Schakabockmieh!

Mit einem zwischen den Zähnen hervor geknurrten „Schakabockmieh“ möchte der Trierer Ureinwohner kommunizieren, dass er sich in Folge einer persistierenden, oftmals monotonen Aktivität oder Perzeption in einer energetisch reduzierten mentalen Funktionslage befindet, die eine Fortsetzung der Aktivität oder einen Verbleib in der als aversiv empfundenen Situation unwahrscheinlich macht.2013-03-29_Mosel01Schakabockmieh! Als ich gegen sieben Uhr die Jalousien hochziehe, flöckelt es friedlich vor sich hin. Ich kann das weiße Dreckszeug nicht mehr sehen. Und kalt ist mir auch! Allein – was hilft’s? Vom Muffig-Daheimhocken wird’s auch nicht wärmer! Und nicht heller. Es ist eine der großen Ungerechtigkeiten der Wettergötter, dass sie in berufstätigen Menschen durch sonnige Werktage die Sehnsucht nach Frühling wecken, um ihnen am darauf folgenden Feiertag düsteres Nebelgrau zu präsentieren.2013-03-29_Mosel02Jammern bringt nix. Also inneres GPS auf Konzer Runde programmieren, Autopilot aktivieren, Tempomat auf ruhige Geschwindigkeit einstellen und los. Immer wieder muss ich mich daran erinnern, Kopf und Schultern nicht hängen zu lassen. Natürlich würde ich am liebsten nur auf die zwei oder drei Meter unmittelbar vor meinen Füßen starren, um das graubraune Elend um mich herum nicht wahrzunehmen. Aber es reicht, wenn „eisch de Flemm hann“ (ein weiterer moselfränkisch/saarländischer Ausdruck, der eine ebenfalls aversive, tendenziell depressiv gefärbte Gemütsverfassung bezeichnet). Ich muss mir nicht auch noch Verspannungen im Schulter- und Nackenbereich einfangen. Also aufrichten, Kopf hoch, Brust raus, Schultern etwas zurück nehmen.2013-03-29_Mosel03Die Atmosphäre passt zum Karfreitag: Düster, einsam, still, schwer. Nur wenige Autos am gegenüberliegenden Moselufer. Auf der Zewener Seite völlige Stille. Ein verirrter Angler. Die Pferde auf den Koppeln am Schloss Monaise tragen dicke Decken zum Schutz; nur die zwei größeren Ponys mit ihrem dichten Winterfell kommen ohne aus. Nein, nicht einmal die Ahnung von Frühling regt sich heute. Was aus der Ferne wie grüne Hoffnungsschimmer an den Bäumen aussieht, entpuppt sich beim genaueren Hinsehen als Moos und Flechten.

Mit gut 9 Kilometern in den Beinen überquere ich die Mosel und gönne mir ein Fotopäuschen. Angesichts der hervorblitzenden Sonne stopfe ich meine Handschuhe in den Hosenbund und überlege, ob ich auch die dünne Windjacke ausziehen kann. Just in diesem Moment schnauft ein Läuferkollege vorbei, der offenbar ein anderes Temperaturempfinden hat als ich: Nackische Waden – aber Kopf und Gesicht mit zwei Neon-Buffs vermummt wie ein Sibirienreisender. 😆

2013-03-29_Mosel04

Die Konzer „Kaugummi-Gerade“ und das hässliche Wegstück direkt neben der Bahnlinie sind überstanden, Kilometer 14 an der Staustufe ist erreicht und es stellt sich die berühmte „Brötchenfrage“! Der Heiligkreuzer Bäcker dürfte heute geschlossen haben. Also nehme ich den Schlenker in die Saarstraße noch mit. 16,5 Kilometer. Schakabockmieh unn Schkannischmieh! Aber als ich dann am Südbahnhof hügelaufwärts trotte, entdecke ich doch tatsächlich den – ungelogen! – ersten Löwenzahn dieses Frühjahrs. Alles wird gut. Das mit dem Frühjahr. Und das mit der weinbergschneckigen Kondition!2013-03-29_Mosel05

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22 Gedanken zu “Schakabockmieh!

  1. Hallo Anne,
    ja so ähnliche Gedanken hatte ich heute morgen auch. Deshalb wurde es nur eine ultrakurze 5km Runde durchs Konzer Tälchen. Ich hatte aber so gar keine Lust heute. Mit einem kleinen Zwischensprint, um einer Oma den verloren gegangenen Handschuh ihres Enkelkindes zu bringen. Also auch die gute Tat des Tages schon am Morgen erledigt. Darf gar nicht daran denken, dass wir Heiligabend 15 Grad hier hatten. Aber es wird noch, ganz sicher.
    Viele Grüße und schöne Ostern
    Karina

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    • Immerhin: 5 km, gute Tat, einmal kurz den Puls hochgejagt – besser als nichts, liebe Karina! Weihnachten war es uns zu warm (ich bin an Heiligabend eine Runde in Kurz gelaufen!), jetzt jammern wir über die Kälte. Ich stimme trotzdem mit dir überein: Das wird! 🙂

      Frohe Ostern und liebe Grüße,
      Anne

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  2. Hallo Anne,
    die Stimmung kann ich nachvollziehen, und eigentlich hatte ich die Hoffnung auf Frühling schon aufgegeben, wäre da nicht dein Bild mit dem Löwenzahn. Die Natur fordert vehement: Und es muss doch Frühling werden!!!

    Frohe Ostern
    wünscht dir Harald

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  3. Also, wenn das nach Margittas gestrigen Artikel zur Gewohnheit wird, dass ich Euren Blogs nur noch mit Fremdwörterlexikon folgen kann steige ich bald aus :mrgreen:

    Oder ich blogge nur noch in Plattdeutsch! Aber das dürfte Dir ja nichts ausmachen 😉

    Graues Trier, graues Oldenburg. Heute morgen war es sogar noch weiß hier. 16,5 km, da hast Du meinen Waldlauf von heute vor einer Woche um 100 m geschlagen. Wir liefern uns da offensichtlich ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen 😉

    Übrigens: Ich habe die Sonne in Trier gesehen! Leuchtend Gelb stand sie auf einer Brücke und hat sich selber fotografiert 😀

    Schöne Ostertage!
    Volker

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    • Mit Plattdeutsch kannst du mich nicht abschrecken, lieber Volker! 😉 Aber ich verspreche dir, in Zukunft werde ich mich wieder einer gediegenen deutschen Wortwahl befleißigen und weniger Fremdwörter gebrauchen. 😎
      „Kopf-an-Kopf-Rennen“? Du bist schon fast geduscht, wenn ich bei gleicher Distanz erst heim komme, und mit deinen Wochenumfängen schlägst du mich meilenweit. Vor allem aber ist es wirklich kein Wettkampf zwischen uns. 🙂 Bei dir läuft’s prima, bei mir auch – egal, wer weiter/schneller/häufiger läuft! 🙂
      Sonne in Trier? Tja, Laufen macht halt ein sonniges Gemüt! 😉

      Frohe Ostern und liebe Grüße,
      Anne

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  4. OWEIA – liebe FrauWeinbergschnecke, jetzt wird es schwierig, deinen auserwählten Satzkonstruktionen gedanklich Folge leisten zu können – und das am relativ frühen Morgen, aber nachdem ich mein Wörterbuch zur Hand nahm und jedes einzelnen Fremdwort nachgeschlagen und aufgeschrieben hatte, gelang es mir, den Sinn deines ersten wohlgeformten Satzes nach und nach in einfaches, verständliches Deutsch zu übersetzen !

    Gegen “ Schakabockmieh “ und andere seltsame Wortkreationen allerdings komme ich nicht an, wobei mir der Sinn nach konzentriertem Lesen deines Gesamttextes durchaus zunehmend klarer wurde.

    Eines jedoch steht fest, mir scheint, du bist auf dem besten Weg – und was das Wetter betrifft, was war das nochmal ?

    Schneegrüße von der Ostsee direkt zu dir !! 😉

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    • Oweia? Wohl wissend, dass da eine liebe Lauffreundin an der Ostsee immer wieder Futter für’s Hirn sucht, habe ich mich bemüht, durch ein paar grausam verschachtelte Fremdwortkonstruktionen ihren Geist anzuregen! 😉

      „Schakabockmieh“ würde halbwegs klar ausgesprochen in etwa lauten „Eisch hann ka Bock mieh“! „Schkannischmieh“ entsprechend: „Eisch kann nisch mieh“. Oder so ähnlich. 😉

      Wetter? Och, hier liegt wenigstens kein Schnee mehr, also ein lieber, schneefreier Gruß zurück – ich habe auch den Eindrucl, der Weg ist schon recht! 😎

      Anne

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  5. Auch hier in Sachsen ist es eher weiß als grau. Mit fast 10 cm Neuschnee auch kein Wunder 😮 . Heute schau ich mir das Ganze von drinnen an und morgen hoffe ich auf genügend Wärme um beim anstehenden HM bei Bischofswerdaer Langstreckenlauf ohne Schnee und Eis auf der Strecke auszukommen.
    Dir, liebe Anne, wünsche ich erholsame und aktive Feiertage mit ab und zu Sonne.

    Liebe Grüße
    Tati

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    • 10 cm Neuschnee? Au weia! Hier ist das bisschen Schnee wieder weg. Aber in Graubraun ist die Welt auch nicht schöner, eher im Gegenteil. Ich wünsche dir erholsame Feiertage und viel Freude bei deinem HM, liebe Tati!

      Liebe Grüße,
      Anne

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  6. Bin heute auch durch 10cm Neuschnee gelaufen, immer schön die Knie heben hieß es da. Und nein ich versuche nicht diese frendwörter zu erkunden sondern ich versuche den Sinn des satzes anders rauszubekommen (grins) Auf deinen Löwenzahn bin ich schn etwas neidisch. Kein Löwenzahn in Sicht, hab heute genau gesucht…

    LG Bärbel

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    • Knie heben ist gut, liebe Bärbel, das gibt Kraft für die nächsten Läufe. 😎

      Zum Glück kommt man sicher auch auf den Sinn des Ganzen, ohne den Fremdwortwust zu entwirren … ich mach mir einfach gern ein Späßchen mit der Vielzahl an Wörtern, die uns zur (Nicht-)Verständigung zur Verfügung stehen. 😉

      Kein Löwenzahn? Ich glaube es dir gern. Ich musste auch lange, lange suchen! 🙄

      Liebe Grüße und frohe Ostern,
      Anne

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  7. [klugscheissermodus] Hätte das nicht korrekt „Schkannnitmieh“ heißen müssen? [/klugscheissermodus]
    (nicht, dass ich meiner angestammten Rolle untreu werde … 😉 )

    So ein aufheiterndes Löwenzähnchen oder eine kanarigelb gewandete Läuferin unterwegs hätten mir heute auf der (immer noch schneevermatschten) Waldpassage auf jeden Fall auch gefallen und Motivation gefördert. Kam aber nix von beidem.

    Ajoo – kannschnetalleshon

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    • Keine Ahnung, liebe Lizzy – ich bin keine Ureinwohnerin und würde keinesfalls ausschließen, dass du recht hast. 🙂

      Nein, Schneematsch hatte ich nicht, der hätte mich wohl auch demoralisiert. Stattdessen hab ich Farbe in die Welt getragen und – nach langem Suchen – auch welche gefunden. Geht doch! 🙂

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  8. Liebe Anne,

    nun ja, so richtig verstanden habe ich es zwar nicht, aber aufgrund Deiner sehr wissenschaftlich geprägten und genauen Beschreibung habe ich eine Vorstellung, was diese Ausdrücke der Ureinwohner an der Mosel bedeuten mögen 😀
    Ich erzähl jetzt lieber nicht von den 11°C und dem strahlenden Sonnenschein, was ich heute zwei Stunden lang bei einem bescheidenen Lauf in den Frühling (?) genießen durfte, auch das ich mir das Näschen verbrannt habe, behalt ich lieber für mich 😉 Aber laut Wetterfrosch wird es morgen schon wieder Winter geben…
    Wenn das Wetter Dich jedoch weiter zu solchen Distanzen antreibt, ja dann soll der Frühling noch warten…

    Salut
    Christian

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    • Lieber Christian, dass ausgerechnet DU das nicht verstehst, mag ich nicht recht glauben … deine Zunft beherrscht doch dieses unverständliche substantivische Geschwurbel auch bestens! 😉

      Nein, schreib nichts über den Frühling, Sonnenschein, Sonnenbrand auf der Nase … mit Science Fiction-Literatur kann ich nicht so viel anfangen! 😆

      Mal gucken, einen solchen Lauf will ich über Ostern noch machen. Feste Ziel hab ich mir zwar nicht gesetzt. Aber an deutlich höhere Umfänge als in den erkältungsbedingt verkorksten Wintermonaten möchte ich mich schon rantasten. Und wenn ich über die Feiertage mehr Zeit habe, lauf ich auch ein bisschen mehr und nutze die folgende Arbeitswoche für die Regeneration und Superkompensation. 🙂

      Liebe Grüße,
      Anne

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  9. Haschkanbockmieh? Kloa Ründschie! Oder so ähnlich. Bevor mich aber die Urtrierer hier auslachen, versuche ich es doch besser in verständlicher und unverfälschter Sprache.
    Da macht uns der Christian doch glatt neidisch. 11 Grad! Das gab es seit Weihnachten nicht mehr. Aber ich habe auch die Vorboten gesehen. Der Flieder treibt aus! Es wird bald Sommer. Ganz bestimmt. Den Frühling überspringen wir dann vermutlich.
    Wenn ich mich richtig erinnere, war der April im vergangenen Jahr auch ziemlich heiß …

    Na ich bin mal gespannt, was mich morgen Früh erwartet … Schnee, Eisregen, Sonne, Nebel? Nichts ist unmöglich. Du hast jedenfalls alles richtig gemacht. Bald hast Du wieder Halbmarathonfitness. 🙂

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

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    • Ja, lieber Rainer, als „Zugereiste“ wird es immer ein wenig peinlich, wenn wir Trierisch zu schreiben oder gar zu sprechen versuchen! 😉

      Mein Thermometer kann keine zweistelligen Plusgrade mehr. 😦 Insofern mag ich auch an den kommenden Sommer noch nicht recht glauben. Dass es heute früh nicht schneit auf eurem Lauf, ist wenigstens ein Hoffnungsschimmer! 😆

      Liebe Grüße,
      Anne

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  10. Da hast du dir das Grau des Morgens voll gegeben. Hochachtung – ich habe gekniffen. Wenn ich von der Einsamkeit und der Ruhe lese, dann werde ich aber sogar etwas neidisch. Diese Ruhe genieße ich normalerweise bei meinen Morgenläufen. Um die Mittagszeit war wesentlich mehr los. Jede Tageszeit hat ihre besonderen Vorzüge. Gut, daß du dich heute morgen auf den Weg gemacht hast.
    Und der Frühling kommt 😎 – sicher!
    lG
    Ralph

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    • Naja, lieber Ralph, es war ja insgesamt ein Tag des Grau(en)s. 🙄 Viel besser hast du es mittags auch nicht getroffen, nur etwas wärmer. Dafür hatte ich meine Ruhe. 🙂

      Liebe Grüße, dein Wort bzgl. des Frühlings in Gottes Ohr,
      Anne

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  11. Hallo Anne,
    oje, frei zu haben, bei diesem „Schiet-Wetter“ ist gemein. Ich „durfte“ immerhin durch das Schneegestöber zum Bahnhof gehen, um in die Arbeit zu fahren ;)!
    Aber nachdem wir heute KEINEN Schneefall und PLUSgrade (1,6) haben und erst für den Nachmittag die nächsten Schnee- und/oder Regenfälle angesagt sind, werde ich es dir gleich tun und mir eine längere Laufrunde suchen.
    Schönes Osterwochenende und halte ein paar warme Decken bereit, falls ein halb erfrorener Osterhase um Wärmeasyl bei dir anklopft!
    Doris

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  12. Hier sind es stolze 3,4 Grad plus (!) und die Sonne (!) scheint (!!!!). Daher gibt es gleich auch wieder eine Laufrunde … wer weiß, was morgen ist! 🙄

    Liebe Doris, ich wünsch dir frohe Ostertage! Den Hasen werden wir schon reinlassen und ihm die Pfötchen wärmen.

    Anne

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