Ich gestehe!

Ich gestehe: Als ich um 9 Uhr in voller Laufmontur vor die Haustür trat, habe ich auf dem Absatz wieder kehrt gemacht. Was da gerade an Wasser vom Himmel kam und vom Wind durch die Luft getrieben wurde, war einfach zu viel des Guten. Wenn’s mich unterwegs erwischt hätte – kein Problem, das hätte ich erduldet und vielleicht sogar genossen. Aber bei so einem Gekübel loslaufen? Muss nicht sein.

Darum der Deal: Erst einmal abwaschen! Danach geht’s los, egal, wie stark der Regen ist. In Dreivierteltights und der leichten neongelben Jacke. Die wirklich dichte Regenjacke und -hose sind bei 11 Grad plus keine Option, da viel zu warm – in ihnen entsteht schneller Nässe von innen als sie von außen hineinkommt!

9:20 Uhr – der Regen fällt. Aber längst nicht mehr so intensiv. Also erst einmal der Schlenker durch den Tiergarten, um zu prüfen, wie die Beine sich anfühlen, die nach zwei Ruhetagen eigentlich in der Lage sein sollten, mal wieder was „Langes“ zu laufen. Sie sind. Sie maulen zwar zu Anfang etwas, und Garminchen will den Puls nicht richtig anzeigen. Aber der Puls ist mir nicht so wichtig (solange ich spüre, dass ich einen habe). Und das Gemaule der Beine interpretiere ich als überflüssiges Gequengel. Darum zurück durch die Südstadt und hinunter an die Mosel.

Durch den mal schwächeren, mal stärkeren Regen geht’s bis zu den traurigen Überresten des Kabinenbahn, dann über die Kaiser-Wilhelm-Brücke und am anderen Ufer bis zum Messepark. Auf der Adenauer-Brücke wird der Regen wieder stärker. Und …

… irgendwas macht „Klick“ in mir! Ein breites Grinsen knipst sich an: Jetzt wird vorgeduscht, und zwar gründlich! Eigentlich langt es für heute. Aber den Spaß lasse ich mir nicht nehmen! Wenigstens ein Kilometerchen flussaufwärts Richtung Staustufe geben die Beine noch her, bevor ich mich in St. Medard über die Eisenbahnbrücke und zurück Richtung Mattheis schufte.

Die letzten zwei Kilometer werden zäh, konditionell bin ich an meiner Grenze. Aber jetzt Gehpause zu machen, bringt es auch nicht mehr. Außerdem hab ich kaum noch einen trockenen Faden am Leib und keine Lust zu frieren. Also: Ein Kilometer geht immer noch. Insgesamt 18 km, knapp 2 Stunden … ich gestehe: ein bisschen stolz bin ich schon! Und sehr, sehr froh! 8)

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22 Gedanken zu “Ich gestehe!

  1. Heya, 18 Kilometer, dazu noch ein Bad in der Natur – super – liebe Anne, es geht steil aufwärts, du hast du letzten Kilometer gekämpft, wie es sich gehört für eine Läuferin, Biss, ja, den haben wir, ohne ihn geht nichts.

    Fast zur gleichen Zeit hatte ich ähnliche Bedingungen wie du, nur ziemlich stürmischer, aber das macht Spaß, das stecken wir weg.

    Im Gegensatz zu dir bin ich gleich bei Regen gestartet, der kann mich mal !

    Und jetzt : Advent, Advent, ein Lichtlein brennt – Gemütlichkeit ist angesagt, das Wetter kann machen, was es will !! 8)

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    • @Margitta: Dooooch, so langsam scheint es wieder zu werden! Ich bleibe skeptisch (und vorsichtig – nächste Woche werde ich auf jeden Fall einen Gang zurückfahren), aber ich freue mich riesig, dass sowohl Kondition als auch Biss wieder da sind. 8)
      Mit eurem Sturm konnten unsere kleinen Böen natürlich nicht konkurrieren. 😉 Das Loslaufen im Regen wäre mir nicht so schwer gefallen, wenn es entweder noch wärmer gewesen wäre (dann hätte er nicht gestört) oder deutlich kälter (dann hätte ich „richtige“ Regensachen angezogen wie du und mir hätte die Nässe nichts anhaben können). Aber bei diesen „Zwischentemperaturen musste ich einfach in Kurz laufen – da war mir Regen auf den noch kalten nackten Beinen einfach zu fies und auch zu riskant, von wegen Zerrung und so.
      Plätzchen sind gebacken, Tee gekocht – und heute brennen sogar schon zwei Lichtlein! 8)

      Liebe Grüße
      Anne

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  2. Das war doch ein schönes Geständnis, 18 Kilometer, Respekt. 🙂 Ich hatte heute leider nicht das Vergnügen bei Regen laufen zu dürfen. Der Regen hatte sich vor meiner Runde bei der Winterlaufserie heute verzogen. So war ich eine gerade mal halb so lange Strecke ohne Regen gelaufen und 11° die gibt es hier nicht, hier war es deutlich kühler.

    Ich wünsche noch eine schönen Rest vom 2. Advent. 8)

    Freundliche Grüße
    Bernd

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    • @Bernd: Dankeschön! Du kommst ja richtig auf den Geschmack, was das schnelle Wettkampflaufen angeht! 😉

      Auch dir noch einen gemütlichen Restsonntag – erhol dich gut
      Anne

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  3. Ich zünde ein Feuerwerk! Anne läuft 18 Kilometer! Super. Der letzte Beweis ist erbracht, dass du deinen Leidensweg mit viel Zähigkeit und Zielstrebigkeit überwunden hast. Und dann auch noch dem Sauwetter getrotzt. Du bekommst den Anit-Schweineelch-Orden!

    Genieße den Restsonntag. Du hast es verdient 🙂

    Liebe Grüße
    Rainer

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    • @Rainer: Ich bin noch etwas skeptisch – mal sehen, was die Füße in den nächsten Tagen von sich geben. Und die kommende Woche gestalte ich bewusst ruhiger! Den Orden werde ich mit Stolz tragen – dankeschön! 😆

      Auch dir noch einen schönen Sonntag und liebe Grüße
      Anne

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  4. Aber der Puls ist mir nicht so wichtig (solange ich spüre, dass ich einen habe).

    Meine Vermutung: wenn du ihn irgendwann nicht mehr spürst, wird dir erst recht nicht mehr wichtig sein 😉

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    • @Lizzy: Wer weiß? Vielleicht wird er mir dann sogar ganz besonders wichtig sein – ich habe nur leider keine Gelegenheit mehr, das der Welt kundzutun! 😆

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  5. 18 km? Und ich war noch auf dem Stand von „mal besser, mal schlechter, Hauptsache es geht irgendwie“. Das freut mich total für dich, dass du dem Jammertal entkommen bist. 🙂
    Und Regen macht bei den Temperaturen ja noch fast Spaß. (Bin trotzdem erst gegen Mittag im trockenen los.)
    Und jetzt für jeden km ein Plätzchen…äh, lieber doch nicht.
    Die Wanne tut es auch.
    Liebe Grüße,
    Birthe

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    • @Birthe: Im Grund ist das auch noch der Stand! 😉 Ich trau dem Frieden nicht so recht. Nichtsdestotrotz habe ich in den letzten Wochen den Wochenendlauf sukzessive ausgebaut. So kann ich langsam wohl selbst glauben, dass die Talsohle durchschritten ist. Die Steigerung heute war allerdings deutlich jenseits der „10-Prozent-Regel“ … darum lasse ich es nächste Woche ruhiger angehen.

      Der Regen machte in der Tat Spaß, weil man kein bisschen zu frieren anfing! Hinterher eine heiße Dusche (oder Wanne) und alles ist gut! 8)

      Liebe Grüße
      Anne

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  6. Wow, stehende Ovationen meinerseits! Herzlichen Glückwunsch, dass es wieder so gut bei Dir läuft! 😀

    Irgendwann laufe ich hoffentlich auch solche Strecken. Ich habe heute damit gekämpft meinen Puls unter 150 zu halten, das ist für mich sehr schwierig, aber es ging sogar (außer bei einigen Berganstiegen). Und ich habe auch den Regen abgewartet, nicht mit Abwasch sondern mit Bügeln *bäh* und einem Internetvideo über den Gore-Tex Transalpin Run. Da ich die Berge ja sehr liebe und schon Fernwanderwege über die Alpen gemacht habe, wäre das ein Traum von mir. Und Träume sind ja was schönes 🙂

    Und ich habe herzlich über Lizzys Kommentar lachen müssen, vielleicht sollte ich auch öfter so denken.

    Sag mal, ich glaube bei Dir schneit es im Blog, stimmts? 😉

    Ich wünsch Dir einen schönen Abend, bei mir gibt es jetzt noch ein Täschen Kaffee und einen Stollenstern. Gönnst Du Dir auch noch was leckeres?

    LG Elke

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    • @Elke: Vielen Dank, liebe Elke!
      Solche Strecken wirst du auch laufen, vielleicht früher, als du denkst. Und dann werden deine Träume greifbar!!! 8)

      Ja, hier schneit’s – WordPress macht’s jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit möglich! 🙂

      Ich hab mir auch einen Kaffee und ein paar Versucherle von den selbst gebackenen Plätzchen gegönnt – das habe ich verdient, finde ich! 😉

      Liebe Grüße
      Anne

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  7. 18 km !!! Ich glaube niemand kann im Moment Deinen Stolz besser nachvollziehen als ich. Ich freue mich unendlich mit Dir.

    Was das Loslaufen im Starkregen anbelangt, habe ich mich ja gestern auch gedrückt. Nur mit dem Unterschied, dass ich dann bis auf ein paar nasse Zehen trocken geblieben bin.

    Ich hüpfe mit Dir mal virtuell einen Freudentanz durchs vorweihnachtliche Wohnzimmer!

    Liebe Grüße
    Volker

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    • @Volker: Ja, du als Leidensgenosse weißt, wie toll sich der Fortschritt anfühlt! 🙂 Ich war wirklich vollkommen durch hinterher; die Schuhe stehen jetzt mit Zeitungspapier ausgestopft in der Küche.

      Und für ein Tänzchen gebe ich dir sehr gern die Ehre – nur nicht zu temperamentvoll bitte, die Haxen sind etwas müde! 😆

      Liebe Grüße
      Anne

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    • @Bianca: Danke, liebe Bianca, für’s Mitfreuen! Vor einem halben Jahr wollte ich mir schon ein neues Hobby suchen – und jetzt das! 8)

      Liebe Grüße
      Anne

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  8. RESPEKT!!!!
    FREUDE!!!
    und leider auch Neid, da ich seid 14 Tagen nicht mehr gelaufen bin, Erkältung + Terminen sei Dank.
    Aber du bist mein Leuchtendes Vorbild, das es auch einem „tiefen Tal der Erschöpfung“ wieder nach oben geht!!!

    VG
    Dirk
    P.s. Juckt es nicht mal wieder nen Wetterbewerb zu laufen? 😉

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    • @Dirk: Dankeschön, lieber Dirk! Und gute Besserung! 14 Tage Pause sind ärgerlich. Aber du wirst sehen, wenn die Erkältung weg ist und der Termindruck auch, wirst du die Läufe um so mehr genießen! 8) Wettbewerbe reizen mich gerade gar nicht … die fanatische Wettkampfläuferin war ich eh noch nie, und das hat sich durch die lange Verletzung noch verstärkt. Erst einmal wieder über einen längeren Zeitraum „belastbar“ sein, sprich, über einige Monate meine 30-40 Wochenkilometer beschwerdefrei laufen. Dann werde ich sehen.
      Einzige momentan denkbare Ausnahme: Ich habe bei der Volksfreund-Verlosung von Silvesterlauf-Startplätzen mitgemacht … wenn ich da gewinne, laufe ich auch mit. Aber nicht „volles Rohr“, sondern „angenehm angestrengt“. Und wenn ich nicht gewinne, komme ich nur zum Winken. 8)

      VG,
      Anne

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  9. 18 Kilometer – das ist ja super 🙂 !
    Du bist ja noch bei richtig fiesem Wetter gestartet, Respekt.

    Deine Beschreibung der Eisenbahnbrücke läßt mich nicht in Ruhe. Der Karte entnehme ich, daß es nicht die Konzer Brücke ist. Aber wo bitteschön ist zwischen der Adenauer-Brücke und der Konzer Brücke noch eine?

    Aber heute ist Ruhetag, oder?

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  10. @Ralph: Gestartet bin ich gar nicht mal bei so nassem Wetter – „fies“ wurde es unterwegs. Und ich habe es genossen. 8)

    Sprachlich war ich schlampig. 😉 Mit „Eisenbahnbrücke“ meinte ich eine Brücke über die Eisenbahngleise in St. Medard, die nur fußgänger- und radlertauglich ist! Eine ganz kurze Rampe, die aber in den Beinen wehtut, wenn keine Kraft mehr in ihnen ist.

    Heute ist definitiv Ruhetag. Morgen abend nach der Arbeit geht’s voraussichtlich wieder los!

    Liebe Grüße
    Anne

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  11. 18. Nicht nur eine Zahl. Zur Verdeutlichung noch einmal wie auf dem Scheckvordruck: „Kilometer in Worten: Achtzehn“. Für den geübten Langstreckenläufer eine Kurzversion aus der Kategorie „Langer Lauf“. Für eine Weinbergschnecke eine halbe Weltreise. Für DIESE Weinbergschnecke 2011 eine WELT! 🙂 🙂

    Was habe ich mitgelitten, mitgefiebert, wenn ich in diesem Frühjahr und Sommer las, wie schlimm es um Deine sogenannten „Fortschritte“ stand, die Dich doch eher zu Stillstand und immer wieder auch zu Rückschritten zwangen. Aussichtslos, hoffnungslos, trostlos. Von der Suche nach alternativen Sportarten war gar die Rede. Die längsten möglichen Strecken führten zu den diversen Ärzten und Physiotherapeuten. Und das Ergebnis war stets das gleiche: Nichts geht mehr… 😦

    Schluss damit! Was mit einem bis zwei Kilometer schnellem Gehen und langsamem Traben begann, was von ängstlichem Lauschen auf jedes stöhnende Echo der Gehwerkzeuge begleitet wurde, was mit äußerst disziplinierter Vor- und Nachbereitung jeder noch so kleinen Laufeinheit gestaltet und aufgebaut wurde, das hast Du jetzt ernten dürften.
    Ein unermüdlicher Schneckenlauf bei Sauwetter führt zu tierischem Vergnügen – wenn DAS nicht die Nachricht des Tages ist, dann weiß ich auch nicht weiter.

    Herzlichen Glückwunsch zu Deiner Disziplin, Deiner Geduld, Deiner Zähigkeit, Deinem Durchhaltevermögen … all dem, was hinter dem schnöden Wort AUSDAUER steckt.

    Da bist Du mir jetzt voraus. Aber Deine Leistung steckt an, macht Mut. Ich bin begeistert. 🙂

    Peter

    P.S.: Diesen Blick von dieser Brücke haben wir in diesem Jahr schon desöfteren genießen dürfen, stimmt’s? Und selbst bei ekligem Mistwetter gelingt Dir jetzt ein kleines Kunstwerk. Toll!

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    • @Peter: Jaaaaa, das ist in der Tat eine Welt, dieses Läufchen von 18 Kilometern! Ich bin noch viel zu misstrauisch gegenüber meinen läuferischen Fortschritten, um das Erlebnis so mitreißend, freudig und enthusiastisch zu kommentieren wie du es tust. Aber ich freue mich trotzdem ganz still – genauso wie über deine sprachlich so gekonnt verpackten und spürbar von Herzen kommenden Glückwünsche!
      Den Brückenblick gab es tatsächlich des Öfteren – meist allerdings bei deutlich schönerem Wetter! 8)

      Liebe Grüße
      Anne

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