Tanzende Drachen

Die beiden bunten Drachen, die über der Korlinger Höhe tanzen, bilden den einzigen Farbtupfer im matten Grau. Der Winter ist noch nicht richtig da. Aber man ahnt sein Kommen. Unten in der Stadt auf etwa 150 Metern liegen die Temperaturen noch um Null. Hier auf 420 Metern Höhe herrscht Dauerfrost. Das Eis auf den kleinen Pfützen splittert beim Drüberlaufen. Schneidender Wind auf dem Hochplateau lässt Nasenspitze und Wangen brennen. Aber ansonsten ist mir wunderbar mollig. Bei solchen Bedingungen geht nichts über eine gut geschnittene Windstopper-Jacke! Dazu eine angerauhte Tight, Buff, dünne Fleecemütze und Handschuhe (lieben Gruß an Margitta – heute reichten noch die dünnen!) – alles gut, wohler könnte mir nicht zu Mute sein.

Na ja, ich habe mich auch vorher gründlich auf Betriebstemperatur gebracht, wie ein Blick auf das Profil der Strecke vielleicht ahnen lässt. Über Olewig nach Irsch, bergauf durch den Ort und weiter nach Hockweiler. Dafür, dass ich mich beim Loslaufen wie eingerostet fühle und bis Kilometer 5 brauche, um einen Rhythmus zu finden, schlage ich mich im Kampf mit der Steigung tapfer. Da darf man auch einmal unterwegs stehen bleiben, das Panorama genießen,

Blick auf Irsch

auf einen Teil der bewältigten Strecke zurückblicken

und kurz etwas skeptisch vorausschauen, was einen als Nächstes erwartet.

Auf dem bickelhart gefrorenen Feldweg läuft es sich nicht gut.

So bin ich froh, die Straße erreicht zu haben und auf dem Radweg ohne Gefahr des Umknickens entspannt auf flacher Strecke weitertrotten zu können. Die riesigen Windräder über meinen Köpfen rotieren. Auf der ebenen Freifläche zieht es kräftig.Und kein Baum, kein Strauch schützt davor.

Halt, gelogen! Den einen oder anderen Baum hat man bei der Flurbereinigung doch übrig gelassen! 😉

Wenigstens noch ein Schlenkerchen durch die Felder bis zur Wegekreuzung.

Dann steil bergab nach Filsch wieder über den Talradweg zurück. Die letzten zwei, drei Kilometer ziehen sich – der Magen beschwert sich über Unterversorgung und etwas zu trinken wäre auch nicht verkehrt. What shall’s? 19 Kilometer mit ein paar Höhenmetern eingetütet, das Festessen von gestern erfolgreich daran gehindert, es sich auf meinen Rippen gemütlich zu machen, hinterher auf dem Sofa die Haxen entspannt – so sieht ein gelungener Sonntag aus! 😎

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24 Gedanken zu “Tanzende Drachen

  1. Schöne Runde. Die Laufe ich auch gerne. Aber: Alle Achtung, nun weiß ich, dass du im Bezug auf Deine Fomr tiefstapelst. Das ist ganz schön anspruchsvoll, was du da mit Genuss hinter dich gebracht hast. Prima. So kann es weitergehen.

    Und jetzt „chillen“! Genieße es!

    Liebe Grüße
    Rainer 😀

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    • Ich hab ja nichts über das „Tempo“ geschrieben. 😉

      Aber ich will nicht tiefstapeln: Dass ich bis auf (freiwillige) Fotostopps durchlaufen konnte und hinterher zwar müde, aber nicht komplett erledigt war, ist schon ein richtig gutes Zeichen! 😎

      So, und nun wird weiter „gechillt“! 😉

      Liebe Grüße
      Anne

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    • Ja, erfolgreich und gut! 😎
      Es gibt Menschen (und Pferde nebst ihren Hinterlassenschaften). Aber nur wenige. Und um die Mittagszeit (ich war so von 12 bis 14:30 Uhr unterwegs) verkriechen sich am Sonntag die meisten in ihren Bau.

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  2. 19 km mit Höhenmeter. booooohhhhh. Ich weiß immer noch einfach nicht, wie sich Höhenmeter anfühlen.

    Sieht schon kalt aus, auf den Bildern. Schauen wir mal, was da in den kommenden Tagen noch draus wird.

    Einen gemütlichen Sonntag (Sofa-)abend wünsche ich Dir. Verdient ist verdient!

    Liebe Grüße
    Volker

    P.S.: Ich hatte heute schon die mittlere Handschuhvariante an

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    • Kannst du haben, das mit den Höhenmetern – Rainer und ich führen doch gern! 😉
      Bei euch hätte ich auch die mittleren Handschuhe gebracht. Meine Eltern leben im Raum Celle, die haben heute früh ganz schön gejammert über die Kälte.

      So, ab auf’s Sofa! Auch dir noch einen schönen Sonntag, lieber Volker!
      Anne

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  3. 19 Kilometer mit so einem Profil, da könntest du ja aus dem Stand jeden HM laufen!!!
    Ich hab die 12km von Bekond ganz schön gemerkt,
    Respekt vor deiner Leistung und schön das du so lange Läufe wieder schmerzfrei machen kannst.

    VG
    Dirk

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  4. Danke, Dirk! Joooah, laufen könnte ich einen HM wohl – aber nicht besonders schnell. Und grad hab ich eh keine Lust auf Wettkämpfe.
    Die Strecke in Bekond scheint interessant, aber auch anspruchsvoll. Vielleicht im kommenden Jahr. ❓

    Viele Grüße
    Anne

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    • Unterwegs hab ich schon einmal kurz geflucht. Aber alles in allem war ich ganz entspannt. Vor allem war gut, dass ich auf dem flachen bzw. abschüssigen Teil zum Schluss wieder relativ niedrigpulsig laufen konnte. Der Akku war also nicht ganz leer. 😎

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  5. Beeindruckendes Profil 😮 ! Und dann bei dem fiesen Wind über die baumlose Höhe – Riesenrespekt! Zum Glück warst du richtig angezogen.

    Schön, daß du wieder mit Genuß so weit laufen kannst!
    lG
    Ralph

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    • Bei solchem Wind geht wirklich nichts über Softshell mit Windstopper – auf dem Hochplateau war der Wind wirklich fies!
      Ja, ich habe den Lauf wirklich genossen. Diese Woche lasse ich es aber zur Belohnung ruhiger angehen, nachdem die letzte Woche mit diesem hügeligen Langen und einem Templolauf recht belastend war. 🙂

      LG,
      Anne

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  6. Meine Bewunderung für 19 km und dann noch soviel Steigung. Wow! Ich freue mich für Dich, dass bei Dir alles so gut klappt! Bei uns gäbe es viele Bergläufe, wäre das nichts für Dich? 😉 😀
    Ein bischen kahl ist die Gegend Deines Laufes ja schon, wird da Getreide angebaut? Ich überlege gerade, ob hier noch viele Tiere einen Lebensraum finden können? Und bei Euch ist es leider genauso grau wie bei uns, ich hätte so gerne wieder etwas Sonne :-(.

    Liebe Grüße Elke

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    • Dankeschön, liebe Elke! Im Moment reizt mich das „Wettkampflaufen“ so gar nicht, ich hoppele am liebsten friedlich vor mich hin und entscheide spontan, wie weit und wie profiliert der jeweilige Lauf werden soll.

      Die Gegend ist teilweise grauenhaft kahlgefegt, kein Baum, kein Strauch mehr, – da lebt nichts Tierisches. Zum Glück ist das nur ein kleines Gebiet, ringsum hat’s Wälder, Bach- und Flusstäler, Streuobstwiesen, Feldwege (die gestern aber alle gefroren und daher unangenehm uneben und schlecht zu belaufen waren). Bei der nächsten Exkursion in diese Gegend lauf ich mal ein sehr schönes Sträßchen durch den Wald. Das war mir gestern zu riskant, weil ich meine Warnweste nicht an hatte – dort sind wenige Autofahrer unterwegs, die aber wie die gesengten Säue!

      Sonne hätte ich auch gern … angeblich kommt sie morgen oder übermorgen! 😎

      Liebe Grüße
      Anne

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  7. Ja, die Runde kommt mir bekannt vor. Wobei ich dann häufig die Variante über Kernscheid nach Franzenheim durch´s Tal wähle. Und dann geht es in Richtung Hockweiler si richtig schön hooooch….
    Danach über die Hohe zurück und den Ausblick genießen.
    Bei deiner Runde von Olewig hoch und dann noch durch Irsch, da zieht sich der Berg ja ganz schön. Alle Achtung.
    Liebe Grüße
    Birthe

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    • Die Variante über Franzenheim hatte ich auch angedacht, allein der schönen Strecke durch den Wald wegen. Im Moment fallen mir sehr steile Anstiege allerdings noch zu schwer. Da war die laaaanggezoooogene Steigung die bessere Wahl. Nichtsdestotrotz will ich demnächst mal nach Franzenheim. Nimmst du von da den Umweg über Pluwig mit (sprich: auf der Landstraße steil runter und dann ganz garstig wieder rauf)? Oder läufst du von Franzenheim aus hoch, hinter dem Bauernhof lang und direkt nach Hockweiler?

      Liebe Grüße
      Anne

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  8. Ja, da stehen dem Fuchs doch sämtliches Fellhaare zu Berge! Er ahnte ja schon einiges, aber dass Frau Schnecke schon SOWEIT ist, SOLCHE Strecken zu laufen, das lässt aufmerken. Respekt, liebe Anne, ganz großes (Lauf-)Kino! Und das Live und in Farbe! Nun gut, viel Farbe ist an einem solchen frostig-windig-kalten und einsamen Tag nicht zu haben gewesen, wohl aber ein brillianter und richtig starker Lauf! Gib mir 5 in die Pfote!

    Daaankeschön, dass Du uns durch Deinen fein geschriebenen Bericht auch noch auf die Strecke mitgenommen hast – wenn auch nur nachträglich und virtuell; da steckt viel Schönes drin, aber jeder Läufer weiß auch zu schätzen, was Du da vollbracht hast.

    Gut gemacht! Glückwunsch und erhol‘ Dich gut!

    Peter

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    • Dankeschön, lieber Peter! Hier hast du 5! Heute wäre noch weniger Farbe – nur Weiß statt Grau und Grün und Braun. Mal sehen, ob heute nachmittag etwas aus einem Lauf wird – aber nur ein kleiner, regenerativer ist geplant, denn ich hab „Schonwoche“. 😎

      Liebe Grüße
      Anne

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  9. Meine liebe Anne-das ist eine wirklich harte Tour die du da gelaufen bist. Du brauchst nicht mehr zu uns in den Pfälzer Wald zu schauen, du läufst wie ein Bergziege die Berge hoch-Respekt!!
    Ps: Deine Berichte waren schon immer gut, aber gerade in letzter Zeit sind sie noch besser geworden! Großes Kino!

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  10. Eine etwas schneckige Bergziege – eine, die sich durch deine Komplimente sehr geadelt fühlt! Danke! Ob ich anders schreibe als früher? Vielleicht kommt einfach rüber, wie spielerisch und mit welcher Freude ich gerade läuferisch dabei bin! 😉

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  11. Wegen Steigung:
    Das mit Pluwig klappt irgendwie zeiltich nie. 😉
    Normaler Weise geht es über Hockweiler weiter, aber dann ganz über die Höhe an der Straße entlang. Das ist dann eine Runde von ziemlich genau 20 km. Und im Winter (außer im letzten mit den „Schneemassen“) auch größtenteils gestreut.
    Nach Pluwig bin ich mal mit dem Rad RUNTER gefahren. Da hatte ich echt Angst, dass die Bremsen versagen. Entsprechend langsam bin ich es dann angegangen.

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  12. Das Widerlichste an dem Umweg über Pluwig ist (so wenigstens meine Raderfahrung) nicht mal die steile Abfahrt, sondern der Anstieg von Pluwig zurück auf die Korlinger Höhe! Kurz hinter Pluwig ist doch so eine Spitzkehre … wenn ich die hochradeln muss, überholt mich fast jeder Fußgänger.
    Gut zu hören, dass die Straße über die Höhe (einschließlich Verbindung nach Hockweiler) im Winter gestreut wird. Dann hab ich ja schon eine schöne Runde in Aussicht, wenn ich mal wieder lang und hügelig laufen will.

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