Verfranzt

Kein Rucksack, weder mit noch ohne SchwippSchwapp. Kein Trinkgürtel. Sollen ja nur so anderthalb Stunden werden. Im Wald. Da brauch ich nix zu trinken. Bilde ich mir ein. Ein Glas Wasser vor dem Lauf muss reichen.2013-08_17_MatteiserWald02Locker geht es aufwärts. Ich will eigentlich in 14 Tagen einen profilierten Halbmarathon mitjoggen. Dann sollte ich jetzt auch ab und zu mal auf profilierten Strecken trainieren und das konditionell und orthopädisch gut wegstecken. Das klappt heute zunächst viel besser als gedacht. Als ich doch ein bisschen durchhänge, rettet der „Wow-Effekt“ beim Panoramablick über die Höhen und das Konzer Tälchen mich aus dem Tief.    2013-08_17_MatteiserWald062013-08_17_MatteiserWald01Dass ich mich allerdings hinter dem Schießstand im Mattheiser Wald verfranze, ist nicht besonders clever. Erst muss ich in die falsche Himmelsrichtung, weil kein Weg in die richtige führt. Nur die Bundesstraße. Aber an der will ich nicht entlang laufen, ich liebe mein Leben! Dann stimmt die Richtung zwar wieder, aber an einer Gabelung erwische ich den falschen Abzweig und lande auf einem abgezäunten alten Militärgelände. Also Kehrtwende!2013-08_17_MatteiserWald04Nun weiß ich zwar, dass die Entfernung zum Stadtrand nicht mehr als 1,5 km Luftlinie betragen kann. Aber weil ich die Wege nicht kenne, kann ich nicht abschätzen, ob ich noch 2 oder 4 km laufen muss, bis ich zurück in die Zivilisation mit ihren Wasserleitungen komme. Irgendwie saugt mir diese Erkenntnis den letzten Rest Energie aus den Knochen. Da kriegt sogar eine halbwegs toughe und angstfreie Weinbergschnecke ein bisschen Stress und muss erstmal ein Stückchen gehen und durchatmen.2013-08_17_MatteiserWald03Hilft ja nichts. Weiter geht’s. Wenigstens nur noch flach oder bergab. Hoch mag ich nicht mehr. Kommt mir der Weg zu Recht bekannt vor? YESSSS! Die Schranke am Hundetrainingsplatz kenn‘ ich. Und die letzten 3 Kilometer schaff ich auch noch.2013-08_17_MatteiserWald05Eine kurze Quatschpause mit Marcel, der sich für eine etwas ausgedehntere Runde von seinen Olewiger Laufkumpels abgesetzt hat, hilft Kräfte tanken. Jetzt noch an fremden Türen klingeln und um Wasser betteln bringt es nicht mehr. Irgendwie rollt es sich auch so bergab bis vor die Haustür. 17.7 km mit 330 Höhenmetern. Die letzten 3,5 km bis zum Halbmarathon hätte ich zur Not und mit einem Becher Wasser auch noch geschafft.Geschwindigkeit 17.08.2013, HöheDie Waage meldet übrigens etwa 2 Kilo Gewichtsverlust zwischen Start und Ziel. So ein Lauf ohne Getränke ist doch eine echte Schnelldiät! Fast schade, dass ich hinterher saufen muss wie ein Wüstenkamel, um das Flüssigkeitsdefizit aufzufüllen. Ich hätte nichts dagegen, wenn die Zahl, die da nach dem Lauf auf dem Display stand, dauerhaft stehen bliebe. Immerhin: Ich hatte schon Zweifel daran, dass es diese Zahl auf meiner Waage überhaupt noch gibt! 😉

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22 Gedanken zu “Verfranzt

  1. Liebe Anne,
    das liest sich sehr vertraut, Verirrung und Wassermangel sind keine gute Kombination. Aber es härtet physisch und mental 😏
    Es ist doch beruhigend, wenn Du eine gewisse Sicherheit durch diesen ungeplant längeren und durch Entbehrung geprägten Lauf gewonnen hast. Jetzt kann der Halbe kommen 🏁

    Salut
    Christian

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    • So ein bisschen ist am Satz „Gelobt sei, was hart macht“ doch etwas dran, lieber Christian! Ich weiß, dass ich kann, auch ohne Wasser. Auch wenn es mit Wasser natürlich leichter fällt … 🙂

      Einen langen Lauf kann ich ja am kommenden Wochenende noch machen. Wenn das wieder halbwegs klappt, bleibe ich beim HM, ansonsten würde ich auf 10 km ummelden. Ich will ja Freude am Lauf haben und mich nicht quälen. 😎

      Liebe Grüße,
      Anne

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  2. Liebe Anne
    Ui – das mit dem Verirren kenne ich – vor allem wenn man einen kürzeren Lauf geplant hat und sich seelisch irgendwie darauf eingestellt hat, ist das eher ärgerlich. Aber ich muss zugeben – Du hast unterwegs ja ein paar wunderschöne Flecken gefunden 🙂 Das Höhenprofil schreckt mich allerdings doch ein wenig ab 🙂
    Liebe Grüsse
    Ariana

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    • Liebe Ariana,

      tja, wer in der Natur unterwegs ist, erwischt wohl hin und wieder mal Wege, die in die Irre führen. Die kleinen Abenteuer des Alltags eben! Die schönen An- und Ausblicke entschädigen dann für den Ärger über das Verirren und die Anstrengung wegen des anspruchsvollen Profils. Zum Glück hat der Halbmarathon nur etwa 220 Höhenmeter. Wenn ich sowas wie heute laufen kann, schaffe ich dann auch die 21 km in der Eifel. 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  3. Ach ja, hatte ich es nicht gerade beschrieben, dass man sich leicht verirren kann – und es mir auch schon im tiefen Wald passiert war !! Da hast du nun den famosen Trinkrucksack und lässt ihn zu Hause verdursten – aber man sieht auch daran, dass es auch ohne geht, sag‘ ich doch.

    Was die zwei Kilos angeht, ohne dir Illusionen rauben zu wollen – aber dazu bist du selbst pfiffig genug – die werden heute wieder drauf sein – Flüssigkeitsverlust ist schnell wieder aufgefüllt, aber du schaffst es auch so – und wenn nicht, lebst du auch zufrieden wie bisher.

    Don’t worry, be happy….lalalalal …. don’t worry be happy…… :

    Schwüle Grüße – hier ist es so einsam, seit Christian & Co. wech sind !! 😉

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    • Es geht auch ohne, genau, und es ist gut, diese Erfahrung zu machen! Angenehmer ist es mit. Aber ich wollte ja gar nicht so weit und auch nicht so viele Höhenmeter, also dachte ich, ich brauche kein Wasser.

      Natürlich sind die 2 kg nur Wasserverlust. Aber ich hab in den letzten Wochen schon etwa 4 Kilo abgenommen. Da schaff ich zusätzliche 2 auch noch. Irgendwann. Ich muss nur geduldig am Ball bleiben. 😎

      Einsam? Kann ich mir gut vorstellen. Beruhigend, dass der nächste Besuch ja schon die Tage zählen kann, die es noch dauert. Der mutmaßlich übernächste muss noch ein paar Wochen warten. 😉

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  4. Ach, ich dachte, du wärst mit gps unterwegs.

    Auf jeden Fall waren wir offensichtlich zeitlich gemeinsam mit selcher Motivationslage unterwegs und obwohl ich dich üblicherweise etwas um das profilierte Gelände, die herrlichen Aussichten, Wald und Natur beneiden würde … heute scheint meine Strecke mit Trinkmöglichkeit an den öffentlichen Sanitäranlagen des Feringasee und später bei den Sportanlagen der Allianz durchaus auch vorteilhaft gewesen zu sein 🙂

    Noch eine Gemeinsamkeit: auch meine Waage zeigte anschließend den Rekordniedrigstand (immer noch verflixt hoch) dieses Jahres. Das soll hoffentlich beim MM-HM nicht schaden: „bitte alle Götter des Universums dafür um relativ kühles Wetter aber kein Regen oder Gewitter“

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    • Mit gps schon, aber ich lade mir keine Strecken zum „Ablaufen“ drauf und nutze die Navi-Funktion praktisch nie. Sie hätte mir auch wenig genützt, weil die schmalen Waldwege, die ich nehmen musste, teils gar nicht kartiert sind. Eine grobe Orientierung hatte ich ja zu jedem Zeitpunkt. Nur war es mir eben irgendwann nicht mehr egal, ob ich noch 2 oder 4 km laufen muss. Da hattest du mit deinen Wasserstellen am Wegesrand das bessere Los gezogen. Die Aussichten, die ich erleben durfte, hätte ich allerdings nicht missen wollen. Dann doch lieber Durst ertragen, ich hab’s ja überstanden! 🙂

      So richtig heiß wird es Ende August in der Eifel nicht mehr sein, schon gar nicht nach 18 Uhr. Es wird eher knapp mit dem Ankommen bei Tageslicht. Gut trainiert ist anders, Fotografieren will ich auch unterwegs. Das läuft dann so auf um die 2:20, 2:25 raus … da kann es schon dämmerig sein.

      Gewitter? Bloß nicht! Mit Regen könnte ich mich arrangieren, es wäre aber schade, weil das Licht dann nicht zum Fotografieren taugt. 😦

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  5. „selber“ Motivationslage bzw. „gleicher“ sollte das natürlich werden – bin gespannt, ob ich in diesem Leben nochmal einen Kommentar ohne Tipp- oder Denkfehler zustande bringe *s*

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    • Die hast einen zu umfangreichen Wortschatz, Lizzy! Und um alle Wörter hinreichend oft zu verwenden, musst du einfach manchmal zwei Wörter mischen! 😉

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  6. Uiuiui, war das Schwipp-Schwapp denn sooo nervtötend, dass du dich lieber der Ausdörrung hingibst? 😯
    Ich fand das leise Plitsch-Platsch, meiner Wasserflasche am Rücken heute äußerst beruhigend! Und die gelegentlichen Tropfen auf die Waden auch ganz nett :D.
    Ein tolles Höhenprofil hast du da heute hingelegt, auch wenn ich weiß, dass die Weinberge deine Heimat sind, so bin ich doch sehr beeindruckt!!!
    Lieben Gruß, Doris

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    • Ich hatte wirklich gedacht, heute komme ich ohne Getränk aus, liebe Doris! Für den Notfall hatte ich Geld dabei, um mir was zu kaufen. Der strategische Fehler war dann, spontan die Strecke zu ändern. Wo ich unterwegs war, gab’s einfach nichts!
      Das Profil sieht ganz beeindruckend aus. Einen Teil der Strecke kennst du (der langgezogene Anstieg im Wald, den wir am ersten Abend gelaufen sind). Richtig „fies“ war nur ein Kilometer mit ungefähr 75 Höhenmetern, der Rest lief sich ganz gut.

      Liebe Grüße,
      Anne

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    • Das Gute ist, dass man sich in der Gegend nicht ernsthaft verlaufen kann, weil man immer bestimmte Geräusche (und bei Sonnenschein natürlich die Himmelsrichtung) zur Orientierung nutzen kann. Das macht es mir leichter, einfach draufloszulaufen und darauf zu vertrauen, dass ich schon heim finden werde. Bei der nächsten Expedition nehm ich aber wohl doch was zu trinken mit. 🙂

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  7. Ziemlich viel Strecke mit ziemlich viel Höhenmetern mit ziemlich wenig Wasser. Da wäre mir auch die Zunge zum Halse rausgegangen und an der Tränke hätte ein Kamel neben mir sehen müssen, dass es noch etwas abbekommt 😀

    Dafür sind die Bilder um so schöner!

    Und mit dieser Vorbereitung dürfte der Halbmarathon mit den paar poppeligen Höhenmetern für Dich zum Kinderspiel werden 😎

    Liebe Grüße
    Volker

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    • Wenn es eine Tränke gegeben hätte, wäre mir das auch so gegangen, lieber Volker. Aber es gab keine – und in meiner Wohnung gibt es keine Kamele (außer mir).
      Der Blick in die schöne Landschaft entschädigt für die Anstrengung des Aufstiegs. Der Lauf hat mich sicher ein gutes Stück weitergebracht. Ein Kinderspiel wird der HM trotzdem nicht. Um halbwegs locker durchzukommen, brauche ich schon einen richtig guten Tag. Mein Training war in den letzten Monaten definitiv zu „dünne“ für einen spielerischen HM. 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  8. Respekt vor Deinen Höhenmetern! Damit wird der Maare-Mosel-Lauf zwar auch nicht ganz ein Kinderspiel, aber mit der Vorübung wirst Du ihn schaffen! Und Verlauf-Gefahr besteht dort nicht, ist ja alles ausgeschildert und die wunderschönen Landschaftseindrücke entschädigen für die Mühen! Und die letzten km dort sind eh‘ wieder nur flach… also – wird schon!
    Liebe Grüße
    Elke

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    • Liebe Elke, ich hoffe, der Lauf gibt mir tatsächlich einen gewissen „Schub“, was die Fitness für den Maare-Mosel-Lauf angeht. „Gut trainiert“ ist nämlich anders .. 🙄 . Naja, es geht eh primär um die Landschaft, dann darf es unterwegs auch länger dauern. Das wird schon. 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  9. Auf den Irrwegen, die Du beschrieben hast, war ich vermutlich auch schon. Beim nächsten, na gut, beim vielleicht übernächsten Mal wird das Verlaufen kein Thema mehr sein.

    In Sachen Trinken sollte Dir das eine Lehre sein. Wenn Du einen Lauf über 90 Minuten und mehr planst, geht im Sommer ohne Wasserflasche gar nichts. Das kann ich aus der Laufpause heraus mit erhobenem Zeigefinger dozieren. Liebe würde ich mich laufend verirren, von mir aus auch mit ohne Wasser …

    Den Maare-Mosel-Lauf habe ich übrigens auch schon aus meinen Plänen gestrichen 😦

    Ich gönne ihn Dir!

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

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    • Geplant hatte ich eigentlich, entweder kürzer zu laufen oder irgendwo was zu trinken zu kaufen. Aber so kann’s gehen!

      Ich wünsch dir sehr, dass auch du dich bald wieder verlaufen kannst, lieber Rainer! Egal wo, nur nicht auf dem Weg zum Arzt!

      Danke dir und liebe Grüße,
      Anne

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  10. Wow, so was wäre für mich ja der absolute Horror, umso netter, dass Du mal darüber schreibst. Wassermangel ist echt total blöd… ich hatte in der letzten Zeit immer Glück und der Zeugwart hat mir seine Wasserflasche zugesteckt.
    Danke für diesen Blogeintrag!
    Viele Grüße,
    Claudi

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    • Die Kombination aus „Verfranzen“ und Wassermangel ist wirklich blöd. Ich glaube, ich sollte mir auch einen Zeugwart zulegen, der in dieser Hinsicht auf mich aufpasst! 😉

      Viele Grüße,
      Anne

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