Guter Rat

Hab ich doch mal auf den Rat von Theodor Fontane gehört: Den Wecker auf 5 Uhr gestellt, mir einen Kaffee eingeflößt und dann laufend geguckt, wie die Welt so aussieht. Sicher nicht das Dümmste, bevor die große Hitze kommt.

 

Guter Rat

An einem Sommermorgen
Da nimm den Wanderstab,
Es fallen deine Sorgen
Wie Nebel von dir ab.

2014-07_17_Morgenlauf_02Des Himmels heitere Bläue
Lacht dir ins Herz hinein,
Und schließt, wie Gottes Treue,
Mit seinem Dach dich ein.

2014-07_17_Morgenlauf_04Rings Blüten nur und Triebe
Und Halme von Segen schwer,
Dir ist, als zöge die Liebe
Des Weges nebenher.

2014-07_17_Morgenlauf_03So heimisch alles klinget
Als wie im Vaterhaus,
Und über die Lerchen schwinget
Die Seele sich hinaus. 2014-07_17_Morgenlauf_05

Als Fontane diese Zeilen zu Papier brachte, waren die Wanderstäbe noch nicht aus Karbon und mit Stahlspitzen bewehrt. Und sie wurden auch nicht ans Handgelenk gebunden und paarweise hinterher geschleift. O tempora … 😎

Außerdem lebte der Gute in einer Zeit, in der sich Literaten nicht zwischen „als“ und „wie“ entscheiden mussten. „Als wie im Vaterhaus“ – für meine Ohren klingt das grauenhaft. Aber manche Sprachwissenschaftler behaupten, das sei früher korrektes Deutsch gewesen. Wahrscheinlich behaupten sie dass nur, weil Goethe in seinem „Faust“ – um des Versmaßes nicht verlustig zu gehen – kurzerhand eine Silbe in die Zeile hineinmogeln musste („Hier steh ich nun, ich armer Tor, und bin so klug als wie zuvor!“). Und was Goethe schreibt, MUSS richtig (gewesen) sein. 😉

2014-07_17_Morgenlauf_01Daher: So früh als wie heute morgen sollte ich viel öfter laufen. Auch wenn das In-die-Gänge-Kommen ein bisschen schwer fiel – das mit den Fontaneschen „wie Nebel abfallenden Sorgen“ beschreibt den Effekt ganz wunderbar.

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18 Gedanken zu “Guter Rat

  1. Liebe Anne,

    Respekt, aber bei den Wetterbedingungen muss man ja so früh als wie möglich los 😉 um nicht zu verdursten und einzugehen als wie eine Primel 😉
    Danke für den historisch literarischen Exkurs mit so vielen Beispielen, Du weißt ja, uns Süddeutschen fällte die Entscheidung zwischen als und wie immer noch schwer, deshalb ist die Lösung beides zu benutzen, in Anlehnung an Goethe und Fontane (Effie, das Biest!), sehr willkommen 😀

    Salut und ein schönes Wochenende

    Christian, der heute nacht um 0.00 Uhr zu einer Waldrunde in Begleitung startet 🙂

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    • Lieber Christian,

      so ein Waldlauf ist natürlich auch eine geniale Sache! Man muss sich was einfallen lassen bei diesen Verhältnissen. Natürlich KÖNNEN wir auch bei Hitze laufen, aber warum sollten wir, wenn wir nicht müssen? 🙂

      Was die „als-wie“-Frage angeht: Ihr Schwaben könnt ja alles außer Hochdeutsch, also seid ich auch, was solche Feinheiten angeht, exkulpiert! 😆

      Viel Spaß heute Nacht und ein erholsames WE,
      Anne

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  2. Guten Morgen, liebe Anne,

    “ Und über die Lerchen schwinget
    Die Seele sich hinaus. “

    Wie Christian schon sagte, fällt es in einigen Regionen den Menschen schwer, sich vom als wie zu trennen, aber nicht nur im Schwabenländle, sondern im gesamten Bundesgebiet, auch mir sträuben sich die Haare !

    Dennoch – was gibt es Schöneres, als ganz früh am Morgen die Pferde zu satteln, für mich mit das Schönste in den Sommertagen, da lohnt es sich, den Wecker zu stellen.

    Frisch ans Werk………………
    deine Kollegen sind bestimmt nicht gelaufen
    sondern kommen vom muffigen Bett direkt an den Schreibtisch
    das hast du ihnen voraus.

    Schönen heißen Tag ! 😎

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    • Liebe Margitta,

      wie gern würdest auch du dich morgens aufmachen, ich weiß! Probier’s: Die Seele schwingt sich bestimmt auch über die Lerchen hinaus, wenn du nicht läufst oder wanderst, sondern Rad fährst! 🙂 Einfach herrlich, die Morgenfrische. Geschwitzt hab ich trotzdem schon wie … 🙄

      Gleichfalls einen schönen Tag – und einen ruhigeren, als (wie 😉 ) ich ihn haben werde!
      Anne

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  3. Ja ja, der Fontane, und der Goethe … Bei Deinen wunderbar getexteten Zeilen kommt die Sehnsucht nach Entschleunigung auf. Dann wäre vielleicht auch die Muße da, in ruhigem Versmaß die Größe der Natur zu beschreiben.

    Danke für diese geistige Erfrischung am Morgen!

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

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    • Danke, lieber Rainer! Die Hast des Tages bietet einen harten Kontrast zu den Zeilen Fontanes. Aber morgen ist Samstag, da können wir laufend über die Lerchen hinaus … bevor die Arbeit an der Terrasse (bei dir) bzw. Garten und Schreibtisch (bei mir) uns wieder auf den Boden der Tatsachen holen. 🙂

      Gern geschehen und liebe Grüße,
      Anne

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  4. Ein schöner Text! Ich bin nun motiviert, mir jetzt im Urlaub den Wecker auch mal früher zu stellen. Jetzt wäre es hier schon zu spät, um zu laufen. Es ist mir einfach zu warm! Ja, morgen gehe ich ganz früh!
    Liebe Grüße
    Bianca

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    • Sehr zu empfehlen, liebe Bianca! Gerade im Urlaub kannst du den Schlaf ja nachholen. Und morgens ist die Luft einfach noch toll!

      Liebe Grüße,
      Anne

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    • Ich hatte gestern erst auch vor, nach der Arbeit zu laufen. Aber selbst gegen 20 Uhr fand ich es zu warm und hab lieber ein wenig im Garten gewerkelt – mit vielen Naschpausen! 🙂

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  5. Da mag der Herr Fontane noch so viel reimen und dichten, um fünf Uhr lockt mich niemand zum Laufen 😉

    Deshalb meine Hochachtung für Deine Selbstdisziplin. Ausgezahlt hat sie sich ja auf jeden Fall. Und neben den Sorgen fallen dürfen hoffentlich auch alle greulichen Gedanken über die Verwendung von Als und Wie von Dir abgefallen sein 😉

    Liebe Grüße
    Volker

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    • Wer nicht früh aufstehen will, muss schwitzen – noch mehr als ich es getan habe! Aber nicht jeder Körper macht das frühe Aufstehen mit.
      Die Gedanken über „als“ und „wie“ finde ich gar nicht greulich. Ich habe einfach ein Faible für Sprache und Reflexionen über ihre Verwendung. 😉

      Schönes Wochenende, lieber Volker!
      Anne

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  6. Liebe Anne,
    ein schönes Gedicht wundervoll optisch bekränzt! Wie schaffen die anderen das immer nur, sooo früh loszurennen?! Habe es heute mal um 1/2 8 geschafft, aber zu so früher güldener Morgenstund war es sicherlich noch viel schöner.
    Ja, was würden Goethe & Co wohl zur heutigen „deutschen“ Sprach noch sagen…?
    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
    Elke

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    • Danke dir, liebe Elke! Zum Glück fällt mir das frühe Ausstehen halbwegs leicht. Momentan habe ich aber ein fieses Mittagsloch! 🙄 Goethe würde wohl im Grabe rotieren – oder sich ob der Kreativität mancher erfreuen. Ich weiß es nicht! 😉

      Schönes WE mit gleichfalls lieben Grüßen,
      Anne

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  7. Halle Anne… ich muss ja nicht extra erwähnen, dass ich das super finde, oder? Der Morgen ist so friedvoll, die Lichtstimmung so schön. Da sind doch sprachliche Kleinigkeiten als wie egal. Schönes Gedicht. Für morgen und übermorgen ist frühmorgendliche Bewegung weiterhin angesagt. 😉

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