlimmer finde: Die Säulen“villa“ oder die Burg mit der Putte! 😆 Der relativ einheitliche Stil oben am Petrisberg gefällt mir dagegen viel besser, auch wenn er eigentlich schon längst wieder „out“ ist. Nichtsdestotrotz würde ich dort nicht wohnen wollen, mir ist die Bebauung einfach zu dicht.

      Das Irscher Neubaugebiet muss ich dann wohl auch mal besichtigen. Außerdem Roscheid, Gusterath, … wird Zeit, dass meine Achillessehne Ruhe gibt, damit ich wieder einen größeren Aktionsradius habe. 😎

      Liebe Grüße,
      Anne

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