Läufer, Jäger und Sammler

Der Urzeitmensch lebte bekanntlich als Jäger und Sammler. Und als Läufer. Schließlich musste er das, was er jagen und sammeln wollte, erst einmal irgendwo in den Weiten der Steppe ausfindig machen, verfolgen und erbeuten.2014-08-10_Hügellauf05Der moderne Mensch trennt diese Tätigkeiten. Das Jagen überlässt er meist anderen – oder er isst gleich gar kein Fleisch mehr. Zum Sammeln nimmt er ein vierrädriges Stahlgefährt und wirft dort hinein, was in meterhohen Regalen und Kühltheken links und rechts von ihm aufgetürmt ist.Um in dieses Sammlerparadies zu gelangen, nutzt er ein größeres vierrädriges Stahl-Plaste-Gefährt, das noch dazu fürchterlichen Lärm macht und stinkt. Und wenn er die Nahrungsbeschaffung hinter sich gebracht hat, begibt sich so mancher mit diesem Gefährt sogar zum Laufen.2014-08-10_Hügellauf03Ich nicht. Erstens mangels Stahl-Plaste-Vehikel und zweitens, weil ich genau so gut von der Haustür loslaufen kann. Heute kommt der kleine Rucksack mit. Eigentlich soll es ein wenig länger werden und im Wald gibt’s leider nichts zu trinken – von Bachwasser mal abgesehen, dessen Qualität ich allerdings wegen der intensiven langwirtschaftlichen Nutzung der Wiesen ringsum nicht traue.2014-08-10_Hügellauf09Eiweiaua, das ist irgendwie anstrengend heute. Klimatisch irgendwo zwischen türkischem Dampfbad und tropischem Regenwald, trotz moderater Temperaturen. Geologisch scheint sich auch was getan zu haben, jedenfalls sind Wege, die früher definitiv flach waren, plötzlich zu Anstiegen mutiert.2014-08-10_Hügellauf06Außerdem hat jemand über Nacht Blei in meine Oberschenkel gefüllt … gut, es könnte auch der ungeplante Tempolauf von gestern gewesen sein. Zusammen mit der Einheit vom Donnerstag waren das in einer Woche mehr schnelle Kilometer als in den letzten 4 bis 5 Wochen zusammengenommen. Von nix kommt nix – auch keine dicken Beine.2014-08-10_Hügellauf02Mal gucken, wie weit ich komme. Schön ist es hier jedenfalls. Nach 7 Kilometern bleibe ich zum Trinken stehen. Stille. Nur der Bach neben mir plätschert, gelegentlich zwitschert ein Vogel. Die Luft ist nicht wirklich frisch, aber doch einigermaßen klar. Und sie riecht nach … Pilzen! Keinen Meter neben dem Weg hat sich dieses Prachtexemplar von einem Steinpilz breit gemacht!

2014-08-10_Hügellauf10

Neeeein, der ist nicht im Blumenkasten gewachsen – auch wenn ich nix dagegen hätte.

Der Mensch ist Läufer – und Sammler! Also rein damit in den Rucksack. Der geht zwar nicht mehr richtig zu, aber irgendwie hält das schon. Wie gut, dass es überhaupt Laufrucksäcke gibt. Wie hat der Urzeitmensch bloß ohne sie überleben können?2014-08-10_Hügellauf04Und weil ich eh müde bin, erlaube ich mir, mitsamt meiner Fracht die Runde ein bisschen abzukürzen. Entdecke auf diese Weise noch einen schönen ansteigenden Weg mit tollen Panoramablicken über das Tal, den ich vorher noch nie gelaufen bin. Und einen weiteren etwas trailigen Weg, der eine schöne Alternative zum festen, aber auch etwas monotonen Hauptweg bildet.

2014-08-10_Hügellauf08Irgendwie wollen die Beine trotz Müdigkeit in dieser Woche ein bisschen schneller, auch auf dem Rückweg. Sollen sie halt. „Lang und langsam“ wäre zwar mit Blick auf einen möglichen Halbmarathonstart Ende August sinnvoller, aber „mittellang und moderat bis zügig“ ist das, was der Körper verlangt.2014-08-10_Hügellauf07Und außerdem muss der Inhalt des Rucksacks ja nach Hause, um später mit Rosmarin, Schalotten, Olivenöl und einem Schuss Sahne in der Pfanne zu landen. 437 Gramm. Ordentlich Pasta dazu, das sollte zum Sattwerden reichen. Wenn ich mich dann bis Mitte, der Woche hier nicht mehr gemeldet haben sollte, war es wohl doch kein Steinpilz. 😉2014-08-10_Hügellauf01

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26 Gedanken zu “Läufer, Jäger und Sammler

  1. Liebe Anne,

    ich hoffe doch sehr, dass es sich um einen Steinpilz handelt, leider habe ich ausser von Pfifferlingen absolut keine Ahnung, was Pilze angeht 😉
    Das Wetter ist wirklich momentan der limitierende Faktor, was die Länge der Distanzen angeht. Soviel Wasser wie notwendig ist, kann man gar nicht im Rucksack mitnehmen. So jedenfalls entsteht der Eindruck. Den Halben machst Du wahrscheinlich ohne größeren Probleme, Deine Grundlage ist doch ganz ordentlich.

    Salut
    Christian

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    • Lieber Christian,
      Pfifferlinge, Champignons, Birkenpilze, Maronen und eben Steinpilze kann ich zuverlässig erkennen. Ausgezeichnete Überlebenschance also!
      Auf meiner Tour bin ich mit ein paar Schlucken Wasser ausgekommen. Aber ich weiß genau, dass der halbe Liter nicht gereicht hätte, wenn ich wirklich über 2 Stunden unterwegs gewesen wäre. Schwüle ist echt fies.
      Was den HM angeht: Doch, ich denke auch, die Grundlage reicht, um heil anzukommen. Besonders schnell wäre ich ja auch mit guter Vorbereitung nicht. 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  2. Es ist zum Glück definitiv ein Steinpilz, deinen Blog hätte ich auch schwer vermisst 😉
    Ich bin meistens ohne Rucksack unterwegs und schon so manches Mal mit dem Fahrrad zur „Ernte“ zurück gekehrt.
    Steinpilze sind mit Semmelknödel auch super lecker 🙂
    Ich starte jetzt mit dem Radl in den KemptenerWald – natürlich mit Rucksack.
    LG Elke

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    • Liebe Elke, erst habe ich auch überlegt, ob ich später mit einem Korb zurück komme. Aber mehr als den einen Pilz hätte ich eh nicht brauchen können (oder ich hätte zu viel Arbeit mit der Weiterverarbeitung gehabt). So war’s schon gut.

      Viel Spaß mit dem Radel gehabt zu haben! Hier schauert es den ganzen Nachmittag, daher bin ich froh, mein Sportprogramm schon hinter mir zu haben.

      Liebe Grüße,
      Anne

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  3. Wäre vielleicht doch besser gewesen
    hätte ich mich auf den Weg zu dir hin gemacht
    mit Rucksack
    zum Ersten
    dieses Prachtexemplar kannst du unmöglich alleine verspeisen
    zum Zweiten kenne ich noch jemanden
    der Pilzliebhaber – und kenner ist
    zum dritten könnte ich dann als Nichtpilzliebhaber
    dafür Sorge tragen
    dass im Falle eines Falles
    eine hilfreiche Hand zur Verfügung steht
    die rechtzeitig die drei Tasten auf dem Smartphone betätigen kann ! 😉

    Schon gespeist ?
    Dann bitte alle zwei Stunden ein Lebenszeichen !

    Der ist ja abartig groß ! 😉

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  4. Wow, ein ganz schönes Exemplar! Steinpilze erkenne ich auch. Aber ansonsten – Fehlanzeige.
    Lass‘ es Dir schmecken, liebe Anne.
    Lang und langsam war angedacht – und es wurde doch etwas schneller und dafür etwas kürzer. Dafür aber mit Beute und auf neuen Wegen unterwegs. Ist doch prima! Und den HM, den schaffst Du sicher!
    Liebe Grüße
    Bianca

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    • Danke, liebe Bianca – er war fantastisch! 🙂

      Allerdings bin ich jetzt so vollgefr###en, dass ich mir nicht vorstellen kann, in diesem Leben jemals wieder zu laufen. Der Weg von der Spüle an den Wohnzimmertisch war schon eine Herausforderung! 😆

      Liebe Grüße,
      Anne

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  5. Boah, das ist ja mal ein Pilz. Ich arme Städterin muss den teuer beim liebsten Italiener in Köln bezahlen. 🙂 Aber toller Geschmack, oder? So selbst gefunden würd mir das ja auch noch besser gefallen.

    Die Bilder versöhnen mich wieder mit den Brückenbildern. Alles gut. 🙂

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    • Fahr doch am Wochenende mal ein Stück raus, liebe Anja! Feuchtigkeit plus Wärme ergeben bestes Pilzwetter! 😎

      Ja, das sind meine „normalen“ Laufstrecken. Über die Brücke laufe ich eigentlich nur noch, wenn ich unbedingt mal flach und schnell rennen will …

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    • Statt Rosmarin hab ich dann doch einen Rest Bärlauchpesto genommen, dazu etwas mildes Currypulver – und statt Pasta gab es Kartoffelnaus dem eigenen Garten. Konzentration besser? 😉

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  6. Liebe Anne,
    trotz Schwüle hast Du einen schönen Lauf gehabt und dazu noch selbst erjagten Pilz! Vermutlich schmeckte das Teil sehr gut. Und ich vertraue mal auf Deine Pilzkenntnis!
    Liebe Grüße
    Elke

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  7. Liebe Anne,

    Läuferin und Sammlerin – wirklich ein schönes Exemplar!! Steinpilz würde ich wahrscheinlich auch kennen, und Pfifferlinge natürlich. Leider bin ich schon lange nicht mehr dazu gekommen, nach sie zu suchen. Eine kleine einsame Pfifferling bin ich schon immer wieder vorbei gerannt, aber die lohnt es sich nicht wirklich mitzunehmen… deine Riese natürlich schon!! 🙂

    Ich kann mir sehr gut denken, wie gut er nach dem Lauf geschmeckt hat!!

    Ich wünsche dir noch einen schönen Restsonntag – Beine schön ausruhen!! 😉

    Liebe Grüße Anna

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    • Liebe Anna,

      theoretisch müsste es doch in deinen Laufrevieren jede Menge Pilze/Schwammerl geben?! Normalerweise lauf ich auch dran vorbei, weil ich zum systematischen Sammeln keine Lust habe und so ein paar Mini-Pilzchen für eine Mahlzeit nicht reichen. Aber bei so einem Riesen … und er war köstlich.

      Beine und Kopf sind halbwegs ausgeruht – die neue Woche kann kommen.

      Liebe Grüße,
      Anne

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  8. Mann! Den hast Du ganz allein erlegt und gegessen? Respekt! Du hättest ihn auch ausstopfen und über den Kamin hängen können…. :mrgreen:
    Hör nicht auf mich, da spricht der pure Neid der Pilzunkundigen. Dabei ess ich sie doch so gern…

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    • Ein Foto bloggen und darüber schreiben – das ist doch sowas wie das neue Ausstopfen! 😆

      Mach doch mal eine Pilzwanderung mit, danach bist du schlauer. Ich hab’s von meinem Vater gelernt. 😎

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  9. Liebe Anne,
    wow, das ist kein Schwammerl mehr, das ist ein… hmmm Schwamm? 😉
    NÖ! Ein Prachtexemplar! Alleine dafür hat sich der Lauf mit Bleibeinen durch die Tropen doch gelohnt oder?
    Ich freue mich heute schon von dir gelesen zu haben, denn so weiß ich, es war wirklich ein Steinpilz und du bist wohlauf! 🙂

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    • Liebe Doris,

      in der Tat, der Lauf hat sich gelohnt. Wenn ich allein denke, wie viel Geld gestern in meinem Magen gelandet ist… 😉 Im Ernst: Solche Mengen Steinpilz würde ich mir sonst nicht leisten, obwohl er so gut schmeckt.

      Liebe Grüße
      Anne

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  10. Hach, wir waren doch vorgestern auch Pilze suchen. Aber so einen Monsterpilz haben wir leider nicht gefunden.
    Ich denke mal, der hat dir sicher gut geschmeckt 🙂
    Da du ja jetzt richtig sammelst, also nicht mit dem Metallding an den Regalen vorbei, sondern so im Wald halt, hoffe ich aber sehr, das du das mit dem richtigen Jagen sein läßt. Du wirst doch jetzt nicht etwa auf süße kleine Häschen oder Rehe schießen?????
    Besser kein Fleisch essen 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

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    • Reines Anfängerglück, liebe Helge! Er war köstlich – ganz ohne Fleisch dazu! 😎

      Was das Jagen angeht: Ich bin doch nicht Karina und ziehe mit Pfeil und Bogen durch den Wald! 😆 Also keine Sorge: Die Hasen, Rehe und Wildschweine dürfen weiterleben. Und die Schinkenwürfel für’s nächste Pilzragout hole ich (wenn es doch mal fleischhaltig sein soll) aus dem Kühlregal! 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  11. Wow, was für ein toller Prachtpilz. Ich hab ja keine Ahnung von Pilzen und würde nur dran vorbeilaufen. Wenn es aber kein giftiger Pilz ist, kann ich mir gut vorstellen, dass er ein leckere Speise bereiten kann.
    Lieben Gruß
    Kornelia

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