9. Akt: Wasserschlacht

Und ich sag noch: „In der nächsten Stunde regnet’s nicht!“, als wir gegen halb acht so gemütlich auf dem Parkplatz vor uns hin plaudern und unsere Zirkuszelte unglücklicherweise etwas groß geratenen, aber nichtsdestotrotz sehr schicken Laufshirts vom „TV bewegt“ anprobieren. Ich werde recht behalten.

Vor den heutigen Lauf hat unser Coach ein wenig Theorie gestellt. Unmittelbare Wettkampfvorbereitung: Was ziehe ich an, was esse und trinke ich wann am Tag X, wo treffen wir uns. Und ein bisschen Beruhigung für die „Ersttäter“: Nein, bei einem Stadtlauf kann man sich nicht verlaufen! 😎 Das alles zieht sich ein wenig, so dass es acht Uhr ist, bis wir doch noch zum Laufen kommen.

Los geht’s mit der letzten Tempoeinheit vor dem „großen Tag“. 10 Minuten locker einlaufen, soweit die Restschwüle lockeres Laufen zulässt, dann 6 x 5 Minuten schnell mit jeweils 3 Minuten Trab dazwischen. Schnell? Schakabock! Iszuwarm. Darum geh ich das erste Intervall sehr verhalten an. Erst einmal gucken, wie sich das heute anfühlt. Doch, das geht so.

Damit die unterschiedlich schnellen Läufer sich immer mal wieder begegnen, wird auf dem Sträßchen im Falschen Biewertal hin und her gependelt: In den Trabpausen wenden die vorn Laufenden und kommen den anderen entgegen – nette Idee von Michi, so sieht man wenigstens jede/n Mitstreiter/in mal, und zwar nicht nur von hinten.

Der zweite und dritte zügige Abschnitt klappen prima. Der vierte kommt mir spanisch vor. Gut, es geht leicht „bergab“. Und vor mir fliegt unser schneller Hirsch und zieht mich mit. Aber einen 3:50er Schnitt, wie ihn die Uhr nach 4 Minuten anzeigt, lauf ich im Leben nicht, jedenfalls nicht so locker-flockig.

Des Rätsels Lösung liefert der nachträgliche Blick auf die GPS-Aufzeichnungen: Was auch immer Garminchen in dem engen Tal gemessen hat, meine Laufstrecke war es nicht! Zumindest denke ich, dass ich mich daran erinnern würde, wenn ich zwischendurch im Unterholz herumgestolpert wäre und ein paar Schlenker hangaufwärts gemacht hätte. Laufen 20.06.2013

Ob die grottigen Satelliten-Daten auch mitbedingt sind durch das, was sich durch den immer schwärzer werdenden Himmel ankündigt? Die prognostizierte „nächste Stunde“, in der es nicht regnet, ist seit 10 Minuten rum. 🙄

Im 5. Intervall geht auf einmal alles ganz schnell. Aus wenigen Tropfen wird binnen Sekunden ein heftiger Regenguss. Von „Dusche“ zu sprechen, wäre ein Euphemismus. Es fühlt sich eher so an, als sei über uns ein Hydrant explodiert. Zumindest hat es die entsprechende Wirkung: Eine überaus schnell und gründlich durchnässende.

Nun ist mir ja Regen beim Laufen herzlich egal. Gewitter dagegen nicht. Sturmböen erst recht nicht. Und das Geräusch eines sehr großen umstürzenden Baumes im Wald, an dessen Rand wir zwangsläufig entlang müssen, hat etwas nachgerade Beunruhigendes. Neun Wochen diszipliniert trainieren und dann so kurz vor dem Wettkampf vom Blitz erschlagen werden – das wär‘ jetzt irgendwie blöd. Verschwendung sozusagen.

Der resultierende Impuls scheint bei allen der Gleiche: Beine in die Hand und ab dafür! Dabei ist die Rennerei eigentlich komplett witzlos! Wir haben nach zwei Minuten eh keinen trockenen Faden mehr am Leib – dann kann es nicht mehr nasser kommen! Und Bäume, die umstürzen könnten, hat’s auch überall. Trotzdem wetzen wir wie eine Horde Ferkel auf der Flucht vor dem Metzger (nur ohne das begleitende Gequieke) zurück zum Parkplatz, um der Wasserschlacht ein schnelles Ende zu machen.

Mangels eigenen fahrbaren Untersatzes bin ich dort auf einen Shuttle-Service angewiesen. Coach Michi ist sich für nix, aber auch gar nix zu schade und kutschiert seinen tropfnassen Schützling quasi bis vor die Haustür – dankeschön! 😎 Zuhause gilt dann gleich wieder: Wasserschlacht! Unter der Dusche ist das Wasser aber wärmer – und Shampoo gibt’s auch!

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20 Gedanken zu “9. Akt: Wasserschlacht

  1. Herrlich, wie Du Eure Flucht vor dem Gewitter veranschaulichst. 😀 Aber ich denke, ich wäre auch gerannt, was das Zeug hält. Vor Gewitter habe ich auch Angst.
    Schönen Freitag
    Bianca

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    • Eigentlich bin ich im Umgang mit den Unbill der Witterung recht gelassen. Aber Gewitter … und Sturmböen im Wald … nee, nichts für mich! 😦

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  2. Ach, komm, hör doch auf und gib doch zu, etwas gequiekt habt Ihr doch auch 😉

    Nein im Ernst, in ein Gewitterunwetter zu geraten ist kein Vergnügen. Wer da nicht schnellmöglichst das Weite sucht, ist nicht nur unvernünftig sondern lebensmüde

    Den umstürzenden Baum hast Du bestimmt verursacht, wo Du mit Überschall durch den Wald gebrettert bist :mrgreen:

    Der Countdown läuft und ich bin gespannt, wie sich dieses Training auf Deine Entzeit auswirkt.

    Liebe Grüße
    Volker

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    • *grööööhl* Suuuuper, genau die Gedanken (den mit dem „Quieken“ und den mit dem „durch den Wald brettern“) hatte ich beim Lesen des Berichtes auch!

      Auch ich bin gespannt wann der Wettkampf steigt und wie sich das Training dann wohl auswirken mag. Ich freue mich schon auf den entsprechenden Bericht! 🙂

      Und: nein, bei Gewitter zu laufen geht gar nicht!

      Viele Grüße,
      Thomas

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      • Hallo Thomas, am Sonntag geht’s los – natürlich werde ich berichten. Gewitter sind leider / zum Glück nicht vorhergesagt …

        Viele Grüße,
        Anne

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    • Nur ein bisschen – gediegene Damen mittleren Alters und heterosexuelle Männer halten sich in der Regel zurück, was das Quieken angeht! Selbst bei Gewitter! 😉

      Das mit der Überschallgeschwindigkeit halte ich für ein Gerücht … ebenso wie die Annahme, ich würde nun die 10 km besonders schnell laufen. Danach fühle ich mich momentan nämlich so gar nicht. Mal sehen. 😎

      Liebe Grüße,
      Anne

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  3. “ Unmittelbare Wettkampfvorbereitung “ – es scheint ernst zu werden und wird ernst genommen. Dank deiner hautnahen Erzählung fühlte ich mich als ein Mitglied eurer Runde und konnte wunderbar fühlen, wie es dir gestern in der Nässe ergangen ist. Nass – ja, das ist uns egal, Gewitter jedoch, erzeugt Respekt – und du bist gut nach Hause gekommen – Ich liebe es im strömendem Regen zu laufen, besonders im Sommer !!

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    • Es wird nur dann ernst, wenn man es ernst nimmt, liebe Margitta! 😎

      Sei froh, dass dir das Gewitter erspart blieb. Im Sommerregen laufen wir dann aber bei nächsten Mal zusammen, gell? 😉

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  4. Oh ja,
    ich habe tatsächlich an euch gedacht als bei uns im Garten alles umhergeflogen ist und der Regen waagerecht an die Terassentüren schlug. Sah schon gruselig aus.
    Gut das nichts passiert ist. So aufgeweicht, wie der Boden ist, haben die Bäume ja nicht gerade den besten Halt.
    Und so habt ihr nochmal eine recht schnelle Tempoeinheit am Ende gehabt. 😦
    Liebe Grüße
    Karina

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    • War ein wenig gruselig, liebe Karina. Aber es ging … lief ja alles gut! Der Regen hat uns nochmal Beine gemacht – so gut hat das vorher nicht mal Michi geschafft! 😉

      Liebe Grüße,
      Anne

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  5. Ich mag Gewitter sehr und habe diese schon als Kind gern beobachtet. Von drinnen 😀 Wann steigt denn der Laufwettkampf, damit man Daumen drücken kann?
    Liebe Grüße Elke

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  6. Fast wäre auch ich gestern zum unfreiwilligen Duscher in der Natur geworden. Nachdem ich mich durch die Schwüle gekämpft und wieder zu Hause angekommen bin, hat es gefühlte 2 Minuten gedauert, bis der Himmel die Schleusen geöffnet hat.

    Noch eine Frage: Welche Auswertungssoftware nutzt Du für Dein Garminchen? Ist diese auch mit einem Mac kompatibel? Oder hat sonst noch jemand einen guten Ratschlag für eine Mac-kompatible Auswertungssoftware?

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    • Hi Alex, da bist du ja nochmal davongekommen! 🙂 Wobei das Geduscht-Werden ja im Sommer halb so wild ist …

      Für Garminchen nutze ich SportTracks, das aber m.W. nur unter Windows läuft. Mit Mac kenne ich mich leider gar nicht aus …

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  7. Als das so heftig losging, habe ich gar nicht bedacht, dass ihr ja draußen unterwegs seid. Ihr ärmsten. Da ist es klar, dass der „letzte Intervall“ etwas flotter war.
    Garminchen ist immer für Späße zu haben. Meine behauptet ja, dass ich
    1. beim Saarschleife(halb)marathon auch mal quer geschwommen bin, und
    2. beim Silvesterlauf teilweise über die Dächer geklettert bin.
    Ich suche dann mal einen frei zugänglichen Hydranten an der Laufstrecke
    ….so auf dem letzten Kilometer…. zum anfeuern. 😉

    Liebe Grüße
    Birthe

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    • Garminchen läuft ja sogar, wenn man es einschaltet und allein irgendwo rumliegen lässt … sehr eigenwillig, der kleine „Brotkasten“! 😆

      Wenn du den Hydranten knackst, dann bitte so, dass ich den Wasserstrahl in den Rücken bekomme und nicht ins Gesicht … 😆

      Liebe Grüße,
      Anne

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