Meuterei

Vor allem unter Kindern der 60er und 70er ist Otto Waalkes’ Sketch „Der menschliche Körper“  einfach „Kult“ („Noch so `ne freche Bemerkung und du fliegst raus, Milz!“). Natürlich albern. Aber klasse. Jeder Versuch einer Imitation wäre peinlich! Der Stil ist unübertroffen!

Trotzdem muss ich drauf hinweisen: Ähnlich lebhafte Dialoge spielen sich manchmal in meinem Innenleben ab. Zum Beispiel heute Mittag. Zwar sind Leber und Milz unbeteiligt – ich befinde mich schließlich nicht an einem Kneipentresen, sondern im Trierer Nieselregen am Moselufer. Aber andere Körperteile können ebenfalls heftig aufeinander losgehen.

2014-03-18_Balkonien 001

4 Wochen früher als im vergangenen Jahr! (https://weinbergschnecke.wordpress.com/2013/04/)

Weil mir nicht nach richtig schnellem Rennen ist,  habe ich mir einen „zügigen Dauerlauf“ vorgenommen. Kein Gehetze, einfach ein paar kontrolliert angestrengte Kilometer. Genau das ist aber gar nicht so einfach: Der Kreislauf meckert – er will Mittagsschlaf. Die Nase schnieft vor sich hin und meckert auch – ihr ist kalt. Genau wie den Armen und den Waden – die murren vernehmlich, denn 11 Grad fühlen sich im Sprühgeniesel, das allmählich die dünne Windjacke durchdringt, wie 5 Grad an. Die Oberschenkel meckern gleichfalls, dieses Mal zur Abwechslung an den Vorderseiten – kein Wunder, nach der vielen Radelei und Gärtnerei gestern. Die Füße jammern über Kälte und Nässe – der Name „Flow“ bedeutet offenbar, dass Wasser ungehindert in den Schuh fließen darf.2014-03-18_Balkonien 004Zu allem Überfluss fangen dann auch noch die Beine schneller zu rennen an. Was der Quatsch soll – keine Ahnung! Erst maulen, dass alles weh tut. Aber dann immer wieder die Bremse lösen?! 🙄 Das wiederum hat natürlich zur Folge, dass sich Herz und Atmung über die erforderliche Mehrarbeit beschweren. Das Großhirn hat angesichts dieser Meuterei alle Mühe, den Laden zusammenzuhalten.2014-03-18_Balkonien 003Irgendwie klappt das dann ja doch immer, wenn auch mit einer kleine Gehpause bergauf, weil die nackischen Waden eiskalt sind, sich ob dieser Zumutung vehement beschweren und mit Krämpfen drohen. Erst rennen und dann jammern, das haben wir gern! Aber sollen sie meutern. Solange HMS Weinbergschnecke nach 7,5 flotten Kilometern und gut 2 Auslaufkilometern einigermaßen gut gelaunt das Schneckenhaus erreicht und unter der warmen Dusche wieder auftaut, hat Frau Kapitän ihren Seelenverkäufer noch im Griff. 😉

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24 Gedanken zu “Meuterei

  1. Lach, an genau den Sketch muss ich auch öfter Denken. „Beine an Großhirn, wir wollen langsamer!“ „Großhirn an Beine: Schnauze halten und weiterrennen!“
    Genau – wer ist denn da eigentlich der Käpt’n auf der Brücke?!
    Liebe Grüße
    Elke

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    • Tja, liebe Elke – wer ist der Käpt’n? Die Frage hab ich mir schon oft gestellt. Bisher hat das Großhirn mit seiner Vernunft sich immer wieder durchgesetzt. Ich hoffe, das bleibt so und es wird nicht vom Rest des Körpers mit Wasser und Schiefszwieback ausgestattet und im Beiboot ausgesetzt! 😆

      Liebe Grüße,
      Anne

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  2. Liebe Anne,
    grandios! Die Vorstellung, wie du deinen Beinen, dem Kreislauf, den Händen und allen zuhörst, während du überrascht feststellst, dass die Beine einfach deine Tempovorgabe ignorieren und schneller werden! 😆
    Den Sketch hab ich ja schon ewig nicht mehr gesehen – herrlich! Immer noch! 😀

    PS: Da machst du mir ja Hoffnungen für morgen – da steht bei mir mal ein Gartentag an!

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    • Liebe Doris,

      du wirst das Problem kennen – es ist nicht einfach, den Sauhaufen zu bändigen! Sobald du nicht aufpasst, macht irgend ein Körperteil, was er will! 😉

      Viel Spaß beim Gärtnern morgen – ich hoffe, es bleibt wettertechnisch halbwegs erträglich! 🙂

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  3. Liebe Anne,

    den Sketch mit Otto habe ich vorher noch nie gesehen – ist ja super!! Und ja, solche Zustände im Körper während dem Laufen, wie sie du oben so super beschrieben hast, kenne ich nur allzu gut 😉 hihi

    Wunderschöne Bilder vom Frühling auch hier bei dir im Blog 😀 Ganze 4 Wochen früher als im letzten Jahr – verrückte Welt!!

    Liebe Grüße von hier unten

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    • Liebe Anna,

      Otto war in D vor allem in den späten 70ern und frühen 80ern sehr populär – vieles war sehr zotig und albern, aber diese Nummer finde ich nach wie vor klasse! Mitten aus dem Leben, wie auch Jörg schrieb! 😎

      4 Wochen zu früh, ja, verrückt und irritierend. Ich fürchte ja immer noch, es friert in die Blüten rein, vor allem, wenn jetzt auch die Obstblüte zu früh kommen sollte.

      Liebe Grüße,
      Anne

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  4. Bei der Polizei würde man da zur Funkdisziplin aufrufen, in einem Meeting müßte die Diskussionsleitung dringend eingreifen. Aber schlußendlich war ja die Erkenntnis da, das einer oder den anderen nicht kann und Frau Kapitänin das Ruder fest in der Hand hat 😀

    Den üppigen Nieselregen hatte ich heute beim Frühstück, zum Laufen hatte er sich leider verkrümelt 😦

    Weiterhin so einen heiteren Urlaub wünscht
    Volker

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    • Polizei? Meeting? Mein Körper gleicht eher einem runtergekommenen Dreimaster, dessen Kapitänin ihre Mannschaft in finsteren Hafenkneipen schanghait hat – so führt er sich wenigstens manchmal auf. Aber ich behandle ihn gut, er hat jede Menge frisches Obst, Magnesiumbrause und Gemüsepfanne mit Bio-Hähnchen bekommen und wird heute abend noch mit ein wenig Chianti Riserva bei Laune gehalten. 😉

      Der üppige Nieselregen war zwar nett und auch gut für den Garten. In Verbindung mit dem Wind aber leider auch saukalt. Großhirn einschalten bei der Kleidungswahl. 😉

      Noch einen schönen letzten Urlaubstag auch dir, lieber Volker!

      Liebe Grüße,
      Anne

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    • Ich bring dem Petrus auf dem Hauptmarkt-Brunnen einen Extra-Blumenstrauß. Garantieren kann ich leider trotzdem für nix! 😉

      Liebe Grüße,
      Anne

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    • Ja, lieber Markus, Ottos Sketche waren in deiner Kindheit und Jugend wohl schon out.

      Der Gedanke über den Flow war ein bisschen gemein … vermutlich läuft in jeden flach gebauten Schuh das Wasser. Insgesamt ist er ein feines Schläppchen! 😎

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  5. Ach, liebe Anne,

    vor lauter kalt, Regen, Wind hätte ich
    hätte ich
    fast
    aber nur fast
    deine neuesten Ergüsse überlesen
    irgendwie beruhigt es mich dann doch
    dass ich nicht die Einzige bin
    die sich beschwert
    obwohl es bei dir “ nur “ die nackischen Waden sind
    soweit geht bei mir die Liebe nicht
    noch nicht
    schöne Blüten
    möchte ich auch hier sehen
    aber
    wie man liest
    hat es sich gelohnt
    wie bei uns (fast) immer
    warme Dusche
    das isses
    was mich dann wieder zum Leben erweckt ! 🙄

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    • Ich finde, der 20. März ist ein wunderbarer Tag, um die Nackische-Waden-Zeit zu starten, liebe Margitta! Aber vielleicht unterschätze ich auch den Wind in euren Breiten und du bist doch mit „lang“ besser bedient. Beim Laufen zu frieren und trotz Tempoerhöhung nicht warm zu werden, ist fies – vor allem dann, wenn man weiß, es dauert noch mindestens eine Stunde bis zur herrlichen warmen Dusche! 😎

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  6. Herrlich!
    Natürlich nicht, dass der Körper- nein, die Einzelteile- meutern.
    Aber wie du es beschreibst.
    Kennen tut man das. Oh ja.
    Ich erinnere mich da an einen steilen Anstieg vor ein paar Jahren.
    Ich sage: Beine, lauft!
    Die Kommandozentrale im Gehirn unterstützt mich und sagt: Beine lauft!
    Aber die, was machen die?
    Gehen . Unverschämtheit. 😉

    Mit der warmen Dusche hast du hoffentlich die meuternden Teile wieder besänftigt und zu zukünftiger Zusammenarbeit bewegen können.

    Liebe Grüße
    Birthe

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    • Der menschliche Körper kann schon ein ziemlicher Sauhaufen sein! Sich einfach unseren Anordnungen widersetzen, wo kommen wir denn da hin? 😆 Das mit dem „Gehen“ passiert also nicht nur mir – sehr tröstlich! 😎

      Unter der Dusche haben sich alle wieder vertragen – und nach dem Obstsalat mit Joghurt waren sie endgültig versöhnt mit sich und der Welt. 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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    • 😆

      Ich hoffe für dich, dass dein Großzeh diese Nagelprobe nicht bestehen und seinen Nagel auf dem Felde der läuferischen Ehre opfern muss?! 🙄

      Liebe Grüße,
      Anne

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