Abenteuerland

„Nach der Kurve wird’s flacher!“ – mit dem Titel eines witzigen Laufblogs versuche ich mich bei Laune zu halten. Aber er ist eine glatte Lüge! Oder liegt’s an mir? Schon im Tiergarten hab ich gemerkt, dass ich heute „keine wirklich guten Beine habe“. Trotzdem: Ich musste ja unbedingt in den Wald. Und im Wald hat’s Hubbel.

Erst die Serpentinen hinauf. Dann wieder runter ins Tal zwischen Brubacher Hof und Kernscheid. Und dann – statt schön friedlich zum Brubacher Hof zu wackeln und wieder heim – hab ich gemeint, ich müsste hinauf Richtung Pellinger Höhe. Mal wieder selbst schuld also. Nun gut, so eine kleine Herausforderung macht ja auch Spaß!

Zum Glück hat der Weg wirklich viele Kurven. So sieht man das ansteigende Elend wenigstens nicht in seiner ganzen „Schönheit“ vor sich.

Ich beobachte meine Füße: Dooohoch, da ist noch so etwas wie eine Flugphase! Langsamer Tiefflug zwar, aber immerhin! Bei 80 Höhenmetern pro Kilometer kann man von einer tendenziell übergewichtigen Schnecke nicht mehr verlangen.

Und irgendwann ist die Höhe ja auch erreicht. Mit ihr das freie Feld. Und da zieht’s heftig. Hatte der Wetterbericht also doch recht: Das Wetter schlägt um, verbunden mit kräftigen Böen. Dafür bin ich zu dünn angezogen. Also doch nicht Richtung Tälchen hinunter und an der Mosel zurück, wo ich „voll im Wind“ laufen müsste.

Stattdessen spielen wir ein bisschen „Abenteuerland“: Den Weg in den Mattheiser Wald hinein, der sich rechts auftut, kenne ich noch nicht. Also los! Dass er schon wieder bergauf führt, darf mich nicht stören.

Abzweig nach links – nee, da ist die Straße. Also geradeaus und dann rechts – uuups, da sind ja plötzlich nur noch Trampelpfade. Auf einem sind Hufspuren zu erkennen. Und sie führen nur in eine Richtung.

Das ist schon mal gut. Entweder ich treffe gleich auf eine verzweifelte Reiterin, die sich verirrt hat – dann bin ich wenigstens nicht allein. Oder – und das ist wahrscheinlicher – der Weg führt zurück in die Zivilisation. Die Himmelsrichtung stimmt auch, grob wenigstens.

Also los, weiter durch den Modder und die Mischwälder. Die Buchen tragen noch recht viel Laub, andere Bäume sind nach dem Frost der vergangenen Woche schon fast kahl.

Irgendwann mündet der Pfad in einen festen Weg – hier kenne ich mich wieder aus. Vorbei am Hundetrainingsplatz, am Gut Mariahof, noch einen Schlenker an der Wolfsbergschule vorbei und dann durch den Wald kräftig bergab.

Am Fischteich viele Autos, dazu Stimmen und Gelächter aus der Ferne. Vermutlich Weinlese im einzig verbliebenen Heiligkreuzer Wingert, der von einer Bürgerinitiative vor einigen Jahren neu angelegt wurde. Normalerweise würde die Neugier mich hin treiben. Aber es ist doch verflixt kalt geworden und die warme Dusche lockt mit Macht. 15.5 km, 300 Höhenmeter, eine nette Art, einen Feiertag zu begehen.

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24 Gedanken zu “Abenteuerland

  1. Überall höre ich nur noch Feiertag, das ist gemein 😦

    Dir sei er natürlich selbstverständlich gegönnt! 🙂

    Das war ja mal eine ganz andere Strecke, so viel Wald *neid*

    Und nun? Hardcore-Faulenzen oder schon wieder Schreibtischarbeit?

    Liebe Grüße aus dem Büro (hier ist ja schließlich kein Feiertag)

    Volker

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  2. Wer bei diesem Wetter 15km mit soviel Höhenmetern schafft, für den sind 5km Wurzelweg ein Klacks.
    Da würdest du auch den 15 er locker schaffen.
    Viel Spaß und Genuss beim Laufen
    Dirk

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  3. Liebe Anne,

    Danke fürs mitnehmen, das war ein Lauf nach meinem Geschmack. Ich durfte vorher auch mit den Modderschuhen das Haus nicht mehr betreten, aber Hauptsache schee wars. Tempo wird grundsätzlich am Berg überschätzt, deshalb mit kleinen schnellen Schritten nach oben, das schont Kraft und Ausdauer und das Tempo ist Wurscht 😉
    Geniess den Feiertag, ich werde nach einer Dusche den Kaffeetisch bei Muttern leer futtern :mrgreen:

    Salut
    Christian

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  4. Sehen toll aus die Bilder, Anne. Einen schönen Abenteuerlauf hast Du da gemacht. Bei mir ist der Wald auch Abenteuerland. Auf jeden Fall, wenn ich dort laufend und allein unterwegs bin. 😀
    Wir haben hier heute auch einen Feiertag. Ich habe ihn allerdings nicht zum Laufen genutzt, sondern Rückenkräftigung betrieben und am Nachmittag gibt es ein kleines Familientreffen. Dir noch einen schönen Tag.
    Liebe Grüße, Bianca

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    • Das Schöne ist ja: Es ist so einsam dort, dass man keinen Menschen trifft – also auch keinen, der einem was Bödes will! 😎
      Rückenkräftigung klingt nach sehr gutem Ergänzungstraining … und Familie ist ja auch was Schönes!

      Danke & liebe Grüße
      Anne

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  5. Eine schöne Strecke. Die Pfade kenne ich noch aus der Zeit, als das Pferd in Mariahof stand. Da kann man sich (wenn man Pech hat) wunderbar verzetteln.
    13 km mit 300 hm könnte ich dir hier auch bieten. Die Strecke mit dem schönen Aussichtspunkt übers Ruwertal. Leider verteilen sich die Anstiege nicht gleichmäßig-wellig über die Strecke. 😉
    Und du weißt ja, wo man rauf muss, darf man auch wieder runter. (Wobei…da gibt es auch Wege, da ist man runter genauso lahm wie rauf….)

    „Nach der Kurve wird´s flacher!“ ist auch nicht schlecht. 🙂
    Ich sag nur…da vorne geht´s wieder runter…

    Schön, dass du uns Kuchen übrig lässt am Sonntag…

    Bis dann,
    Birthe

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    • Ja, liebe Birthe, das Risiko sich zu verlaufen ist schon da … irgendwann findet man aber zum Glück immer wieder einen Hauptweg, auf dem man zum Ausgangspunkt zurückkommt. Das mit der ungleichmäßigen Steigung ist in der Tat regionstypisch. Manchmal finde ich runter fast schlimmer als rauf … 😆

      Bis Sonntag – schön, dass wir uns mal wieder sehen! 😎
      Anne

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  6. Das war genauuuuuuuuuuuu die richtige Art, einen Feiertag zu beginnen im Wald und auf der Heide, auf und ab und ab und auf, ein bisschen Anstrengung kann bekanntermaßen auch nicht schaden, schön, auf deinen Fotos an Vergangenes erinnert zu werden, dort wo ich früher auch mal….bei uns wird es nach der Kurve unwesentlich flacher oder höher, wie man es nimmt !!!

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  7. Aber selbstverständlich wird es nach der Kurve immer flacher – und wenn es nur die Atmung ist *LACH*…

    Aber sind es nicht genau diese Läufe, die (spätestens im Nachhinein) so unglaublich viel Spaß machen? Neue Wege zu erkunden und tatsächlich auch wieder aus dem Wald heraus zu finden?

    Danke schön für’s Verlinken &
    Noch einen schönen Feiertag!
    Lars

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    • Solange die Atmung nach der Kurve nicht aussetzt, ist alles gut! 😉

      Du hast recht: Auch wenn man unterwegs mal nicht so überzeugt von seinem Tun ist: Irgendwann macht es doch Spaß – und man ist stolz wie Bolle, nicht „gekniffen“ und allein nach Hause gefunden zu haben! 😎

      Danke & viele Grüße
      Anne

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  8. Ein wirklich toller Feiertagslauf 😎 . So ein Abenteuerlauf bietet immer besondere Reize. Zum Entdecken von neuen Wegen gehören in unserer Gegend einfach die Höhenmeter dazu. Die flachen Wege an Mosel und Saar laufen wir ja oft genug.

    Jetzt aber die Füße stillhalten bis Sonntag 🙂 !

    lG
    Ralph

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    • Ohne Höhenmeter geht’s wirklich nicht in unserer Gegend, wenn wir mal was anderes als „nur Leinpfad“ laufen wollen. Und der Mattheiser Wald ist einfach herrlich! 🙂

      Ein paar Kilometerchen werde ich heute oder morgen schon noch laufen. Ich hab ja nicht vor, in Konz irgendwelche persönlichen Bestzeiten zu rennen, sondern will einfach nur mal wieder „zum Spaß“ in einem „offiziellen Rahmen“ laufen. Für mich heißt das: Submaximale Belastung, sprich: nicht 100, sondern 95-97 Prozent, eben so, dass ich für meine Verhältnisse sehr zügig laufe, ohne dabei den Spaß zu verlieren. Rennen am Anschlag tue ich mir nicht mehr an! 😎

      Liebe Grüße und alles, alles Gute für morgen!
      Anne

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  9. Ein tolles Laufrevier! Und eine gute Übung für Sonntag. Da empfehle ich Dir in jedem Fall einen Genusslauf über 15 km. Das ist auch nicht schwieriger als diese Tour.
    Wir sehen uns!

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

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    • Ja, lieber Rainer, der Mattheiser Wald ist toll! Und wir sehen uns am So! 😎
      Zweimal pro Woche traue ich mir eine solche Hügelstrecke momentan aber (noch) nicht zu, der Genuss wäre doch sehr getrübt. Ich werde mich also mit recht flachen 5 km begnügen oder – wenn mich am So der Übermut packt – auf die klassische 10 k-Strecke ummelden. 🙂

      Liebe Grüße
      Anne

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  10. Oh, das liebe ich auch. Neue Wege, wo man nicht weiß, wo man „raus“ kommt. Ich bin halt immer neugierig und finde es schön im eigentlich bekannten Umfeld doch wieder Neues zu entdecken.
    Das Kreuz ist interessant. Stand es mitten im Wald? Und eine Inschrift hat es auch, ich kann es leider nicht lesen. Aber jemand hat mal zwei Grablichter aufgestellt. Wollte er das Kreuz ehren oder kannte er den Hintergrund der Aufstellung? Wie gesagt, ich bin immer neugierig. 🙂

    Liebe Grüße Elke

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    • Ich bin immer wieder begeistert, wie viel Unbekanntes es in der unmittelbaren Wohnumgebung noch zu entdecken gibt. Das Kreuz ist zu Ehren der Jungfrau Maria aufgestellt – ich wüsste auch gern, wer diese abgelegene Stelle dafür ausgewählt hat und aus welchem Grund!

      Neugieriger Gruß zurück
      Anne

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