Laufend schlafen

Wieder viel zu wenig Schlaf, wieder ein halber Tag im Zug, wieder ein – dieses Mal allerdings sehr interessantes – berufliches Auswärtsspiel. Am Abend wirft die Couch ihre Tentakel aus und entfaltet ungeahnte Kräfte. Wäre dann auch noch das Heimspiel der Bayern über den TV-Schirm geflimmert, wäre das wohl der Tod jeglicher Laufambitionen gewesen.

Aber zum Glück habe ich kein Abo für’s Privatfernsehen. Also auch keine Ausreden – Müdigkeit gildet nicht. Und die 30 Minuten lockeren Dauerlauf, die im Plan stehen, sollte ich auch im Halbschlaf hinkriegen.

Nach drei Minuten ist der Lauf vorerst vorbei: Meine liebe frühere Laufkollegin Michaela kommt mir am Ausgang des Tiergartentals mit zwei Freundinnen entgegen. Sie haben ihre Runde schon geschafft – und natürlich quatschen wir uns erst einmal fest, schließlich haben wir uns ewig nicht gesehen. 🙂

2013-04-20_Frühling 005Dann aber wird doch weiter gelaufen. So eine halbe Stunde kann wie ein unüberwindlicher Berg scheinen, wenn man in erster Linie darum kämpft, überhaupt wach zu bleiben. Aber der weichgespülte Abend erleichtert das Laufen im Schlaf: Getragen von Blütendüften und Vogelgezwitscher schlurfe ich so dahin, atme die ländliche Frühlingsluft, die dem Mief der Großstadt eindeutig vorzuziehen ist. Für die wenigen Begegnungen mit anderen Läufern reiße ich mich aus dem Dämmer und versuche so etwas wie einen „Tribünenschritt“, um dann wieder in den Tiefschlaf zu fallen. Einmal Hausrunde, 40 Minuten. Laufend schlafen – geht doch.

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20 Gedanken zu “Laufend schlafen

  1. Hihihi! Ich stelle mir gerade vor, wie du – Augenlider auf Halbmast, hängende Arme, schlurfenden Schrittes dahinjoggelst, um dann plötzlich, bei einem entgegenkommenden Läufer dich aufrichtest, die Beine nach vorne schleuderst und freundlich und hellwach grüßt! 😆
    Nee, im Ernst – Gratulation, dass du deiner Couch entkommen bist und nach so einem Arbeitspensum kann doch kein Mensch verlangen, dass man/frau beim Laufen auch noch wachbleibt ;)!
    Lieben Gruß, Doris

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    • Du hast ein sehr treffendes Bild vor Augen, liebe Doris! 😆
      Und du hast recht: Beim Laufen wachbleiben, das war gestern zu viel verlangt! 😉

      Lieben Gruß,
      Anne

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  2. Irgendwie werden meine Augenlider beim Lesen Deiner Zeilen immer schwerer und ich sinke am Schreibtisch langsam in mich zusammen. Aber dann, Stimmen auf dem Flur. ich richte mich auf, reiße die Augen auf, verzerre mein Gesicht zu einem „Lächeln“, Tribünenhaltung im Büro. Die Stimmen entfernen sich wieder…

    Du bist so tapfer !!!!!!!!!!

    Und in meinem Büro steht keine Couch 😦

    Einen aufgeweckten Tag wünscht Dir
    Volker

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  3. Oh je, nicht das du die Lust am Laufen verlierst. Der Coach hätte bestimmt auch nicht geschimpft, wenn du nicht gelaufen wärst 😉
    Aber ich kenne das, dieses Aufraffen nach dem Arbeitstag um noch eine Runde zu drehen. Aber manchmal lasse ich den Plan einfach Plan sein.
    Als ich gestern so gegen 22:30 Uhr vom Schwimmbad heimgefahren bin kamen mir am Moselufer auch noch 2 Läuferinnen entgegen.
    Viele Grüße
    Karina

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    • Keine Sorge, Karina! Wenn es wirklich nicht gegangen wäre, hätte ich Plan Plan sein lassen. Aber ich will einfach nicht, dass die Arbeit mein ganzes Leben mit Beschlag belegt und mir das nimmt, was eigentlich wertvoller Ausgleich ist. Also lauf ich auch bei Müdigkeit, nur passe ich dann die Belastung dem Befinden an. Tempolauf wäre gestern nicht gegangen. Ich hatte ja nicht mal mehr Bock auf Steigerungen gegen Ende. 😎

      Um 22:30 Uhr vom Schwimmbad heim klingt aber auch nach einem langen (Arbeits-)Tag … 🙄

      Viele Grüße,
      Anne

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      • Ja Dienstag ist tatsächlich mein langer Arbeitstag. Fahre danach immer direkt ins Bad, aber ich habe auch mittwochs vormittag frei und kann quasi ausschlafen…
        Habe gerade gesehen, dass du für den 5er in Mertesdorf angemeldet bist, wir nämlich auch.
        LG Karina

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          • Der wird nichts dagegen haben, da bin ich mir sicher 😉

            Solche Situationen zu vermeiden, ist wohl auch ein Grund, warum ich in der Regel am ;prgen laufe. Allerdings waren da im Winter auch so traumwandlerische Erlebnisse dabei 😉

            Liebe Grüße
            Rainer 😎

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            • Dein Wort in Michis Ohr … 😉
              Egal ob morgens oder abends – schlafend laufen bzw. laufend schlagen funktioniert. Sehr beruhigend! 😎

              LG,
              Anne

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  4. Schlafend laufen. Geht schon, wenn der Körper die Runde kennt. 😉
    Da ich meistens morgens unterwegs bin, ist es dann ein noch-nicht-wach-sein. (z.B. nach einer Stressbedingt schlaflosen Nacht.) Mit etwas Glück bin ich dann bis daheim aufgewacht. Oder auch nicht.
    Es spricht doch durchaus von starkem Willen, dass du den Sog der Couch besiegt hast.

    LG Birthe

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    • Ja, eine bekannte Strecke ohne Stolperfallen braucht man schon in diesem Zustand. 😉

      Für mich ging es vor allem drum, in die Entspannung zu laufen, aber auch nicht zu wach zu werden – sonst wäre ja die Nacht wieder zu kurz geworden. Bei Morgenmüdigkeit hilft auch mir gelegentlich ein flotter Lauf zum Wachwerden.

      Wenn ich die Willenkraft nur auch beim Essen hätte … 🙄 Immerhin: Drei Tage ohne Kuchen (obwohl gestern auf der Tagung jede Menge rumstand), Eis und sonstigen Süßkram. WEHE, das zahlt sich gewichtsmäßig nicht aus. 😉

      LG,
      Anne

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  5. Liebe Anne, tapfer, tapfer kann ich da nur sagen – wie gut dass du nicht irgendwo in der Prärie liegen geblieben bist, man stelle sich das mal vor, allein schlafend, aber ich vermute, dass die zwitschernden Vögel – dem Himmel sei Dank – einen Großteil dazu beigetragen haben, dass du noch wach die Haustür erreicht hast.

    Braves Mädchen, aber gut tat es doch – wieder frische “ Landluft “ einatmen zu dürfen !! 😉

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    • Es wäre etwas frisch geworden heute nacht, da wäre ich wohl von selbst wach geworden! 🙂 Die zwitschernden Vögel waren sehr hilfreich!

      Landluft war im Vergleich zur Frankfurter Stadtluft sensationell … Seeluft wäre natürlich noch viel besser! 😉

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  6. Schlafend laufen… Das kenne ich am frühen Morgen, wenn ich im Sommer direkt nach dem Aufstehen laufe. Kommt nicht oft vor, aber wenn bin ich zuerst fast noch im Schlaf. Beim Morgenlauf ändert sich das aber innerhalb der ersten 10 Minuten.
    Am Abend, kann ich mich ganz schwer aufraffen, wenn ich kaputt bin. Daher: Respekt! 🙂

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    • Ja, den Morgenschlaf hab ich auch schon des Öfteren erlebt. Da ist so ein Läufchen sehr erweckend. Aber manchmal passen Läufe nur abends in mein Programm. Da gilt es zu laufen und dabei nicht wieder richtig aufzuwachen. 😉

      Danke und lieben Gruß an die Weser!

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  7. Oh ja, müde laufen ist wirklich schlimm. Bei mir geht es so halbwegs, wenn ich endlich einmal Tempo aufgebaut habe. Zumindest hast du aber bei deinem Lauf noch die Wärme und die Gerüche eines sommerlichen Abends gehabt 🙂

    Liebe Grüße,
    Markus

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    • Tempo aufbauen? Das hätte mich wach gemacht und wäre nicht so erwünscht gewesen … 😉 Nichtsdestotrotz kann man Wärme, Gerüche und Vogelgezwitscher ja auch im Halbschlaf genießen! 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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