Unbekannte Pfade

Immer nur auf bekannten, ausgelatschten Pfaden zu laufen ist langweilig. Und immer nur um die beiden Mattheiser Weiher herum zu traben sowieso, mögen sie auch noch so idyllisch unter den alten Bäumen gelegen sein. So nehme ich nach anderthalb Runden den Stich, der am unteren Weiher links bergauf an der Kleingartenanlage entlang führt. Ein kurzer Blick zurück.

Weiter auf dem asphaltierten Pfad unterhalb der Häuser, unter mir zwischen den Bäumen leuchtet das Blau der Schwimmbecken des Südbads. Dort, wo es rechts zum Bad geht, wähle ich die Steigung nach links. Bergauf. Und bergauf. Und weiter bergauf. Uffff! Das kann angesichts meines beklagenswerten Trainingszustands nicht ohne Gehpausen funktionieren.

Egal. Mich jagt ja keiner. Irgendwann tauchen die Gebäude der Waldorfschule links vor mir auf. Über den Schulhof, den Bolzplatz – auf eine Wiese, die offenkundig eine Sackgasse darstellt, aber ganz unverhofft einen traumhaften Panoramablick erlaubt.

Ein paar Schritte zurück, die Straße „Am Wolfsberg“ entlang … „sozialer Wohnungsbau“ geht anders. Trotz allen Prunks und Protzes sind auch ein paar schöne Häuser dabei. Aber wer braucht schon sowas?

Ich kreuze die Allee, die hoch auf den Mariahof führt, dann bin ich wieder auf bekannten Pfaden: Vorbei am Rotbachweiher, im Volksmund auch „Reiherweiher“ genannt – vergangene Woche erfuhr ich, dass die eifrigen Angler, die man oft dort sieht, ihre Beute am Ende des Tages wieder ins Wasser setzen. Nicht überliefert ist, ob sie ihnen vorher eine Kerbe in die Flosse ritzen, damit die Fische ihren „Depp des Jahres“ küren können, der sich am häufigsten fangen ließ.

Dann kann ich es wieder auf der breiten, weichen Waldautobahn rollen lassen bis zum Weingut hinunter. Den letzten Kilometer am Wingert entlang und an der Streuobstwiese vorbei. Zum Abschluss am Spielplatz ein wenig Deeeeehnen. Und Deeeeehnen. Und Deeeeehnen. Ich bin so brav! 😉

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13 Gedanken zu “Unbekannte Pfade

  1. Du bist soo brav! :daumen: 😉 Und wie weit war das? Klingt nach „schon wieder ganz schön viel unterwegs“ Freut mich jedenfalls für dich.

    Der Reiherweiher mit der braunen Modderbrühe ist aber vom klaren Bergsee ein gutes Stück entfernt *g*. Vielleicht beißen die Fische freiwillig weil sie das Leben darin nicht mehr ertragen – und dann ist ihnen doch immer wieder das Los des Sisyphos beschieden ;-(

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  2. @Lizzy: Gut 8 km – früher nix, heute eine Weltreise. 🙂 Beim Laufen tat nix weh. Hinterher (bis jetzt) auch nichts. Nur nach dem Aufstehen bin ich etwas staksig und steif in den Fußgelenken.

    Was die Fische angeht: Da könntest du recht haben! 😆 Ein ganzer Teich voller suizidaler Moorkarpfen, deren Wunsch zu sterben kein Gehör findet … vielleicht sollten die Viecher endlich lernen, sich klar zu artikulieren! 😉

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  3. Tiefenpsychologie für Fische… wenn das konsequent weitergedacht wird, dann lernen die Flossenträger irgendwann das Sprechen. Dann verlieren sie die Lust am Selbstmord und hecken lieber gemeinsam aus, wie sie die Weltherrschaft übernehmen können… 😉

    Schön, dass du wieder solche Strecken ohne nachwehen bewältigen kannst. Da sind schließlich einige Höhenmeter zu überwinden. Eine schöne Runde zweifellos.

    A propos Deeeehnen. Das habe ich heute nach dem Stefan-Andres-Lauf vollkommen vergessen. Da muss ich gleich noch etwas naaaachhooooolen.

    😀

    Liebe Grüße
    Rainer

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    • @Rainer: Hilfe! Nur das nicht! Allesdings müssten sie dann auch noch an der Luft atmen und sich an Land fortbewegen lernen! 😆

      Wirklich eine nette Runde, wenn man sich im Stadtgebiet bewegen muss, damit man notfalls abkürzen kann. In der Ecke war ich noch nie, und das in 25 Jahren Trier – allerdings gab es auch bislang keinen Anlass dazu.

      Und – naaachgehoooolt, das Deeeehnen? 😉

      Liebe Grüße
      Anne

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  4. Patenbäume? Tolle Sache, da wäre ich auch sofort dabei.

    Wusstest Du, dass Karpfen bis zu 80 Jahre alt werden können? Finde ich ein unglaublich hohes Alter für Fische (wobei, der Grottenolm schafft 100 Jahre). D.h. da kommen schon einige Flossenkerben zusammen und das Enkelkind angelt vielleicht mal den gleichen Fisch 😉 Aber der Karpfen ist ja auch schlau und schluckt den Haken nicht, sondern dieser fädelt sich als „Piercing“ in der Lippe ein. Und um Rainers Fischspsychologie weiterzuführen: Vielleicht ist das Angeln ja eine willkommene Abwechslung für die Fische? Gründeln ist ja auf Dauer auch langweilig – mal kucken wie es draußen aussieht… 😉

    Ich dehne auch fleissig, aber nicht vom Laufen, sondern weil mein „Gestell“ nach mittlerweile fast 6000 km Motorrad ziemlich steif ist. Ich freue mich schon wieder so auf meine Laufrunden, das letzte Mal war ich am Montag in Porto unterwegs.

    Liebe Grüße aus Avignon
    Elke

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    • @Elke: Hmmm, jaaa, vielleicht ist das bei Karpfens eine Mutprobe oder die Suche nach Nervenkitzel, wenn sie sich angeln lassen … wer weiß? 😆

      Mit dem Motoraad quer durch Südwesteuropa? Klingt toll, aber nur bei schönem Wetter! 😉

      Viel Spaß noch und liebe Grüße
      Anne

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  5. Wenn du weiterhin so gut dehnst hst du es wohl wirklich wieder geschafft. Brav wirklich sehr brav-ganz anders wie der Typ aus dem Pfälzerwald, der ist eher faul 🙂
    Freut mich dass du wieder so weit unterwegs bist und wie du schon schriebst-dich jagt keiner!

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    • @Martin: Ich glaub’s noch nicht … aber freue mich über jeden Lauf. Mit dem Dehnen hatte ich es vor der hartnäckigen Verletzung auch nicht so … kein Grund also für dich, ein schlechtes Gewissen zu haben, Dehnfaulheit ist m.E. völlig normal!

      Liebe Grüße
      Anne

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  6. Eine wirklich tolle Alternativrunde hast du da gefunden – und gleich noch die passenden Bilder mitgebracht 8) . Schön zu lesen, daß du wieder sooo weit laufen kannst 🙂 !

    Und immer fleißeg weiter deeehhnen 😉
    lG
    Ralph

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    • @Ralph: So ab und an kann ich mir solch ein Läufchen schon gönnen, nur eben nicht zu oft. Da die nächsten Tage berufsbedingt lauffrei sind, wird die Erholungspause lang genug.8)

      Deeeehnen, klar! Immer wieder, nicht gern, aber pflichtbewusst! 😉

      Liebe Grüße
      Anne

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  7. Doch, ja, das kommt einem Paradies nahe und jeder von uns hat so eins, wenn er nur die Augen aufmacht. Tauschen würde ich dennoch manchmal gern, nur der Abwechslung wegen. Vielleicht sollten die Laufblogger sich mal gegenseitig ihre Häuser zum Urlauben anbieten. Das geht dann einmal Reihum. 😀
    Das mit den Fischen ist nicht nett, aber ich muß gestehen, daß mein Vater mir als Kind auch mal einen Karpfen gefangen hat, damit ich ihn im heimischen Gartenteich auch angeln konnte. Was war das Kind stolz. *ähmja*

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    • @Evchen: Verlockende Idee, das mit dem Haustausch. Damit das klappt, könnte man ja mal mitr gegenseitigen Besuchen anfangen … 😉

      Was die Fische angeht: Als Kind war ich da recht grausam und fand nichts Böses am Angeln … heute gruselt es mich.

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  8. Pingback: Orientierungslos | Weinbergschneckes Blog

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