Lutscher mit Musik

„Koppeln“ hätte ich das eigentlich nicht genannt, wenn ich nur locker mit dem Wind im Rücken die 10 Kilometer bis an die Konzer Saarbrücke radle und dort mein Rad anschließe, um ein Ründchen an der Saar zu laufen. Aber wenn ich dann bei den ersten Laufschritten das Gefühl habe, mein A### schleift über den Asphalt und die Beine wissen sowieso nicht, was der Quatsch auf einmal soll, muss das wohl doch schon was mit Koppeln zu tun haben. 🙄 2013-06-02_Saar02 Zum Glück springt der Schalter im motorischen Cortex schnell auf Laufbetrieb und regelt nach anderthalb zu flotten Kilometern automatisch auf „LaLaLa“-Geschwindigkeit runter. „LaLaLa“, Langer (oder wenigstens längerer) langsamer Lauf in den Morgen – das ist der Plan. Ein sehr frischer Morgen. Ohne Jacke wär’s im Schatten ungemütlich.2013-06-02_Saar052013-06-02_Saar04Am Kirchlein in Hamm scheint aber die Sonne. Ich wünsche St. Nikolaus, dem Schutzpatron der Binnenschiffer, einen schönen Tag und hoffe, dass er sich auch für Läufer zuständig fühlt. Wenn er dafür sorgen könnte, dass die linke Wade sich für „locker werden“ und nicht für „krampfen“ entscheidet, wäre ich schon ganz zufrieden. Sicherheitshalber dehne ich die Wade selbst noch ein wenig – man kann ja nie wissen. 2013-06-02_Saar03Entspannter trabe ich weiter am Ufer entlang, an einigen Stellen noch durch Schlammreste, die der Regen der letzten Tage hinterlassen hat. Immerhin ist der Leinpfad frei. In Kanzem die Frage: Richtig große „Tälchen-Runde“ über Wiltingen oder einfach an der Schleuse über die Saar und am Könener Ufer wieder zurück? Letzteres – die Vernunft siegt! 2013-06-02_Saar102013-06-02_Saar11Aber Vernunft ist auch langweilig. So sehr ich den Saarleinpfad ansonsten mag, heute hab ich keinen Bock auf Asphaltband und Radlerkarawanen. Ein bisschen lustlos trotte ich meinen Stiefel runter, gucke ins Grün und versuche, den Zweitakter-Mief der Fahrräder mit Hilfsmotor wieder aus der Nase zu kriegen. Nicht jeder Sonntag ist Laufsonntag. Ich tröste mich damit, dass so ein Lauf gut für den Kopf ist. Einfach weiterlaufen, auch wenn’s zäh wird – auch das muss man üben. Und schön isses ja schon da in den Sommerwiesen! 🙂2013-06-02_Saar01Irgendwann kommt dann doch die Brücke. Ein Sprint die Rampe rauf bis zum Scheitelpunkt weckt die Muskeln aus ihrem Schlurfschrittschlaf und treibt den Puls kurz hoch. Am anderen Ufer laufe ich noch zwei, drei Steigerungen, dann langt’s. 13.5 Kilometer im 6:30er-Trab, passt.2013-06-02_Saar09Dehnen, schnell am Campingplatz noch was trinken, dann locker und gemütlich ausradeln. Dumm nur, dass der Wind schräg von vorn kommt. Das mindert die Gemütlichkeit doch ein wenig. Noch mehr wird sie aber durch das seichte Pop-Gedudel in meinem Rücken gemindert. Kurzer Schulterblick: Da hängt ein moppeliges Radlermännchen an meinem Hinterrad. „Ich fahr nur Windschatten!“ Ach nee. Ein Lutscher! Und dann auch noch mit Musik! 2013-06-02_Saar06Ich mache langsamer und lasse ihn vorbei. Aber statt seine Geschwindigkeit zu halten, klemmt er sich vor mich und fängt seinerseits zu trödeln an. Ich will keinen Windschatten! Ich will meine Ruhe! Zwei, drei Minuten mach ich den Zirkus mit, dann trete ich kurz an, überhole wieder und fahre etwas flotter weiter als ich eigentlich vorhatte. Das kann er sich natürlich nicht bieten lassen – MANN eben! 😉 Prompt hängt er sich wieder hinten dran. Und aus dem Rucksack dudelt es weiter! Diese sch### Transistorradios gehören echt verboten! 2013-06-02_Saar08Weil ich keinen Bock habe, die Nervensäge durch weitere Beschleunigung abzuhängen, nutze ich die erste Gelegenheit am Ortseingang von Trier und biege vom Weg ab. Nochmal 10 lockere Rad-Kilometerchen draufgepackt, jetzt wird der Rest des wunderbaren Sonntags im Garten vertrödelt. Und wehe, da bringt irgend so ein ### sein Radio mit! 🙄2013-06-02_Saar07

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22 Gedanken zu “Lutscher mit Musik

  1. Schönes Programm, schöne Fotos! So ein beschallter Typ auf dem Fahrrad kann natürlich nervig sein. Eine ganz schön blöde Art von Anmache.

    Viel Spaß im Garten! Tanke ein paar Sonnentrahlen für mich mit.

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

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    • Danke, lieber Rainer! Das Anmachen muss der Typ wirklich noch üben – vor allem muss er dazu die Beschallung ausmachen!

      Durch den Wind war die Sonne leider nicht so warm wie gewünscht – ich versuch’s jetzt auf dem geschützten Balkon nochmal!

      Liebe Grüße, halt durch! 🙄
      Anne

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  2. Sonne! Radeln! Laufen! Viele Champagnerflaschen (wieso ist dieses Bild über dem Satz: „…schnell am Campingplatz noch was trinken,…“???)!
    Ein schöner Ausflug und hoffentlich ein genausoschöner Ausspannnachmittag im Garten (und den Dödel mit seiner Dauerbeschallung vergisst du einfach ganz schnell wieder) 😀
    Lieben Gruß, Doris (Schwimmhäute sind saupraktisch und die Taucherbrille erst!)

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    • Puch, du Ärmste bist ja immer noch mitten im Regendesaster, während wir sommerliches Dolce vita genießen, dass uns alle dummen Dödel der Welt vergessen lässt! Bleib tapfer, alles wird gut – der Sommer kommt auch zu euch!

      Zu der Bild-Wort-Kombination sag ich nur so viel: Morgens um halb 10 schon handgerüttelten Winzersekt zu trinken, hätte mir den kompletten Tag versaut! 😉

      Lieben Gruß,
      Anne

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  3. Ein schöner Ausflug.
    Aber bei dem Wetter an der Mosel etc. ist es natürlich nicht leer. Je nach Uhrzeit.
    Windschattenfahren? Jahamwadennsturm? Vielleicht hätte ja eine Fotopause genützt, aber wer weiß, vielleicht hätte sich Mr.Radio dann auch unbedingt ausruhen müssen. 😉
    Viel Spaß im Garten. Genieß die Sonne.
    Viele Grüße
    Birthe

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    • Eigentlich hatte ich gehofft, dass es morgens so zwischen 9 und 11 noch ruhig ist. Aber halb Holland und Belgien waren schon auf dem Rad – und dann eben die älteren Herren, die per Mofa zum Frühschoppen oder wohin auch immer düsten. 😎

      Fotopause? Ich fürchte, Mr.Radio-Jawirhamsturm hätte dann noch gefragt, ob er helfen kann. 😆

      Vielen Dank – hab auch einen schönen Tag!
      Anne

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  4. Och jo, ein Duathlon gefällig, die Sonne scheint, alles scheint perfekt, wenn da dieser Typ nicht gewesen wäre, das hätte mich auch genervt, aber zum Glück bist du ihn schließlich los geworden. Schöne Tour am Fluss entlang, ja, da wäre ich gerne dabei gewesen, aber du nimmst mich ja nicht mit, nicht mal Bescheid hast du gesagt !! 😉

    Tröste dich, so ein wenig Wind ist very good for the condition, ist doch langweilig, wenn es windstill ist – wir Frauen brauchen Herausforderungen, um unseren Mann zu stehen – oder was ?

    Sonnige Grüße 😎

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    • Schimpf und Schande über mein Haupt, liebe Margitta! Beim nächsten Sonntagmorgenlauf kommst du mit und darfst selbst die Strecke aussuchen! 😉 Es ist hier so schön und ich hab mich so nach Sonne gesehnt, dass ich schwer in Versuchung bin, heute abend noch ein Radründchen zu drehen – gennug Wind für die klitzekleine Herausforderung wäre ja da. Aber ich glaub, nach 2 Stunden Gartenarbeit leg ich jetzt doch mal die Füße hoch und brate mir hinterher ein wenig grünen Spargel zum Abendessen! 🙂

      Sonnige Grüße zurück 🙂

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  5. Der Typ hätte mich aber auch genervt. Einfach nicht abzuschütteln, dieser Transistorradioliebhaber. Schlimm!
    Ansonsten hat mir Deine Runde gut gefallen. Zäh war sie bisweilen, aber Du hast es durchgezogen. Finde ich klasse!
    Gehört auch dazu – das habe ich auch erst erfahren müssen. 🙂
    Liebe Grüße, Bianca

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    • Ja, manchmal ist es zäh, mit dem Laufen wie mit den klebrigen Transistorradioliebhabern! Aber nur nicht ins Bockshorn jagen lassen, heißt die Devise! 😎

      Liebe Grüße,
      Anne

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  6. Liebe Anne,

    Respekt für die sportliche Leistung und das trotz Unlust und körperlicher Zähigkeit. Ich hoffe Du konntest etwas ausspannen im Garten und hast die Füße den Rest des Sonntags ohne Störung hochgelegt. Ich bin vor 30 Minuten erst aus der Praxis gekommen, leider reisst das Arbeitsaufkommen gerade nicht ab, so dass Laufen und virtuelle Aktivität auf der Strecke bleiben 😦

    Salut
    Christian

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    • Danke, lieber Christian! Den Tag hab ich heute mit Gartenarbeit und Faulenzen fortgesetzt – ohne Radiogedudel!

      Dir wünsch ich viel Energie und starke Nerven, um die anstrengende Phase gesund durchzustehen. Ich hoffe, es reicht wenigstens noch für eine kleine Laufrunde ab und an!

      Liebe Grüße,
      Anne

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  7. *Ächz* Wenn man spät dran ist mit Kommentieren, bleibt mir nicht mehr viel. Alles schon gesagt. Schön bei Euch mal wieder die Sonne zu sehen.

    Zu dem Radioradler muß ich aber auch nochmal was sagen. Sowas kann ich überhaupt nicht ab. Es nervt mich schon, wenn in der Fußgängerzone jemand zufällig eine gewisse Zeit hinterher läuft. Entweder hätte ich ihn abgehängt oder eine kurze Pause gemacht. Ätzend sage ich nur!

    Liebe Grüße und einen guten Start in eine hoffentlich nicht nervige Woche 😎
    Volker

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    • Die Sonne tut sooo gut! 🙂

      Der Radioradler war dagegen echt lästig. Ich hatte keine Lust auf Pause (und was, wenn er dann auch stehen geblieben wäre 🙄 ). Auf „Abhängen“ aber auch nicht, zumal das angesichts der hohen Radlerdichte schwierig geworden wäre.

      Vielen Dank für die guten Wünsche – ich kann sie nur erwidern! 😎
      Anne

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  8. Oh Mann (!), das geht ja gar nicht. Das Radio, das Lutschen, das nicht ertragen können von einer Frau überholt zu werden…
    Wenn du stehen geblieben wärst, hättest du wahrscheinlich ein Gespräch an der Backe gehabt.

    Gestern wehte der Wind auch noch ziemlich heftig. Mir hat es zeitweise das Rad seitlich versetzt.
    Das Koppeln klingt doch gut. Solltest du öfters machen. Denn dann hast du dieses „eirige“ Laufgefühl bald nicht mehr. Das ist ein gutes Training nicht nur für Triathleten.

    Liebe Grüße
    Karina

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    • Gespräch an der Backe wäre die Höchststrafe gewesen! 😆
      Es pustete z.T. ganz schön, v.a. die Böen waren unangenehm. Mein Rad ist ja schwerer und daher recht stabil, aber aufpassen musste auch ich.
      Koppeln werde ich sicher öfter mal, es gibt so viele schöne Strecken, die man belaufen könnte. Und selbst wenn ich ein Auto hätte: Mit dem Auto zum Laufen fahren find ich irgendwie doof!. 🙂

      LG,
      Anne

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  9. „Aber Vernunft ist auch langweilig.“ Herrliche Aussage Anne, du triffst es immer wieder auf den Punkt 😀 Gekoppelte Einheiten finde ich auch immer spannend, aber da habe ich letztes Jahr so meine (nur bedingt guten) Erfahrungen gemacht. Da warte ich lieber noch ein bisschen.

    Apropos: Ich habe dich für den “Liebster Blog Award” vorgeschlagen. Wenn du Lust und Laune hast, dann schau doch bitte auf mein Blog unter http://wp.me/p2iqSZ-bj . Würde mich freuen von dir zu lesen 🙂

    Liebe Grüße,
    Markus

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    • Danke, lieber Markus! 🙂 Lass dir Zeit mit dem Koppeln, erst einmal stehen andere Ziele an!

      Danke auch für dein Vorschlag zum “Liebster Blog Award”! Im Moment hab ich leider ein wenig viel um die Ohren und weiß nicht, ob und wann ich mitmachen soll. aber ich schau mal …

      Liebe Grüße,
      Anne

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  10. Ihr habt da aber sehr seltsame Rad-Typen da in Trier 🙂
    Und als Mann im WIndschatten von einer Faru zu fahren ist ja wirklich das letzte! Aber vielleicht wollte er dich nur auf sich aufmerksam machen ? Der Frühling hat ja so seine Seiten 🙂

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    • Tja, vermutlich war es das Balzverhalten des gemeinen Saar-Mosel-Männchens. Zu dumm, dass ich das nicht angemessen würdigen konnte! 😆

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