Ohne Schummeln

Letzten Sonntag hab ich beim Trainingshalbmarathon ein bisschen „geschummelt“: Hier ein Trinkpäuschen auf der Terrasse, dort mal drei, vier Minuten gedehnt, da mal ein Foto gemacht – und dabei jedesmal die Uhr abgestellt und mir so die Laufzeit schöngerechnet. Heute gibt’s das nicht, habe ich mir vorgenommen – heute gibt’s einen „Halben“ mit Bruttozeitnahme, nach Möglichkeit ohne Pause durchgelaufen.

Aber erst einmal mache ich auf dem Absatz kehrt, als ich die Haustür öffne und merke, dass es zwar 9 Grad auf dem Thermometer, aber gefühlt höchstens 3 bis 4 Grad sind. Dreivierteltight ist in Ordnung, aber Kurzarmshirt geht gar nicht. Also kommt mein ultraleichtes Neonjäckchen zum Einsatz – an solchen Tagen ein prima Wind- und später auch Regenschutz.

Erst einmal eine kleine Runde durch den Tiergarten, um zu schauen, was die Beine heute wollen. Sie wollen flach. Ok, von mir aus! Also Mosel. Einmal Richtung Norden bis zum Ende des Radweges am Ratio, vorbei an den Trümmern der Kabinenbahnstation. Bis auf Gassigänger ist kaum jemand unterwegs, der schneidende Wind und gelegentliche feine Regentropfen machen es einfach fies. Aber mir ist es in der winddichten Jacke ganz gemütlich zu Mute.

Auf dem Rückweg, nach ungefähr 12 Kilometern, beginnt es zäh zu werden. Mir kommt der Ratschlag eines Marathonläufers aus dem Runnersworld-Forum in den Sinn: „Wenn es schwer wird, lauf einfach schneller!“ Also gut! Ich wollte zwar sehr langsam und niedrigpulsig unterwegs sein. Aber ich habe den Eindruck, ich bin dabei ins Schlurfen gekommen. Dann wird eben jetzt mal wieder ein Stück gelaufen. Nicht gerannt, einfach nur für gut einen Kilometer etwa 15 bis 20 Sekunden schneller als vorher. Hilft wirklich! Die Beine sind wieder lockerer, der Schritt leichter, als ich auf meine langsamere Grundreisegeschwindigkeit zurückschalte.

An der Staustufe wird es allmählich mühsam. Trotzdem: Kneifen bringt es jetzt auch nicht mehr! Bis Kilometer 18 laufe ich noch Richtung Konz, dann wird gewendet. Am Estricher Hof durch die Unterführung. Die Rampe hinauf fühlt sich an wie ein Trampelpfad auf die Zugspitze. Neben der Straße zu laufen ist ätzend, aber ich mag die Mosel nicht mehr sehen. Noch ein kleiner alpiner Aufstieg, noch ein knapper Kilometer an der Bahn entlang. Endlich ist der Radweg an der Aulbrücke wieder frei – schön! Am Fuße des Kiewelsberg passiere ich die imaginäre Zielmatte: Brutto = Netto: 21.23 Kilometer in 2:25 Stunden. Sehr langsamer, dafür aber auch sehr entspannter 6:50er Schnitt mit 75% Hf und einer Regendusche zum Schluss. Ich glaube, das wird … 😎

Ich weiß, ich habe ihn schonmal fotografiert - ich finde ihn einfach so schön und freue mich jeden Tag darüber!

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18 Gedanken zu “Ohne Schummeln

  1. Hola, liebe Anne, gibt es bei Dir jetzt jedes Wochenende einen Halbmarathon? 😉

    Schönes, „ungemogeltes“ Ergebnis 😀

    Der Ratschlag des Marathonläufers scheint in der Tat zu stimmen. Wenn es anstrengend wird, werde ich meistens auch etwas schneller. Liegt es daran, dass man dann das Elend möglichst schnell hinter sich haben will? 😉

    Es wird ! Ich freu mich für Dich

    Liebe Grüße
    Volker

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    • Mal sehen, lieber Volker! Mir tun längere, langsame Läufe im Moment unglaublich gut, sowohl körperlich als auch psychisch. Da kann ich mir durchaus vorstellen, diese Distanz (von bei Bedarf eingeschobenen Regenerationsphasen abgesehen) jede Woche zu laufen und auch noch auszubauen.
      Nach hinten raus werde ich auch oft unwillkürlich schneller. Aber dieses Mal war es eine bewusste Zwischenbeschleunigung, um aus dem etwas schlappen und „zusammengesackten“ Geschlurfe wieder die richtige Laufhaltung zu kommen. Danach bin ich dann langsam, aber mit besserer Haltung weitergelaufen. 😎

      Danke, lieber Volker! 🙂

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  2. Mensch, Anne! Ich freue mich sehr! Schon wieder ein HM. Schön durchgebissen. Ja, ich denke auch, dass es wird.

    Liebe Grüße von
    Bianca -die es heute seit ewigen Zeite auf Ü8 gebracht hat

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  3. Liebe Anne,
    wer würde denn Dir Schummelei vorwerfen, wegen einem Päuschen beim längeren Lauf? Von uns sicher keiner, denn betrügen kannst Du Dich nur selber damit 😉
    Aber Dein heutiger Halber hört sich schon nach Arbeit an oder täusche ich mich da? Und übrigens, das Tempo ist mal richtig schnell im Vergleich zu meinem momentanen Schritt, Deine Namensschwestern und -brüder setzen schon zu Überholmanövern an 😆

    Schönen Sonntag wünsch ich Dir

    Salut
    Christian

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    • Ja, lieber Christian, es ist eher ein Sich-selbst-was-Vorschummeln, das den Blick auf den wirklichen Trainingsstand verschleiert. Gestern habe ich mir gezeigt, dass ich wirklich ganz gut dabei bin. 😉
      Wer würde es dir nach der langen Pause verdenken, dass du momentan (noch) mit meiner Verwandtschaft im harten Wettstreit um die rote Laterne stehst? 😆 Du bist wieder im Freien unterwegs und genießt jeden Meter, das zählt!

      Liebe Grüße und auch dir einen wunderbaren Sonntag
      Anne

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  4. Ja, liebe Anne, ich glaube auch, es wird, das liest sich gut.

    Von dem Ratschlag “ Wenn es schwer wird, lauf einfach schneller!” halte ich persönlich nicht viel, das ist leichter gesagt als getan, und ob es wirklich hilft ? Vielleicht im Kopf und damit kurzzeitig für die Beine, als allgemeine Regel würde ich sie nicht anerkennen !

    Es ist Anne, die entschieden hat, und ich glaube, nicht ungern, wenn du verstehst, was ich meine ??? !!

    Wie auch immer, du kannst stolz sein – es wird – und von 21 Kilometern hast du vor Monaten nur träumen können ! *freumichsehrfürdichaberimmervorsichtigbleibenwünschichmirauch * 😉

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    • Das ist bestimmt keine universell anwendbare Regel, und langfristig hätte das mit dem Schnellerlaufen auch bei mir nicht geklappt, liebe Margitta. Wenn man wirklich (ultra-)geschafft ist, geht das bestimmt nicht mehr! Aber wenn man einfach nur in eine abgeschlaffte Haltung gerutscht ist und kurzfristig (bei mir daren es sechs, sieben Minuten) e-t-w-a-s zügiger läuft (15-20 Sekunden schneller), hat das zumindest bei mir positive Wirkungen und baut die nötige Körperspannung wieder auf. 😎

      Und ja, als gebranntes Kind bleibe ich vorsichtig. Jetzt sind zwei Tage Laufpause, erst am Dienstag wird wieder gelaufen. Heute merke ich keine problematischen Nachwirkungen, nur etwas schwere Beine, die mir sagen, dass sie etwas getan haben. 😎

      Liebe Grüße & einen wunderbaren Sonntag
      Anne

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  5. Hm, kommt es beim Laufen nicht nur auf die Freude an der Bewegung und die Naturbeobachtung an? Wenn ja, dann spielt es doch keine Rolle ob ein Päuschen eingelegt wird oder nicht? Mogeln oder schummeln hört sich für mich sehr negativ an, mindert eine Geh- oder sonstige Pause die gelaufene Kilometerzahl? Bei der Galloway-Methode sind Pausen sogar erwünscht. Mir ist wichtig ohne Schmerzen laufen zu können, egal wie weit oder ob Pause oder nicht. Ich werde wohl nie den erforderlichen Ehrgeiz besitzen, eine gute Läuferin zu werden 😉
    Aber ich heiße ja nicht Anne und wenn es Dir wichtig ist und Du dies geschafft hast, beglückwünsche ich Dich von Herzen! 😀
    Wir hatten gestern wohl mehr Glück mit dem Wetter, es war zwar windig aber sonnig und so konnte ich 40 Kilomter des bayerischen Jakobusweges abradeln. Das Knie verhält sich friedlich und so werde ich wieder einen Laufeinstieg wagen. Drück mir die Daumen!

    Liebe Grüße Elke

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  6. Dass ich üblicherweise die Uhr in den Geh- oder Sonstwaspausen abstelle, fällt für mich unter Schummeln – allerdings in “ “ und mit einem Augenzwinkern, also gar nicht negativ gemeint. 😉 Die Hauptsache ist und bleibt halt, das Laufen macht Spaß – darin unterscheiden wir uns kein bisschen, liebe Elke!

    Klingt sehr verheißungsvoll, was du schreibst, sowohl die schöne Radeltour als auch der geplante Laufeinstieg. Beide Daumen sind gaanz fest … 🙂

    Liebe Grüße
    Anne

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  7. Anne na bei dir läuft es ja auch recht gut. Da drück ich mal weiter die Daumen, dass die Füße mitspielen. Für den Kopf sind die langen Läufe wirklich immer sehr gut. Wenn sie aber sehr lang werden … mag ich die Begleitung durch andere, um ab und zu mal etwas Ablenkung zu haben.

    Schöne Woche wünscht
    Tati

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    • Ja, liebe Tati, momentan sieht es gut aus. 😎
      Wenn ich mal wieder vorhabe, wie du 30 km und mehr zu laufen, werde ich mir wohl auch was einfallen lassen müssen, denn bei meinem geringen Tempo und vor allem auf altbekannten Strecken kann das doch zu einer Belastung für den Kopf werden. Da tut Ablenkung sehr gut – und mit Musik laufe ich einfach nicht so gern.

      Auch dir eine schöne Woche, liebe Grüße
      Anne

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  8. Also das mit dem schneller Laufen kenne ich auch ! Warum es funktioniert weiß ich nicht-ist mir aber auch egal 🙂
    Aber auf den langen Kanten, so über 25km brauche ich entweder gute Partner (habe ich ja) oder Musik und gerade letztere treibt mich so richtig voran!

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    • Es gibt Dinge, die man nicht hinterfragen muss – Hauptsache, sie funktionieren! 😆

      Bei meinen langen Kanten über 25 hatte ich früher auch ab und an Musik dabei. Ich weiß nicht, ob ich das noch einmal haben will. Aber mangels passender Laufbegleitung werde ich evtl. doch wieder auf den Knopf im Ohr zurückkommen. Mal sehen, vielleicht geht es auch ohne! 😉

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  9. Also Anne, zum Maare-Mosel-Lauf im August nehme ich dich definitiv mit. Ein toller Halbmarathon in der Eifel. Ich freue mich, wie locker Du inzwischen wieder so einen 21er bewältigst. Einfach mal als Trainingslauf. Super!

    So darf es weitergehen.

    P.S. Ich kann die Mosel bald auch nicht mehr sehen 😉

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  10. Wenn meine Füße mich bis dahin weiter so brav und schmerzfrei tragen, bin ich gern dabei. Allerdings als Genussläuferin – Zeitenhatz und wildes Gerenne reizt mich gerade so gar nicht. Und bei der schönen Strecke in der Eifel wäre es auch mehr als schade, keinen Blick für die Umgebung zu haben.
    Ich glaube, am Wochenende fahr ich für meinen „Langen“ an die Saar – auch Fluss, aber endlich mal andere Anblicke als die blöde Schleusenbaustelle und der Messepark! 😉

    Danke, lieber Rainer
    Anne

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