Voll im Sog – Deulux-Lauf 2013

Ein kleiner Bericht „muss“ dann ja doch sein nach einem offiziellen Lauf. Nur Bilder gibt es keine, die Cam lag daheim. Für fotografische Impressionen verweise ich einfach mal auf Rainers Blog.

Ei verflixt, die steile Rampe runter ans Ufer mit 90 Grad-Kurve unten dran war letztes Jahr nicht da! Und wieder hoch vom Leinpfad auf die Straße mussten wir auch nicht. Das ist anstrengend! Aber egal. Erstens ist da, wo wir letztes Jahr gelaufen sind, heute die Sauer – und nasse Füße wären irgendwie Mist. Zweitens scheint die Sonne gerade so nett auf die golden belaubten Hänge, dass es Quatsch wäre, sich die Laune durch solche kleinen Kalamitäten versauen zu lassen. Und drittens hänge ich gerade im Sog eines imaginierten Riesen-Staubsaugers, der mich zurück Richtung Langsur befördert. Nicht so ein EU-normiertes 900 Watt-Spielzeug, das keinen toten Hering vom Teller zieht, wie meine Mutter zu sagen pflegt. Sondern ein leistungsfähiger Industriesauger, vor dem kein Entkommen ist und der alles an sich reißt, was sich nicht schnell genug irgendwo festklammert.

Eigentlich gibt es keinen Grund zu rennen. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, in dem es beim DEULUX-Lauf schüttete wie aus Kübeln, herrscht heute bei der 22. Auflage bestes, höchstens etwas zu kühles Wettkampfwetter. Man könnte einfach ganz entspannt rumtrotten und das Spätherbstidyll um Langsur, Mesenich, Metzdorf und Moersdorf genießen.

Aber irgendwie kann ich das nicht. Ich bin in der Startaufstellung der über 1.500 10 km-Läufer fast ganz hinten gelandet. Dummerweise fühle ich mich heute mit einem Tempo wohler, das besser ins hintere Mittelfeld passt. Mit anderen Worten: Da joggen mir welche einfach so vor den Füßen rum! Ich werde ganz wuschig dabei. Zu viele Leute sind eh hier. Das macht mir Stress. Und dadurch gerate ich unwillkürlich ins Rennen.

Zuerst ist Slalom gefragt, um etwas wie einen Laufrhythmus zu finden und nicht permanent unschuldigen Menschen in die Hacken zu latschen. Dann gerate ich in den Sog der wechselnden Staubsauger vor mir. Immer wieder ist es ein anderer Rücken, der mich magisch anzieht und dem ich langsam näher komme, um ihn dann doch hinter mir zu lassen. Mal ein jugendlich-männlicher in Trainingsjacke. Mal einer im Singlet der Läuferinnen aus dem Hochwald. Dem einen trotte ich eine Zeitlang hinterher, um mich auszuruhen. Beim anderen bin ich froh, dass etwas Neues weiter vorn mich in seinen Bann zieht und mich beschleunigen lässt … 🙄

Manche Mitläufer sind nur zu ertragen, wenn man mit Wäscheklammer auf der Nase oder mit starkem Schnupfen hinter ihnen läuft! Vielleicht tut hier ein wenig Aufklärung not, speziell für einzelne Herren der Schöpfung (ich will nicht ausschließen, dass das Phänomen auch unter Frauen auftritt, aber ich habe es dort noch nicht erlebt). Daher:

Liebe Männer! Keine falsche Sparsamkeit bitte! Natürlich bewegt man sich bei einem Lauf an der frischen Luft und darf hinterher umsonst duschen. Aber das heißt nicht, dass man sich die üblichen Interventionen zur Sicherung der Körperhygiene (vulgo: Waschen, Duschen oder Baden unter Verwendung von Seife oder Duschgel mit anschließendem Gebrauch eines Deodorants) an den zwei bis drei Tagen vor einem Lauf in Gesellschaft sparen darf! Außerdem: Selbst wenn ihr seit 20 Jahren zu jedem Wettkampf euer Lieblings-Glücksbringershirt anzieht – ein solches Kleidungsstück geht nicht kaputt und verliert auch seine magische Wirkung nicht, wenn man es regelmäßig in eine Schüssel Wasser legt, dem man ein wenig Sportwaschmittel hinzu gefügt hat, um den Schweiß der alten Heldentaten auszuwaschen und hinterher mit frischem Wasser wegzuspülen. Danke für eure freundliche Beachtung dieser Hinweise – eure Mitläufer/innen werden das sehr zu schätzen wissen! 😉

Wie auch immer: Flucht macht schnell. Und alles, was schnell macht, bringt mich schneller zu süßem Zitronentee, mindestens genau so süßem Malzbier, einer warmen Dusche und dem obligatorischen Finisher-Sekt auf der Tribüne in der Langsurer Mehrzweckhalle. Genau nach 54:56 netto ist es so weit – einmal in diesem Jahr doch noch offiziell unter 55:00 geblieben. Und die vielen, vielen schönen Läuferbegegnungen davor und danach tun einfach gut in einer Zeit, in der ansonsten eher der Schreibtisch und alles, was damit zu tun hat, eine unwiderstehliche Sogwirkung entfaltet. 🙂

P.S.: Der Sog geht weiter – ich werde mich also voraussichtlich auch in den nächsten Tagen noch blogmäßig etwas rar machen. Ich les‘ gelegentlich bei anderen mit, aber zum Kommentieren und regelmäßigen Schreiben reicht’s momentan nicht. Es kommen bessere Zeiten – irgendwann.

Advertisements

27 Gedanken zu “Voll im Sog – Deulux-Lauf 2013

  1. Ein Sog treibt sein Unwesen und Anne lässt sich davon anziehen. Feiner Lauf und gute Zeit, Glückwunsch.
    Übrigens ist der unangenehme Geruch mancher Läufer auch auf spezielle Cremes mit Kampfer drin zurückzuführen. Die glauben das macht die Muskeln warm. Obs stimmt weiß ich nicht. Aber es stinkt.

    Liebe Grüße
    Tati

    Gefällt mir

    • Danke, liebe Tati! 🙂
      Ja, der Geruch von Kampfer istauch „sehr speziell“. Im konkreten Fall war es leider wirklich uralter Männerschweiß. 🙄

      Liebe Grüße,
      Anne

      Gefällt mir

  2. Hallo liebe Anne,
    ach schön, erst „sah“ ich dich auf Rainers Blog, dann folgt noch ein Bericht von einem schönen Lauf mit einer Super Zeit!! Gratuliere!!!
    Aber den Geruchseffekt bei manchen Läufern kenn ich auch… daher danke für deinen Aufruf! 😉

    Lieben Gruß, Doris

    Gefällt mir

    • Hallo, liebe Doris,

      Rainers Kamera entging nix – schöne Bilder hat er gemacht, wie ich finde! 🙂

      Der Aufruf wird wohl ungehört bzw. ungelesen von denen verhallen, die sich angesprochen fühlen müssten (hier lesen natürlich nur die „sauberen Jungs“ mit). Aber ich hab’s wenigstens versucht! 😎

      Lieben Gruß,
      Anne

      Gefällt mir

  3. Schööön, wenigstens ein kurzer Bericht! Da freue ich mich!
    Das ist doch richtig klasse für Dich gelaufen. Im Sog Richtung Ziel gerannt – eine tolle Zeit gelaufen – nette Leute getroffen. Ein herrliches Erlebniss – so liest es sich. Herzlichen Glückwunsch! Ein bisschen Abstand von der Arbeit MUSS mal sein!
    Alles gute für die Schreibtischarbeit, die auch eine so hohe Sogwirkung zur Zeit hat. Auf dass bald wieder ruhigere Zeiten folgen!
    Dann freue ich mich, wieder mehr von Dir zu lesen.
    Liebe Grüße und halt die Ohren steif
    Bianca

    Gefällt mir

    • Danke auch dir, liebe Bianca! Mit der Zeit bin ich superzufrieden, mit der Atmosphäre und der schönen Ablennkung durch Begegnungen mit lieben Leuten noch viel mehr. Alles wird gut! 😎

      Lieben Gruß zurück – Ohren bleiben aufrecht! 😉
      Anne

      Gefällt mir

  4. Ein ehemaliger Nachbar (eine sehr gepflegte Erscheinung übrigens) sagte früher immer : Ein Mann muß nach Bock stinken. Du scheinst da anderer Meinung zu sein und ich auch 😉

    Aber wenn der dadurch entstandene Überholdruck das Tempo beflügelt, hat es ja doch noch etwas posiitves :mrgreen:

    Und das Tempo war doch super.

    Abgesehen von solch kleinen Unannehmlichkeiten und den vielen Menschen war es für Dich doch eine rundum gelungene Veranstaltung.

    So, nun aber zurück an den Schreibtisch ❗

    Ganz besonders liebe Grüße
    Volker

    Gefällt mir

    • Ein Mann darf von mir aus nach Bock stinken. Dann gehört er aber in den Stall und darf sich nicht wundern, wenn er an Stelle hübscher Frauen nur haarige, hornbewehrte Ziegen anzieht! 😆

      Alles prima – aber jetzt wieder an den Schreibtisch, zu Befehl! 😉

      Liebe Grüße,
      Anne

      Gefällt mir

  5. Liebe Anne,

    schön von Dir zu lesen, auch wenn es nur ein „Luftschnapper“ ist, ist der Beitrag ganz besonders kurzweilig 😀
    Ich weiß warum ich keine Wettkämpfe laufe, die Masse an Menschen, der aufkeimende Sog und die mit alldem verbundenen Sinneseindrücke, egal ob olfaktorisch, taktil, sensorisch oder visuell, ich brauch das nicht. Das hat mir Dein Beitrag wieder gezeigt 😎

    Lass Dich nicht unterkriegen und ruh Dich aus beim Laufen, die virtuelle Welt läuft Dir nicht weg 😉

    Salut
    Christian

    Gefällt mir

    • Lieber Christian,

      ja, diese Menschenmassen sind schlimm. Um ehrlich zu sein: Nach dem Lauf hab ich mich nur umgezogen, aber nicht geduscht (immerhin: frische Klamotten und Deo gab’s 😉 ), weil in der Frauendusche kein Durchkommen war. 90% der Mädels müssen sich ja die Haare fönen, was dazu führt, dass mancher Platz in der Umkleide eine halbe Stunde blockiert ist. Und dann musst du auch noch um deine Unversehrtheit fürchten, weil du barfuß den Mädels in die Quere kommst, die in ihren Stiefeletten mit Pfennigabsätzen rückwärts tappen. Vom Gedrängel am Bierstand rede ich mal gar nicht … 🙄

      Ich bräuchte es auch nicht – aber es ist nun einmal eine gute Gelegenheit, Menschen zu treffen, die ich in der realen Welt mag! Im Gegensatz zu den „virtuellen“ Freunden sind sie nämlich schwerer zu erreichen.

      Danke dir – lieber Gruß vor der Rückkehr ins Hamsterrad,
      Anne

      Gefällt mir

  6. Hab ich doch richtig gesehen! War Frau Schnecke also doch on the road! Schön, das freut mich, dass Du Dir das Laufen nicht nehmen lässt. Und dann noch mit einem prima Laufergebnis! Herzliche Glückwünsche!
    Ja, solche olfaktorische Umweltverschmutzung ist übel, da renn‘ ich auch am liebsten gleich weg, wenn es sich machen lässt!
    Liebe Grüße und hoffentlich auf wiederlesen bald!
    Elke

    Gefällt mir

    • Dankeschön, liebe Elke! Ja, on the road, dem speziellen olfaktorischen Erlebnis entronnen, alles gut. Jetzt geht es erst einmal auf Reise, danach … ich hoffe … 🙂

      Lieben Gruß,
      Anne

      Gefällt mir

  7. Tja, das verstehe ich sehr gut
    habe ich es oft genug erleben müssen
    wenn Männer schon beim Start stinken
    nein
    nicht erst während
    oder nach dem Lauf
    Ätzend
    aber ich kenne auch Frauen
    die eine verdammt unangenehme Wolke
    hinter sich lassen
    nein
    das muss in der heutigen Zeit wirklich nicht sein
    Einer der Gründe
    die Massen
    nicht nur
    warum ich an solchen Läufen nicht starte
    mir geht es wie Christian
    aber wenn es dir Spaß gemacht hat
    du viele nette Menschen getroffen hast
    nur das zählt
    finde ich
    gute Abwechslung zum stressigen Alltag
    ich hätte auch gerne wieder einen
    Weinbergschnecke-Kommentar ! 😦

    Gefällt mir

    • Ätzend, diese Stinker, genau! Bei Frauen ist mir – wenigstens bei Läufen – eher Parfüm- als Schweißgeruch unangenehm aufgefallen. Auch fies! 🙄

      Ab und zu gönn ich mir das Massenerlebnis trotz aller Störfaktoren mal, weil es eben so viele nette Seiten hat, vor allem die schönen Begegnungen! Aber fast jedes Wochenende unterwegs zu sein, wie ich es bei manchen Laufkollegen mitbekomme – nein, das wäre mir zu viel!

      Kommt Zeit, kommt Kommentar – ganz bestimm! 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

      Gefällt mir

  8. Hallo Anne,
    es war schön, dich zu treffen :-). Hat mich sehr gefreut. Und beim Laufen hast du sehr gut und entspannt ausgesehen :-).
    Tolle Zeit! Ein wirklich perfekter Saisonabschluss.
    LIebe Grüße und die allerbesten Wünsche, das dich der Sog nicht runter macht. Laß dich nicht stressen.
    Helge

    Gefällt mir

    • Liebe Helge, hab mich auch gefreut, dich zu treffen – beim nächsten Mal wieder laufend, ja?!

      Auch wenn ich entspannt aussah, gefordert hat mich der Lauf schon … viel schneller wäre es nicht gegangen. 55 Minuten sind das, was momentan geht – ich freu mich drüber und finde auch, es ist ein perfekter Abschluss des Laufjahres. Silvesterlauf zählt irgendwie nicht mit …

      Danke dir herzlich – alles wird gut!

      Liebe Grüße,
      Anne

      Gefällt mir

  9. Liebe Anne,
    auch hier noch einmal: Das war eine klasse Leistung. und es freut mich für dich, dass es so gut hingehauen hat. 🙂
    Und dass du trotz des Arbeitssogs Zeit für einen schönen (bis auf ein paar kleine vorübergehende Unannehmlichkeiten) Lauf hattest und Zeit, nette Bekannte zu treffen. Allein dafür wäre ich gerne gekommen, wenn ich doch nur die Fähigkeit des Drei- besser Vier-teilens beherrschen würde.)
    Und nun weiß du auch, warum die vorne so schnell rennen. Es geht gar nicht um den Sieg. Es geht um die warmen Duschen und darum, dem Geruch manch eines anderen Läufers zu entgehen. 😉
    Ich wünsche dir, dass du dem Arbeitssog in absehbarer Zeit entkommst. Eine kleine Verschnaufpause hattest du ja, dann geht der rest hoffentlich um so leichter von der Hand.
    Liebe Grüße
    Birthe

    Gefällt mir

    • Danke, liebe Birthe!

      Ich freu mich immer besonders, wenn jemand so Fixes wie du so viel Wertschätzung für jemanden hat, der weit hinterher läuft. Natürlich kämpft eine Weinbergschnecke genau so um ihre Zeiten wie ein Trailfrosch – aber nicht jede/r Schnelle nimmt die Langsamen wirklich für voll, das ist wenigstens mein Eindruck (obwohl die meisten, die ich bislang kennen gelernt habe, letztlich doch sehr, sehr kollegial waren)! Als Belohnung für das hohe Tempo dürfen die Schnellen dann gern das warme Duschwasser und mehr Platz in der Umkleide haben! 🙂

      Schade, dass du nicht dabei warst in Langsur. Aber vielleicht klappt’s ja Ende des Monats beim Freundschaftslauf mit einem Wiedersehen. Wenn mich der Sog nicht komplett in die Tiefe reißt … aber ich bin zuversichtlich! 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

      Gefällt mir

  10. Liebe Anne,

    vielen Dank für diese Lacher am Morgen! Über die olfaktorischen Störfaktoren so einer Veranstaltung habe ich mir noch nie so richtig viele Gedanken gemacht. Vielleicht mache ich das mal zum Thema einer Laufkolumne, wenn Du erlaubst 😉

    Du fehlst zwar in unserem virtuellen Stammtisch, wenn Du nur liest. Aber ich kann das gut verstehen, wenn mal eine Auszeit sinnvoll und erholsam ist.

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

    Gefällt mir

    • Du wirst lachen, lieber Rainer, als ich den Text gestern noch einmal las, dachte ich „Das liest ja kaum einer, aber der Rainer könnte in seiner Kolumne doch mal dieses heiße [oder besser: übel riechende] Eisen aufgreifen.“ 😆 Feel free to do so! Die Mischung von parfümierten Duschgels, Deosprays und Eau de Toilettes in den Umkleidekabinen ist übrigens auch eine Herausforderung …

      Liebe Grüße … ich hoffe, dass ich auf Reisen mal gelegentlich zum Kommentieren Gelegenheit finde!
      Anne

      Gefällt mir

  11. Liebe Anne,
    ach – wie schön von Dir zu hören bzw. zu lesen. Gratulation für deine tolle Zeit. Ist für mich irgendwie utopisch. Ich trotte lieber langsam für mich allein durch Wald und Flur – und habe deshalb „nur“ mit Wildschweingeruch zu tun, was mich dann aber auch schneller laufen lässt :-).
    Ich hoffe, bald wieder eine klitzekleine Kleinigkeit von Dir zu lesen und freue mich schon drauf.
    Bis dahin
    Liebe Grüße von Jacqueline aus Sachsen

    Gefällt mir

  12. Pingback: Tschö 2013 | Weinbergschneckes Blog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s