Gegen das Morgen-Grauen

Bei der Zubereitung des sonntäglichen Frühstückskaffees gähnt mir die fast leere Kaffeedose entgegen – „Morgen-Grauen“ in seiner reinsten und unverfälschtesten Form! 🙄 Ich wusste die ganze Zeit, ich habe gestern beim Einkaufen was Wichtiges vergessen! Und Sonntags sind die Läden in Deutschland zu.2014-04-13_Igel14Nachschub muss her! Bewegung auch. Wenn der Vormittag so sonnig ist, erst recht. Also ab ins Ländchen! Die kümmerlichen Reste in der Dose werden zu zwei Tassen stärkenden Flüssig-Koffeins verarbeitet, dann geht’s los.2014-04-13_Igel11Entspannt ausradeln bis zur Löwener Mühle zwischen Igel und Wasserbillig. Dort wird unter den Augen einiger trunksüchtiger, erwartungsfroh der nachmittäglichen Weinprobe harrender Osterhasen das Rad angekettet.2014-04-13_Igel012014-04-13_Igel18Startpunkt für eine kleine Lauftour in den Weinbergen. Schmetterlinge tanzen vor mir her, kleine Eidechsen sprinten aufgeschreckt quer über die Wege und verstecken sich in den Mauerritzen. 2014-04-13_Igel17Die Rinder sind da schon dickfelliger. Wiederkäuend heben sie nur etwas missbilligend die dicht bewimperten Augenlider und lassen sich ansonsten nicht bei der vormittäglichen Verdauungspause stören.2014-04-13_Igel13Menschen gibt es zum Glück nur wenige, sieht man von einem Gassigängerpaar mit seinem Waschbären an der Leine ab. Aber der neue Fernwanderweg „Moselsteig“, der von Perl bis Koblenz führt und den alten Moselhöhenweg ergänzt, wird wohl künftig den einen oder anderen Touristen mehr anziehen.2014-04-13_Igel03So kalkulieren zumindest die Tourismusmanager – und die lokale Gastronomie und die Übernachtungsbetriebe träumen von einem reichen Geldsegen. Das Land Rheinland-Pfalz und die Anliegergemeinden haben sich die Einrichtung des schon vor seiner Eröffnung ausgezeichneten „Premium-Fernwanderwegs“ einiges kosten lassen: Allein 680.000 € Investitionskosten mussten aufgebracht werden. Hinzu kommen 62 € pro Kilometer und Jahr für den Erhalt und die Pflege, so zu lesen im „Trierischen Volksfreund“ vom Samstag. Angesichts einer Gesamtstrecke von 365 km – die Zuwege von den Ortschaften aus noch nicht eingerechnet! – wahrlich kein billiges Vergnügen. Man kann nur hoffen, dass 200.000 prognostizierte zusätzliche Gäste, die die Region jährlich auf Schusters Rappen erobern sollen, keine überzogene Wunschvorstellung sind. Andererseits: Angesichts der über 500 Millionen Euro an Steuergeldern, die das Land in dem überdimensionierten Projekt „Nürburgring“ versenkt hat, kommt es auf die paar hunderttausend Euro auch nicht mehr an. 😉Laufen 13.04.2014Wie dem auch sei: Noch sind die Wandererhorden nicht da. Und dank der Baustelle kurz vor Igel ist auch der Strom der Tanktouristen etwas dünner als sonst am Sonntagmorgen. So kann ich das Idyll halbwegs friedlich und unbeschwert genießen: Wellige Weinbergswege entlang hoppeln, mich steile Serpentinen hinauf mühen, um zur Belohnung die Aussicht von der oberen Steinbruchkante aus zu bewundern, bevor ich mich über einen zuerst flachen, dann aber unebenen und kaum gefahrlos belaufbaren Trail wieder steil in die Tiefe stürze.2014-04-13_Igel06 2014-04-13_Igel08 2014-04-13_Igel09 2014-04-13_Igel10Das Grutenhäuschen, der Nachbau einer römischen Begräbnisstätte, die sich einst an dieser Stelle befand, ist natürlich auch einen Fotostopp wert.2014-04-13_Igel152014-04-13_Igel02 2014-04-13_Igel12 2014-04-13_Igel048 Kilometer, 170 Höhenmeter, das langt zum Auslaufen nach den 270 HM von gestern. Kommen ja noch knapp 30 lockere Radkilometer oben drauf. Was tut man nicht alles, damit das Morgen-Grauen ein Ende hat? 😉Laufen 13.04.2014, Höhe

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20 Gedanken zu “Gegen das Morgen-Grauen

  1. Liebe Anne,
    ich bin (wie schon so oft) beeindruckt von deinen Höheneinlagen! 🙂 Noch dazu lässt du diese Läufe immer so nett und harmlos klingen, dass ich das Gefühl bekomme – ach, da würd ich auch gerne mal rauflaufen…
    Die Bilder sprechen für sich – wenn du die jetzt noch dem Tourismusverband zukommen lässt, kommen die Wanderer in Scharen! Da bin ich mir ganz sicher!! 😀

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    • Liebe Doris,

      die Profile vonSportTracks sehen oft beeindruckender aus als sie sind … allerdings war der km, der von der mittleren Höhe zur Steinbruchkante führe, schon ein bisschen fies. Zum Glück kann man sich ja Zeit lassen – genau das tue ich.
      Der Tourismusverband hat (leider) selbst schon viele Bilder gemacht. So sehr ich es der lokalen Wirtschaft gönne, so ungern möchte ich meine Laufstrecken mit Kegeltouristen und Wandervereinen teilen. Ich fürchte allerdings, das wird sich nicht vermeiden lassen. 😉

      Liebe Grüße,
      Anne

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  2. Das sieht aus wie im Hochsommer 🙂

    Ein sportliches Wochenende hast Du da hingelegt, sehr respektabel. Hast Du Dir zur Belohnung denn an der Tanke noch ein Paket Kaffee gegönnt?

    Da fließt aber viel Geld in den Moselsteig. Aber der das wirklich wieder einspielt? 🙄 Ich habe da so meine Zweifel, wenn ich an meine letztjährige Rheinsteig-Wanderung denke. Da strömten die verschlafenen Rheinorte auch nicht gerade über vor Wanderern.

    Reizvoll finde ich den Moselsteig trotzdem. Vielleicht laufe ich ihn mal mit meinem Wanderkumpel.

    Liebe Grüße
    Volker

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    • Natürlich gab’s Kaffee, einen halben Rucksack voll. Und eine Apfelschorle.

      Ob der Weg die Investitionen wieder einspielt – wer weiß?! Ich glaube, man braucht die Statistik, um das festzustellen. Direkt sehen wird man das nicht. Wenn wir mal von 200 Wandertagen pro Jahr ausgehen (der Einfachheit halber), sollen sich auf 365 km pro Tag 1.000 zusätzliche Wanderer tummeln; bei ca. 20 Etappen sind das nicht einmal 20 Wanderer pro 18 km-Etappe pro Tag, sprich ca. 3 pro Stunde, wenn man von einem 8-Stunden-Wandertag ausgeht. Das verläuft sich also …

      Bin gespannt, ob du auch mal zu den Wanderern gehörst. Für mich ist der Steig ein „Laufprojekt“, das ich so peu a peu an den Wochenenden und freien Tagen unter die Füße nehmen will. Es braucht einiges an Organisation wg. der An- und Abreise mit Bahn und Bus, aber kann klappen. 😎

      Liebe Grüße,
      Anne

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  3. Frau Anne macht einen Duathlon
    unter schönsten Wetterbedingungen
    in bester Laune

    Ein Morgen ohne Kaffee
    ist wie Suppe ohne Salz
    würdest du mal hier wohnen
    bei uns sind sonntags bald wieder die Geschäfte auf
    ja
    ja
    schon wieder
    ich weiß
    ich weiß
    dabei könntest du hier ohne Hügel unterwegs sein
    flach as flach can
    dabei Kaffee einkaufen
    Fahrradfahren
    laufen
    bei lieben Menschen einkehren
    bei denen es auch sehr guten Kaffee gibt
    und herrliches Wetter hatten wir auch
    Betonung liegt auf HATTEN
    denn jetzt gießt es in Strömen
    und windet es

    Lass‘ es dir gut gehen
    und vergiss nicht
    den Kaffee aufzufüllen ! 😉

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    • Gestern war es perfekt, liebe Margitta – und der Duathlon mit einem (ausgedehnteren) Läufchen in den Hügeln hätte dir auch Spaß gemacht. Aber natüüüürlich hätte ich auch an der schönen Ostsee ganz flach meine Kilometer abspulen, vielleicht noch 8 bis 10 draufpacken können. Und dann einen Obstsalat und einen ganz besonders guten Kaffee genießen können. Das alles zusammen mit sehr lieben Menschen – die fehlten gestern, sie hätten die Freude perfekt gemacht! 🙂

      Kaffeevorrat ist aufgefüllt für ca. 3 Wochen … Gottseidank! Jetzt kann es Ostern werden!

      Liebe Grüße aus dem Grau – leider ohne Regen, den ich dringend bräuchte,
      Anne

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    • Es ist wunderbar, lieber Markus – ihr werdet es sehen, wenn ihr tatsächlich an die Mosel kommen solltest. Für den einen oder anderen Tipp kannst du dich gern bei mir melden. 🙂

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  4. Oh Schreck… kein Kaffee am Morgen und dazu noch am Sonntagmorgen ist wirklich ein „Morgen-Grauen“ – zum Glück war doch noch ein wenig drin in der Dose 🙂 Und danach eine schöne Lauftour in den Weinbergen – der Sonntag wurde doch nicht so schlecht! Darüber berichten ja auch die schönen Bilder! 🙂

    Liebe Grüße Anna

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    • Noch ein Kaffee-Junkie! 😉 Ich glaube, immer allernötigsten Notfall wäre noch ein Rest löslicher Kaffee da gewesen – aber das ist ja eigentlich kein Kaffee. 😎

      Der Sonntag war dann wunderbar – Radeln, Laufen, Radeln, Kaffee kaufen, Radeln. Gutes Programm. 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  5. Hallo Anne,
    was für ein idyllischer Kaffee-Ersatz! Nicht dass das Vorhandensein von Röstbohnennachschub Dir nun wieder die Lust auf solche schönen Touren verleidet! Ich finde auch, diese Steuergelder waren besser angelegt als manch anderes Prestigeprojekt!
    Liebe Grüße
    Elke

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    • Da ich viel Kaffee trinke, liebe Elke, bin ich sehr zuversichtlich, dass nicht nur die Lust auf solche Touren bleibt, sondern auch genug Anlass dafür gegeben ist. Und so peu a peu werde ich dann auch weitere Abschnitte des neuen Steigs erkunden. 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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