Trümmerfrau

In der deutschen Vergangenheit haben sich Trümmerfrauen dadurch hervorgetan, dass sie die zerbombten Städte vom Schutt befreit haben. Derart wichtige und wertvolle Frondienste habe ich natürlich nicht geleistet. Aber die samstägliche „Gemeinschaftsarbeit“ im Kleingartenverein kann auch zur Knochenmühle ausarten: Knapp sieben Stunden lang die zu hoch gewordene Strauchhecke runtergeschnitten: Mit der großem Schere 2 bis 3,5 cm dicke Äste kappen und das Schnittgut mit einer Bauschubkarre auf den gut 200 m entfernten Abladeplatz transportieren. Nach 15 bis 20 Fuhren sind alle Trümmer der Hecke beseitigt – und auch ich bin nur noch ein Haufen Trümmer! Fährturmlauf in Schweich ade, entspannter Trainingslauf ade! Die Kraft reicht gerade noch zum Brötchenholen und Duschen, bevor ich apathisch aufs Sofa sinke und mich mit einem (leider nicht besonders wohlschmeckenden) Weißwein belohne.

Heute morgen das böse Erwachen: Eiweiaua, das tut weh! Muskelkater von oben bis unten, Rücken verspannt, Beinmuskulatur verspannt – ich bin ein Wrack! Trümmerfrau eben!

Mit viel Dehnen und noch mehr Strecken kriege ich mich erst am Nachmittag so weit, dass ich zu einem Lockerungsläufchen starten kann. Zwar in Kurz, aber richtig gemütlich ist das trotz 11 Grad nicht. Und der nächtliche Regen muss intensiver gewesen sein als ich dachte. Der Pfad im Tiergarten wird zur fiesen Rutschpartie über schmierigen Modder. Der Vorteil: Die Spaziergänger bleiben mir weitgehend von der Pelle! Sie bevorzugen asphaltierte Wege und ich kann in Ruhe meine Runde drehen.

Sechs Kilometer, dann schnell daheim einchecken zu einem unaufschiebbaren Boxenstopp. War’s das für heute? Nein! Auch wenn sich der Lauf verspannt anfühlt, die frische Luft tut gut. Also noch eine Runde um die Weiher und einen Schlenker durch die Kleingärten angehängt, um bergauf leise fluchend die 10 km voll zu machen. Wiederhergestellt bin ich dadurch noch nicht wieder. Aber ich habe die Hoffnung zurückgewonnen, noch nicht endgültig reif für den Schrottplatz zu sein.

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12 Gedanken zu “Trümmerfrau

  1. Nun ja, nach solch einem strammen Arbeitstag im Kleingarten, darf man sich über das Muskelkaterergebnis nicht wundern. Auf den Schrottplatz brauchst Du deshalb noch lange nicht. Denn im Gegensatz zu einem Auto oder sonstigen technischen Gerät hat ja der menschliche Körper die göttliche Gabe sich selber wieder zu regenerieren. Die 10km-Runde am Folge ist dafür eine eindrucksvolle Bestätigung.

    Liebe Grüße
    Volker

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    • Ja, lieber Volker, wundern sollte ich mich eigentlich nicht, aber ich hatte gehofft, dass das Ergebnis nicht so klar ausfällt. Über die Regenerationsfähigkeit des menschlichen Trümmerhaufens bin ich sehr froh!
      Liebe Grüße,
      Anne

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  2. Knochenarbeit, ist aber sicher mindestens so effektiv wie drei Rumpfstabi-Einheiten. Sofern du nicht die korrekte Haltung verloren hast.
    Für mich war heute Ruhetag. Muss mich noch von Schweich erholen 🙂

    Liebe Grüße
    Rainer

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    • Oooops, da habe ich eine Bildungslücke: Wie sieht denn die korrekte Haltung beim Strauchschneiden aus? 😉

      Gute Erholung dir – der nächste Lauf kommt bestimmt, dafür sorgt schon dein Coach! 😎

      Liebe Grüße,
      Anne

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  3. Das kann ich mir lebhaft vorstellen, dass ungewohnte “ Übungen “ zu starkem Muskelkater führen können, aber regelmäßige “ Vorarbeit “ kann vor solchen unerwarteten Beschwerden schützen.

    Wie auch immer, die ersten Arbeiten sind getan, Gartenarbeit hält (auch) jung, sagt man, und was das wichtigste ist, er wird es dir danken, und du wirst mit Stolz die Ergebnisse deiner Knochenarbeit hier im Blog präsentieren – von nix kommt halt nix !!

    Du bist gelaufen, das war sicherlich hart, aber bestimmt auch nicht das Verkehrteste, liebe Anne.

    11 ° das ist schon was, bei uns gerade im Moment nur 5.

    Gönn‘ dir auch ein wenig Ruhe, schließlich hast du Urlaub !

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    • Tja, da hab ich wohl wirklich einigen Nachholbedarf; allerdings glaube ich, ein Rest Muskelkater wäre mir so oder so nicht erspart geblieben. Wenn es denn wenigstens MEIN Garten gewesen wäre … 😦 Es waren die Gemeinschaftsanlagen, und zum Dank für meine Plackerei durfte ich mich auch noch von einem Mitgärtner anmaulen lassen, der die Hecke lieber als Sichtschutz behalten hätte, und nicht davon zu überzeugen war, dass die Sträucher viel schöner und dichter als zuvor wieder nachwachsen.
      Zu laufen tat sehr gut und machte locker. Heute wurden die Zimmerpflanzen, die es nötig hatten, umgetopft. Später wird ein wenig geradelt, außerdem steht der Fühjahrsputz der Fenster an. Mischung aus Arbeit und Vergnügen, wie es sein soll im Urlaub. Nur faulenzen mag ich nicht. 😎

      Liebe Grüße
      Anne

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  4. Sieben Stunden Arbeit mit der Heckenschere? Ganz ehrlich, es wäre sehr verwunderlich wenn Dir nicht das Gestell weh täte. 😀 Aber deswegen den Fährturmlauf sausen lassen zu müssen ist natürlich schade, hattest Dich doch darauf gefreut, oder? Und ich freue mich auch schon auf Deine ersten Gartenfotos. Bei mir zu Hause sprießen schon die Baby-Tomaten, -Gurken, -Kürbisse und -Zucchini. Hast Du auch schon angesät?
    Ich habe gestern das noch trockene Wetter zu einer ausgibigen Radtour genutzt. Zum Glück, denn im Moment haben wir hier gruseligen Schneeregen im Grau in Grau. 🙂
    Schöne Urlaubstage noch und liebe Grüße Elke

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    • Ach, die Freude war schon sehr eingedampft, weil ich einfach zu schlecht vorbereitet gewesen wäre und – ganz ehrlich – im Moment weder Lust auf richtig schnelles Laufen habe noch das Risiko eingehen will, dass die Füße wieder mehr zicken. Es war schon ok so!
      Mein Gemüse habe ich erst am Freitag ausgesät, sowohl drinnen (Tomaten, Gurken, Zierkürbis, Chilli, Paprika und Auberginen) als auch draußen (Spinat, Zuckererbsen, dicke Bohnen, Rucola, Feldsalat).Ich denke, das wird alles noch rechtzeitig groß. 😎

      Liebe Grüße & dankeschön
      Anne

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      • Meine Gemüsebabys sind auch erst 3-5 cm hoch :-D. Lieber alles ein bischen später, als dass es zu „schießen“ beginnt. Draußen ansäen? Das ginge bei uns noch gar nicht, da habt Ihr einfach das wesentlich mildere Klima.
        Fenster habe ich übrigens am Samstag geputzt (eine Arbeit die ich gar nicht mag), so scheint jeder an seinen Frühjahrsputzaktionen zu sein 😉
        Viel Spaß beim radeln, ich gehe heute noch aquajoggen 😎

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        • Ja, im vorletzten Jahr war ich zu früh dran, da waren die Pflanzen zu „schlabberig“. Ob ich in diesem Jahr draußen zu früh ausgesät habe? Vielleicht schon – heute nacht hat es wieder gefroren! 🙄 Gleich gehe ich trotzdem laufen! 😎

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  5. Da wunderte ich mich in Schweich, dich nicht zu sehen. Klar, daß du nach dieser ungewohnten Gartenarbeit nicht auch dort laufen wolltest. In eurer Kleingartenanlage scheint ja wirklich ein strenges Regime zu herrschen.

    Muskelkater nach Gartenaktionen hatte ich auch schon. Doch so ein Entspannungslauf am Tag darauf hilft meistens dagegen. So wohl auch dir, wie schön zu lesen ist. Dem Schicksal auf dem Schrottplatz förmlich davon gelaufen 🙂 .
    Gute Erholung!
    lG
    Ralph

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    • Mittags hab ich noch überlegt, alles stehen und liegen zu lassen. Aber zum 5er hätte ich es nicht mehr geschafft ohne Auto, und für den 10er wäre ich nicht fit genug gewesen … naja, und ich hatte auch echte Bedenken wegen der Füße. Lieber langsam bis locker laufen als durch einen zu schnellen Lauf die positive Entwicklung wieder kaputtmachen.
      Der Lauf hat gut getan – ein wenig verspannt bin ich noch, aber es ist viel besser als gestern! 😎

      Liebe Grüße
      Anne

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