Zu früh geduscht – Trierer Stadtlauf 2014

Die Dusche nach einem Lauf ist was Feines. Etwas, auf das man sich schon während des Laufs freut. Warmes Wasser, das den Körper hinab rinnt und die Salzkristalle und den Schmutz wegspült. Duftende Essenzen im Haar und auf der Haut geben ein wunderbares Wohlgefühl.2014-06-29_TriererStadtlauf_03Allerdings denkt man dabei eigentlich an die Geborgenheit der heimischen Sanitäreinrichtungen. Notfalls auch an das Gedrängel in einer überfüllten Schulsporthallen-Massenumkleide und -Dusche. Wenn dagegen bereits unterwegs oder unmittelbar nach einem Wettkampf die Schleusen aufgehen und der Thermostat der himmlischen Dusche auf „ziemlich frisch“ eingestellt ist, kann das ungemütlich werden.2014-6-28_StadtlaufTrier2014 005

Vor allem aber nimmt es der Läuferin einen Teil von dem, was eigentlich eine Volkslaufteilnahme ausmacht: Zuerst atemlos, dann friedlich-entspannt rumstehen, mit anderen Läufern das gerade Erlebte noch mal Revue passieren lassen, die Läufer auf den längeren Strecken, die noch unterwegs sind, anfeuern. Stattdessen sieht jeder schnell zu, dass er ins Trockene kommt, die nassen Klamotten vom Leib kriegt und sich drinnen wieder aufwärmt. Und das ist richtig schade, denn zu treffen gäbe es genügend Menschen beim „Heimspiel“ Trierer Stadtlauf. Zu erzählen auch.2014-06-29_TriererStadtlauf_06In diesem Jahr ist vieles anders als im letzten. 2013 hab ich mich im Rahmen der Aktion „Der TV bewegt“ gezielt auf den 10er vorbereitet, nach Plan trainiert, gedehnt und „geturnt“, ein bisschen auf den Lauf hingefiebert und versucht, eine „gute“ Zeit zu schaffen. In diesem Jahr wollte ich eigentlich gar nicht starten. Und irgendwie landete gestern doch – in einem Moment der Dissoziation (vulgo: geistiger Umnachtung) – eine Startnummer in meiner Tasche. 😉 Also wird mitgelaufen und einfach spontan entschieden, ob möglichst schnell oder gemütlich. Der Plan ist, keinen Plan zu haben.2014-06-29_TriererStadtlauf_02Durch die Fußgängerzone mit den Altstadtfestbuden jogge ich mich ein bisschen ein, nehme mögliche Stolperfallen in Augenschein und registriere erfreut, dass die Laufbedingungen sehr angenehm sind. Mild, aber nicht warm, und trocken. Wenigstens vor dem Start ist noch ein Schwätzchen mit diesem und jenem drin – scheint, als würde keine/r der Lauffreunde das „Heimspiel“ schwänzen. 😉2014-06-29_TriererStadtlauf_05Und dann geht’s los im Schatten der Porta, auf einem Kurs, der schon aus dem vergangenen Jahr bekannt ist. Da war allerdings – des sommerlicheren Wetters wegen – mehr los an der Strecke. In diesem Jahr scheinen weite Teile von Trier noch zu schlafen, die Zuschauerresonnanz ist doch recht gering. Schade!

Ich pendle mich ziemlich schnell auf ein Tempo zwischen 5:40 und 5:45 ein, das sich irgendwie „richtig“ anfühlt – mal gucken, wie lange das gut geht, denn „richtig“ ist auch „richtig anstrengend“. Es geht gut bis etwa km 3. Da taucht die wohl bekannte Kombination aus froschgrünem LG Meulenwald-Trikot und rotem Piratentuch vor mir auf. Harald war in der Startaufstellung ein Stückchen vor mir und ist den Lauf recht forsch angegangen. „Um 1:00 rum“ ist sein ambitioniertes Ziel, das angesichts des flotten Anfangstempos ins Wackeln zu geraten droht.

2014-06-29_TriererStadtlauf_08Na, dann wollen wir mal – gemeinsam geht’s besser. Auf „richtig anstrengend“ hab ich eh keine Lust, zügig und „angenehm anstrengend“ reicht völlig. Also laufen wir jetzt ungefähr im 6er-Schnitt zusammen weiter. Die Strecke kennen wir natürlich beide sehr gut: Die leicht ansteigende Ostallee. Die Kaiserthermen-Unterführung. Die laaaange Saarstraße. Schon überholen uns die ersten Halbmarathonis, die 15 Minuten nach uns gestartet sind. Noch in der Saarstraße die Männer, kurz hinterm Finanzamt die Frauen. Ein Genuss, die schlanken „Local Heroes“ undauswärtigen Renner ihre Beine fliegen lassen zu sehen.

Unsere Beine schlurfen eher etwas. „Unter 1:00“ ist ein bisschen zu ambitioniert – noch! Aber flüssig durchzulaufen ist das Mindeste. Den letzten Kilometer durch die Fußgängerzone säumen dann doch etliche Zuschauer, das Pflaster der Simeonstraße wird zum Läuferlaufsteg. Durch den Torbogen, das Piepsen der Zeitmessung. Feddisch – irgendwo zwischen 1:00:30 und 1:01:00.2014-06-29_TriererStadtlauf_09Gefühlt dauert das Warten auf’s wohlverdiente Weißbier länger als der Lauf, weil nicht alle Erdinger-Mädels das mit dem Einschenken richtig drauf haben.2014-6-28_StadtlaufTrier2014 013Und dann bleibt nicht einmal viel Zeit zum gemütlichen Zuprosten. Schade! Aber wenn man zu früh und zu kalt geduscht wird, muss eben jeder schnell ins Warme. Und jetzt scheint wieder die Sonne … irgendwie gemein! 🙄2014-06-29_TriererStadtlauf_01

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26 Gedanken zu “Zu früh geduscht – Trierer Stadtlauf 2014

  1. Liebe Anne,

    tja heute ist der Regen überall und man muss mit allem rechnen. Schade, dass das gesellschaftliche dadurch zu kurz kam, aber besser als bei 35°C Durst zu leiden 😉
    Die Zeit ist doch ganz ordentlich für die Unbill der letzten Wochen, oder?

    Salut und regenerier schön

    Christian

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    • Die Zeit interessierte mich ja gar nicht, lieber Christian! Es ging einfach um’s Spaß haben und Leute treffen. Wenn ich Harald nicht getroffen hätte, hätte ich wohl versucht, den Anfangsschnitt zu halten und eine 57er-Zeit zu laufen – aber viel weniger Spaß gehabt und trotzdem ein Ergebnis im hinteren Drittel der Liste. 😎

      Danke dir, allzu viel Regeneration wird denke ich gar nicht nötig sein. 🙂

      Anne

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  2. Haste fein gemacht liebe Anne. Wettkampf nach Gefühl laufen und entspannt ins Ziel … alles gut. Nur das mit dem Regen war ja wohl nicht so toll. Erhol dich gut.
    Liebe Grüße
    Tati

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    • Beim Laufen hätte ich den Regen gar nicht so schlimm gefunden. Aber hinterher noch rumstehen und trinken, das ging gar nicht und hätte die Entspannung zunichte gemacht. Schade!

      Liebe Grüße,
      Anne

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  3. Liebe Anne,
    Glückwunsch zum durchgelaufenen 10er trotz vorzeitiger Dusche! Dann hast Du leider das abbekommen, was uns am Freitag erspart blieb. Dennoch, Dein Strahlen auf dem Bild sagt mir, die Anne hatte Spaß!
    Liebe Grüße
    Elke

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    • Liebe Elke, ja, Spaß hatte ich, trotz des Regens. Nur eben schade, dass sich hinterher alle so schnell „trockenlegen“ mussten und daher verschwunden waren.

      Liebe Grüße,
      Anne

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  4. Hipp-Hipp-Hurraaaa!
    Gratuliere liebe Anne,
    auch wenn der Regen das gemütliche danach gestört hat, so hast du doch einen tollen Lauf hingelegt! 😀
    Und geschwätzt wird dann halt nächstes Jahr wieder…. 😉

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    • Danke, liebe Doris! Geschwätzt wurde unterwegs (d.h. hauptsächlich ich hab geschwätzt 😉 ). Was nächstes Jahr wird, sehen wir mal – vermutlich ist es dann heiß und jeder will sofort in den Schatten. Das Wetter kann es uns einfach nicht recht machen. 😉

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  5. Glückwunsch Anne, das war doch eine gute Entscheidung von Dir. Andernfalls wäre uns dieser rekordverdächtig schnelle Bericht von der 10er Strecke vorenthalten worden. 😉

    Ich habe die volle Dosis Regen auf der zweiten Runde abbekommen. Unterwegs war das nicht schlimm. Aber nach zehn Minuten im Ziel habe ich angefangen zu erstarren. Das war wirklich schade, denn fast so schön wie der Lauf ist das gemeinsame Erdinger alkfrei bei guten Gesprächen danach.

    So habe ich leider auch Dich nicht mehr sehen können. 😦

    Aber Hauptsache, wir hatten Spaß und haben es gut überstanden. Im nächsten Jahr dann wieder bei vermutlich 28 Grad und Sonne.

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

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    • Danke, lieber Rainer! Auch dir Glückwunsch zu den erfolgreichen Pacemakerdiensten bei etwas widrigen Bedingungen. Ich hätte euch so gern noch angefeuert, aber es wurde wirklich abartig kalt im Regen, so dass ich gemacht habe, dass ich unter die warme Dusche kam. Trinken wir das bleifreie Bier eben ein andermal zusammen! 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  6. Ach , ein Lauf in warmen Temperaturen mit Regen ist nicht das Unangenehmste
    wenn man sich danach schnell seiner nassen Klamotten entledigen kann
    dann ist die warme Dusche einfach nur genial
    jetzt verstehe ich auch, was du mit zweifach geduscht meintest
    Ganz Trier auf den Beinen
    da darf die Prominenz nicht fehlen
    gut gemacht, FrauWeinbergschnecke
    das Foto mit der Medaille spiegelt deine gute Stimmung ! 😎

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    • Die Betonung liegt auf „schnell“ – es wurde trotz moderater Temperaturen regelrecht eisig nach dem Lauf. Unterwegs ist man ja auf Betriebstemperatur, da merkt man die Kälte und Nässe nicht so sehr, aber beim Rumstehen … so war ich froh, schon eine Dreiviertelstunde nach dem Lauf wieder im Schneckenhaus zu sein.

      Stimmung bestens, hat Spaß gemacht, ohne im Übermaß anstrengend zu sein. 😎

      Dankeschön! 🙂

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  7. Das liest sich und sieht auf den Fotos aus, als hätte es für’s Startgeld ordentlich was gegeben: Versorgung, tolle Medaille und gratis-Dusche schon unterwegs. Und dem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, noch ’ne ordentliche Portion Spaß und Zufriedenheit obendrauf. Glückwunsch zu allem!

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    • Das Startgeld war mit 16 € für einen 10er happig, da darf man auch was erwarten! 😉 Beim nächsten Mal will ich für mein Geld aber eine warme Dusche und Schließfächer für trockene Kleidung in Zielnähe. Ach ja, und ein paar Dixies mehr wären nicht schlecht! 😉

      Riesenspaß hat’s gemacht. Seit ich nicht mehr irgendwelchen Zeitzielen hinterherrenne, ist das eigentlich immer so. 🙂

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  8. Alles ganz spontan – die Entscheidung zu laufen und auch die Entscheidung, wie Du laufen möchtest. Und auch mal spontan mit Partner weiterlaufen. Das ist mir sehr sympathisch.
    Ok, mit dem gemütlichen Beisammensein hat es nicht so geklappt in diesem Jahr. Trotzdem siehst Du aus, als hätte Dir der Lauf Freude bereitet. Daumen hoch!
    Liebe Grüße, Bianca

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    • Spontan entscheiden – anders geht es im Moment gar nicht bei mir. Mir Dinge vorzunehmen, erzeugt nur Druck, den ich gerade nicht brauchen kann. So hab ich den Lauf auf mich zukommen lassen und hab in dem Moment, als ich Harald traf, gemerkt, dass mir das Gemeinsam-Laufen heute gut tun würde – und für ihn war’s offenbar auch das Richtige. 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  9. Letztens war Dir das Startgeld noch zu teuer. Aber unverhofft kommt oft und immerhin sind 16 € nur die Hälfte von dem, was ich gestern in den Sand gesetzt habe 😉 Und Du bist immerhin gelaufen und hast gefinisht!. Und den Regen, so ich mich recht erinnere, wolltest Du ja auch. Das er zur unrechten Zeit kam: Man kann nicht alles haben.

    Auch hier hat es heute noch wieder dermaßen geschüttet, dass selbst ich froh war nicht in dieser Sintflut laufen zu müssen.

    Graturliere zum gemeinsam mit Harald gewuppten 10er!

    Liebe Grüße
    Volker

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    • Man kann sich alles schönrechnen, lieber Volker – im konkreten Fall hab ich gewusst, ich zahle weder Fahrtkosten noch Kaffee, Kuchen und sonstige Verpflegung hinterher, komme also gar nicht so viel teurer weg als bei anderen Läufen. 😉

      Wettertechnisch war letztlich noch alles im grünen Bereich. Bei heftigen Schauern, wie sie heute abend runterkamen, hätte ich den Durchblick verloren.

      Dankeschön & liebe Grüße,
      Anne

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  10. Liebe Anne,
    Ja wir sind ganz schön nass geworden :-(.
    Aber man kann ja nix dagegen machen. Es war trotzdem ein schöner Lauf. Und ich finde es war eine sehr gute Idee einfach jemand anderen zu unterstützen, du warst dir ja eh nicht so wirklich sicher, was du laufen willst/kannst.
    Und es hört sich ja auch so an, als hätte dir das doch ganz gut gefallen 🙂
    Liebe Grüße
    Helge

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    • Liebe Helge,

      unverzagte Zuschauerinnen wie euch muss man mehr bedauern und bewundern als die Läufer – schließlich wird’s euch nicht warm, weil ihr die ganze Zeit auf einer Stelle ausharrt! Danke für eure Tapferkeit! 😎

      Die spontanen Entscheidungen waren auf jeden Fall gute Entscheidungen, sowohl die Anmeldung zum Lauf als auch das Begleitlaufen. Wenn ich eh nicht „richtig trainiert“ habe für den Lauf, wozu soll ich dann um Sekunden kämpfen, um dann doch eine Zeit fern von allen persönlichen Bestzeiten und erst recht von vorderen Platzierungen zu erreichen?

      Liebe Grüße,
      Anne

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    • Hallo Jörg, es gibt auch einen Halbmarathon. Und wenn man den Lauf mit einem Urlaub verbindet, kann man im Umfeld auch noch den einen oder anderen Trainingslauf durch Wald und Weinberge dranhängen. 🙂

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