Seegefühle

Kräftiger Wind, der die dicken weißgrauen Wolken immer wieder auseinander reißt. Die Sonne stechend, aber die frische Brise im Gesicht trocknet alle Schweißtropfen. Fast könnte man meinen, man sei an der See gelandet. Aber es ist „nur“ mein Tal mit seinen Reben, seinem Wald, dem plätschernden Bach, den Brombeerhecken und Haselsträuchern.

Und in diesem Tal bin ich heute früh mit einem veränderten Bewegungsgefühl unterwegs. „Schuld“ ist der gestrige Besuch bei einem neuen Arzt. Kein Orthopäde, sondern ein Facharzt für Physikalische und Rehabilitative Medizin mit zahlreichen Zusatzausbildungen in Manualtherapie, Chirotherapie, Osteopathie etc. pp. Entsprechend hat er an meinem Rücken herumgebogen und -gebrochen, nachdem sich seine Physiotherapeuten schon an meinen Füßen vergangen hatten – natürlich nicht ohne Anamnese und sorgfältige Beobachtung, Bewegung sämtlicher Gliedmaßen und Aufzählung einer Liste von Diagnosen.

Immerhin: Füße und Bewegungsbild barfuß und mit den richtigen Schuhen sind aus seiner Sicht in Ordnung, d.h. Einlagen sind wirklich kein Thema. Aber er bestätigte, was ich meinem Orthopäden und dem Masseur schon länger erfolglos klar zu machen versucht habe: Im Bereich von Kreuzbein, Lendenwirbelsäule und rechter Hüfte ist so einiges verspannt und blockiert – und diese Blockaden setzen sich nach unten hin fort. Kein Wunder, dass meine Waden schon wieder verspannt sind und die Triggerpunkte schmerzen! Ich kann mich dumm und dusselig dehnen,  wenn die Ursache für die Verspannungen ganz woanders sitzt! Und kein Wunder, dass Schleimbeutel und Plantarsehnen noch immer gereizt sind.

Darum auch, nach einigen physiotherapeutischen Mobilisationen und Reizstrombehandlung für die Plantarsehnen, die „Herumbrecherei“ am Rücken – mit der Folge, dass sich die Hüfte jetzt tatsächlich freier anfühlt. Nur die Lendenwirbelsäule mault noch, das hat sie aber vorher auch getan. Zusätzlich gab’s eine Reihe von Tipps zur Selbstbehandlung, einschließlich der Empfehlung, die exzentrischen Kraftübungen für die Achillessehne zu machen, von denen mir der Orthopäde abgeraten hatte. Es ist schön, nicht allein mit der Meinung dazustehen, dass dieser Mann keine Ahnung hatte. 8)

Am kommenden Freitag habe ich noch einmal einen Termin in der Praxis – mal sehen, ob sich da die guten Eindrücke bestätigen. Ach ja, und was das Laufen betrifft: Soll ich auf dem Niveau, auf dem ich es jetzt versuche, trotz der Entzündungen auf jeden Fall weitermachen. Solange ich beim Laufen keine Schmerzen habe, ist es gut – wie auch alles andere, was die Durchblutung fördert. Na denne … 😉

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12 Gedanken zu “Seegefühle

  1. Oh weh, oh ach, das sind keine sehr tollen Nachrichten, aber immerhin ein Hoffnungsschimmer, eigentlich müsstest du bald müde sein, von Arzt zu Arzt, von Physio zu Physio zu rennen. Mögen die Tipps die die Empfehlungen endlich zu dem Erfolg führen, den du dir so wünschst. Wenn man das alles liest………………., aber das spreche ich jetzt lieber nicht aus.

    Liebe Anne, ich halte dir alle Daumen nach wie vor, aber du darfst immerhin laufen, auch wenn der nächste vielleicht wieder das Gegenteil meint ! 🙄

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  2. @Margitta: Ach, ich fand eigentlich, es waren gar nicht so schlechte Nachrichten. Ich hab ja gemerkt, dass die Probleme subakut weiter da waren, auch wenn sie mich im Alltag und bei kurzen Läufen nicht gestört haben. Und ich finde es jetzt ganz hilfreich zu hören, dass der Arzt (im Gegensatz zu meinem Orthopäden und dem Physiotherapeuten) eine Erklärung dafür hat, dass die Beschwerden so hartnäckig sind und auch nach 2 Monaten kompletter Schonung nie verschwunden sind. Die Nase voll von Arztbesuchen & Co habe ich schon lange, aber von selbst bzw. durch Selbsthilfemaßnahmen tut sich ja nichts. 😦

    Neugierig bin ich schon, was das ist, das du lieber nicht aussprechen wolltest … 😉

    Dankeschön für’s Daumendrücken und liebe Grüße
    Anne

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  3. Ja, liebe Anne, so schlecht finde ich die Nachrichten auch nicht. Das klingt alles sehr plausibel. Das Problem kann jetzt nochmal neu angepackt werden und das während Du trotzdem weiterlaufen kannst.

    Ein baldiges Ende der Beschwerden und der Ärzteodyssee wünscht Dir nach wie vor

    Volker

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  4. Na das klingt mal richtig gut, finde ich! Die These mit der LWS und dem Beckengürtel kann ich nur bestätigen, die Erfahrung hab ich selber und an anderen schon öfters gemacht.

    Viel Spaß und Erfolg beim Weiterhoppeln!

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    • @Tina: Schön, von einem Physio-Profi zu lesen, dass die These plausibel klingt. Mir ist auch, als hätte es was gebracht … Dankeschön! 8)

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  5. Ein neuer Ansatz, dem Du nicht abgeneigt scheinst, wenn ich das richtig herauslese, hm? Das kostet Kraft, immer im Reisfeld nach einer Erbse zu suchen, aber ich bin mir sicher, es wird sich für Dich auszahlen! Irgendwann (ob durch Ärzte oder Selbstversuche) wirst Du erkennen, woran es liegt, bewußt gegensteuern und auch wieder laufen können ohne Zwick und Zwack! Kennst Du Anja-Blumenmond? Sie hatte jahrelang (!) Weh beim Laufen, die Ärzteliste ist lang und am Ende war es ein simpler, aber nie diagnostizierter Leistenbruch! Ein schönes Beispiel, wie ich finde, daß sich Dranbleiben lohnt.

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    • @Evchen: Die Geschichte von Anja habe ich auch verfolgt … im Moment bricht sie alle persönlichen km-Rekorde. Sowas macht Mut! Diese Arztrennerei nervt natürlich, aber vorerst bleibe ich dran!

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  6. Tröste dich: auch ohne Ärzte und Physiotherapeuten und wenn frau sich täglich selber die wechselnden Tipps und Ratschläge gibt, geht’s nicht automatisch schneller weg.

    Von schmerzender Ferse zu schmerzender Ferse grüßt
    Lizzy

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    • @Lizzy: Immerhin tut nach dem Arztbesuch die Hüfte nicht mehr weh, in der es seit Monaten zog. Und da ich außer zum Arzt zu rennen doch so einiges an Selbstbehandlung unternehme (auch aus deinem Programm – DehnenDehnenDehnen der Beinrückseiten z.B.) , hoffe ich, dass es irgendwann mal weggeht. Auch wenn das Ganze den Prozess nicht beschleunigt: Ich bin beschäftigt und „runter von der Straß‘ !“ 😉

      Gruß zurück an die schmerzende Ferse und den hungernden Magen
      Anne

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  7. Ein neuer Arzt, ein neuer Ansatz. Und du klingst überzeugt. Das liest sich doch gut 🙂 . Auch wenn deine Beschwerden noch nicht weg sind, so kannst du vorsichtig weiter laufen. Dazu die Hoffnung, daß die eigentliche Ursache endlich gefunden ist und behandelt werden kann. Ich drücke die Daumen!
    lG
    Ralph

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    • @Ralph: Meine Überzeugung ist leider kein Maßstab – die Erklärung des Physiotherapeuten klang auch plausibel. Aber wenn das Problem tatsächlich weiter oben beginnt, könnten natürlich Maßnahmen an Wade und Fuß nicht dauerhaft wirken. Und dass sich die Hüfte nach der Behandlung deutlich besser anfühlt als vorher, nehme ich als gutes Zeichen …

      Dankeschön und liebe Grüße
      Anne

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