Im Gefühl

„Eine Hausfrau hat das im Gefühl!“, behauptet die Loriotsche Protagonistin und meint damit das richtige Timing beim Kochen des Frühstückseis. Und eine Kompetenz, die für Hausfrauen nützlich ist, kann auch Läuferinnen nicht schaden. NEEEEIN, nicht die Fähigkeit zum Eierkochen. Zeit- und Tempogefühl meine ich!

Seit ich mit meinem Garminchen laufe – immerhin schon über vier Jahre! – , habe ich die blöde Angewohnheit entwickelt, während des Laufens immer wieder auf seiner Anzeige nachzugucken, wie weit, wie schnell und mit welchem Puls ich unterwegs bin. Nicht dass ich mir von dem Gerät Vorschriften machen ließe – meistens laufe ich unabhängig von den Daten weiter, wie ich gerade mag (von den Phasen meines Läuferinnenlebens mal abgesehen, in denen ich mich an strikten Trainingsplänen orientiert habe).

Trotzdem denke ich manchmal, ich bin Sklavin meiner Uhr. Das merke ich vor allem daran, dass ich mich in den ganz seltenen Fällen, in denen sie mal wegen leeren Akkus daheim bleiben musste, regelrecht „nackt“ fühlte. Gleichzeitig hat so ein Gerät aber auch viel Gutes: Es macht zum Beispiel einfach Spaß, sich die Daten hinterher anzuschauen und verschiedene Läufe zu vergleichen! Missen möchte ich sie also auf gar keinen Fall.

59:54 - Blick nach vorn

Daher heute der nahe liegende Kompromiss: Die Uhr darf mit – aber das Draufschauen gewöhne ich mir endlich ab! Stattdessen wird nach Gefühl gelaufen.Ich lasse mich einfach so durch das Tal treiben, wie Beine, Herz, Lunge, Kopf und Rest des Körpers es für richtig halten, ohne Blick auf den „Brotkasten“ an meinem Handgelenk. Schwimme einfach mit in einem Läufer-, Walker- und Spaziergängerstrom, der den wunderbaren Sonntagvormittag zum Sauerstofftanken nutzt. 10 Grad im Schatten, in der Sonne deutlich mehr. Leuchtend blauer Himmel, dazu das Gold-Gelb-Grün des Frühherbstes – Futter für die Seele!

Irgendwann der Gedanke: Hmmm, wie weit magst du unterwegs sein? Die Strecke kenne ich ganz gut –  9 Kilometer, ein wenig mehr vielleicht. Aber wie lange? Hmmmm, eine Stunde könnte hinkommen. Blick auf die Uhr: 59:54 Minuten, 9.17 Kilometer. Ich sag’s doch: Eine Läuferin hat das im Gefühl! 😆

59:54 - Blick zurück

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20 Gedanken zu “Im Gefühl

  1. Die Frau hat sowieso alles im Gefühl, nicht nur im Laufgefühl – oder was ?

    Aber du hast Recht, man sieht zu oft auf die Uhr, da schließe ich mich nicht aus, jetzt schon gar nicht, wo ich ein ganz neues Spielzeug haben. Dennoch es geht mir wie dir, man entwickelt im Laufe der Jahre ein gutes Gefühl, wo und wie es langgeht, man kennt seinen Atem, die Strecke sowieso, und dann wundert es mich auch nicht, wenn du einen Volltreffer landest.

    Nee, vermissen möchte ich das Spielzeug nicht, es gehört zu mir, lange genug musste ich ohne unterwegs sein – und seitdem möchte ich es nicht mehr hergeben und immer mal wieder gucken, jetzt mit Touchscreen und ohne Brotkorb (!), schöne Spielerei.

    Wie ich an den Fotos erkennen kann, überall schönes Herbstwetter – super !! 8)

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  2. Ganz schön flott für’n „einfach mal so durch die Pampa lauf“-Läufchen! – meine liebe Schnecke! (Schnecke? nee – dann ja eher nicht …) Ob mit oder ohne Gefühl für die Garzeit der Beine und Füße. Was sagen sie denn eigentlich dazu, die warm gekochten … äh .. gelaufenen Füße zum flotten getreten Werden?

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  3. Du sprichst mir aus der Seele, immer wieder guckt man auf das Ding, ist statistik verliebt, braucht die Zahlen unbedingt fürs Lauftagebuch. Aber zum Glück habe ich es mir auch schon vor langer Zeit abgewöhnt, meinen Lauftempo oder Puls nur aufgrund der Uhrdaten zu verändern.

    Missen möchte ich die Uhr wirklich nicht, die Messung der Streckenlänge finde ich genial, gerade wenn man mal auf unbekannten Terrain unterwegs ist. Wie ging das früher bloß ohne???

    LG Volker

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  4. Apropos Gefühl, es gibt vielleicht auch Männer die es im Gefühl haben. Gestern hatte ich beim Laufen jedenfalls so einen Eindruck gehabt. Mein Körper scheint auch ohne Uhr zu wissen wann er 10 Kilometer geschafft hat und genau ab der Stelle wurde mir fast übel so das ich gehen musste und sofort fühlte ich mich wieder wohl. Das war genau da passiert wo die Uhr 10 Kilometer angezeigt hatte ohne das ich auf die Uhr geschaut hatte.

    Für eine Schnecke bist Du jedenfalls zu schnell. 🙂

    Freundliche Grüße
    Bernd

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  5. @Margitta: Bei so einem schicken neuen Spielzeug ist es nur zu verständlich, dass du immer wieder einen Blick riskierst. 😉 Wir „bräuchten“ es nicht – aber was brauchen wir schon? Es ist einfach schön, es zu haben. Als Ergänzung für unser Gefühl, nicht als Ersatz. Und als „externes Gedächtnis“ … es macht einfach Spaß, mal in alten Aufzeichnungen zu „blättern“. Sehr schönes Wetter. Jetzt zieht es sich allerdings zu.

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  6. @Lizzy: Ja, nach den Grundprinzipien der Trainingslehre war ich wohl für eine Schnecke viel zu schnell. aber es fühlte sich heute richtig gut an, locker bis „angenehm angestrengt“, nie wirklich schwer. Gute Beine gehabt, würde der Profi sagen! 8)

    Die Füße brennen manchmal nach dem Lauf oder am nächsten Tag etwas, aber sie werden dann gekühlt und dadurch ist es schnell wieder gut. Beim Laufen hab ich keine Beschwerden. Momentan bin ich voller Hoffnung. Aber auch vorsichtig.

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  7. @Volker: Ich denke auch, es kommt darauf an, wie man die Uhr verwendet. Ich werde jetzt öfter mal ganz bewusst den Blick auf die Uhr unterdrücken, denn unterschwellig lasse ich mich doch von den Infos über Tempo und Puls beeinflussen, wenn ich sie mal gesehen habe. Aber die Dokumentation der Streckenlängen und der anderen Daten macht auch mir so viel Spaß, dass ich nicht mehr „ohne“ laufen will. 8)

    Liebe Grüße
    Anne

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  8. @Bernd: Auch Männer haben es im Gefühl, klar … vom Eierkochen vielleicht mal abgesehen! 😉

    Aber Übelkeit nach 10 km? Fies! Sabotiert dein Magen öfter mal deine Versuche, längere Strecken zu laufen? 😦

    Was das Tempo angeht: Sorry … einfach so passiert. Normalerweise bin ich ca. 15-20 Sekunden langsamer. 8)

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  9. Das kenne ich nur zu gut. Da wird immerwieder ein Seitenblick gewagt. Schrecklich!!!
    Zur Zeit habe ich aber auf den Datenfeldern nur folgendes: Uhrzeit, Strecke, Zeit.
    Meistens lasse ich mir die gelaufene Strecke anzeigen. Mehr nicht.
    Und dann laufe ich einfach so lange, wie ich Lust und Zeit habe. Da ich zur Zeit oft im Dorf unterwegs bin, habe ich dann für die Uhrzeit immer mal wieder die Kirchturmuhr im Blick.
    Wenn ich nur ein bestimmtes Zeitfenster habe, dann laufe ich ganz gerne Pendelstrecken. Halbe Zeit hin und dann zurück. Schön simpel.
    Nach Puls laufe ich schon länger nicht mehr. Einfach so, wie ich meine und was mein Körper den Tag hergibt.

    LG,Bianca

    PS: Du bist schon wieder ganz schön fix. 9km… Wann bin ich die denn mal zuletzt gelaufen???

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  10. Ich habe ja den gleichen Brotkasten wie Du. Und wie Du weisst, bin ich im Moment noch etwas auf Kriegsfuß mit dem Ding. 😉 Ich bin allerdings auch kein großer Technikfreak. Angeschafft habe ich ihn mir, weil ich es so praktisch finde, die zurückgelegte Länge der Strecke gleich zu sehen. Und natürlich kucke ich jetzt auch viel zu viel auf die Uhr, checke Puls und Zeit und bin oft genug deshalb gefrustet. Wie? Schon wieder so langsam? Kam mir selber viel schneller vor.. Ich muss also noch mächtig an meinem Gefühl arbeiten 😉

    Schön, dass Deine Füsse so gut drauf sind! 🙂 Das freut mich sehr für Dich. Die Zeit könnte meine sein, nur dass ich nicht aufpasse langsam zu laufen wie Du, sondern einfach nicht schneller kann 🙂

    LG Elke

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  11. @Bianca: Jetzt, wo du es schreibst … vielleicht sollte ich die Anzeige auch mal ändern! Ich würde mir nur die gelaufene Zeit anzeigen lassen, weil die für mich im Moment wichtiger ist als Distanz oder Tempo. Ich nehme mir halt vor, nicht mehr als xx Minuten (heute maximal 70) zu laufen – wenn die Füße meckern (was sie zum Glück nicht taten), wird es eben deutlich kürzer, aber nach oben bremse ich mich vorsichtshalber. Und der Puls dient momentan nur zu statistischen Zwecken, aber nicht zur Trainingssteuerung.;)

    Es wurden dann 10 km, ich musste ja noch heim. 6:30er-Schnitt ist momentan grenzwertig und klappt nur an guten Tagen so locker wie heute. Normalerweise läuft es eher auf 6:45-7:00 raus.

    LG,
    Anne

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  12. @Elke: Nur nicht frusten lassen! Du klagst oft, du seist „so langsam“ – auf Tempo kommt es aber (finde ich) gar nicht so sehr an! Laufen kann in jeder Geschwindigkeit gut tun!

    Versuch doch mal, dich deine Ansprüche „auszublenden“ und dich nur darauf zu konzentrieren, wie der Lauf sich anfühlt und wie es dir hinterher geht: Gut? Entspannt-locker? Dann hast du alles richtig gemacht. Du stehst ja noch am Anfang deiner „Läuferinnen-Karriere“, da finde ich, die Ausdauer ist erst einmal am wichtigsten (neben der Freude am Laufen). Schneller wirst du von selbst.

    Und wenn du mal bei einem offiziellen Lauf mitmachst und nicht allzu weit vorn landest, was soll’s? Es kann nicht jede von uns eine zweite Paula Radcliffe oder Sabrina Mockenhaupt sein. Seit ich mir eingestanden habe, dass ich auch bei noch so intensivem Training, Gewichtsabnahme etc. nie besonders schnell sein werde, ist ein großes Stück Verbissenheit bei der Lauferei weg und es macht viel mehr Spaß!

    Liebe Grüße
    Anne

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  13. Liebe Anne,
    es geht auch ohne die ständige Kontrolle, dem Blick auf die Uhr, ich habe es im letzten Jahr praktiziert, fast das ganze Jahr blieb der Garmin zu Hause, und es war gut. Ich durfte einiges lernen über mich und die Intuition bzw. das Gefühl beim Laufen.
    Inzwischen dient mir der ForeRunner nur noch zur Streckendokumentation und nicht mehr zur „Trainingskontrolle“ 😉 Für was auch, Erster werden wir nicht mehr, ausser wir sind alleine bei einem offiziellen Lauf unterwegs, obwohl, Deine Zeit ist ja ausbaufähig 😀

    Schönen Abend noch

    Salut
    Christian

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  14. Lieber Christian,
    dass es ohne dauernde Kontrolle sogar sehr gut geht und sich prima anfühlt, durfte ich ja gestern erfahren. Garminchen darf weiterhin mit, aber eben nur zu Dokumentationszwecken. Denn du hast Recht: Erster werden wir eh nicht mehr, und den Ehrgeiz, meine persönlichen Bestzeiten zu verbessern, habe ich nach der langen Verletzungspause eh verloren, auch wenn die Zeit sicher ausbaufähig ist. 😉 Mein Fokus liegt jetzt auf Verbesserung der Ausdauer, um vielleicht irgendwann doch mal – tempomäßig eher gemütlich – richtig lange Kanten angehen zu können. Das reizt mich mehr als der vermutlich eh fruchtlose Versuch, über 10 km doch noch die 50 Minuten-Grenze zu knacken. 8)

    Einen guten Start in die Woche wünsche ich dir!

    LG,
    Anne

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  15. Danke für Deine lieben Worte, Anne! 🙂
    Menno, und ich dachte ich werde die neue Rosa Mota (die Größe würde zumindest schon mal passen ;-))
    Eigentlich sind meine Ansprüche gar nicht hoch und auf Wettkämpfe bin ich eh nicht scharf (bin für sowas viel zu aufgeregt). Da ich aber in letzter Zeit irgendwie das Gefühl habe, dass gar nichts vorwärtsgeht, überlege ich ob ich etwas falsch mache. Andere machen da irgendwie viel schnellere Fortschritte und ich laufe jetzt doch schon 8 Monate. Außerdem verwirrt mich oft, was ich über richtiges Training lese.

    Im übrigen habe ich einen ähnlichen Ehrgeiz wie Du. Ich möchte gerne mal einen Halbmarathon in „üblichem“ Tempo laufen können. *träum*

    Einen schönen Wochenstart wünsche ich Dir! Bei uns ist es nieselig-grau, bäh.

    LG Elke

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    • @Elke: Ach, wer weiß heute schon, wie nah du Rosa noch kommen wirst … da geht noch mehr als du denkst! 😆 Und verwirrend wiedersprüchlich ist das, was man übers Laufen liest. Mein Fazit: Dann ist auch die Wahrscheinlichkeit gering, dass ich alles verkehrt mache! 8)

      Liebe Grüße aus dem Grau
      Anne

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  16. Achja, das liebe Spielzeug. Ich liebe es und stehe ganz offen dazu, daß Statistiken und Gedöhns mir Freude machen und das Salz in meiner Laufsuppe sind. Dennoch kann ich auch mal ganz gut laufen, ohne daß die Uhr mich „führt“, aber ich finde so eine Kontrolle für mich auch wichtig, denn ich habe noch kein gutes Gefühl und renne grundsätzlich zu schnell, wenn ich nicht draufschaue.
    Was lese ich da zuvor? Miss Weinbergschnecke war unvernünftig? 😉 Schön, daß Du schon wieder so weit bist, daß Du das auch mal kannst und darfst!

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    • @Evchen: So ging und geht es mir manchmal auch noch mit dem Tempogefühl. Aber im Moment ist mir egal, ob ich zu schnell bin, solange es keine wilde und fuß-gefährdende Raserei wird.

      Und ja, so ein klein wenig unvernünftig darf ich wieder sein, ohne dass gleich Böses nachkommt! 8)

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