Pochda

20 Uhr, 22 Grad – welch ein lauer Sommerabend im Oktober! So intensiv ich das Licht und die Farben des Herbstes genossen habe an diesem Tag, so froh bin ich doch, meine sportlichen Aktivitäten in die Abendstunden verlagert zu haben. Die Vorstellung, wie die liebe Laufkollegin Miss Monster eine Marathonpremiere unter sengender Sonne zu absolvieren, hat etwas fast schon Gruseliges. Um so herzlicher mein Glückwunsch: Monstermäßig, liebes Evchen!!!

Mein Läufchen fällt bescheidener aus. Und ganz anders als das am gestrigen Morgen. Statt des Friedens der morgendlichen Landschaft begegnet mir das laute städtische Leben. Es geht hinab an die Mosel, wo an den alten Kränen irgendeine Party gefeiert wird und die Musik bis ans gegenüber liegende Ufer schallt, wo ich im Dämmerlicht meine Bahn ziehe. Nein, da will ich nicht vorbei!

Über die Kaiser-Wilhelm-Brücke trabe ich zurück ans stadtseitige Ufer, aber dann nicht am Fluss entlang, sondern mitten durch die City: Durch die Merianstraße mit ihren alten Stadthäusern, dann durch den kleinen Grünstreifen an der Nordallee. Und da ist sie schon: Die Porta Nigra, von Einheimischen liebevoll „de Pochda“ genannt. Die Leiendecker Bloas (eine hiesige Mundart-Band) hat sie in einem Lied verewigt: „Aamol in da Woch da giehn eich aon de Pochda, huck mich ob de schwaorze Schdaan o bambel mit de Baan!“. [Der Song lässt sich leider nicht direkt verlinken. Für eine Hörprobe hier klicken, ganz nach unten zu der CD „Quant“ scrollen und Titel 2 wählen].

Jede Woche bin ich nicht dort, mit dem Beine-Baumelnlassen hab ich’s auch nicht so. Aber auch für mich ist die gute alte „Pochda“ ein Ort, an den es mich regelmäßig zieht. Im Rahmen einer „Kunstaktion“ wird sie heute von beiden Seiten aus „illuminiert“. Nordseits soll durch die projizierten Bilder die Illusion eines Waldes erzeugt werden, südseits sind bedeutungsschwere Sprüche über die Bedeutung von Bäumen für das menschliche Dasein zu lesen. Wer’s mag …

Ich halte mich nicht lange mit der Betrachtung auf. Die Passanten im Slalom umlaufend, beeile ich mich, dem Menschengewimmel zu entkommen. In der Kleingartenanlage umfängt mich der Abendfriede – endlich! Und die kleine Treppe komme ich auch schon wieder hoch, ohne hinterher aus dem letzten Loch zu pfeifen. Wird’s etwas wirklich wieder?

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14 Gedanken zu “Pochda

  1. Aber zumindest das zweite Foto ist „aus’m Archiv“, oder?

    Beim ersten freue ich mich den Rotwein, den ich uns heute abend gönnen werde *gleich mal hochhol, damit er zimmerwarm wird* 😉

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  2. @Lizzy: Das zweite Bild ist entstanden im vergangenen Jahr beim Hospizlauf. Gestern abend hatte ich zwar die Kamera dabei, aber die Bilder gefielen mir nicht. Das zweite stammt vom Vormittagsspaziergang.

    Prost! 😉

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  3. Na da läuft es doch wieder, mir fallen immer die Läufe über 8km sehr schwer. Ich lauf wahrscheinlich einfach zu schnell los.
    Habt ihr auch so viel Mückenschwärme?
    Könntest du mir mal das Tomatensoßenrezept aufschreiben was du eingekocht hast. Ich hab noch so viele und die werden sicher auch noch alle reif. Der Versandhandel für den Miniweißkohlsamen ist Nixdorf. Den Samen gibt es aber bestimmt auch bei anderen.
    Schönen Feiertag noch

    LG Bärbel

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    • @Bärbel: Vielleicht wirklich mal langsamer starten? Mir fällt es auch nicht leicht, über 30 Minuten zu laufen. Aber ich lasse mich nicht hetzen und mache z.B. Dehnpausen, wenn ich den Eindruck habe, jetzt tut mir das gut! Insekten haben wir zum Glück nicht so viele, sieht man mal von den fiesen kleinen Obstfliegen in der Wohnung ab. Hab schon Schälchen mit Saft, Essig und Spüli aufgestellt – Massenmord, sag ich nur!

      Das Rezept suche ich gern mal raus! 8)

      Danke für den Samentipp – das Ende des alten Gartenjahres ist bekanntlich der Anfang des neuen Gartenjahres! 😉

      Liebe Grüße
      Anne

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  4. Beim Hospizlauf nach was weiß ich wie vielen Kilometern an der Porta vorbeizulaufen, hat etwas Besonderes. 2010 hatte ich da um die 60 Kilometer, gelaufen in drei Etappen zwischen Koblenz und Trier, in den Beinen. Da war es ähnlich heiß wie in diesen Tagen. Hochsommerlich!

    Aber mit den Sommertagen ist es ja spätestens übermogen dann vorbei. Schade.

    Und „uns Pochta“ wird dann wieder grauer denn je in Stein gemeißelte Geschichte repräsentieren.

    Prima, dass es bei Dir wieder läuft! Zumal der Herbst für uns paradiesische Sinneseindrücke bringt.

    Liebe Grüße
    Rainer

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    • @Rainer: Ich war ja nur auf den letzten km dabei – trotzdem war es etwas Besonderes, dort vorbeizulaufen. Wie die „Pochda“ überhaupt eine starke Wirkung auf mich hat – nach 24 Jahren in Trier bin ich immer noch beeindruckt, wenn ich an ihr vorbeikomme.

      Hoffen wir, dass der Herbst noch einige schöne Tage hat … bei Sturm und Regen ist es bald aus mit den paradiesischen Eindrücken!

      Liebe Grüße
      Anne

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  5. Was für eine Zeit zum Laufen, da kann ich dich nur beglückwunschen, dich so spät noch aufgerappelt zu haben, ich könnte das nicht, zumal es jetzt ja auch um 20 Uhr schon stockdunkel ist.

    Wieder was dazu gelernt – von wegen Pochda – Porta Nigra kennt ja jeder !! Beeindruckend, daran vorbeizulaufen – ich glaub‘ , ich muss doch irgendwann mal wieder nach Trier – aus verschiedenen Gründen – wenn es bloß nicht so weit wäre !! 😉

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    • @Margitta: Passte einfach besser in den Tagesablauf, das Abendläufchen. Und da ich berufsbedingt ab sofort eh wieder meist im Dunkeln laufen muss, sollte ich mich besser schnell daran gewöhnen.
      Wenn du mal den Weg nach Trier findest, geht’s natürlich auch an die Pochda! Wenn du magst, laufen wir durch den Torbogen – so wie ich gestern! 😉

      Liebe Grüße
      Anne

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  6. Liebe Anne,
    da können wir uns die Hand reichen, was die Temperaturen angeht, ich war soeben bei 25°C mit meiner Liebsten und den Kindern zu einem Regenerationsläufchen unterwegs und wir haben Horden von Spaziergängern in die Gräben gefegt 😉
    Die Porta nigra, sie weckt Erinnerungen an das Schullandheim vor, lass mal rechnen, 30 Jahren 😳

    Salut und einen angenehmen Wochenbeginn

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    • @Christian: Familie DocRunner scheucht die schwäbischen Feiertagsfußgänger ins Gebüsch – das hätte ich sehen mögen! 😆

      Ich habe dafür heute nachmittag bei der „Kaffeefahrt“ nach Wasserbillig/Luxemburg den Autofahrern eine lange Nase gedreht – innerlich wenigstens. Die deutschen Tanktouristen produzierten einen Stau bis 5 km hinter die Grenze – und ich konnte fröhlich auf dem Leinpfad an ihnen vorbeiradeln und die Sonne genießen. 8)

      Vor 30 Jahren … da waren wir auf Klassenfahrt im Harz. Ob ich da noch etwas wiedererkennen würde? So markante Gebäude gab es da jedenfalls nicht!

      Liebe Grüße, auch dir einen guten Wochenstart (mir steht ab morgen ein neuer Chef bevor … spannend!)

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  7. Ist das auf dem zweiten Bild ein Gewusel! 🙂 Macht das Spaß, oder sind so viele Leute eher nervig? Ich glaube mich würde das erstmal komplett aus dem Takt bringen.

    Langsam mache ich mir wegen dem Dunkelwerden auch so meine Gedanken. Ich kann ja auch arbeitsbedingt frühestens ab 17 Uhr los und bald wird es dann auch schon dunkel. Meine bisherigen Laufstrecken sind fast alles „laternenfrei“ und allein im Dunkeln schon etwas unheimlich. Ich glaube ich werde mir ein paar neue Runden suchen müssen, die dann wohl auch eher durch die Stadt führen. Läufst Du mit Stirnlampe? Gibt es in Trier eigentlich Schnee und wenn ja, was für Schuhe ziehst Du dann an? Bei uns hat es ja oft richtig viel Schnee und ich habe noch keine Ahnung wie ich da laufen soll, aber ich habe ja ab nächsten Monat „Lauftraining“ und werde da mal nachfragen.

    Und ich drücke Dir natürlich alle Daumen, dass Dir dein neuer Chef sympathisch ist! 🙂

    Liebe Grüße Elke

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    • @Elke: Das Bild stammt von einer „offiziellen“ Laufveranstaltung, da kann es wuselig zugehen. Aus dem Takt bringt es nur, wenn es wirklich ZU eng ist, so dass man nicht mehr sein eigenes Tempo laufen kann. Ist aber eigentlich nur bei ganz großen Veranstaltungen der Fall, ansonsten legt sich das Gedränge meist ein paar 100 m nach dem Start.

      Ich laufe mit Stirnlampe, derzeit ein Billigmodell vom Discounter – reicht mir völlig aus. Bei Schnee trage ich normale Laufschuhe, evtl. Trailschuhe mit etwas mehr Profil. Wenn es wirklich mal vereist ist, trage ich einen Schuh mit Spikes, den ich aber nur sehr selten brauche. Such doch z.B. mal nach „Icebugs“ – in eurer Gegend könnte so ein Schuh eine lohnende Anschaffung sein!

      Dankeschön für’s Daumendrücken … noch ist er nicht da! 😉

      Liebe Grüße
      Anne

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  8. Treer ist schön und immer wieder Bilder und Erzählungen und einen Besuch wert!

    Ehrlich, so gruselig war das gar nicht. Es war zwar zu warm, aber ich mag Sonne einfach lieber.
    Danke für Deine lieben Glückwunsche, Anne! *strahl*

    Ich drück Dir mal die Daumen für heute, Cheffe und so… 🙂

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    • @Evchen: Dass du jederzeit herzlich willkommen bist, sobald deine Haxen (und dein Magen) sich erholt haben, ist sicher überflüssig zu erwähnen! 8)

      Dankeschön!

      Liebe Grüße
      Anne

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