500 Karlchen

500 Karlchen stehen rund um die Porta. Und fast jeder meckert drüber. Die CDU meckert, weil Karlchen ein Linker ist. Und weil ein anderer Linker, nämlich der Herr Gysi, öffentlich über die 500 Karlchen reden durfte. Dabei sollte die CDU eigentlich gar nicht meckern, denn 125 Karlchen sind ausgerechnet in CDU-Orange eingefärbt. 2013-05-04_Ruwer-Riesling-Lauf 009Die linksorientierte Presse meckert auch. Von „Vergartenzwergung“  („Spiegel“) der kommunistischen Ikone, von einem „Verschnitt aus Gartenzwerg und Hummel-Figur“ („Trierischer Volksfreund“) ist die Rede. 2013-05-05_Karlchen04Ich meckere ebenfalls. Ich hab mir irgendwie was Imposanteres vorgestellt: Eine Art Terrakotta-Armee aus Streitern für Menschenrechte. Systematisch aufgestellt und durch ihre schiere Menge ein beeindruckendes Symbol für die Macht der Arbeiterklasse. Jedenfalls rechnete ich nicht mit 500 zottelbärtigen Plastikschraten in napoleonischer Pose, die von jedermann in beliebiger Anordnung neu drapiert werden dürfen. 2013-05-05_Karlchen02Der Künstler wollte ja angeblich gar kein Kunstwerk schaffen. Das interessiere ihn „null“, ließ er verlauten. Er wolle nur zum Nachdenken anregen. Nachdenklich macht aber eine Horde knallroter Schrumpfgermanen beim besten Willen nicht. Sie wirkt eher, als würde einer der billigen Souvenirshops rund um die Porta versuchen, seine Ladenhüter unters Volk zu bringen. Oder sollte man das chaotische Rumgeschiebe der Figuren als treffenden Hinweis darauf interpretieren, dass Marx‘ Lehren damals wie heute von jedem Dahergelaufenen beliebig fehlgedeutet und für eigene Zwecke instrumentalisiert wurden?2013-05-05_Karlchen01Fünf Karlchen konnten bereits dem wirren Treiben entkommen – trotz dichter Bewachung durch den Sicherheitsdienst. Natürlich halte ich nichts von solchen illegalen Aktivitäten. Nichtsdestotrotz denkt das kleine Teufelchen in mir: Vielleicht könnte eine wohl organisierte Massenflucht den „starken Arm des Proletariats“ viel überzeugender dokumentieren als ein so plattes Touristenspektakel „von der Stange“ es jemals könnte?! Free Karlchen! 😉  *2013-05-05_Karlchen03Ach ja: Gelaufen bin ich heute abend nach der Arbeit auch noch. Anstrengend war’s. Die Technikübungen kosteten VIEL Selbstüberwindung. Außerdem waren die 34 Radkilometer an der Mosel und die 6 Marschkilometer zum und vom Büro gestern wohl etwas zu viel der aktiven Regeneration. Aber wer kann schon diesem Sonnenschein widerstehen?

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* Für Menschen, die das geschriebene Wort allzu wörtlich nehmen: Bei diesem Teil des Beitrags handelt es sich um den Versuch einer satirischen Betrachtung und nicht um einen Aufruf zum Diebstahl von Kunstobjekten. Ich klaue weder überdimensionale Leibniz-Kekse noch vermickerte Plastik-Marx-Figuren und  ich heiße den Klau solcher Objekte auch nicht gut. Also: Finger weg von Karlchen – es sei denn, ihr habt ihn offiziell erworben!
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20 Gedanken zu “500 Karlchen

  1. Hmm, so ein Karlchen in rot oder orange … ich weiß nicht. So richtig scheint wiedermal keiner zu wissen was das soll. Wie so häufit in der modernen Kunst und noch häufiger in der Politik. Aber jeder macht was er will und alle machen mit.
    Ich finde laufen schöner als die MiniKarlchen. Beim Laufen kann man schön seinen eigenen Reim auf das auskaspern was der Karl vor so vielen Jahren mal gesagt bzw. aufgeschrieben hat.

    Liebe Grüße und streichel mal so einem Karlchen von mir über den Bart 😉
    Tati

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    • Ja, liebe Tati, der „Sinn“ des Ganzen scheint keinem so richtig klar. Vielleicht finden wir ihn beim Laufen – wenn nicht, werden wir auch das überstehen. Nichtsdestotrotz kriegt eins von den Karlchen beim nächsten Stadtspaziergang einen Extra-Streichler von mir! 😉

      Liebe Grüße,
      Anne

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  2. Liebe Anne,

    wer sollte denn so etwas stehlen wollen, es scheint doch mehr eine Karikatur bzw. ein humoristisches Abbild des großen Karl May äh Marx zu sein 😉 Wo soll ich so ein Ding hinstellen? Ins Gemüsebett um die Schnecken – verzeih – zu erschrecken? Nene, lass die mal in Trier stehen, obwohl als Poller auf der Autobahn würden die siech gut machen, zwecks der grellen Farbe 🙂

    Dein Programm zur aktiven Regeneration ist aber auch nicht von schlechten Eltern, aber Hauptsache Sport, gell?

    Salut
    Christian

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    • Lieber Christian, frag mich bitte nicht, was man mit so einem Ding anstellen soll. Ich glaube, es taugt nicht einmal als Vogelscheuche … über den Preis reden wir lieber gar nicht! 🙄
      Ja, Hauptsache Sport, eigentlich wollte ich im Garten faulenzen, aber ich war zu zappelig dafür … 😉

      Liebe Grüße,
      Anne

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  3. Was die quietschen, kommunistischen Schachbrettfiguren anbelangt stelle ich mir mal wieder meine Lieblingsfrage (ist zwar nicht von mir) „Ist das Kunst oder kann das weg?“

    Wer die Hummelgartenmarxe zum Davonlaufen findet, kommt so wenigstens zu seinem Sport 😀 Von dem hattest Du ja reichlich ❗

    Liebe Grüße
    Volker

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    • Tja, lieber Volker, du bist nicht der Einzige, der sich diese Frage stellte. Ich glaube, eine Industriepalette voller Plastik-Karlchen würde künstlerischer wirken als diese Installation vor der Porta. Dann doch lieber im Wald und in den Weinbergen laufen! 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  4. hähä – ich mag solche Aktionen ja. Dich haben die sozialistischen Zwerge doch schonmal zum Denken und sogar zum Schreiben angeregt und uns Leser jetzt auch. Steht doch nirgendwo geschrieben, was (darüber) gedacht werden soll.

    In Münster habe ich die die alle 10 Jahre stattfindenden Skulptur-Projekte heiß geliebt. Und zwar weniger die Skulpturen als vielmehr das, was dann passiert ist mit den Besuchern, einem selber, der Presse … so tauchte plötzlich neben den als Kunst drapierten silbernen Autos ein silbernes Fahrrad auf, wurde von Ordnern entfernt, in der Presse und von Passanten vermisst, per „Suchmeldung“ gesucht und als Leihgabe wiedergefunden … das war echt spannend … oder der olle Fahrradmantel, der verschwand und woanders wieder auftauchte (Motto: „Kunst muss beweglich bleiben“)

    Die Charlies haben doch das Zeug dazu – vielleicht taucht irgendwann ein roter Charlie Brown auf und die Menschen lieben ihn 😉

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    • Grundsätzlich mag ich solche Aktionen auch: Objektkunst, die beweglich ist, die man anfassen und mitgestalten kann. Aber im speziellen Fall gefällt mir nicht, dass die Idee total abgenutzt ist – der „Künstler“ (der ja keiner sein will) tingelt mit solchen Installationen nach „Schema F“ schon seit Jahren durch die Republik. Christo hatte auch eine spezielle Handschrift, aber da war für mich jede Aktion irgendwie neu und besonders. Was jetzt in Trier rumsteht, wirkt platt und wie ein Haufen billigster China-Deko-Schrott.

      Und kaum sind die Karlchen Ende Mai verschwunden, folgt die nächste Skulptureninvasion: http://www.claudia-weicker.de/elephantparade.htm . Die Idee ist zwar inzwischen mindestens genau so reif für die Mottenkiste, aber hier werden (hoffentlich) die individuellen Gestaltungsideen der Künstler Spaß machen. 🙂 Außerdem dient diese Aktion einem guten Zweck … 🙂

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      • Aber im speziellen Fall gefällt mir nicht, dass die Idee total abgenutzt ist – der “Künstler” (der ja keiner sein will) tingelt mit solchen Installationen nach “Schema F” schon seit Jahren durch die Republik.

        ah … jetzt, wo du das schreibst, erinnere ich mich an die Dürer-Häschen, die in Nürnberg mal rumstanden. Das war dann sicher auch der Typ. Dabei hab‘ ich dann den „Vorteil“ 😉 , komplette Kulturbanausin zu sein, Namen und „Ideen“ dahinter nicht zu kennen und mir auch nicht merken zu können. Gehe also sozusagen grundsätzlich völlig unvorbelastet auf jede noch so abgenudelte Aktion zu und hab‘ immer die gleiche Nullahnung *g*

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        • Ich weiß das mit dem Abgenutzt-Sein auch nur, weil es in der Zeitung stand und ich dann mal gegoogelt habe. Die Hasen gibt es übrigens im Merchandising-Zelt an der Porta in mehreren Farben zu kaufen, ebenso Pinguine, Wildschweine, Hausschweine, Hähne, … 🙂

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  5. Was mir dazu so in den Sinn kommt, unsortiert…
    -Machst du eigentlich dieses Jahr wieder einen Foto-Wettbewerb für die hässtlichsten (Garten)dekos? Ich hätte da eine Idee….
    -Und kaufen kann man die Dinger dann nachher auch? Ich habe mich schon gefragt, wie die das wieder loswerden.
    -Hätten die nicht aus Schokolade sein können?
    -Schachspielen ist allerdings eine gute Idee. Oder Dame, Mühle etc. Da trifft man sich mit ein paar Leuten an der Porta, stellt genügend rote und orange Märxchen zusammen, und los geht´s.
    -Christo und Porta einpacken wäre schon cool. Wäre doch ideal für die Zeit, in der da saniert und gebaut wird…

    Ich muss gleich noch in die Stadt, ich glaube ich schaue mir das Elend mal an.
    Es könnte nur mal trocken werden. Hatte eben schon einen „Duathlon“: Radfahren und Schwimmen gleichzeitig… 😉

    Die Idee mit dem Schnecken-Erschrecken finde ich gut. Mit Langzeitwirkung.

    Viele Grüße,
    Birthe

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    • Hmm, mal gucken, ich denke schon, dass so ein Wettbewerb wieder fällig wäre! Ich hätte da auch was … 😉

      Die Karlchen sind richtig teuer! 300 €, später 350 € sind verdammt viel für eine Vogel- oder Schneckenscheuche! Da würde die Grundausstattung für eine Partie Mensch-Ärgere-Dich-Nicht 4 x 4 x 300 = 4.800 € kosten. 🙄

      Also müssten wir uns wohl tatsächlich an der Porta zum Spielen treffen, solange die Ausstattung noch da ist. Das Spielbrett kann man ja mit bunter Kreide aufmalen und ein großer Schaumstoffwürfel lässt sich bestimmt auch auftreiben! 😆

      Eine Christo-Verpackung der Porta während der Sanierung hätte was! So ein Glitzerstoff wie damals am Reichstag würde sicher die Massen eher anziehen als ein Rudel Mini-Marxe. 😎

      Heute morgen brauchte man in der Tat Kiemenatmung. Mich hat es auf dem Weg zur Arbeit erwischt – Gottseidank hatte ich trockene Sachen im Büro. 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  6. Herrlich, deine satirische Betrachtung zu den Marx-Winzlingen! Wie sich auch an Deinem Beitrag und den Kommentaren erkennen lässt: Die Aktion und Karl Marx ist derzeit großer Gesprächsstoff, trotz kleiner Figuren. 🙂

    Die werden wir unseren Gästen wohl auch zeigen müssen 😉

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

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    • Danke, lieber Rainer – auch das Schreiben hat Spaß gemacht. Um die Präsentation der Mini-Marxe kommen wir vermutlich nicht herum! 😆

      Liebe Grüße,
      Anne

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  7. Ich gebe Birthe recht! Wären sie wenigstens aus Schokolade 🙂 So ist es leider wieder mal nur ein großer Haufen Plastik 😦 Sind die 300 Euro für einen guten Zweck?
    Michael und ich sind heute auch beim radeln getauft worden. Manchmal habe ich den Eindruck Petrus wartet genau auf den Moment auf den ich aufs Rad steige. Kaum daheim hörte es wieder auf =-O
    Liebe Grüße Elke

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    • Naja, wenn das Portemonnaie des Künstlers als „guter Zweck“ durchgeht … 😉 Nee, im Ernst, ich hab keine Ahnung, wohin das Geld fließt. Aber es wird nicht mit wohltätigen Zwecken geworben, im Gegensatz zur Elephant Parade.

      Petrus kann ein echter Stinkstiefel sein! Ich hatte heute früh eine so heftige Dusche, dass ich tropfnass ins Büro kam! :roll.

      Liebe Grüße,
      Anne

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  8. Was ich mich gleich als erstes gefragt habe: wie groß war denn das echte „Karlchen“? Ein großgewachsener stattlicher Karl oder doch eher ein handlich Klein-Karlchen? Hat die Größe der Figuren auch was zu bedeuten? Hmm… Fragen über Fragen.
    Da ist mir auch das laufen lieber, da schau ich in die Luft und muss keine Plastikfiguren aus dem Weg räumen.
    Lieben Gruß, Doris

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    • Puh, gute Frage! Aber ich glaube, im Gegensatz zum aktuellen Oberlinken war Marx kein laufender Meter, sondern eher „normalgroß“. 😉

      Wir laufen lieber, genau, sehr viel sinnvoller als Karlchen durch die Gegend schieben! 😉

      Liebe Grüße,
      Anne

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