Umweltsau

Am Ende eines etwas unrhythmischen Laufs im Nebelgrau: Ein schwarzes Riesenauto zieht an Frau Weinbergschnecke vorbei, so ein richtiges Monstrum à la SUV. Es hält am Straßenrand, direkt vor dem Eingang der Bäckerei. Der Fahrer steigt aus: In voller Laufmontur, schicke Schuhe, hochwertige Markenkleidung, alles vom Feinsten. Und latscht in die Bäckerei. Den Motor lässt er laufen!

Drinnen wird erst einmal in aller Ruhe die Zeitung ausgewählt, dann die Brötchenbestellung aufgegeben: Von diesen zwei, jenes einmal, ach nein, zweimal. Und bezahlen, ach ja, wie viel, und stimmt das auch?

Ich kann meine Klappe nicht halten. Katzenfreundlich lächle ich ihn an: „Sagen Sie, ist der Anlasser an Ihrem Auto kaputt?“ – Kurzes Zögern, er versucht offenbar zu verstehen, dann ein motzig-bockiges „JA!“. Habe ich Lust, mich zu streiten und mir damit die Laune zu versauen? Nein! Lasse mir meine Brötchen geben – er verhandelt immer noch – und verlasse mit einem fröhlichen „Viel Spaß noch beim Umweltversauen! Tschöö-hö!“ den Laden.

Eine halbe Minute später braust ein schwarzes SUV mit Vollgas und quietschenden Reifen an mir vorbei. Ein bisschen beleidigt war sie wohl, die Umweltsau. Behaupte mir nie wieder jemand, Läufer seien grundsätzlich bessere Menschen!

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27 Gedanken zu “Umweltsau

  1. Gut gemacht, liebe Anne, Du hast den Mund nicht gehalten. Hätte ich genauso gemacht 🙂

    Bei solchen Menschen ist Hopfen und Malz verlorgen, Die müssen sich nur von offenen Feuer fernhalten, damit das Stroh im Kopf nicht anfängt zu brennen. Die Laufklamotten hat er wohl, genauso wie das Auto, nur fürs Ego und die Nachbarn Wahrscheinlich haben die Klamotten noch nie einen Schweißfleck 😉

    Geniess den Sonntag, Du warst ja schon fleißig laufen *neid+

    Liebe Grüße
    Volker

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    • @Volker: Ja, bei solchen Typen hilft gar nichts! Darum hab ich mir auch nicht die Mühe gemacht, mir etwas „pädagogisch Wertvolles“ zu überlegen, sondern ihn einfach angemacht. 8)
      Joahh, ich war laufen, nicht so weit wie ich beim Loslaufen vorhatte, aber dafür zwischendurch mal ein wenig schneller. Hat nur die Sonne gefehlt, die erst so gegen 13 Uhr rauskam.

      Liebe Grüße, auch dir einen schönen Sonntag
      Anne

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  2. Ich dachte, solche superteure Monsterschlitten haben inzwischen eine Start-Stop-Automatik. Daran hat dieser Mensch wohl gespart.
    Du hast natürlich recht: Nicht jeder ist gleich ein guter Mensch, nur weil er läuft. Es ist für viele aber der Beginn zu einem Umdenken, zumindest beim Blick auf die Umwelt.

    Dir einen entspannte(re)n Restsonntag

    Liee Grüße aus der Redaktion 😦
    Rainer 8)

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    • @Rainer: Na, ob bei der Type noch ein Umdenken einsetzt? Aber man soll ja nie aufhören, an das Gute im Menschen zu glauben. 😆

      Liebe Grüße, halt dich tapfer (auch wenn du leider einen milden und sonnigen Spätherbsttag im Freien verpasst – falls es dich tröstet: ich muss jetzt auch noch arbeiten)

      Anne

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  3. JA,liebe Anne, alles richtig gemacht, schade dass ich nicht auch dabei war, wir hätten ihm die Karre weggefahren !! 😉

    Das was du hier beschreibst, erlebt man leider jeden Tag von gedankenlosen Umweltschweinen, und es ist richtig, wenn wir uns – so wie du – dagegen wehren, ob es nutzt, ist eine andere Frage, aber unseren Ärger haben wir kund getan.

    So hat mich heute morgen ein Raucher auf dem Heimweg angeblasen, und auch ich konnte nicht schweigen ! 🙄

    Genieße den Sonntag und lass‘ dich durch nix und niemanden ärgern ! 8)

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    • @Margitta: 😆 Ich hätte ihm ja auch am liebsten den Schlüssel geklaut! Ich bin zu brav für diese Welt … aber wir beide zusammen … 😉
      Es nützt nichts, was das Verhalten solcher Schweine angeht, aber es ist gut für mein inneres Gleichgewicht, den Mund aufzumachen. 8) Den Raucher hätte ich vermutlich auch angepampt!

      Trotzdem: Das Laufen und den wunderschönen Sonntag lassen wir uns nicht vermiesen!

      Liebe Grüße
      Anne

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  4. Behaupte mir nie wieder jemand, Läufer seien grundsätzlich bessere Menschen!

    Jetzt sag‘ bloß, so einen Quatsch hat schonmal jemand behauptet? 😉 Und dann auch noch „grundsätzlich“? *harhar*

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    • @Lizzy: Oh doch, diese Meinung hab ich schon gelesen … in anderer Formulierung zwar („Natürlich haben wir uns toll verstanden, sind ja alle Läufer“ etc.), aber doch so, als mache allein die Tatsache, dass jemand läuft, ihn besonders sympathisch. Der Typ war ein krasses Gegenbeispiel! 8)

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  5. Naja, „sympathisch“ und „besserer Mensch“ ist für mich nicht zwingend ein Synonym. Wobei man natürlich erstmal wieder Vokabeldefiniererei betreiben müsste um abzugrenzen, was mit „besser“ gemeint ist: besser zum Aussager passend, moralisch höherwertig, intelligenter …. ?

    Weil: näher fühlt man sich natürlich oft denen, die ähnlich gestrickt sind – möglichst viele gemeinsame Interessen haben, gleiche Anzahl oder Intensität an Macken … 😀 Aber nicht jeder hält sich automatisch empfindet die eigene Linie auch gleich als „besser“ (manche schon – diejenigen finde ich tendenziell schlechter. Um das mal gänzlich durcheinanderzuwerfen *g* Oder sagen wir: sie sind meinen eigenen Empfindungsstrukturen so fern, dass es meist nicht sonderlich harmoniert 😉

    Das mit dem „besser“ und „schlechter“ is ja eh so eine Sache für sich …. aber das wäre romanverdächtig

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    • @Lizzy: Ich verwende „besser“, um allgemein eine positive Wertung auszudrücken (sympathisch, nett, angenehm, von mir mit einer positiven Einstellung betrachtet) und nicht im moralischen Sinne. Aber ersetze in meinem Blogbeitrag „besser“ durch „netter“, wenn’s dir damit „besser“ geht! 8) Ich schreib das Zeug einfach so runter, da nehme ich nicht immer Rücksicht auf die feinen Nuancen, die uns in der deutschen Sprache zur Verfügung stehen … und individuelle Semantiken aller LeserInnen zu berücksichtigen, überfordert mich komplett! 😉

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  6. So klasse geschrieben ! Und ich hätte dich gerne gesehen als du nach dem Anlasser gefragt hast ! Auf die Frage wäre ich gar nicht gekommen. Aber dieser Läufer muss ne Ausnahme gewesen sein-es kann gar nicht anders sein

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    • @Martin: Danke! Das Gesicht des Typen, als er versucht hat zu verstehen, was ich ihm sagen will, war echt Gold wert. 😆
      Vielleicht stimmt ja, was Volker vermutete – der Typ ist eigentlich gar kein Läufer! 😉

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  7. Da hast du aber ein exemplar der Umweltsau getroffen, das sämtliche Vorurteile bedient ;-o !
    Aber alles richtig gemacht. Auch wenn Hopfen und Malz bei solchen Typen verloren ist.

    Von so jemanden die gute Laune verderben lassen geht gar nicht!
    lG
    Ralph

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    • @Ralph: Tja, der Typ war eine regelrechte Karrikatur! 😆 So jemanden kann man vera###en, aber sich durch ihn die Laune verhageln lassen? Das ist er nicht wert.

      LG,
      Anne

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  8. Ich frage mich dann immer an was so ein Verhalten liegt? Gedankenlosigkeit ohne böse Absicht? Oder ein „ist-doch-mir-Wurst-Gefühl“, der Planet wird schon noch halten solange ich lebe? Auf jeden Fall gibt es wenig Menschen, die mit Kritik umgehen können, denn sonst wäre doch die Reaktion eine andere gewesen.
    Ich beobachte bei meiner Nachbarschaft oft, dass die 200 m zum Bäcker oder Dönerladen mit dem Auto gefahren werden. Ich kann das nicht verstehen. Manchmal stelle ich mir vor wie schön es wäre, wenn in unserer Stadt nur derjenige Auto fahren würde, bei dem es wirklich nicht anders geht (z.B. alt, behindert oder schwere Ladung). Um wieviel schöner wären unsere Städte? 🙂

    LG Elke

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    • @Elke: Tja, wenn ich das wüsste. „Hauptsache mir geht’s gut“ könnte auch ein typischer Gedanke sein. 😦
      Naja, über kurz oder lang wird sich das mit den SUVs hoffentlich erledigt haben. Oder gibt es die inzwischen in der energiesparenden Elektro- oder Hybrid-Variante?

      LG,
      Anne (Bus- und Radfahrerin)

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  9. Hmpf…. Das sind Berichte der Art, die meine Tageslaune nicht grad fördern. Auf jeden Fall hat die Umweltsau eine alte Karre, sonst hätte er nämlich – wie schon oben gesagt- eine Start-Stop-Automatik. Wie auch immer, ich lob mir grad, mein Laufgebiet in einer Gegend zu haben, wo es kaum grosse Parkplätze und schon gar keine Bäckereien, die am Sonntag geöffnet haben. Besser ist das 🙂
    Mit vielen lieben Grüssen, Marianne

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    • @Marianne: Auf die Parkplätze kann ich auch sehr gut verzichten. Auf die Bäckereien mit Sonntagsöffnung dagegen nur ungern! 😆

      Ganz liebe Grüße zurück,
      Anne

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  10. Wer weiß wo und wie dieser Läufer mit der tollen Kleidung gelaufen ist. Vielleicht hat der ja im Wagen noch die Stöcke drin liegen gehabt. Die sind nämlich oft mit der tollsten Kleidung ausgestattet und reißen dann schön den Mund auf wenn sie von Läufern überholt werden. So wie ich das heute erlebt habe. Vielleicht ist es so wie Volker bereits geschrieben hat: die Klamotten haben vielleicht keinen einzigen Schweißfleck. Mir würde das ebenfalls nicht die Laune verderben.

    Freundliche Grüße
    Bernd

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  11. Da ich mich wirklich gar nicht für Autos interessiere, habe ich ehrlich gesagt gar keine Ahnung was ein SUV ist, Anne 😀

    So ganz erschliesst sich mir allerdings nicht der Zusammenhang zwischen Umweltsündern und Walkern (oder wie Ihr sagt Stockenten) *grübel*.

    Und da ich heute wohl meinen mutigen Tag habe, traue ich mich zu sagen, dass ich selber Walkingstöcke besitze und sie sogar öfters gerne benütze (gerade auch weil mein Freund mit Laufen so gar nichts anfangen kann). Wenn man einen Kurs gemacht hat und weiß wie es richtig geht, kann man sogar ordentlich „Gas“ geben. Ich weiß, dass dies wohl unter Läufern ein „No-Go“ ist und hoffe auf Toleranz und keine Steinigung 😉

    Viele Grüße Elke, die schon mal in Deckung geht…

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  12. @Elke: Du musst nicht in Deckung gehen. Ich habe meinen Einstieg ins Laufen über das Stockenteln gemacht. 8) Grundsätzlich hab ich nichts gegen sie, nur wenn sie schnattern und den Weg versperren, sind sie eine Belästigung für uns LäuferInnen – darin liegt die Gemeinsamkeit mit den Sport Utility Vehicles (SUV), also diese überdimensionierten Karren mit Typen drin, die beim Brötchenholen den Motor laufen lassen und deren uralter Schlitten noch keine Start-Stop-Automatik hat. 😆

    Liebe Grüße
    Anne

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  13. Puh, nochmal Glück gehabt 😉

    Und ich weiss, was Du meinst: „Nordic-Tratsching“. Diese Art von „Sportlerinnen“ hat noch viel zu viel Luft zum Reden und weicht keinen Millimeter von ihrer Spur ab. Genauso nett finde ich auch, wenn junge Mütter mit Kinderwägen, zu zweit oder dritt nebeneinander, jeden Gegenverkehr in die Botanik oder auf die Straße treiben. Oder Hundebesitzer/innen, die es toll und furchtbar witzig finden, dass ihre „Fußhupen“ (interessanterweise machen große Hunde ganz selten Ärger), knurrend und kläffend zwischen Läuferbeine oder Fahrradreifen wuseln. Aber wehe man würde etwas sagen, der Vorwurf kinder- oder tierfeindlich zu sein wäre einem gewiss. Oder Mountainbikefahrer, die an unübersichtlichen Stellen um die Ecke geschossen kommen und einen fast über den Haufen fahren, erschrocken kucken, getreu dem Motto: Ups, es gibt noch andere Menschen auf dieser Welt. Oder…. 😉 Nein, genug geschimpft für heute 😀

    LG Elke

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  14. @Elke: Genau! Genug geschimpft! Heute war’s beim Laufen kalt und dunkel – ab plus drei Grad abwärts geht keine Stockente mehr vor die Tür! 😆

    LG,
    Anne

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  15. Es gibt echt immer überall ein paar Rüpel, und da kann ich nur sagen, konsequent dagegenhalten und den Mund aufmachen! Alles andere bestätigt diese Leute nur in ihrem Verhalten – ob bewußt oder unbewußt. Daß es tatsächlich auch mal was bewirkt, hab ich gesehen, als ein Kollege, der mich immer den ganzen Tag vollgeraucht hat, daß ich selbst wie ein Aschenbecher stank, auf Dampfzigaretten umgestiegen ist: siehe! 🙂
    Es geht also doch, nur muß man das manchmal den Leuten auch ziemlich unverblümt unter die Nase reiben. Jetzt richt’s immer nach Vanille, das ist doch echt mal ein Fortschritt.

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    • @Rudolf: Ja, inzwischen hab ich mir auch angewöhnt, meine Meinung zu sagen, wenn mich jemand derart belästigt. Rauchen in Gegenwart von Nichtrauchern (zu denen ich gehören) st auch so ein „Geht gar nicht“, bei dem ich den Mund aufmache. 8)

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