Das gildet!

Lang und gemütlich, so der unverbindliche Plan für den letzten Urlaubstag. Die Beine sind ausgeruht nach zwei Tagen ohne Laufen, aber mit viel Gartenarbeit und Organisation unseres Baumpatenprojekts. Einen tollen Frühlingstag gibt’s obendrein. Wer irgend kann, ist draußen unterwegs. Schon gegen 10 Uhr buntes Flohmarkttreiben in den Moselauen. Später wird auch noch in der Stadt Halli-Galli sein. „Verkaufsoffener Sonntag“ bei Traumwetter, das die Herzen der Geschäftsleute, vor allem der Standbetreiber auf dem Ostermarkt höher schlagen lässt.

Kurz überlege ich, ob der Weg Richtung Luxemburg oder moselabwärts nach Pfalzel führen soll – „Luxemburg“ heißt die Devise, es läuft sich einfach ruhiger und sonniger dort. Immer wieder überholt von Radlern schlappe ich so im faulen 6:50er Schnitt dahin, leichten Wind im Rücken, der auf dem Rückweg angenehm kühlen wird.

Ein Stückchen vor dem Yachthafen kommen Laufschritte von hinten näher. Birgit mit Begleitung – welche Überraschung! Die beiden machen einen für sie ruhigen Lauf knapp über 6:00er Schnitt. Sie nehmen ein wenig raus, ich lege ein Zähnchen zu, wir pendeln uns etwa bei 6:10 ein. So habe ich bis zur Konzer Eisenbahnbrücke angenehmste Begleitung. Quasseln über dies und das, Wettkämpfe und Freundschaftsläufe in der Region, Laufpläne, gemeinsame Bekannte, die Schleusenbaustelle, die uns vermutlich bald eine Streckensperrung an der Mosel bescheren wird – die Zeit vergeht ratzfatz.

Die beiden wenden, für mich geht’s noch ein Stückchen weiter. An der Campingschänke in Igel ist Boxenstopp angesagt – manches lässt sich mangels hinreichender Belaubung der Büsche am Wegesrand derzeit nicht in der Natur verrichten, sondern bedarf zivilisatorischer Einrichtungen mit abschließbaren Türen. Außerdem ist angesichts der Wärme ein wenig Flüssigkeitsnachschub nicht verkehrt.

Und nicht zuletzt sitzt es sich auf der Terrasse ganz bezaubernd. So bezaubernd, dass es mir schwerfällt, mich dort loszureißen. Aber ich will ja eigentlich laufen.

Zurück auf dem gleichen Wege – das Zewener Ufer ist einfach schöner und ruhiger als das Konzer Ufer. Und man kann mal einen kleinen Schlenker durch den Park von Schloss Monaise einbauen, mal an der Schleuse zu einer kurzen Dehnpause stehen bleiben und mit Interesse feststellen, dass eine neue asphaltierte Trasse vom Moselradweg über den Parkplatz an den Moselauen führt – ist der alternative Radweg, der die alte Trassenführung (zumindest vorübergehend) ersetzt, schon im Bau?

Der Weg über die Brücke wird mit lahmen Beinen schon etwas zäh. Aber es hilft nichts, da muss ich drüber. Und ich muss, wenn ich nicht bergauf laufen will (das würde mir zugegeben auch nur noch eingeschränkt gelingen), noch einen weiteren Schlenker durch den kleinen Park hinter dem Finanzamt anflicken, um – beim Bäcker angekommen – das Gesamtkunstwerk zu vollenden: Den ersten 20+x-Kilometer-Lauf seit dem abgebrochenen langen Lauf im Oktober 2010, der den Beginn meiner Verletzungsmisere markierte. Ein Trainingshalbmarathon, 21.2 km im 6:44er Schnitt. Zwar mit gut 10-minütigem Zwischenstopp, also „gemogelt“. Aber eben auch mit 3.5 km Zwischenbeschleunigung. Und darum beschließe ich einfach mal: „Das gildet trotzdem!“.  😉

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26 Gedanken zu “Das gildet!

  1. Ein schöner Lauf an einem schönen Tag ich habe davor Respekt, denn selber würde ich so einen Lauf nicht schaffen, da für mich zu lang. 🙂

    Freundliche Grüße
    Bernd

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    • Ja, schön war’s, lieber Bernd! Anstrengend natürlich auch, aber dann allmählicher Annäherung an die Distanz ohne unangenehme Folgen machbar.

      Viele Grüße
      Anne

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  2. Also bei 20+km ein paar Minütchen zu mogeln ist doch absolut im Rahmen ;).
    Freut mich sehr, zu lesen, dass deine verletzungsbedingte „Kurzlaufzeit“ so ein wunderbar sonniges Ende gefunden hat!

    Lieben Gruß, Doris

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    • Danke, liebe Doris! Ob’s das Ende der Verletzungszeit ist oder nur ein positiver Ausrutscher, wer weiß? Langsam bekomme ich aber wieder mehr Vertrauen in meinen Körper! Und ja, ein bisschen „Mogeln“ finde ich auch völlig in Ordnung! 😉

      Liebe Grüße
      Anne

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  3. Ach, das nennt sich „mogeln“? Und ich dachte, ich wäre relativ ehrlich – aber wenn sowas schon „mogeln“ ist, dann mach‘ ich das wohl ziemlich oft 😉

    Mal so eben einen Trainings-HM mit Pace unter 7 Minuten .. ist ja der Wahnsinn! Für so eine Strecke brauche ich außerhalb des Wettkampfs deutlich länger. Du wirst wie eine Phoenixe aus der Asche beim Wettkampf Traumzeiten erfliegen!

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    • Naja, wenn man in der Pause die Uhr abstellt, ist es natürlich schon gemogelt … aber egal! 😎 Ob ich Traumzeiten erfliegen werde – wer weiß? Derzeit habe ich nicht die geringste Lust auf Gehetze bei Wettkämpfen. Mal ein paar flotte Trainingskilometer laufe ich sehr gern, aber ansonsten bin ich mit meinem Rumgeschlappe zwischen 6:30 und 7:00 sehr zufrieden. 🙂

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      • Wenn ich es beim nicht-Wettkampf auf 6:30 schaffe, dann höchstens kurz und das ist dann ein verschärfter Tempolauf 😉

        Und wenn es nur mit Uhr abstellen Mogelei ist, bin ich in der glücklichen Lage, niemals mogeln zu können. Meine Uhr lässt sich ja nicht abstellen 😀

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        • Brutto habe ich insgesamt etwa 2:40 Stunden gebraucht: Eine Terrassenpause mit Boxenstopp, ein weiterer Boxenstopp, eine Dehn- und zwei kurze Fotopausen. Da bin ich dann etwa bei einem 7:30er Schnitt, der längst nicht mehr so gut klingt … 😉

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    • Danke für deine Großzügigkeit, lieber Volker! 😉 Alles traumhaft – noch traumhafter wäre nur eine weitere freie Woche gewesen! 😎

      Liebe Grüße
      Anne

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  4. Schöne Bilder hast Du wieder mitgebracht! 😀 Und super, dass Du Deinen Urlaub lauftechnisch so positiv beenden konntest. Ich wusste gar nicht, dass Du seit Oktober 2010 Probleme hattest, dachte das wären nur ein paar Sommerwochen gewesen? Umso besser, dass dies nun der Vergangenheit angehört.
    Dann wünsche ich Dir noch einen guten, hoffentlich streßfreien Arbeitsbeginn und dass Dich die Zeitumstellung nicht schrecklich müde macht wie mich. 🙂

    Liebe Grüße Elke

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    • Dankeschön, liebe Elke! Doch, das zog sich mit Hochs und Tiefs und vielen wochenlangen Laufpausen seit Oktober 2010 hin mit den Fersenproblemen. Jetzt bin ich immerhin seit September 2011 wieder (relativ) kontinuierlich unterwegs, d.h. ich habe mal ein paar Tage pausiert oder die Umfänge reduziert, aber keine längere totale Pause mehr machen müssen.
      Müde bin ich auch, aber zum Glück kann ich es in den kommenden Tagen noch ruhig angehen lassen …

      Liebe Grüße und auch dir einen guten Wochenstart
      Anne

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  5. Bei Traumwetter einen Traum-Halbmarathon 😎 – toll zu lesen, daß du solch eine Distanz wieder laufen kannst. Und für einen Boxenstop mal kurz die Uhr anhalten ist genehmigt. Das gilt trotzdem 😉 . Oder gerade deshalb. Wenn ich nämlich erst einmal bei Sonne auf einer Terasse säße, käme ich kaum mehr fort.
    Ich wünsche dir einen ruhigen Start in die Arbeitswoche!
    lG
    Ralph

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    • Oh ja, das Loslaufen fiel mir wirklich schwer – hätte ich am Nachmittag nichts vorgehabt, ich hätte mir wahrscheinlich was zu essen bestellt und den ganzen Mittag auf der Terrasse vertrödelt! 😉
      Dankeschön, lieber Ralph – ein wenig Unruhe war da, aber alles halb so wild!

      LG,
      Anne

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  6. Liebe Anne, das ist ein Bericht nach meinem Geschmack. Irgendwie scheint alles gepasst zu haben und dann auch noch die herrliche Natur, die fast schon explodiert bei Euch in der Ecke, irgendwie haben wir wohl hier noch die kälteren Nächte, so dass der Frühling sich noch etwas Zeit lässt.
    Ich wünsche Dir, dass es so weiter geht, zurückschauen ist nur dann nötig, wenn man vergessen hat, wie gut es einem momentan geht, ansonsten ist die Gegenwart und die Zukunft viel interessanter 😉

    Salut
    Christian

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    • „Explodierende Natur“ – das trifft es, lieber Christian! Vor einigen Tagen war noch alles grau. Mittlerweile zeigen sogar viele Büsche schon grüne Spitzen.
      Danke dir für die guten Wünsche! Ich halte es auch so, dass ich nicht zu viel zurück schaue – das Heute genießen und das Morgen und Übermorgen im Blick behalten, heißt die Devise!

      Liebe Grüße
      Anne

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  7. Der erste 20 Kilometer-Lauf seit Oktober 2010 – ist das wirklich schon so lange her ? Ich kann es nicht fassen.

    Wunderschöner Frühling bei euch, schöner von dir inszenierter Lauf mit Trink- und sonstigen Pausen hinter verschlossenen Türen – freue mich mit dir und für dich, dass es steil aufwärts geht.

    P.S. Bei uns hat es heute Nacht Frost gegeben, aber jetzt brennt die Sonne vom Himmel !! 😉

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    • Ich wollte es auch kaum glauben, aber es ist wirklich so lange her. Ein paar Läufe zwischen 15 und 19 km habe ich seither gemacht, aber nichts darüber Hinausgehendes! Hoffen wir, dass in Zukunft viele so lange und noch längere hinzukommen!
      Ja, kalt sind die Nächte auch hier noch, zum Glück nicht mehr frostig! Mir reicht es!

      Danke, liebe Margitta! 😎

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  8. Ich leider erst jetzt dazu gekommen, auf Deine Seite zu schauen. Heute Morgen war ich ja auch in Eile. Sorry, aber ich war gerade in der Steigerungslaufserie. Soweit ich gesehen habe, hast Du Dich im Urlaub gut erholt. Und ich hoffe, der erste Arbeitstag war nicht zu schlimm.

    Der oben beschriebene Lauf war sicher toll. So liest er sich jedenfalls. Halbmarathondistanz! Genial. Ich freue mich!

    Liebe Grüße
    Rainer 🙂

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    • Kein Problem, lieber Rainer – ich sah dich heranfliegen und hätte vor Staunen ob deines Tempos eh kaum ein Wort rausgebracht (mal abgesehen davon, dass ich dich in der Staubwolke, die deine Vollbremsung verursacht hätte, gar nicht mehr erkannt hätte)! 😉

      Erholung gut, erste Arbeittage ok, Lauf klasse! 😎

      Dankeschön und liebe Grüße
      Anne

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