Maihochwasser

Ein Sprichwort besagt: „In Trier läuten entweder die Glocken oder es regnet!“. An diesem Pfingstmontag gegen neun Uhr läuten die Glocken. Ziemlich ausgiebig. Aber noch ausgiebiger hat es geregnet. Gestern Nachmittag ging es los, erst langsam, dann heftig. Sehr schade und sehr ärgerlich für die Veranstalter von „Saarpedal“, dem autofreien Sonntag an der Saar. Ebenso frustrierend für unseren Kleingartenverein, dem bei diesem Sauwetter die Pfingstfestgäste wegblieben. Meinem Kuchen half das nichts, der wurde trotzdem gegessen … 😉2013-05-20_Maihochwasser01Zurück zum Montagmorgen. Als die Glocken läuten, regnet es nicht. Immerhin: Ungefähr 10 Minuten, vielleicht auch eine Viertelstunde oder 20 Minuten ist es trocken. Ich habe kein Zeitgefühl. Ich trotte einfach so durch das triefnasse Grün vor mich hin. Unter tief hängenden Sträuchern hindurch, die eine Ladung Wasser über mich ergießen. Vorbei an Teppichen aus Wilder Möhre. Und durch Pfützen. Besser: Um sie herum. Der Moselradweg hat sich in eine Seenplatte verwandelt und ich will nicht schon nach 5 Kilometern patschnasse Füße haben.2013-05-20_Maihochwasser02

Den Pilgern auf dem Weg nach St. Matthias gingen ihre frommen Lieder auch schon fröhlicher über die Lippen. Und die Radfahrer sind wahrlich nicht zu beneiden in dem Geniesel, das allmählich in ergiebigen Landregen übergeht. Dagegen sind wir Läufer gut bedient. So etwa eine Stunde hält die Regenjacke dicht. In dieser Zeit wird es nur von innen zunehmend nasser, weil sich die Atmungsaktivität der angeblich atmungsaktiven Jacke doch sehr in Grenzen hält. Und es tropft etwas melancholisch vom Mützenschirm vor dem Auge vorbei.2013-05-20_Maihochwasser03Doch, es hat SEHR geregnet in der Nacht. Einmal muss ich auf einen Grünstreifen ausweichen, weil der Weg unter Wasser steht. Dann laufe ich sozusagen mitten durch die Mosel, weil der Fluss überschwappt. Am Ratio ist „Schluss mit lustig“. Drei bis vier Zentimeter hoch „O Mosella“ auf einer Strecke von 20, 30 Metern – Maihochwasser, nein danke! 2013-05-20_Maihochwasser11Ich weiche auf den Hotelparkplatz aus und trabe unter der Autobahn durch zum Nells Park.2013-05-20_Maihochwasser072013-05-20_Maihochwasser09Für die Rosenblüte ist es natürlich noch zu früh. Aber ein paar Runden auf den sauberen Wegen durch den Rosengarten und um die Teichanlage mit ihrem Entenhäuschen de luxe gönne ich mir.2013-05-20_Maihochwasser042013-05-20_Maihochwasser052013-05-20_Maihochwasser06Als ich den Park verlasse, steht gerade der Linienbus abfahrbereit. Etwa 10 km hab ich schon in den Beinen. „Das reicht doch für heute!“, säuselt der Schweineelch mir sanft ins Ohr. Zum Glück hat er das Ohr erwischt, auf dem ich taub bin.2013-05-20_Maihochwasser10Also zurück an die Mosel. Im immer intensiver werdenden Regen. Und mit immer schwerer werdenden Beinen. Bin halt nichts Gutes mehr gewöhnt. Und langsam hält auch die Jacke nicht mehr dicht. Egal, ein Fotostopp an einem meiner Lieblingsplätze mit Blick auf die roten Felsen von Pallien muss sein.2013-05-20_Maihochwasser122013-05-20_Maihochwasser132013-05-20_Maihochwasser14Die letzten Kilometer ziehen sich etwas. Um aus dem Schlurfschritt zu kommen, baue ich noch drei, vier Steigerungen ein – das treibt kurz den Puls hoch und macht die schweren Beine wieder lockerer. Noch zwei Kilometer, zwischendurch Brötchen einsacken.2013-05-20_Maihochwasser08Zuhause gründlich dehnen – vor allem die Oberschenkelrückseiten zeigen sehr eindringlich ihre Empörung über die Zumutung, auf einmal 18 km laufen zu sollen. Aber da müssen sie durch! Und der Mango-Bananen-Kiwi-Shake mit Vanille-Eiweißpulver sieht zwar nicht so spektakulär aus wie der Brombeer-Bananen-Shake vom Samstag, füllt aber die Speicher schnell wieder auf und ist auch geschmacklich auch nicht zu verachten. 😎2013-05-20_Maihochwasser15

P.S.: Ich vergaß zu erwähnen (der Regen wusch die Gedanken wohl fort): In virtueller Begleitung war ich unterwegs, im Parallelschwung mit Margitta, die etwa zeitgleich an der Ostsee startete und mit mir durch den Maimorgen lief. So wurde der gemeinsame Lauf wohl für uns beide länger als geplant … nur ich wurde nasser! 🙂

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26 Gedanken zu “Maihochwasser

  1. Und hast mich nicht virtuell mitgenommen, ich ja, sogar angerufen habe ich dich, aber das nützt ja alles nichts, wenn dein Handy zu Hause ruhen darf . ICH jedenfalls bin im Parallelschwung mit dir unterwegs gewesen und bin EXTRA DEINETWEGEN zu den blühenden Rhododendren gelaufen – hier eine Duftprobe: ………………………………….

    Es hat mich SEHR motiviert – und habe noch ein paar Kilometer drauf gelegt !! 😉

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    • Natüüürlich habe ich dich virtuell mitgenommen – hast du nicht gehört, dass ich dich immer wieder vor Pfützen, Wurzeln und Schlammlöchern gewarnt habe? Für’s Foto vor den Felsen wolltest du ja nicht posieren, weil du nass warst wie ein begossener Pudel! 😉 Ohne dich wäre ich NIE 18 km gelaufen, auch ich war also ganz besonders motiviert! 🙂 Und jetzt sitze ich hier faul im Wohnzimmer und berausche mich am Duft der Rhododendren – dankeschön! 🙂

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      • Dein Glück, ich dachte, du hättest mich links liegen lassen, irgendwie klappte das mit dem DRAHT nicht so gut , wahrscheinlich war der Regen schuld – wer sonst ? Nachdem ich dich zu Hause abgeliefert hatte, bin ich noch ein paar gute Kilometer weiter gelaufen, muss ich ja, um meinem Namen Ehre zu machen,aber nur dank deiner erhöhten Aufmerksamkeit – Dankeschön !!

        Faul ? Was ist denn das schon wieder ❓

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        • DICH würde ich doch nie links liegen lassen, liebe Margitta – das weißt du doch auch … hoffentlich! Schön, dass du noch ein paar km drangehängt hast. Mir wurde es zum Schluss doch recht kalt und ungemütlich.

          Faul? Ist was sehr Angenehmes – aber nur nach getaner „Arbeit“! 😉

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  2. Hallo Anne,
    ich wusste gar nicht, dass du auch eine so tolle Bäckerin bist. wenn der Kuchen so schmeckt, wie er aussieht, ist es keine Wunder, dass er keine Überlebenschancen hat. Ich habe meinen Pfingstmontagslauf auch schon hinter mir. Offensichtlich hatte ich eine Stunde zwischen sekundenlanger Trockenheit und minutenlangem leichten Nieselregen erwischt. Die Jacke blieb jedenfalls dicht.
    Sehen wir uns kommenden Samstag in Hetzerath im schönen Meulenwald? Mittlerweile ist er grün.

    Noch einen schönen Feiertag wünscht dir mit herzlichen Grüßen
    Harald

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    • Hallo Harald,

      doch, gelegentlich backe ich gern – bisher hat sich auch noch niemand über meine „Künste“ beschwert! 😉

      Wg. Hetzerath bin ich mir noch nicht ganz sicher und werde kurzfristig nach Witterung entscheiden. Zumindest eine Strecke will ich von Trier aus mit dem Rad fahren und ich gestehe: Bei einem Wetter wie heute würde mir die Motivation fehlen! 😉

      Herzliche Grüße, genieß den Rest-Feiertag,
      Anne

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  3. Hallo Anne,
    wir sind gestern gerade noch trocken nach Hause gekommen. Kurz danach fing es schön an zu schütten.
    Heute morgen nutze es aber auch nix und so sind wir auch im Regen gelaufen und geradelt.
    Aber was solls. Trocken kann ja jeder 😉
    Der Kuchen sieht aber auch sehr lecker aus. Da bekommt man gleich Appetit. Muss gleich mal in die Küche und schauen, was sie noch so her gibt.
    Glückwunsch! 18km bei dem Wetter ist schon ordentlich. Und deshalb darfst du dann auch faul im Wohnzimmer sitzen! Oder liegen! Wie sagt der Coach immer: Wenn du stehst setze dich hin, wenn du sitzt lege dich hin.
    Liebe Grüße
    Karina

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    • Hallo Karina,

      genau, trocken kann jeder! 😆 Wobei: Radfahren bei Regen … 🙄

      Der Kuchen war wirklich ganz gut, Obst auf Vanillecreme auf Bisquitboden. Fast gesund … 😉

      Eben lag ich noch, jetzt sitze ich. Und gleich geh ich mal im Garten vorbei, um mich dann wieder hinzulegen. Eigentlich stell ich mir einen Sommersonntag anders vor, aber gut, es ist wie es ist. 😦

      Liebe Grüße,
      Anne

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  4. Alle Achtung! 18 Kilometer! Da musste Margitta ja noch etwas draufpacken, um ihrem Ruf gerecht zu werden. Und das bei diesen Bedingungen, oder gerade deshalb.

    Du hast Dir einen ruhigen Restpfingstmontag wahrlich verdient. Ich sitze derweil in der Redaktion und koordiniere die Berichterstattung über das miese Wetter und die Folgen. An der Sauer scheint es besonders übel zu sein.

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

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    • Ja, lieber Rainer, hab gerade die Pegelentwicklung angeschaut – ziemlich dramatisch! 😦 Arme Camper!

      Lauftechnisch ging es gerade noch so. Aber am Ratio konnte man dem Hochwasser beim Steigen zuschauen. Am Pfalzeler Ufer düfte der Weg inzwischen auch überflutet sein. Sauwetter! Immerhin verpasst du bei deinem Sonntagsdienst nicht ganz so viel! 😉

      Liebe Grüße,
      Anne

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  5. Aaaah, du lebst wieder…ich meine läufst wieder.
    Schön. Trotz Sauwetter (wolltest wohl den Schweineelch ertränken, was?) udn dann noch so weit.
    Allmählich geht mir die Nässe ja ganz gewaltig auf die Nerven.
    Der Kuchen sieht sehr verlockend aus.
    Und die Shakes: Mein Favorit ist derzeit Vanille mit Waldfrüchten. (Shake mit Milch anrühren, in den Mixer und gefrorene Waldfrüchte dazu. Kann man auch löffeln. 😉 )
    Liebe Grüße,
    Birthe

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    • Das war sozusagen eine „2 in 1“-Laufeinheit, liebe Birthe! Klar kann man Versäumtes nicht nachholen, aber mit ausgeruhten Beinen läuft es sich leichter. Der Schweineelch treibt jetzt kieloben in der Mosel. 😆

      Der Kuchen war tatsächlich gut (ein Stückchen habe ich zu Zwecken der Qualitätskontrolle auch verspeist). Aber die Shakes schmecken mir im Moment noch besser. Beeren hab ich noch im TK-Fach (überreichliche Ernte der letzten Saison). Denen geht es demnächst mit dem Mixer „ans Leder“! 😉

      Liebe Grüße,
      Anne

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  6. Liebe Anne,

    kannst Du mal aufhören mir mit den Fotos von kulinarischen Hochgenüssen den Mund wässrig zu machen? 😉

    Ganz ehrlich? Auf so einen Regenlauf hätte ich wirklich Lust gehabt, inklusive durch die Fluten laufen 🙂 War es denn wenigstens warmer Regen?

    Nett, so ein Parallellauf…

    Ich starte jetzt auch gleich, aber ganz für mich alleine 😦 Dafür nicht so weit, um den Fuß noch zu schonen.

    Dir noch einen gepflegten Pfingstmontag.

    Liebe Grüße
    Volker

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    • Es sind doch nur gesunde Genüsse, lieber Volker! 😉

      „Warm“? Naja, wenn 11, 12 Grad warm sind, dann war er warm. Aber ich hab in der letzten Viertelstunde dann doch gefröstelt.

      Viel Spaß bei deinem Lauf – damit du nicht so allein bist, komm ich in Gedanken nur zu gern mit! Nur nicht so schnell bitte … 😉

      Liebe Grüße und toitoitoi für deinen Haxen,
      Anne

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  7. Hallo Anne,
    toller Lauf und tolle Bilder. Trotz des doch etwas ungemütlichem Wetters, wobei wir uns ja irgendwie dran gewöhnen das es so ist wie es ist :-).
    Auf jeden Fall hast du den freien Montag sinnvoll genutzt. Also alles richtig gemacht.
    Liebe Grüße
    Helge

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    • Hallo Helga,

      danke! Doch, man gewöhnt sich an die hohe Luftfeuchtigkeit – ändern können wir sie ja doch nicht, also schalten wir um auf Kiemenatmung und laufen/radeln weiter! 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  8. Hallo liebe Anne,
    18km! Hut ab!!
    Der Regen hat euch ja momentan wirklich sehr, sehr lieb in Trier… (Hätte ich gar den Regentanz am Samstag Abend vor dem Schlafengehen nicht mehr machen sollen??? :D)
    Lieben Gruß und guten „Arbeitswochenstart“,
    Doris

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    • Ach, DU bist verantwortlich für die hiesige Sintflut, liebe Doris! 🙄 Der Tanz war in der Tat eins drüber. Aber immerhin ist jetzt schon seit ein paar Stunden Regenpause. Sehr ungewöhnlich. 😎

      Vielen Dank für die guten Wünsche. Zum Glück ist die Arbeitswoche kurz … 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  9. 18 km gehen mit virtueller Begleitung doch gleich viel leichter! Finde ich super, Anne.
    Die Weser führt auch ganz schön viel Wasser, aber nicht so extrem wie die Mosel. Im Mai doch eher
    ungewöhnlich, oder?
    Liebe Grüße, Bianca

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    • Ohne eine so versierte virtuelle Begleitung hätte ich das kaum geschafft! 🙂

      Sehr ungewöhnlich, das Hochwasser! Es hat so heftig und viel geregnet, dass der Boden das Wasser nicht so schnell aufnehmen konnte, glaube ich.

      Liebe Grüße,
      Anne

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  10. Liebe Anne,

    irgendwie ist bei euch wettermäßig ja die Sintflut am werkeln, aber Du wohnst ja ein Stück weg von dem Fluss, so dass Du hoffentlich verschont bleibst. Deine Bilder sprechen ja eine eigene Sprache, was das Hochwasser angeht.
    Die Distanz war ja ganz ordentlich, da kannst Du stolz sein, damit ist dann der Frust der vergangenen Woche wohl passé. Ich wünsche Dir viel Spass bei der virtuellen Begleitung, leider ist das nicht meine Zeit, sonst wäre ich auch mal mitgelaufen 😉

    Salut
    Christian

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    • Lieber Christian,
      ja, zum Glück liegt meine Wohnung ein gutes Stück oberhalb des Flusses. Für die Ufer-Anwohner und die Campingplatzgäste war es ein sehr unerfreuliches Wochenende – und es soll heute weiter regnen! 🙄

      Mit der Distanz war ich sehr zufrieden, damit hab ich mir – völlig planbefreit – die anstrengende Woche aus dem Kopf gelaufen. 😎

      Wir finden bestimmt mal eine Zeit, zu der wir dich virtuell mitnehmen können – schlag mal was vor! 😉

      Liebe Grüße,
      Anne

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