Am Busen der Natur

Wach bin ich schon um 5:45 Uhr. Aber bis ich den quengelnden und sich unter Protestschreien auf den Boden werfenden Schweineelch in zwei Bechern Kaffee ertränkt und gefühlte drei Tonnen Weinbergschnecke in die Laufklamotten gestopft und an die Mosel manövriert habe, ist es kurz nach 7 Uhr.2014-07_27_Markusberg-Busental_29Gestern Abend im Bett hab ich mir was vorgenommen. So halb. Wenn die Beine mitmachen. Ich war ewig nicht mehr am Trierer Busen der Natur, genauer: Im Busental. Das hat seinen Grund. Es liegt dummerweise hinter dem Markusberg …. jaaaa, genau, hinter DEM Markusberg, der so verflixt weit oben ist.

2014-07-27_Berglauf 27.07.2014, HöheDer dichte Morgennebel über den Höhen verbreitet nicht nur zauberhafte frühherbstliche Stimmung. Er hat auch einen weiteren großen Vorteil: Er verbirgt gnädig das hoch(f)liegende Ziel in einer dicken Watteschicht und macht den Lauf zur einer Expedition ins Unbekannte.2014-07_27_Markusberg-Busental_06Ich hab mir dieses Mal den Weg ausgesucht, den ich von meiner Studentenbude aus so oft entlang spaziert bin: Von der Kaiser-Wilhelm-Brücke aus über Kopfsteinpflaster direkt an der roten Felswand entlang bergauf. Verbotenerweise, wie ich oben angekommen feststellen muss. Ganz ehrlich, unten ist mir kein Schild aufgefallen.2014-07_27_Markusberg-Busental_07 2014-07_27_Markusberg-Busental_08Weiter geht es bergauf an der Straße entlang Richtung Mariensäule durch offene Streuobstwiesen. Böse bergauf. Alles in Allem sind es von der Brücke bis nach oben 2 Kilometer mit 180 Höhenmetern.2014-07_27_Markusberg-Busental_09 2014-07_27_Markusberg-Busental_10Gehen ist für mich an ein paar Stellen auch nicht wesentlich langsamer als Laufen. Und die Treppe hoch zur Mariensäule wird eh nicht gelaufen.2014-07_27_Markusberg-Busental_27Oben an der Säule gilt erwartungsgemäß: „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts!“. Schon sehr besonders, die Stadt unter sich erwachen zu hören, aber optisch nicht einmal erahnen zu können.

Weiter hinauf zu den Häusern oben auf dem Markusberg. Direkt am Café „Zur schönen Aussicht“ zweigt das Sträßchen ins Busental ab.2014-07_27_Markusberg-Busental_17Durch den Mischwald laufe ich leicht bergab, durchquere die kleine Siedlung mit ihren fünf, sechs Häusern und folge dem Straßenverlauf durch das Wiesental.2014-07_27_Markusberg-Busental_14 2014-07_27_Markusberg-Busental_13An einem versteckt am Waldrand gelegenen Häuschen geht die Straße in einen Weg über, der durch den dichten Mischwald oberhalb des Sirzenicher Bachs führt. Der Regen der vergangenen Tage hat die Oberfläche auf den ersten paar hundert Metern etwas verschlämmt, so dass ich sehr aufpassen muss, wo ich hintrete. Aber danach läuft es sich auf dem festen, leicht geschotterten Waldweg ganz wunderbar.2014-07_27_Markusberg-Busental_15Mich richtig einsam fühlen und Angst haben muss ich auch nicht, denn die „bescheidenen“ Wochendend-Behausungen im Tal habe ich ständig im Blick. 2014-07_27_Markusberg-Busental_16

Irgendwann gabelt sich der Weg und ich muss mich entscheiden: Hoch nach Sirzenich und von da „irgendwie“ – vielleicht durch’s Gillenbachtal – zurück? Oder Richtung Mohrenkopf und über den Markusberg auf dem gleichen Weg, den ich gekommen bin?

2014-07_27_Markusberg-Busental_21Letzteres! Denn inzwischen kommt die Sonne raus – vielleicht bekomme ich doch noch ein bisschen Panoramablick! Also langsam bergauf, vorbei am zum Glück noch geschlossenen Café Mohrenkopf, durch die Siedlung und teils auf der Straße, teils auf Seitenwegen – der Ausschilderung des Moselhöhenwegs folgend – zur Mariensäule. Doch, das ist schon ein ganz anderes Bild!

Ebenso in den Wiesen – einfach schön. Die Straße läuft sich bergab allerdings unangenehmer als bergauf – die Kombination aus „relativ steil“ und „schief“ (d.h. von der Mitte zu den Rändern stark abfallend) ist fies. Ein Gefühl, als hätte man unterschiedlich lange Beine und könnte seine Gräten nicht mehr richtig steuern, sobald man schneller wird. 2014-07_27_Markusberg-Busental_28Hinter der ehemaligen Katholischen Akademie laufe ich nicht rechts Richtung Römerstraße, sondern links hinunter, um den kurzen Weg am Bach noch mitzunehmen, der dann mitten in Pallien endet.

Über die Kaiser-Wilhelm-Brücke und dann wieder schön gemütlich an der Mosel entlang, wo inzwischen Rush Hour für Läufer/innen herrscht. Und inzwischen sieht man auch von unten, wo ich mich gerade rumgetrieben habe.

Doch, eine sehr lohnende Strecke! Und auch noch quasi beliebig ausbaubar dort oben im Wald. Am Busen der Natur isses halt schön.

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30 Gedanken zu “Am Busen der Natur

  1. Liebe Anne,

    nettes Höhenprofil und v.a. schöne Landschaft, wenn auch der Ausblick etwas vernebelt war 😉
    Vielleicht besteht das Verbot der Benutzung des Fußweges auch nur bergab, obwohl, das ja auf Steinschlag keinen Einfluss haben kann. Irgendwie komisch, aber Du bist ja weder von Amts wegen noch von einem herabfallenden Stein verwarnt worden 🙂
    Ich wünsch Dir einen angenehmen Sonntag…

    Salut
    Christian

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    • Lieber Christian,

      ach ja, SportTracks macht aus ein paar Hubbelchen ein alpin anmutendes Profil – sieht anspruchsvoller aus als es ist. 😉

      Ich denke schon, dass das Verbot in beide Richtungen gilt. Aber was soll’s? Heil durchgekommen und nicht erwischt werden. 😎

      Dir auch einen schönen Restsonntag, liebe Grüße,
      Anne

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  2. Liebe FrauWeinbergschnecke,

    wenn du regelmäßig Kämpfe mit diesem mir völlig unbekannten Tier durchzustehen hast, hier mein wohl gemeinter, freundschaftlicher Rat: Lass‘ ihn von dannen ziehen, ignoriere ihn, und du wirst sehen, eines Tages verliert er endgültig die Lust, sucht sich ein anderes Opfer aus, damit du zu früher Stunde völlig losgelöst, ohne jegliche Querelen das Busental erobern kannst.

    Bei dir schon früh herbstlich
    bei uns Sommer in vollendeter Ausführung
    allerdings auch mit Schwüle
    wie gut
    dass ich nicht laufen muss
    obwohl mich keine schwer zu bewältigenden Tiere davon abhalten würden !

    Bergab laufen fand ich in meiner Ex-Heimat auch eher unangenehm
    mochte auch lieber das Bergan
    wie im richtigen Leben ! 😉

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    • Liebe Frau Ultraistgut,

      nein, das Tier belästigt mich nicht regelmäßig. Vermutlich war es nur ein ganz normaler Morgenmüdigkeitsanfall, wie du ihn auch kennst – nur hab ich dann halluziniert und Elche gesehen, wo keine waren! 😆

      Heute mittag hätte ich die Strecke auch nicht mehr laufen mögen, denn schwül ist es hier auch. Fahrradwetter. Höchstens. 🙂

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  3. Du entwickelst Dich ja so langsam richtig zu einer „Bergziege“, liebe Anne 😎

    Und in Sachen langen Läufen bist Du auch wieder richtig gut dabei. Besser kann es zur Zeit doch gar nicht sein, oder? 😀

    Liebe Grüße aus dem sonnigen und schwülen Oldenburg
    Volker

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    • Sagen wir lieber, ich versuche meinem Namen gerecht zu werden, damit ich mich nicht in Moselschnecke umtaufen muss, lieber Volker. 😎 Aber es läuft wirklich ganz ok. Wenn ich 2 x wöchentlich so etwa eine Stunde unterwegs bin und am Wochenende irgendwas um die 2 Stunden laufe, passt das sehr gut. 🙂

      Lieben Gruß zurück bei gleichen Wetterbedingungen,
      Anne

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  4. Liebe Anne,
    wow, was für ein schöner langer, hügeliger Lauf! 🙂 Und das nach einem morgendlichen Gefecht mit deinem Schweineelch! Hut ab! 😉
    Nur eins musst du mir erklären. Wieso ist ein Tal denBerg hoch? Die liegen doch sonst immer unten??? Habt ihr da was umgedreht? 😉
    Schönen Restsonntag noch!

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  5. Liebe Anne,
    einen schönen Lauf hast Du Dir herausgesucht! Und wurdest belohnt mit einer schönen Stimmung unterwegs und einer tollen Aussicht auf dem Rückweg. Was will man mehr!
    Liebe Grüße
    Elke

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    • Liebe Elke,

      ja, ich war auch ganz begeistert. Und da oben gibt es noch so viele schöne Wege, die ich ausprobieren kann. 🙂 Alles super also! 😎

      Liebe Grüße,
      Anne

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  6. Ach Anne, zauberhafte Bilder mal wieder. Das ist aber auch eine verdammt schöne Laufregion. Und Du hast auch was vom Nebel gehabt – Nebel und dann lichtender Nebel bei einem Lauf ist halt doch perfekt.

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  7. Liebe Anne,

    da hattest Du heute mehr Glück als wir gestern und auch noch die Entnebelung des Tals erlebt. Das ist natürlich an so einem Morgen wirklich die Krönung.

    Der Halbmarathon in Schillingen wird ein Klacks für Dich, wenn Du weiterhin so fleißig die Hügel hoch rennst. 😉

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

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    • Lieber Rainer,

      ja, das Timing hat super gepasst – ich hab’s genossen! 🙂 Zum Glück ist Schillingen ja noch ein paar Wochen hin und es bleibt Zeit zum Hügel-Rennen, denn von „Klacks“ bin ich noch ein gutes Stück entfernt. 😎

      Liebe Grüße,
      Anne

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  8. Liebe Anne,

    eine sehr schöne Morgenrunde, dafür es sich gelohnt hat aufzustehen und die auch noch mit einem schönen Aussicht belohnt wurde! 🙂

    So was mit dem Verbotsschild habe ich auch schon erlebt – in der eine Richtung stand nichts, und als ich am anderen Ende angekommen bin… Weg gesperrt… gut, dass nichts passiert ist!

    Ich hoffe du hattest danach auch einen schönen Restsonntag!

    Liebe Grüße Anna

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    • Liebe Anna,

      ja, wie gut, dass der Nebel sich noch lichtete, das war sozusagen die Kirsche auf der Torte. 🙂

      Der Weg ist tatsächlich nicht vollkommen ungefährlich, denn als er noch offiziell begangen werden durfte, sah man oft Reste von Steinschlag. Und jetzt wird er nicht mehr gepflegt, daher muss man aufpassen, die Stolperfallen unter Moos und Gras zu vermeiden. Vielleicht lauf ich beim nächsten Mal doch lieber eine andere Strecke – wobei die so steil ich , dass ich mit Sicherheit ein Stück gehen müsste.

      Der Sonntag war noch sehr faul – ich war irgendwie müde. 😎

      Liebe Grüße,
      Anne

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  9. Hügel, Berge, Steigungen – Anne, Du hast mal wieder meinen Respekt! Schaut echt klasse aus!
    Ab morgen muss ich wieder arbeiten, das werde ich auch wieder früher aufstehen müssen, und am Wochenende hoffentlich mal wieder zu einem frühen Morgenlauf starten können.
    Liebe Grüße
    Bianca

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    • Danke, liebe Bianca!

      Guten Wiedereinstieg in den Job – und am Wochenende (hoffentlich aber auch schon vorher) viel Spaß beim Laufen!

      Liebe Grüße,
      Anne

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  10. Liebe Anne,
    da war ich ja ewig nicht mehr. Die Tierchen sind wirklich nett. Bei Irsch gibt es davon auch welche. Als Relief und auch „freilaufende Skulpturen“.
    Schillingen? Oh ja, das lohnt sich. Bis zum Herbst hast du das sicher drauf. Kein Thema, wenn du jetzt schon den Markusberg erklimmst. 🙂
    Liebe Grüße
    Birthe

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    • Liebe Birthe,

      da oben wird es in ein paar Wochen sicher auch noch schön sein. Vor allem im Oktober, wenn das Laub sich verfärbt. Wär doch mal wieder eine schöne Tour?! Ich muss auf jeden Fall vor Schillingen nochmal da hoch (bzw. ähnliche Strecken laufen). Rekorde will ich nicht aufstellen. Aber wie letztes Jahr beim Maare-Mosel-Lauf gut im hinteren Feld „mitschwimmen“ und dabei noch Zeit für Fotos haben – das wäre schon fein. 😎

      Holzskulpturen bei Irsch? Da muss ich mal auf die Suche gehen. 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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      • Wir könnten auch mal die Schillinger Strecke ablaufen, wenn du willst. (So schlimm ist die gar nicht.) Es sei denn, du hast die Überraschung lieber. 🙂 Man kann auch am Holzerather See bzw. Dreimörder starten und den „langweiligen Straßenteil“, sprich Hin- und Rückweg zum Wald, weglassen.

        Gute Suche. Vielleicht schaffst du es ja vor mir, da mal eine Kamera hinzuschleppen. Mmmmh, das wäre natürlich mal eine neue Idee einer relativ kurzen Runde.

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        • Vielleicht lassen wir besser den langweiligen Teil weg, denn sonst wird der Lauf in doppelter Hinsicht langweilig für dich – selbst als Rekonvaleszentin bist du ja eigentlich viel zu schnell für mich und müsstest dich ganz schön anpassen. Wenn dir das wirklich nix macht, lass uns doch mal was vereinbaren. 🙂

          Liebe Grüße,
          Anne

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  11. Hallo, jaaa, außerordentlich gesprächige Weinbergschnecke – auch ich – eine gebürtige Triererin habe durch Zufall „Blog“ überhaupt erst einmal entdeckt – gestern. Und nun krieche ich mit größter Überraschung heute wieder auf den sogar wunderbar, sichtbaren Wegen hin, zum Busental. Maria, auf ihrer Säule stehend, ist ein anatomisches Wunder! Sie hat auch ein Busental im Rücken! „Weltkulturerbe“ schon gewusst? Ich bin unmittelbar am westlichen Moselufer aufgewachsen, nahe der E.Kunstakademie. Vielleicht begegnen wir uns einmal, wenn ich wieder mal in Trier bin. Wünsche fröhliches Kriechen und bestes Wetter dazu—-Grashupfer

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    • Komisch, warum ist mir dein Kommentar nur „durchgerutscht“, liebe Maria? Herzlich willkommen auf meinem Blog!

      Du bist also eine Exil-Triererin aus Pallien – oder gehört die Kunstakademie schon zu Trier-West? Wie auch immer, schön, dass ich in dir die Erinnerung wach rufen konnte. „Weltkulturerbe“ – ja, die Stadt wirbt damit. Vielleicht besuchst du sie ja bald wieder und dir kriecht dann eine Weinbergschnecke über den Weg?! 😉

      Vielen Dank dir und viele Grüße,
      Anne

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