Käuzchenrufe

Das Schwierigste an einem Abendlauf nach einem langen Arbeitstag ist das Umziehen! Wenn der Weg an den Schrank erst einmal geschafft und die Laufmontur angezogen ist, beginnt die Lustlosigkeit zu verfliegen.
Vor der Haustür mischt sich Rauchgeruch von Ofenfeuern mit dem des verrottenden Laubes. Kein Schnee in der Luft, aber trotz 5 Grad plus eine Vorahnung der eisigen Jahreszeit.
Die ersten Schritte staksig, schlurfig, unrund. Den Verkehr hinter mir lassen, durch die ruhige Wohnstraße, hinein in die Parkanlage.
Sofort nimmt mich die Atmosphäre am oberen Weiher gefangen, ich bleibe stehen, schalte die Stirnlampe aus und genieße: Die schmale, hinter feinen Wolkenschleiern fast konturlose Mondsichel spiegelt sich im Wasser. Eine Ente macht sich durch leises Plätschern und ein kurzes Quäken bemerkbar. Die Blätter der Trauerweiden bewegen sich leicht im schwachen Wind. Vom anderen Ufer klingen die Rufe eines einsamen Käuzchens herüber. Und seine Rufe begleiten meinen Weg durch das Dunkel. Für genau solche Momente laufe ich!

… und wehe, jetzt schreibt einer: Beim Spazierengehen kannst du das doch auch haben! 😉

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18 Gedanken zu “Käuzchenrufe

  1. @Volker: Theoretisch ja! Praktisch unwahrscheinlich, da ich langsamer spazierengehe als laufe und vermutlich nicht den Weg zu den Weihern genommen hätte, sondern irgendwo in käuzchenfreier Umgebung herumspaziert wäre! 😉

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  2. Liebe Anne,

    das hast Du sehr schön beschrieben, obwohl ich die Überwindung zum Umziehen schon seit geraumer Zeit nicht mehr kenne, der Trick ist, einfach von der Arbeit heim zu laufen, da hat man keine Wahl und es zieht einen sowieso nach Hause.
    Und beim spazieren Gehen hast Du das definitiv nicht, da erreichst Du nicht diese innere Ruhe, das geht gar nicht 😉

    Salut

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  3. Lieber Christian,
    ja – normalerweise starte auch ich direkt vom Büro aus und das fällt mir relativ leicht! Gestern ging das leider nicht, weil ich für den heutigen „Home Office-Tag“ Unterlagen mitnehmen musste – mit zwei Leitz-Ordnern im Gepäck läuft es sich irgendwie unangenehm! 😉

    Und so entspannend und erholsam wie ein Lauf ist das Spazierengehen auf keinen Fall! 8)

    Liebe Grüße
    Anne

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  4. Und genau für solche Momente lohnt es sich, zu überwinden und das zu genießen, was du so schön in Worte verpackt hast – wir alle können es nachvollziehen.

    Spazieren gehen mag ich nicht, ist mir zu langweilig – viel zu langweilig ! 🙄

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  5. Wunderschön von dir beschrieben diese Stimmung 🙂 ! Genau das macht den Reiz der Winterläufe aus. Vielleicht haben wir in den kommenden zwei Wochen Glück und dürfen öfter bei Mondlicht laufen 8) .

    Und ich stimme dir zu: beim Spazierengehen empfindet man diesen Zauber weit weniger als beim Laufen.
    lG
    Ralph

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  6. Ich kann die Natur beim Spazierengehen ehrlich gesagt genauso geniessen, vielleicht sogar ein bisserl mehr, da ich dann noch genauer hinschaue.
    Allerdings ist „Zufriedenheitsgefühl“ danach lange nicht so gut und schön wie nach dem Laufen. Das hängt wohl einfach von der Bewegungsintensität ab. Da wären wir dann wieder beim Thema Dampf ablassen 😉

    LG Elke

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  7. @Margitta: Genau, die Überwindung lohnt sich! Das weiß wohl jede/r Läufer/in! 8)
    Ich mag manchmal auch das Spazierengehen, aber dann ist es meist mit irgendwelchen weiteren Zielen verbunden (etwas mehr zu fotografieren zum Beispiel, Früchte zu sammeln o.ä.). Ober der Unterhaltung mit Menschen, die nicht mit mir laufen können oder wollen! 😉

    Liebe Grüße
    Anne

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  8. @Ralph: Du als erfahrener Nachtläufer und Sterndeuter weißt diese Atmosphäre natürlich auch zu schätzen. Um auf die Lampe zu verzichten, war der Mond noch nicht hell genug … aber das wird ja in den nächsten Wochen! 8)

    Liebe Grüße
    Anne

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  9. @Elke: Das Naturerleben ist beim Laufen und Spazierengehen einfach unterschiedlich, wie ich oben schon schrieb. Ich mag auch beides, je nach Ziel und Stimmung.
    Gestern war kein Auspowern und Dampfablassen angesagt, sondern ein ruhiger, entspannter und entspannender Lauf. Genug, um den Körper intensiver zu spüren, nicht so viel, dass ich davon kaputt oder überaktiviert war … gewnau richtig eben! 8)

    Liebe Grüße
    Anne

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  10. …ein ruher, entspannter und entspannender Lauf… hast Du geschrieben.

    Anne, darf ich Dich fragen, in was für einem Pulsbereich Du da läufst?

    Ich bin nämlich gerade ziemlich verunsichert, ja und auch etwas gefrustet. Laut meinem Trainingsplan sollte ich sämtliche Einheiten bisher in einem Pulsbereich von bei mir errechneten 138 Schlägen laufen (GA1 70-75%). Da laufe ich aber nicht mehr, da müsste ich Walken und Laufen abwechseln. Meine Durchschnittswerte liegen immer bei plus/minus 155. Da kann ich auch gut reden, schwieriger wird es ab 160 (kommt vor, wenn es den Berg hoch geht oder ich richtig „Gas“ gebe). Während die eine Lauftrainerin das nicht so schlimm findet, meinte die Andere, dass ich so meine Grundlagenausdauer nicht verbessern kann und somit nie schneller werde und auf der Stelle trete. So und nun? Wenn sie recht hat, müsste ich den Laufkurs aufhören, was mir richtig leid täte.

    Ich weiß nicht wen ich sonst frage könnte und mein Freund hat nur gemeint, wenn es Dich frustet, dann hör halt auf zu laufen. Das möchte ich natürlich nicht, ich möchte nur alles richtig machen.

    LG Elke

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  11. @Elke: Ruhig und entspannt liegt bei mir so um die 75% (ca. 72-78%), das entspricht einem Puls von 140-150 ungefähr. Wenn ich regenerativ laufe oder ganz lange Läufe mache (ich müsste für beides wohl in der Vergangenheit reden, weil ich beides noch nicht wieder kann), kommen auch mal (wenigstens auf den ersten Kilometern) deutlich weniger als 140 im Schnitt raus, so 133-135 etwa.

    Was dich angeht: Wo kommen denn die „errechneten Werte“ her? Habt ihr einen Maximalpulstest gemacht. Alle anderen Bestimmungsmethoden – vor allem die Altersformel!!! – sind nämlich viel zu ungenau. Nach der Altersformel (220-Alter=Maximalpuls) wäre mein Maximalpuls bei 176 – in Wahrheit liegt er aber bei 191, d.h. 15 Schläge höher! Wenn ich mich nach der Formel richten würde, dann würde ich mich zu Tode schonen.

    Mit anderen Worten: Erstens „darfst“ du möglicherweise eh schneller, weil deine Hf-max höher ist. Zweitens halte ich 70-75% für zu niedrig – es sollten für Läufe zur Förderung der Ausdauer nicht gerade 85% sein, aber 75-80% sind gerade für eine Anfängerin völlig ok. Und drittens ist die „Ich kann noch reden“-Regel m.E. besser als jede Pulsuhr.

    Lass dich also von Trainerin 2 nicht verrückt machen und lauf so, dass es sich für dich gut anfühlt. Du sollst Spaß beim Laufen haben – das ist das Allerallerwichtigste! Und du machst definitiv alles richtig, wenn du beim entspannten bis lockeren Laufen noch in zusammenhängenden Sätzen sprechen kannst und dich unterwegs nicht unangenehm angestrengt und hinterher nicht völlig platt fühlst!

    Liebe Grüße und Kopf hoch … und bloß nicht aufhören mit dem Laufen, nur weil eine Trainerin Dinge erzählt, die so nicht richtig sind! 8)

    Anne

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  12. Vielen Dank für Deine ausführliche Antwort! 🙂

    Der Maximalpuls wurde nach der Altersformel errechnet (226-42) somit 184. Und ich laufe eben momentan mit eher 85% = 156 und da kann ich noch gut reden, laufe locker und habe auch meinen Spaß. Klar habe ich auch Tage wo die Beine nicht so wollen und es schwerer geht. Mal sehen, ob ich irgendwie diesen Puls runter bekommen kann. Mit 140 Schlägen, so wie Du, laufen zu können wäre für mich ein Traum. Interessanterweise schaffe ich selbst beim strammen Bergaufradfahren kaum mal 135 und beim Walken kaum mal 120.

    Passenderweise las ich gestern dann auch noch einen Blog einer Frau, die seit gerade mal 4 Monaten läuft, gute 20 kg Übergewicht hat und 10 km-Läufe in gerade mal 54 Minuten absolviert. Ich gönne es ihr von Herzen und frag mich aber warum das bei mir (ohne Übergewicht) nicht klappt.

    Naja, vielleicht habe ich nicht so viel Talent, aber aufhören werde ich deswegen trotzdem nicht. Wie habe ich kürzlich auf einem T-Shirt gelesen: Auch Schnecken machen Strecke 😉

    Nochmals lieben Dank!

    LG Elke

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  13. @Elke: Wie gesagt – die Formel ist Unsinn! Es kann sein, dass dein wirklicher Maximalpuls einige Schläge höher liegt! Oder dass du eben schon bei geringer Laufbelastung einen hohen Puls hast – so what! Mit niedrigem Puls zu laufen ist für sich genommen kein „Qualitätsmerkmal“ – entscheidend ist, dass du dich wohlfühlst beim Laufen und Spaß hast!!!

    Liebe Grüße
    Anne

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  14. Es ist schade, dass dieser ganze „Pulsformelunsinn“ immer noch verbreitet wird. Gerade Anfänger werden dadurch doch sowas von verunsichert.
    Aber zurück zum eigentlichen Posttitel!
    Im moment laufen wir ja unter der Woche nur in der Stadt und da hört man kein Keuzchen nur ab und zu springt ein Hund unerwartet an den Zaun und lässt den Puls springen. Aber du hast wieder einmal beschrieben welche Vorteiel das Laufen für uns hat und was Stubenhocker alles nicht erleben dürfen.

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  15. @Martin: Ja, in der Stadt hört man leider nur Autos und ab und an ein wildgewordenes Haustier. 😦 Trotzdem: Auch dort lässt sich laufen … ich kann es nicht nachvollziehen, dass manche Menschen grundsätzlich mit dem Auto zu ihren Laufstrecken fahren.
    Aber ich habe ja auch gut reden … Ich bin froh, dass ich am Stadtrand wohne und auch der Weg von der Uni heim z.T. durch Wiesen und Weinberge führt. Und so ein kleiner Park in Wohnungsnähe ist auch Gold wert! 8)

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