In Ordnung

Katastrophen, Chaos und Krisen der verschiedensten Art bestimmen momentan die Schlagzeilen: Der von Menschenhand mitverschuldete Klimawandel bringt Dürrezeiten, Hunger und unendliches Leid in weite Teile Afrikas. „Land Unter“ im Nordosten unserer Republik lässt Bauern und all diejenigen verzagen, die vom Tourismus leben. In Fukushima strahlen die einstmals für so sicher gehaltenen Kernreaktoren mit unabsehbaren Folgen weiter. In England schlagen sich Jugendliche und Polizei gegenseitig die Köpfe ein. Die Finanzmärkte brechen zusammen, nachdem in den USA kleingeistiges parteipolitisches Gezänk über das Verantwortungsbewusstsein für die Weltwirtschaft gesiegt hat. Am Arbeitsplatz werden absurde Verwaltungserfordernisse höher gewichtet als das Wohlergehen junger Menschen und die Qualität ihrer Ausbildung.

Manchmal finde ich das alles nur noch zum Kotzen!!!

Aber wenn dann

  • der weiche Waldboden unter den Laufschuhen federt,
  • die Rinder auf ihrer Koppel behaglich wiederkäuend mit den Schwänzen wedeln,
  • der freundliche Weimaraner des entgegen kommenden Läuferpärchens mich aus großen Augen anguckt und mit der Schnauze anstupst,
  • zwei Krähen sich in einem Baum laut krächzend um ein undefinierbares Stück Futter streiten,
  • die beiden Jungen der Feriengäste mit ihren Federballschlägern über die Wiese toben
  • und der Wind die dicken Regenwolken immer wieder auseinander reißt, um einen Rest Abendsonne hindurchblitzen zu lassen, die die sattgrünen Reben bescheint,

dann dünkt mich fast, die Welt sei an der einen oder anderen Stelle doch noch ein klein wenig in Ordnung. 😉

Und – frei nach wem auch immer (Martin Luther war es entgegen anders lautenden Behauptungen wohl nicht): „Wenn ich wüsste, dass morgen der jüngste Tag wäre, würde ich heute noch ein paar Dahlien pflanzen.“

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22 Gedanken zu “In Ordnung

  1. Ich habe Deinen Blog ja durch reinen Zufall beim Stöbern auf Runnersworld gefunden. Reingelesen und gedacht, oh wir haben gemeinsame Interessen und die Schreibweise ist sehr sympathisch, da setzt Du mal ein Lesezeichen… Mittlerweile stelle ich fest, dass nicht nur die Interessen, sondern auch unsere Ansichten ähnlich sind. Ich musste jedenfalls trotz den ernsten Themas schmunzeln und freue mich, Deinen Blog gefunden zu haben.

    Ich bin ein Rädchen dieses Systems und dieser Gesellschaft, somit mit Schuld an dem was passiert und trotzdem hilflos, da ich weiß, dass ich selbst nicht viel ausrichten kann, auch wenn ich meine Biobananen und meinen Fairkaffee kaufe, Energie spare so gut es geht und fast nur das Fahrrad benütze. Und nachdem ich bestürzt wieder einmal einen Bericht über das Elend in anderen Kontinenten gesehen habe, plane ich meinen Urlaub weiter und überlege ob ich doch noch das neue Radtrikot kaufen soll oder nicht. Ist es nicht absurd? Aber da es leider auch nichts verbessert, wenn man über die Missstände und das Elend zu viel grübelt (wie sagte schon Rudi Carell: „Nach dem „Guten Abend“ des Nachrichtensprechers wird einem klar, dass es angesichts der Meldungen kein guter Abend ist“.) freue ich mich eben auch über kleinen Dinge. Im Oktober kommt laut Statistik der 10-Milliardste-Mensch auf die Welt (im Jahre 1900 waren es noch 1,5 Milliarden), es wird also leider nicht besser werden.

    Ich habe es übrigens getan! Nachdem diese Tage in unserer Stadt ein neues VHS-Programm erschien, habe ich mich spontan zu einem Laufkurs angemeldet (was hälts Du davon: http://www.vhs-kempten.de/Veranstaltung/import4_4d7e01fd9b509.html). Zwar kann ich schon 10 km durchlaufen, aber dann kuckt mal jemand auf meinen Laufstil. 🙂

    Einen schönen Tag wünscht Elke

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    • @Elke: Und ich freue mich, dass du dich hier wohlfühlst! 8)

      Wie du schreibst: Wir können als Einzelne nicht viel ausrichten. Und ich war nie die große „Weltverbesserin“, die sich politisch engagiert, Walfangschiffe entert oder sich an Bahnschienen kettet, um den Castor zu stoppen. Ich versuche in meiner kleinen Welt verantwortungsbewusst zu leben und die Freiräume zu nutzen, die mir die Strukturen bieten, in denen ich lebe, weil ich Geld verdienen muss. Und diese Freiräume zu entdecken und zu gestalten kann, wie ich sie für gut halte, tut gut! Genauso wie zu entdecken, wie viele Dinge es gibt, die auch ohne eigenes Dazutun „einfach schön“ sind. 🙂

      Zu dem Laufkurs: Ich bin gespannt und hoffe, du hast eine gute Wahl getroffen! Was mich etwas „stutzig macht“ ist, dass da nur von Konditionsaufbau und Laufspielen die Rede ist, aber nicht von Gymnastik, Kräftigung etc. Vielleicht steht das das „extra“ nicht drin, um niemanden abzuschrecken. Trotzdem würde ich den Trainer wohl vorab fragen, wie er den Kurs aufbaut – ich könnte mir vorstellen, du bist bei Weitem unterfordert damit und wirst möglicherweise enttäuscht, was deine Erwartungen bzgl. Laufstilanalyse angeht. Vielleicht bin ich aber auch nur zu skeptisch.

      LG,
      Anne

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  2. Liebe Anne, der erste Teil deines Postings ist so wahr und der zweite so schön.
    Es freut mich, dass du wieder Laufen kannst.
    Ich muss momentan noch etwas pausieren (Achilles!!!), aber ich hoffe, nächste Woche auch wieder die Laufschuhe schnüren zu können. Leider muss ich einsehen, dass ich beim Laufumfang einfach kleinere Brötchen backen muss.
    Ich lese hier noch öfters mit – also, sei dir meiner Besuche gewiss.
    Ganz liebe Grüße
    Sabine

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    • @Sabine: Wie schön, dich mal wieder hier zu lesen! Auch bei mir kommen läuferisch nur Partybrötchen raus, im Moment macht die rechte Plantarsehne wieder Probleme und der Rücken schmerzt. Ist einfach eine langwierige Geschichte – ich glaube, es hängt im Moment vieles damit zusammen, dass die jahrelangen Fehlhaltungen jetzt durch anderes Schuhwerk ausgeglichen werden und die Körperstatik sich neu ordnen muss. Aber langsam verliere ich doch die Geduld! 😦

      Liebe Grüße zurück und toitoitoi für deinen schmerzenden Achilles
      Anne

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  3. Rosig sieht die Zukunft nicht aus, rosig auch nicht die Gegenwart und die Zukunft schon gar nicht. Auch das schlägt mir derzeit wegen der aktuellen Ereignisse hier und anderswo auf der Welt schwer aufs Gemüt.

    Aber ich sehe es genau wie du, überall in allen Ecken gibt es auch Schönes, Liebenswertes zu entdecken, man muss er nur erkennen und dankbar dafür sein, diese Momente genießen, obwohl ich auch in diesen Tagen fast ein schlechtes Gewissen habe, während andere nicht wissen, was ihre Zukunft bringen wird.

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    • @Margitta: Momentan fällt es mir auch schwer, den Kopf oben zu behalten und guten Gewissens das Schöne im Leben zu entdecken. Andererseits: Wem ist geholfen, wenn auch ich niedergeschlagen bin, ängstlich und mutlos? Da versuche ich lieber das in mich aufzunehmen, was schön ist und befreit, um Kraft zu tanken – auch um sie anderen weiterzugeben.

      Liebe Grüße
      Anne

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  4. Darüber hab ich gestern beim Rasenmähen und Gemüsebeet in Ordnung bringen auch nachgedacht. Obwohl los ging es schon morgens als ich den Artikel über die Größe der Kinderzimmer und den Psychodruck der auf dem Kind lastet wenn die Zimmer nicht groß genug sind pro Kind und die Möbel nicht vom Kind ausgesucht wurden.Nenene was für ein Luxusproblem ist das denn. In Afrika verhungern gerade die Menschen nenene.

    Du hast so wunderschöne Dalhien, Ich hab leider keine mehr. Dafür blühen gerade meine Hibiskus auf und die neue Weigelie büht auch. Ist die Natur nicht perfekt?

    Schön das du wieder gelaufen bist, das macht doch so richtig den Kopf frei.

    LG Bärbel

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    • @Bärbel: Ja, und wenn das Kind dann noch die falschen Klamotten trägt, hat es eine Entschuldigung für jeden Bockmist, den es später im Leben baut … schrecklich! 😦

      Die Dahlien waren noch nie so schön – sind aber auch alle erst in diesem Jahr gekauft. Ich hoffe, ich bekomme sie gut über den Winter.

      Liebe Grüße,
      Anne

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  5. Ich bin auch gespannt und werde berichten 🙂 Selber habe ich ja keine Ahnung was einen guten Trainer ausmacht. Der Kursleiter hat in unserer Stadt einen Laufsportladen und richtet unsere Stadtläufe aus, außerdem startet er immer wieder Aktionen wie „von 0 auf 42“ und dergleichen. Auf jeden Fall habe ich keine Ausrede in den Monaten November und Dezember nicht zum Laufen zu gehen und vielleicht lerne ich ja eine nette Mitläuferin kennen ;-). Für den Silvesterlauf bin ich eh zu langsam (die liefen in 2010 fast alle unter einer Stunde).

    Hab trotzdem Geduld mit Deinem Fuß, auch wenn es schwerfällt, ich drück Dir auf jeden Fall die Daumen.
    LG Elke

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    • @Elke: Bestimmt werden wir ab und an lesen dürfen, wie es dir so ergeht … und ich wette mit dir, du läufst den Stadtlauf bequem unter einer Stunde! 8)

      Dankeschön für’s Daumendrücken … das wird schon! 🙂

      LG,
      Anne

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  6. Angesichts der Welt- und kleinen Probleme fällt mir immer wieder die liebe Vera Drombusch ein, die schon vor Jahren in der beliebten Fernsehserie folgende Weisheit zum Besten gab: „Es hat uns niemand versprochen, dass das Leben ein Zuckerschlecken sein wird“. Nun, die Gute hatte damals schon Recht. Was hilft es uns zu verzagen? Nichts! Versuchen wir unser eigenes Leben so zu gestalten, dass wir mit uns selber halbwegs im Reinen sein können. Das ist schon eine schwierige Aufgabe. Ich fand das Buch zwar doof, aber der Titel „Sorge Dich nicht, lebe“ trifft es trotzdem ganz gut. Angesichts der weltweiten Probleme müßte man schwer depressiv bis selbstmordgefähred werden. Damit kommen wir aber nicht weiter.

    In vielen Fällen sind die Probleme nicht unsere Probleme, trotz aller Widrigkeiten ist das Leben schön und wir haben nur das eine. Laßt uns das Beste daraus machen. Als Läufer wird uns das leichter gemacht als anderen, weil wir allein schon deshalb vieles zu schätzen wissen, was anderen verschlossen bleibt.

    Und am Läuferleben werden wir beide trotz aller Wehwehchen bald wieder voll und ganz teilhaben und dann lacht unser Herz schon wieder etwas mehr!!!

    In diesem Sinne liebe Grüße
    Volker

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    • @Volker: Noch ein Drombuschs-Kenner! 8) Ich fand ja den Betroffenheitsblick und die Vehemenz, mit der Witta Pohl ihre Lebensweisheiten kundtat, grauenhaft. Aber manchmal hatte sie recht … 😉
      Es hilft niemandem, der leidet, wenn es mir auch schlecht geht.

      Wir Läufer lassen uns eh nicht unterkriegen, auch wenn wir im Moment immer wieder buchstäblich „auf Eis liegen“, gell?! 8)

      Liebe Grüße
      Anne

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  7. Liebe Anne,
    wir suchen und finden Ruhe und Entspannung beim Laufen. Das habe ich morgen auch in meiner Laufkolumne thematisiert. Verstanden werden wir dabei nicht von allen. So lautete der Kommentar eines Kollegen, als er den Text gelesen hat: „Jetzt dreht der auch noch komplett esoterisch ab.“ In Anlehnung an Christians jüngsten Eintrag geht es um das Thema Entschleunigung.

    Aber wie ich hier lese, laufen zumindest wir auf einer Wellenlänge 🙂

    Liebe Grüße
    Rainer

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    • @Rainer: Esoterisch? Pfffft! Ich hab zuhause noch Räucherstäbchen, die ich dir zur Gestaltung deines Arbeitsplatzes überlassen könnte – und wenn der Kollege sich beschwert, erklär ihm, DAS sei esoterisch. 😉 Lass den mal ruhig an Feieranend vor der Glotze abhängen (oder was auch immer) … der weiß nicht, was gut ist! 😉 Die Laufbloggerwelt dagegen hat’s längst begriffen …

      Liebe Grüße
      Anne

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  8. Ja, liebe Anne, ich muß zugeben, ich mochte damals die Vera Drombusch sehr gerne. Sie war halt son Muttertyp und ich damals noch klein, jun.g, unschuldig. Hmmm, war ich vielleicht anfänglich gar verliebt in sie???? Ohje, man war halt noch unreif… 🙂

    Nun weilt die gute Witta ja auch schon nicht mehr unter uns und kann uns mit ihren Lebensweisheiten beglücken. Die Welt wird ärmer 😦

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  9. Ach Volker, so eine Schwärmerei ist doch was Schönes … und so eine fürsorgliche und doch toughe Frau … mir hat es ja besonders gefallen, dass sie sich von diesem verlogenen Typen getrennt hat, der sich nicht zwischen ihr und seiner Ex entscheiden konnte. Und ansonsten bin ich eher auf den schnuckeligen Polizisten abgefahren, bis der mir irgendwann zu mackerhaft wurde. 😉
    Auch der gute Mick lebt ja leider nicht mehr … 😦

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    • @Volker: Ist nicht jeder Jungmann irgendwie neidisch auf die, die besonders männlich aussehen? Muss also nichts bedeuten. Aber ich glaube, Mick Werup war tatsächlich in der Szene sowas wie eine Ikone … 😉

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  10. Liebe seelenverwandte Lauf-, Garten- und Kochschnecke,

    Du hast den ganzen Zwiespalt, die ganze Ambivalenz des Daseins so treffend beschrieben, dass ich gar nichts mehr hinzufügen mag außer: DANKE!

    Über die Dahlie habe ich mich aber besonders gefreut – sie duftet bis hierher!

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  11. Eigentlich haben ja schon alle alles gesagt. Ich sags trotzdem noch einmal: Treffender, wahr und ehrlich geschriebener erster Teil, und versöhnlicher, zweiter Teil, in dem man sich wieder und auch die Kraft findet, in diesem Spiel weiterzuspielen und die Hoffnung nicht aufzugeben.
    Vielen Dank dir!
    Liebe Grüsse, Marianne

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