Mal verliert man, …

Beim Baseball gibt’s die so genannte „Gnadenregel“, die einen Spielabbruch wegen hoffnungsloser Unterlegenheit eines der Kontrahenten erlaubt. Eine derart böse „Klatsche“ habe ich heute kassiert. Gegen den Markusberg.

Der Weg fängt in Euren an der Kleingartenanlage ganz flach und harmlos an.

Er wird aber schon am Waldrand ungemütlicher. 

Am Heidenborn rede ich mich noch damit raus, ich sei ja nicht nur zum Laufen, sondern auch zum Fotografieren unterwegs.

Ein paar hundert Meter weiter geht es natürlich auch NUR um’s Knipsen.

Aber als dann der Waldweg in ein mir wohlbekanntes Sträßchen einmündet und ich bis zur nächsten Kehre hochgeächzt bin, ist es Zeit, der Wahrheit ins Auge zu blicken: Wenn ich diese Nummer durchziehe, wird das eine Bergwanderung mit Laufpassagen. Nicht mein Ding! Auch wenn die 125 Höhenmeter auf einem einzigen Kilometer, die Garminchen mir hinterher ausspuckt, beachtlich sind: Entweder ich laufe oder ich wandere – für mich passt beides nicht zusammen!

Also bleibt nur die Anwendung der Gnadenregel: Markusberg: 10 – Weinbergschnecke: 0. Der buchstäbliche Abstieg führt über eine noch steilere Strecke zurück, die man teils nicht mehr laufen und auch nur mit Anstrengung gehen kann. Als ich dieses Schild sehe, …

juckt es mich doch noch mal in den Beinen. Ich laufe das steile Stück runter, drehe um, sehe mir das Elend von unten an

und laufe dann die 100 m bis zum Schild nochmal hoch. Umdrehen, weiter bergab, es wird noch steiler – so steil, dass ich froh über die Treppenstufen neben dem asphaltierten Weg bin, weil ich auf einmal das Gefühl habe, meine Oberschenkelmuskulatur und damit meine Beine nicht mehr unter Kontrolle zu bekommen.

Unten in Trier-West wird’s flacher – hurra! Als ich kurz vor der Kaiser-Wilhelm-Brücke auf den Moselradweg einbiege, zieht gerade ein Kohlenfrachter vorbei. Den hole ich mir. Banzai!!!

Zum Glück ist der/die „Banzai“ kein Hightech-Hochleistungskahn, sondern nur ein im gemütlichen Zehnkilometertempo stromaufwärts dümpelnder Pott. Eigentlich kein Gegner für mich! Aber gut für’s doch leicht angekratzte läuferische Ego ist es allemal, ihn mit lässiger Eleganz abzuhängen und dann von der Adenauerbrücke milde lächelnd auf ihn herunter zu schauen. Irgendwie komme ich mir vor wie ein Kind, das auf dem Bolzplatz bei den „Großen“ aus der Mannschaft geflogen ist und sich jetzt Jüngere zum Spielen gesucht hat, um wieder der „King“ zu sein. Egal! So ist das nun mal im Leben – mal verliert man, mal gewinnt man. Und den Markusberg hol ich mir auch noch! 😉

Kleiner Service für die Läuferfreunde aus der Region Trier/Konz

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19 Gedanken zu “Mal verliert man, …

  1. Ich habe herzlich gelacht über deinen heutigen Bericht. Wenn die Großen nicht mit mir spielen … spiel ich mit den Kleinen 😉
    Wenn du diesen Anstieg immer mal wieder lauf-wanderst 😮 schaffst du den bestimmt auch mal durchlaufend. Bestimmt, musst nur üben.

    Liebe Grüße
    Tati (fleißig aktive Dehnung übend)

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    • 😉
      Ich üb dann mal lieber an kürzeren Steigungen und arbeite mich so sukzessive an längere ran. Nächstes Frühjahr gibt’s die Revanche – der Markusberg muss sich warm anziehen! 😎

      Liebe Grüße & erfolgreiches aktives Dehnen!
      Anne

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  2. Habe ich jemals zu Dir „Du Tier“ gesagt? Du wirst mir langsam unheimlich. Wenn das so weitergeht komme ich niiiiiiiiiieeee wieder zum Laufen nach Trier. Da sehe ich dann ja nur noch alt aus 😉

    Der Vergleich mit dem Kind gefällt mir. Könnte auch ich sein 😀

    Und so lange es heißt: „Machmal gewinnt man und manchmal verliert man “ und NICHT „Manchmal verliert man und manchmal gewinnen die anderen“ ist doch alles in Ordnung 🙂

    Liebe Grüße an die Powerfrau 😎
    Volker

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    • Von wegen „Tier“, von wegen „Powerfrau“ – der Berg hat mich sowas von fertiggemacht! 🙄 Für dich suchen wir ein paar „normale“ Berge raus, auf denen du ganz jung und frisch aussiehst! 😉
      An „manchmal gewinnen die anderen“ dachte ich auch zuerst, als ich das Schiff sah! Aber dann hab ich mich doch zusammengerissen und den Wettstreit aufgenommen! 😎

      Liebe Grüße zurück!
      Anne

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  3. Mir scheint, FrauWeinbergschnecke, du suchst dir nicht nur Herausforderungen im wahren, sondern auf im Läuferleben – und das finde ich richtig gut, das brauchen starke Frauen ! Du drohst dem Markusberg – sehr gut – und ich bin sicher, nur noch eine Frage der Zeit, bis der auch geknackt wird – würde ich auch mal wieder gerne in Angriff nehmen so einen Berg, weil es gut tut, wenn man oben angekommen ist – alles eine Frage der Gewohnheit, soll ich mit dir hoch ? Das würde mich wirklich reizen !! Ich sehe uns schon auf “ des Daches Zinnen “ !!! 😉

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    • Herausforderungen sind das Salz in der Läufersuppe! Und wenn du den Berg mit mir gemeinsam in Angriff nimmst, liebe Margiitta, dann knacken wir ihn – auf jeden Fall! 😎

      Liebe Grüße & ein schönes Wochenende,
      Anne

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  4. Liebe Anne,

    wenn es keine Ziele und Herausforderungen mehr gibt, wo sollen wir dann laufen? Ich finde es klasse, wenn Du eine Niederlage einstecken kannst und dann noch einen würde- und ehrenvollen Abgang machst. Ganz ehrlich, ich wäre eher hoch gelaufen als runter, bergab ist viel schlimmer für die Muskeln, dann lieber mal anaerob nach oben, der Kreislauf verzeiht doch etwas mehr als die Bänder und Knochen :mrgreen:
    Ich habe heute die Treppenrunde dreimal erledigt, ich hoffe aber nicht, dass Dein heutiges Erlebnis mich auch ansteckt 😎

    Salut
    Christian

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    • Lieber Christian, irgendwie hätte ich eh wieder runter gemusst, weil das mit dem Abholservice schwer zu organisieren ist und die Seilbahn leider vor einiger Zeit demontiert wurde. 😉

      Dass meine Niederlage ansteckend ist, glaube ich nicht, ein erfahrener Berg- und Trailläufer ist immun gegen Feigheit vor dem Markusberg! Dass du dich von der Treppenidee hast anstecken lassen, wundert mich dagegen nicht! 😉

      Ein schönes Wochenende wünsche ich dir!
      Anne

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  5. Schon vom gegenüberliegenden Ufer sieht der Markusberg respekteinflößend aus. Letzten Sommer juckte es mich mal, mich an ihm zu versuchen. Doch fand ich den Einstieg nicht und Schweini hiet mich davon ab zu fragen 😉 .
    Respekt, daß du dich an ihm versucht hast. Ich bin sicher, im nächsten Frühjahr bezwingst du ihn im Triumphzug 🙂 !
    Solche beladene Pötte sind immer gern gesehene Gegner Gegen entschlossene Läuferinnen haben die keine Chance. Das hast du heute wieder bewiesen.
    LG
    Ralph

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    • Im Nachhinein hab ich mich fast ein wenig geärgert, dass ich umgekehrt bin, lieber Ralph! Ich hatte im Kopf, dass es noch deutlich weiter bergauf geht. Eine Gedächtnistäuschung – wie der nachträglich eingefügte Kartenausschnitt zeigt, war ich schon fast oben am Café Mohrenkopf. Versuch’s mal, es würde dir Spaß machen – und zwar am besten vor dem Frühjahr. Denn dann nehme ich ihn wieder unter die Schuhe – und mach ihn platt! 😆
      Bis dahin begnüge ich mich zu Trainingszwecken mit beladenen Frachtern und kleineren Anstiegen. 😉

      Liebe Grüße,
      Anne

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  6. Also ich habe schon gegen Vieles und mit Vielem gelaufen-aber noch nie gegen einen Kohlekahn 🙂
    Und das mit dem Berg kenne ich auch-wenn er dann mal gewinnt, lass ich ihm die Freude, irgendwann gewinne ich auch mal 🙂

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    • Dann wird’s aber mal Zeit, lieber Martin! Es gibt welche, mit denen hättest selbst du deine liebe Müh und Not!
      Was die Berge betrifft: Gönnen wir ihnen manchmal die Freude … irgendwann kriegen wir sie doch! 😎

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  7. Markusberg…
    ich gestehe, ich habe mich bislang auch immer gedrückt. (Die übliche Ausrede: Ich weiß nicht, wo es losgeht. Und mit Hin-und Rückweg ist das schon wieder ein langer Lauf.)
    Ist eigentlich die schlimmste Treppe immernoch gesperrt?
    Und zum Thema gehen: Manche Berge KANN man nicht laufen.
    Ich glaube, da muss ich demnächst doch auch mal hin. Deine Kampfansage gegen den Markusberg finde ich prima. Eigentlich habe ich nur irgwndwann mal begonnen, gezielt Berge zu laufen, weil ich da immer so schnell eingegangen bin.
    So nach dem Motto: Kann ich nicht, muss ich üben.
    Die Treppe an der Uni könnte man auch mal einbauen. Hatte schon mal überlegt, so eine Art „Petris BERG“-Laufstrecke auszutüfteln. Einmal rundherum und möglichst alle Anstiege und Treppen einbeziehen. (Ob ich eine Ausrede finde, um die Soterstraße zu umgehen? Da musste ich letztes Jahr mit dem Rad absteigen und SCHIEBEN. 😦 )
    Was ein Glück, dass du zum Abschluss nicht so einen neumodischen Hochleistungs-Kahn erwischt hast. 🙂 Die Idee Mensch gegen Maschine ist übrigens nicht neu. guckst du hier:
    http://www.racethetrain.com/rotary-challenge.html

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    • Die Ausrede „Ich weiß nicht, wo es losgeht“ fällt ja nun schon mal flach – siehe letztes Bild: Der steilere Aufstieg (Asphalt/Treppen) führt von Trier-West aus hoch, der sanftere (Asphalt + Waldweg) von Euren aus. Die schlimmste Treppe ist noch immer gesperrt.

      Was das Gehen angeht: Ja, manche Berge kann man nicht laufen, zumindest ist Gehen dort deutlich effizienter. Aber den Markusberg kann man hochlaufen. Definitiv! Und du sowieso!

      Am PetrisBERG kann man herrliche Anstiege laufen – wenn man’s halt kann. ;-)Sickingenstraße, Retzgrubenweg, Brettenbach, Kleeburger Weg zum Entspannen, Trimmelter Weg … sehr hübsch ist auch der Kreuzweg mit seinen Treppen, der in Trier-Ost startet, unterhalb vom Franzensknüppchen entlang führt und am Fernsehturm rauskommt.
      Dein Erlebnis mit der Soterstraße kann ich übrigens toppen 🙄 Ich musste RUNTER schieben, weil ich plötzlich solche Panik beim Abfahren bekam und so verkrampft bin, dass wirklich nichts mehr ging. 😦

      Das Rennen gegen die Dampflok gefällt mir ja ausnehmend gut! Allerdings fürchte ich, auch da hab ich schlechte Karten. Beim Rasenden Roland konnte ich ein kurzes Stück mithalten, aber auf lange Sicht schaffe ich das nicht.

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  8. Wow, Anne was hast Du vor? 😀

    Kein Mensch (jedenfalls keinen den ich kenne) läuft 25 % Steigung! Ein kurzes (mit Betonung auf kurz) Stückchen mit dem Mountainbike vielleicht, damit man mal wieder weiss, wo der Maximalpuls ist 😉 Ansonsten würde ich so ein steiles Stück nur gehen, sowohl rauf als runter.

    Rennen mit dem Schiff, das ja NUR 10 km/h fährt? Da wäre ich schon an meiner Grenze, viel schneller ging nicht. Ich würde mich nicht wundern, wenn Du bald Radfahrer und Roller überholst. 🙂

    Wie steil ist denn dann bitte die Soterstraße?

    Liebe Grüße Elke

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    • Iiiich? Nix! Nur bergtauglich werden! 😎

      Das mit dem Radler-Überholen klappt nur bei sehr ungeübten Radlern am Berg. In der Soterstraße würde das auch gelingen, die hat m.W. um die 25 % Steigung.

      Ansonsten muss ich mir auf der Mosel würdige Gegner suchen. Die neueren Hochleistungsfrachter sind deutlich schneller als der am Samstag überholte, da sind 12, 13 km/h und teils auch deutlich mehr drin. Die bringen mich noch an meine Grenzen – oft kann ich nicht mithalten und werde das in diesem Läuferleben wohl auch nicht mehr schaffen! 🙄

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  9. Pingback: Überfordert | Weinbergschneckes Blog

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