Sonnenaufgang über Spargelfeldern

Die morgendliche „blaue Stunde“ laufend erleben und einmal „der früheste Vogel“ sein – dafür muss man im Hochsommer früh raus. 4:10 Uhr zeigt der Wecker beim Klingeln. Wach werden, beschleunigt durch einen Becher kalten Kaffee, der von gestern Nachmittag übrig ist. Und um 4:35 Uhr raus aus dem Haus.2014-07_19_MorgenlaufKorlingen_12Tatsächlich: Der früheste Vogel bin heute ich! Erst gegen viertel vor 5 setzt das Konzert ein. Nur vereinzelt durchbricht Motorengeräusch den vielstimmigen Gesang – vermutlich Discopublikum auf dem Heimweg. Ich lass mich einfach durch die Morgenfrische treiben: Von Olewig Richtung Irsch, auf dem leicht ansteigenden Radweg, trotte ich langsam, aber gleichmäßig durch die Dämmerung.

Am Ortsausgang von Irsch ist es dann endlich hell genug für ein paar erste Bilder. Und die ersten Schlucke aus der Wasserflasche sind fällig, bevor es kräftiger aufwärts nach Hockweiler geht, wo noch Relikte des nationalen Freudentaumels über Ställen und Misthaufen wehen.2014-07_19_MorgenlaufKorlingen_05Hinter Hockweiler eine steile Rampe hinauf auf die Korlinger Höhe zwischen Filsch und Pluwig. Und dann: Laufend Sonnenaufgang gucken! Hinter den zahlreichen Windrädern, die wie überdimensionale Spargelstangen aus den Feldern hervor schießen, schiebt sich langsam ein orangeroter Ball über den Horizont und färbt den Saum des Himmels leuchtend ein.

Zauberhaft! Und auch irgendwie traurig: So was Wunderschönes gibt’s fast jeden Tag – und wir verpennen es üblicherweise. Oder wir sind schon so mit den Vorbereitungen unseres Tagwerks beschäftigt, dass wir es gar nicht registrieren! Tja, und irgendwann stellen wir dann fest, dass uns nicht mehr viele Sonnenaufgänge bleiben …2014-07_19_MorgenlaufKorlingen_16Ein paar Kilometer laufe ich mit Panoramablick: Rechts die Felder unter der aufgehenden Sonne, links die Ausläufer der Stadt. Kornfelder, teils schon gemäht, Pferdekoppeln, einige Mais-Urwälder – oberhalb von Tarforst wird noch intensiv Landwirtschaft betrieben.

2014-07_19_MorgenlaufKorlingen_08

So langsam fangen die Beine doch ein bisschen an müde zu werden. Das unrhythmische Laufen mit vielen Fotostopps tut ihnen auch nicht so richtig gut. Zum Glück hat der Bäcker auf dem Petrisberg schon auf. Ein gezuckertes Getränk hilft, die letzten 3 Kilometer zu überstehen, und die Frühstücksbrötchen passen gerade noch so in den Rucksack. 20 genussvoll-anstrengende Kilometer – jetzt kann meinetwegen die große Hitze kommen.

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30 Gedanken zu “Sonnenaufgang über Spargelfeldern

  1. Liebe Anne,

    vielen Dank für dieses grandiose Bild des Tagesbeginns und ich gebe Dir Recht, viel öfters sollte man dies bewußt erleben, aber wie Du schon geschrieben hast es passt nicht in unsere Tagesstruktur 😉

    Witzig ist aber, dass Du aus dem Bett bist, als ich nach mehr als 3 Stunden Nachtgerenne durch den Wald in das Bett gestiegen bin 😀 Ist das jetzt Schichtlaufen?

    Schönes (heißes) Wochenende

    Salut
    Christian

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    • Lieber Christian,

      ja, in die normale Tagesstruktur passt es nicht. Aber vielleicht kriege ich es hin und wieder mal am Wochenende hin, obwohl solche Aktionen natürlich den Rhythmus durcheinander bringen. 😉
      „Schichtlaufen“ – genau! Rainer war eine halbe Stunde nach mir dran. Wer dann die Mittagsschicht übernommen hat, weiß ich nicht! 😉

      Viele Grüße aus der Dunkelkammer „Wohnzimmer“ – nur so lässt es sich aushalten,
      Anne

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  2. Kann ich nur immer wieder sagen:
    schade schade schade
    dass ich soweit weg von dir wohne
    zu zweit wäre es sicherlich noch schöner gewesen
    wenngleich ich so früh noch nicht über ein großes Vokabular verfüge
    du verstehst
    was ich meine !

    Alles richtig gemacht, liebe Anne
    herrlich in den Tag hinein zu laufen ! 😎

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    • Das wäre ein Lauf nach deinem Geschmack gewesen, liebe Margitta. Wir hätten beide mehr oder weniger schweigend zuerst das Vogelkonzert und dann den Sonnenaufgang genossen, hinterher einen leckeren Kaffee, Brötchen dazu mit Rhabarber-Kirsch-Marmelade genossen und dann die Eindrücke noch einmal Revue passieren lassen …

      Müde Grüße,
      Anne

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  3. 20 mitten in der Nacht begonnene Kilometer! Ich erblasse, liebe Anne. 4:10, da hatte ich noch 6 Stunden Schlaf vor mir 🙂

    Ich bringe diese Disziplin nicht auf, deshalb ist es schön, dass Du diese Momente für uns mit der Kamera festhälst!

    Liebe Grüße
    Volker

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  4. Liebe Anne,
    ich bewundere Deine Disziplin, den Wecker zu stellen und dann auch noch aufzustehen und loszulaufen! Du wurdest wirklich belohnt durch einen schönen Sonnenaufgang. Stimmt, was wir andere da so verschlafen….. Irgendwann schaff‘ ich das auch mal!
    Liebe Grüße
    Elke

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    • Liebe Elke,

      den Wecker zu stellen, ist gar nicht die wahre Herausforderung – die besteht darin, ihn beim Klingeln nicht an die Wand zu werfen. 😆 Wenn dieser Impuls erst einmal verschwunden ist, komme ich eigentlich ganz gut raus. Und bei DER Belohnung!

      Du schaffst das auch, klar! Aber nicht morgen. 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  5. Liebe Anne! Also, ich muss ja jetzt hier meine Bewunderung loswerden. Wenn ich den Wecker dafür stellen müsste, weiß ich nicht, ob ich es täte… Die Bilder sind wunderschön und ich kann es natürlich 1a nachvollziehen. Das schöne ist, dass man sich NIE daran gewöhnt. Es ist jedes mal gleichermaßen schön. 20km waren sicherlich heute früh auch ganz schön warm. Ich kontere morgen mit lockeren 10, glaube ich.

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    • Liebe Anja,

      wenn die Alternative in einem Hitzelauf besteht, dann lieber sowas wie heute. 🙂 Die Eindrücke werden wirklich niemals langweilig, es ist immer wieder neu so schön und lässt staunen!

      Viel Spaß dir/euch morgen früh! 🙂

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  6. Grandiose Eindrücke, die auch das Laufgefühl gut rüberbringen – oder eher das Fluggefühl … so als Morgenvogel … Danke, dass du nicht so fotofaul bist wie z. B. ich es inzwischen bin 😉

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    • Manchmal sollte ich vielleicht etwas fotofauler sein – dieses „Stop-and-Go-Laufen ist dem Rhythmus nicht besonders zuträglich. Aber meist bekomme ich einen ganz guten Kompromis hin. Auch ich möchte ja manche Eindrücke nicht nur im Kopf haben, sondern auch immer wieder betrachten können. 🙂

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    • Auf jeden Fall! Nächstes Wochenende dürftest du dafür sogar schon ein paar Minütchen länger schlafen – die Tage werden kürzer. 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  7. Sehr schön ist das alles, liebe Anne.
    Selbst wenn ich da tagtäglich vorbeikomme.
    (Mir passiert es in letzter Zeit immer wieder, dass ich mit dem Pferd extra da hinreite, wo ich sonst laufe. Bescheuert, was?Umgekehrt hatten wir es auch schon.)
    Und die Reste der WM sind doch ganz nett.
    Wenn du wüsstest was da sonst für eine Fahne hängt, wenn Bundesliga ist….

    Ich glaube ich muss auch mal wieder so richtig früh raus. Das war jedes Mal sehr schön.

    Liebe Grüße
    Birthe

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    • Da oben finde ich es auch immer wieder herrlich! Und ich muss auch unbedingt wieder hin, um zu schauen, welche Fahne in Bundesligazeiten aufgezogen wird … aber natürlich nicht nur deshalb! 😉

      Bald wirst du auch wieder alle Strecken belaufen können, die du so magst. Und dein Pferd wird sich wundern, warum es da nicht mehr so oft hinkommt! 😆

      Das mit dem frühen Aufstehen ist so genial. Noch ein paar Wochen warten, 2 oder 3, dann ist es nicht mehr ganz so elend früh. Und du hast es ja auch nicht so weit bis auf die Höhe … dazu das höhere Tempo … mindestens 1 Stunde länger schlafen als ich, würde ich schätzen! 😎

      Liebe Grüße,
      Anne

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      • Das höhere Tempo (also ehemals locker)…. habe ich heute mal ein paar Kilometerchen versucht (ganze sieben) …hatte verdächtige Ähnlichkeit mit einem Tempodauerlauf….

        Eine Stunde länger schlafen? Wie lang soll denn die Strecke bitteschön sein, dass ich eine ganze Stunde weniger brauche? (Naja, ein Ultra im Training hat auch was.)

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        • Ich musste halt gegen halb 5 los, um mit dem Schlenker via Hockweiler und ein paar Fotostopps pünktlich um kurz vor 6 zum Sonnenaufgang auf der Korlinger Höhe zu sein. Wenn du direkt von daheim losläufst, wirst du kaum eine halbe Stunde brauchen – oder hab ich die Entfernung falsch im Kopf? 😉

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  8. Liebe Anne,
    du bist meine Heldin!
    Nicht nur dass du mitten in der Nacht aufstehst (ja es ist schön, und ja solche Momente bewußt zu genießen gehört zu den absoluten Höhepunkten eines (Läufer)sommers, aber trotzdem ist es hart!), 😀 nein du läufst auch noch einen Halbmarathon mit HM, bei denen ich an Bergschuhe und Kletterseil denke! 😉
    Danke für die tollen Bilder, danke für den Denkanstoß!

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    • Liebe Doris, wenn überhaupt Heldin, dann reichlich müde Heldin, die heute „mit den Hühnern“ zu Bett gehen wird, um morgen einigermaßen ausgeschlafen zu sein. Die Höhenmeter sehen mal wieder beeindruckender aus als sie waren. Sport Tracks stellt harmlos 320 m dar, als hätte man die Zugspitze erklommen! 😆

      Liebe Grüße – gern geschehen! 😎
      Anne

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  9. Toll, Anne. Die Fotos schauen wunderschön aus.
    Ich konnte mich noch immer nicht aufraffen, im Urlaub zu so früher Stunde aufzustehen. Das ist glaube ich doch eher eine Option, wenn ich wieder im Alltagsrythmus bin. Da kommt es auf eine halbe Stunde früher nicht an. Aber wo ich doch jetzt mal ausschlafen kann….
    Liebe Grüße
    Bianca

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    • Danke, liebe Bianca! Ich glaube, der Körper signalisiert, was er braucht. Und wenn du müde bist, schlaf aus, das tut dir am besten! 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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