Über 7 Brücken …

7 Brücken sind das nicht! Mindestens 10! Oder 12! Der Weg besteht sozusagen aus Brücken. Für meinen Herbstsonnen-Samstags-Längeren-Lauf hab ich mir ein Stück vom Ruwer-Hochwald-Radweg ausgesucht: Erst einmal mit dem Bus nach Gusterath-Tal. Dort kann ich frei entscheiden: Talabwärts Richtung Mosel? Oder in Gegenrichtung gen Hochwald?

Lieber die seltener gewählte Strecke im Hochwald. Bedeutet: Fast die ganze Zeit geht es leicht bergauf durch den Herbstwald. Der Radweg auf einem alten Bahndamm hat so 1 bis 2 Prozent Steigung, kaum sichtbar, aber doch spürbar. Macht nichts, ich hab’s ja nicht eilig.

Das Laub raschelt leise unter meinen Füßen, Nachschub rieselt von den Bäumen wie Sterntaler. Die Luft riecht nach Pilzen, feuchtem Moos und Blättern.

Allgegenwärtig ist die Ruwer, die dem Radweg ihren Namen gibt: Mal links vom Weg, mal rechts davon. Häufig sind sie oder einer ihrer unzähligen Zuläufe, die aus den Bergen rechts und links ins Tal fließen, zu überqueren.

Moosbewachsene Schieferfelsen, goldbraune Buchenwälder – Bilderbuchherbst!

Der Weg gehört mir fast allein, nur alle 10 Minuten begegnet mir mal ein Radler. Zeit zum Träumen.

Nach 10 Kilometern wende ich. Eigentlich mag ich keine Pendelstrecken. Aber ich traue mir heute nicht zu, aus dem Tal gut 250 Höhenmeter bergauf zu kraxeln, weil ich die Gegend nicht gut kenne und den einen oder anderen Extrakilometer befürchten müsste, weil ich mich vermutlich verlaufen würde. Dann also zurück auf gleichem Weg.

Eiweiau, ist das unangenehm! Schon nach zwei Kilometern bin ich froh, dass ich mein ursprüngliches Vorhaben nicht umgesetzt habe, mit dem Bus weiter rauszufahren und dann gut 20 km auf dem Weg „bergab“ zu laufen. Das leichte Gefälle in Verbindung mit dem asphaltieren Untergrund fühlt sich eklig an und geht kräftig auf die Hüften und Oberschenkel.

Aber es hilft ja nichts, ich muss zurück. Auch wenn ich zusätzlich noch Hunger und Durst bekomme, was den Genuss der Landschaft doch ein wenig trübt. Auf den letzten anderthalb Kilometern lässt mich nur noch die Aussicht auf eine große Apfelschorle in der Ausflugsgaststätte durchhalten. Flasche leer, Puls hoch, Beine wie Gummi. Schorle hilft!

Noch eine knappe Viertelstunde, bis der Bus kommt. Jetzt rumsitzen und warten ist auch irgendwie blöd. Dann kann ich genauso gut noch ein Stückchen weiter laufen und wieder zurück zur Haltestelle, um den Halbmarathon vollzumachen.

Geht doch, wenn auch etwas mühsam! Und passt zeitlich prima, sogar ein wenig Dehnen hinterher ist noch drin. Busfahrer wie auch andere Fahrgäste schauen zwar etwas indigniert, als ich einsteige. Ismiraberegal. Hauptsache ich komme bequem heim zum wohlverdienten Füße-Hochlegen! 😎

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22 Gedanken zu “Über 7 Brücken …

  1. Ach wäre ich gerne dabei gewesen, obwohl dank deiner Schilderung war ich es ja! Da weiß man leider sofort, was einem heute entgangen ist 😦 Aber Dir sei so ein Lauf nach einer anstrengenden Arbeitswoche gegönnt!
    VG vom Bazillenmutterschiff Dirk

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  2. Mein weitestes waren am Di 8km. Und wenn ich das so lese bekomme ich Sehnsucht nach langen Läufen, dem Dahinlaufen und die Gedanken schweifen lassen…
    Die Zeit erlaubte diese Woche mal wieder nur 1 Lauf, dafür geht es morgen nach Kühlungsborn. Danke für die schönen Bilder und HM ….. ich bin neidisch…..

    Ganz liebe Grüße aus dem goldenen Sachsen

    Bärbel

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  3. Liebe, liebe Anne, was für eine schöne Welt derzeit in unseren Landen – was für herrliche Herbsttage, ich freue mich für dich, dass du es heute in vollen Zügen genießen konntest. Dass du Durst hattest, wer würde das nicht verstehen, für den Hunger empfehle ich eine Hand voll Rosinen, die du überall verstauen kannst.

    Auf den Bus warten stelle ich mir auch doof vor, aber irgendwie muss FrauWeinbergschnecke ja wieder nach Hause kommen – wünsche dir ein ganz wunderschönes, ruhiges, sonniges Wochenende – hier geht gerade die Sonne tiefrot unter ein gutes Zeichen, dass es morgen auch wieder schön werden wird.

    Die Ostsee lässt dich – wie immer – ganz herzlichen grüßen !! 😎

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    • Ja, liebe Margitta, allerorten hat die Welt IDULA ihr schönstes buntes Kleid an – und wird LäuferInnen wissen das zu genießen. 😎
      Ich hatte gehofft, das üppige Frühstück würde reichen, darum hatte ich kein Studentenfutter eingepackt. Das Haupt“problem“ war aber der Durst, ich hatte zwar ein Fläschchen am Gürtel, aber das habe ich nach km 10 auf Ex geleert … vielleicht hätte ich mich doch trauen sollen, aus einem der Bäche zu trinken?! ❓
      Das mit dem Bus ist etwas lästig, man muss bei seiner Laufplanung halt immer (zumindest grob) die Abfahrtzeiten berücksichtigen. Meist nehme ich ja das Rad, wenn ich mal entlegenere Laufstrecken erkunden will. Aber in diesem Fall wäre es zu weit (ca. 22 km einfache Strecke) bzw. zu anstrengend (ca. 300 Höhenmeter) geworden.
      Hier ist es auch wieder herrlich! Nachher lockt der Garten! 😎

      Ein ganz herzlicher Gruß zurück an die Ostsee!

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  4. Liebe Anne, danke für den wunderschönen Laufbericht…
    „Indigniert“ ist ein wunderbar treffender Ausdruck – ich kenne diese Blicke nur zu gut, wenn ich des öfteren eine meiner Lieblingsstrecken hin laufe und zurück mit der S-Bahn absolviere :D.
    Ebenfalls sonnig, bunte Herbstgrüße aus dem Salzburger Seenland,
    Doris

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    • Gern geschehen, liebe Doris! Die Kombination „Öffentliche Verkehrsmittel + Lauf“ ist schon prtaktisch, wenn man kein Auto hat und gern mal abseits der gewohnten Strecken unterwegs sein will. Dann sollen die anderen eben indigniert gucken! 🙂

      Liebe Grüße
      Anne

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  5. Ich wußte garnicht, dass Du unter die Barfußläufer gegangen bist. Und dann noch gleich Farbe unter den Füßen 😉

    Tolle Strecke, tolle Kilometerleistung, tolle Bilder, tolle Frau Weinbergschnecke.

    Füßehochlegen redlich verdient. Geniesse das Wochenende 🙂

    Liebe Grüße
    Volker

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    • Sooo platt sind meine Füße nun auch nicht, lieber Volker! Und so lange Schritte kriege ich mit meinen Stummelbeinchen auch nicht hin! 😆
      Danke, lieber Volker – die vielen guten Wünsche gehen zurück ins Oldenburger Land!
      Anne

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  6. Liebe Anne,
    genial Deine Beschreibung und die Bilder. Hast Dich ja richtig eingeschätzt, auch das ist wichtig und mir gelingt das leider nicht immer 😉 Der Tag heute war ja wirklich absolut einladend zur Freiluft Ertüchtigung und Du hast ihn genau richtig genutzt, gratuliere!
    Schönes Restwochenende und
    Salut

    Christian

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    • Ja, lieber Christian, das mit der realistischen Selbsteinschätzung ist so eine Sache … auch ich habe da schon mehr als einmal daneben gelegen! 🙄 Gestern hat dagegen alles gepasst!

      Dankeschön – und auch dir noch ein entspannendes sonniges Laufwochenende,
      Anne

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  7. Du magst Brücken? Dann lauf doch morgen früh den HM am Ohmbachsee mit, denn der startet in Brücken 🙂 (ok sehr schwacher Kalauer)
    Aber das mit den Problemen mit bergab, kenn ich auch seit einiger Zeit. Entweder sind die Muskeln zurückgegangen bei mir, oder die Knochen wollen nicht mehr so. Also entweder trainieren wir es mehr-oder wir laufen nur noch eben und bergauf!

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    • Ach, lieber Martin, ich glaube, zwei HMs in zwei Tagen sind für eine kleine Weinbergschnecke im Moment nicht zu machen! 😦 Viel Spaß euch auf jeden Fall!

      Das mit dem Bergablaufen hab ich noch nie so unangenehm empfunden wie gestern. Ich glaube, ich bin aber auch noch nie eine so lange Strecke auf Asphalt bergab gelaufen … es ging ja 10 km praktisch nur runter, auch wenn das Gefälle lediglich 1-2 Prozent betrug. Wie auch immer, da wir nach dem Bergauflaufen ja irgendwie wieder bergab müssen, bleibt wohl nur Training! 😆

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  8. Die bunten Farben sind ein Traum. Den Radweg finde ich als Vorbereitungsstrekce für einen langen Lauf ganz schön. Mir ist er aber ehrlich gesagt etwas zu eintönig auf Dauer. Und immer Aspahlt ist auch nicht meins.
    Eine schöen Runde wäre über Filsch den Hunsrücksteig runter nach Waldrach und dann auf dem Radweg bis Ruwer und an der Mosel zurück nach Trier. Dann brauchst Du gar keinen Bus. Allerdings ist der Anstieg bis auf die Höhe über Filsch ordentlich anstengend. Rosinen und genug Wasser musst Du da mitnehmen. 😉

    Liebe Grüße
    Rainer 😎

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    • „Eintönig“ – genau das hab ich auf dem Rückweg irgendwann auch gedacht und nach Wegweisern Ausschau gehalten, die mir eine Alternative auf Waldwegen anbieten. Die Runde via Filsch-Waldrach-Ruwer-Mosel ist sehr schön, aber ich habe sie (teilweise) schon erwandert und erlaufen, darum war ich auf der Suche nach was Neuem.

      Beim nächsten Mal versuche ich’s vielleicht oben im Domherrenwald, wenn ich „gute Beine“ habe – mit Rosinen und v.a. mehr Wasser als gestern natürlich. Im Grunde finde ich auch das Busfahren dann gar nicht so schlimm, wenn ich dadurch vermeiden kann, dass ein erheblicher Teil der Strecke aus „ausgelatschten“ (sprich: häufiger gelaufenen) Wegen besteht. 😎

      Liebe Grüße, halt dich tapfer … und denk immer dran: Die eigentlichen Laufhelden werden bei Niesel und Nebel gemacht, das Wetter heute ist nur was für Schwächlinge! 😉

      Liebe Grüße
      Anne

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  9. Pingback: Dreistellig | Weinbergschnecke

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