Durch’s Sauertal nach Echternach

Sankt Willibrord ruft – und ich komme. Nicht zur alljährlichen Springprozession, die ihm zu Ehren am Pfingstdienstag stattfindet. Dazu fehlt es mir an Frömmigkeit wie auch an voyeuristischer Neugier. Aber Echternach ist ohne Tausende von Pilgern eh ein viel angenehmeres Ausflugsziel (und auch ohne Pilger immer noch viel zu voll). Die einfache Radentfernung von Trier aus beträgt nur etwa 37 km – eine Tour wie geschaffen also für eine flotte und flache Samstagnachmittagsrunde mit einem Bummel durch das Örtchen mit französischem Flair. Verbinden lässt sich das mit einem Besuch in der Abteikirche, in der besagter Sankt Willibrord begraben liegt, und einem Picknick am Fluss, auf dem wie an einer Perlenschnur aufgereiht die Kanuwanderer vorbeiziehen.


Der Weg führt zunächst an der Mosel, ab Wasserbilligerbrück an der Sauer entlang. Ein kurzes Stück über einen Randstreifen der B418, dann über Radwege durch Langsur und Mesenich bis Metzdorf auf der deutschen Seite. Über die Metzdorfer Holzbrücke geht’s hinüber ins Ländchen und weiter auf perfekt asphaltierten Radwegen, die oberhalb der Straße an schattigen Waldrändern entlang und durch kleinere oder größere Orte, vorbei an Campingplätzen und Steuobstwiesen führen.

Wo der Weg die Straße kreuzt, sind die Überquerungen durch rote Farbe auf dem Asphalt markiert und durch Hinweisschilder gesichert. Keine lästigen Schranken, die zum Absteigen zwingen, wie das auf vielen „offiziellen“ Radwegen in Deutschland üblich ist. In Luxemburg mutet man Menschen noch zu, dass sie für ihre Sicherheit selbst die Verantwortung übernehmen – gut so!

Überhaupt: Radfahren im Ländchen macht Laune! Die Wege in fantastischem Zustand, der Belag glatt, sauber und scherbenfrei – nur Fliegen ist schöner. Und die Autofahrer sind ausnehmend rücksichtsvoll den zahlreichen Radlern gegenüber, halten mitunter sogar an, wenn sie sehen, dass man am Stopschild wartet, obwohl sie eigentlich Vorfahrt hätten. Sind sie einfach nur freundlich? Oder denken sie, es könnte sein, dass hier gerade der aktuelle Tour de France-Zweite oder sein Bruder ihre Trainingskilometer herunterstrampeln? 😉

Der Streckencheck:Traumhaft grün, durchgehend asphaltiert, sehr gut mit Rädern jeglicher Art zu befahren. Wer schneller unterwegs sein will, kann angesichts der mäßigen Verkehrsdichte auch auf der Straße fahren, bei vielen Radsportlern unterwegs gesehen. Sehr gute Infrastruktur durch zahlreiche Orte, Campingplätze und Obstbäume unterwegs. Erfrischendes Schwimmen in der Sauer ist prinzipiell möglich, angesichts der Belastung des Wassers durch Colibakterien aber nicht zu empfehlen. Und auch nicht ungefährlich: Der scheinbar so harmlos dahinplätschernde Fluss birgt Strudel und Unterströmungen, die schon den einen oder anderen Badenden das Leben gekostet haben!

Weniger gut die Verkehrsanbindung am Wochenende. Es gibt im Sommer einen Radelbus, dessen Fahrplan man sich vorab organisieren müsste. Der Linienverkehr des Verkehrsverbundes reicht nur bis Wintersdorf und dorthin am Samstag auch nur im 2-Stunden-Takt. Wer also über Echternach hinaus weiterfahren will Richtung Vianden, braucht „gute Beine“ oder muss sich mit dem luxemburgischen Bahnverkehr anfreunden, der den Nachteil hat, dass praktisch alle Wege über die Hauptstadt führen und viiiiel Zeit kosten. Da aber die Strecke flach ist, kann man selbst dann noch weite Entfernungen zurücklegen, wenn die Beine eigentlich schon müde sind.

Summa summarum: Eine sehr lohnende Tour mit Grün satt! Beim nächsten Mal ein Stück weiter …

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21 Gedanken zu “Durch’s Sauertal nach Echternach

    • @Bernd: Ich hatte auch schon vergessen, wie sowas aussieht. Heute nachmittag hatte ich gleich noch einmal die Gelegenheit, ins Blaue zu gucken! 😉

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  1. Schöne Tour, schönes Wetter, schöne Landschaft, schöne Maid, was will der Mensch mehr.

    Ich möchte auch mal wieder französisch lesen, hören, sehen und sprechen.

    Wie gut, dass es doch noch viele Möglichkeiten gibt ,die über temporäre körperliche Mängel erfolgreich hinweg helfen.

    A bientot ma chère !!

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  2. Immer wieder schön, ein so ganz anderes Deutschland bei Dir zu sehen, als wir das hier oben haben. Schöne Tour.

    Machen wir beide uns jetzt mit Radtourberichten Konkurrenz, liebe Anne? Das hab ich ja bei Dir abgekuckt 😉

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    • @Volker: Konkurrenz? Ich denke, wir ergänzen uns blendend! Du kommst mit Berichten aus flachen norddeutschen Landen, ich steuere etwas aus dem Südwesten bei. 😉

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    • @Tati: Würde ich euch jederzeit empfehlen! Hier gibt es alles: Flache Strecken durch die Flusstäler, bergige Touren durch Eifel und Hunsrück – und zahlreiche beschilderte MTB-Trails! 8)

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  3. @Rainer: Der Vorteil einer Pendelstrecke: Auf dem Hinweg kann man einfach durchradeln und sich dabei die schönsten Plätze ausgucken, an denen man dann auf dem Rückweg zum Fotografieren stoppt. Und wenn man dann noch die Bildausschnitte geschickt wählt, merkt niemand, das mehrere Bilder vom gleichen Ort aus aufgenommen sind! 😉
    Allerdings will ich die Strecke bald noch einmal ohne Fotoapparat in Angriff nehmen und ein kleines Einzelzeitfahren veranstalten – es rollt sich einfach unbeschreiblich gut dort! 8)

    Liebe Grüße,
    Anne

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  4. Wunderschöne Bilder hast du von deinem Ausflug ins Ländchen mitgebracht 8) . Die luxemburgische Seite der Sauer ist einfach viel schöner als die deutsche. Eigentlich seltsam, da der Fluß an sich ja recht schmal ist.
    Was sie Radwege angeht: ich stimme dir zu, die sind im Ländchen echter Luxus – wo es sie gibt. Was mir noch fehlt, ist ein Radweg von Luxemburg-Stadt hinunter zur Mosel. Als Laufstrecke für einen langen Lauf 😉
    lG
    Ralph

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    • @Ralph: Die Radwegführung ist auf der luxemburgischen Seite netter – ich glaube, das liegt auch daran, dass das Tal auf der luxemburgischen Seite breiter ist. Auf der deutschen Seite fängt ja z.T. fast direkt neben der Straße der Hang an.
      Das mit dem fehlenden Radweg von Lux-Stadt aus ist ein echtes Versäumnis. Vielleicht sollte man mal eine Petition initiieren – gibt sicher noch mehr laufbegeisterte Deutsche und Luxemburger. Und viele Radler würden sich ebenfalls über einen bequemen und sicheren Heimweg freuen. 8)

      LG,
      Anne

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  5. Dankeschön für die schönen Bilder! Ich stelle immer wieder fest, wie schön es bei uns in Deutschland und in Europa ist. Wobei ich bei Deiner Bezeichnung „Südwesten“ ein wenig schmunzeln muss, da für uns Allgäuer alles nördlich der Donau im „Norden“ ist :-D.

    Und geht es heute für Dich zu einem kleinen Lauf? Ich konnte es gestern nicht lassen und bin meine kleine Runde gelaufen. Das Knie ist brav (*aufHolzklopf*) interessanterweise machten aber ziemlich schnell die Oberschenkel zu. Etwas, das ist beobachte, seitdem ich wesentlich mehr Rad fahre. Verträgt sich Laufen und Radfahren nicht?

    LG Elke

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    • @Elke: Siehste, und ich komme ursprünglich aus der Lüneburger Heide – für mich war Trier tiefster Süden! 😆
      Nee, ich geb mir noch ein paar Tage Pause. Im Moment hab ich ehrlich gesagt auch keine Lust auf die Lauferei, obwohl sie vermutlich möglich wäre. Wenn man immer die Befürchtung im Hinterkopf hat, dass die 20 Minuten jetzt schon wieder neue Probleme hervorrufen können, macht es keinen Spaß – wobei ich nach wie vor nicht überzeugt bin, dass die Pause wirklich sinnvoll ist. Irgendwie finde ich gerade den Schalter im Kopf nicht, den ich zu einem konstruktiveren Umgang mit dem ganzen Mist umlegen könnte …
      Schönn, dass wenigstens bei dir das Knie hält. Rad und Lauf sind sicher nicht unvereinbar, aber sie belasten die Muskeln unterschiedlich. Dehnst du die OS nach dem Radfahren? Vielleicht würde das helfen!

      Liebe Grüße
      Anne

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  6. @Marianne: Große Teile des Radwegs waren zum Glück schattig! Im Ort herumzuschlendern machte weniger Spaß. War aber längst nicht so anstrengend wie Bergauflaufen … 😆

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  7. Bergaufbummeln meintest du wohl. Und dann noch Bergabbummeln…..
    Möchte jemand ein paar schöne, fast neue Adizeros kaufen? Oder einen FR 310? Gratis abzugeben wären noch diverse Finisher-Shirts….. grummelbrummel…..

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  8. Klopfklopf 🙂 Hier ist es aber ruhig. Bist Du noch am Radeln, in der Maiskiste einbetoniert oder von der Hitze bewegungsunfähig? ;-). Steht bei Dir nicht auch der Urlaub vor der Türe?

    Ich denke die (Lauf-)Pause tut Deinen Beinen sicher gut. Wir sind halt keine 20 mehr, wo Zipperlein eine Woche später erledigt sind. Und bei allem sportlichen Ehrgeiz steht doch (zumindest bei mir) vor allem die Freude an der Bewegung im Vordergrund. Ich bin der Meinung, wenn dies dann beim Laufen nicht mehr klappt, sucht man sich etwas anderes, wie z.B. Radeln. Aber mir ist klar, dass meine Einstellung für viele Lauffreaks undenkbar ist.

    Ich war von Dienstag bis gestern geschäftlich in Hamburg und habe die „Alsterläufer“ beobachten können. Wahnsinn, es kommen einem geradezu Karawanen entgegegen. Solche „Laufmassen“ gibt es bei uns natürlich nicht (zum Glück). Ich selber war ja mit dem Fahrrad unterwegs (in Hamburg gibt es sogenannte „Stadträder“ zum Ausleihen, eine feine Sache), aber es war für mich wirklich interessant die verschiedenen Laufstile, Tempi und Typen zu beobachten. Gelaufen bin ich auch; jeweils morgens um halb sieben, relativ unbeobachtet, wie es sich für eine Schnecke wie mich gehört immer an der Elbe entlang. B-)

    Noch ein schönes Wochenende und liebe Grüße Elke

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    • @Elke: Vor der Tür steht der Urlaub, aber die Arbeit hindert mich dran, ihn reinzulassen. Vor dem Wegfahren ist halt immer viel zu tun. Und dann der Garten …

      Schöne Beobachtungen hast du in Hamburg gemacht- Ja, die Stile und Tempi der Läufer sind sehr verschieden. Aber jeder sollte für sich das Recht beanspruchen, zu jeder Tageszeit zu laufen … und die Leute, die blöd gucken, sind einfach blöd! So! 😉

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  9. Ui schön, Du bist also nicht verschollen! 😀 Du hast Recht, vor dem Wegfahren ist immer viel zu tun, leider! Ich werde Deinen Brombeerlikör auch erst nach dem Urlaub nachmachen können. Heute wurde der Kürbis zu Suppe verarbeitet und eingefrostet und gestern Abend habe ich auch schon die ersten Pflanzen (eben die Kürbispflanze und die Gurken) entsorgt. Eine Tomatenpflanze kringelt die Blätter, scheint wohl irgendeine Krankheit zu sein, aber diese Sorte (Eiertomate) war geschmacklich eh ziemlich fade. Hast Du einen „Gartensitter“, oder hoffst Du, dass der Wettergott es freundlicherweise regelmässig regnen lässt?

    Achja, ich habe Deinen Rat beherzigt und dehne brav. Es ist zum Glück viel besser geworden. Dankeschön! Dabei fürchtete ich vor kurzem eine gänzlich untalentierte Läuferin zu sein und die Laufschuhe am besten tief zu vergraben. Ich habe mir einen Forerunner 305 (als Amazon-Schnäppchen) gegönnt und war zum ersten Mal damit unterwegs. Ganz schön professionell, gell 😉 Umso geschockter war ich, als meine Laufstrecke plötzlich nur noch 3,8 km lang war und ich für den Kilometer beinahe 11 (in Worten: Elf!) Minuten brauchte. Wahrscheinlich wären die Schuhe schon längst vergraben, wenn ich mich nicht gewundert hätte, dass die Höhe in „Feet“ angezeigt wird. Seufz, wer kommt denn schon auf Meilen und die Schuhe dürfen erstmal weiterleben.;-)

    Lass Dich nicht von Deiner Arbeit stressen, wir müssen noch lange genug arbeiten 😉

    LG Elke

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    • @Elke: Ich hoffe, dass es genügend regnet – aber ich habe auch zwei Freundinnen, die einen Schlüssel zum Garten haben – Gießen im Gewächshaus im Tausch gegen die reifenden Bohnen und Zucchini und Tomaten!

      Und der FR ist einfach ein sensationelles Spielzeug, gell?! Zumindest wenn man erst einmal die richtige Einstellung für die Maßeinheiten gewählt hat! 😆

      Liebe Grüße
      Anne (auf dem Weg zur Arbeit 😦 )

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