April? Mai!

Nach Mai fühlt es sich an heute. Es sieht auch danach aus, nachdem die dicke weiße Nebelsuppe sich gegen Mittag endlich gelichtet hat und den Blick auf einen knallblauen Himmel freigibt. Die Natur hat den Turbo gezündet. Ein paar warme Tage, ein wenig Regen dazu – schon kann man den Knospen beim Aufblühen zuschauen!

An Mosel und Saar scheint alles unterwegs, was Räder besitzt. Nur Einheimische zum Glück. Wären die Touristen auch schon da, wäre wohl kein Durchkommen mehr. Aber die trudeln erst um Ostern ein. Und so kann ich rollen lassen, wenigstens soweit es der Gegenwind zulässt.

Einfach flussaufwärts: Konz – Saarburg – Serrig. Vorbei an  weiß, rosa und goldgelb leuchtenden Sträuchern, Löwenzahn und Gänseblümchen und maigrünen (!) Bäumen und Büschen.

Über mir ragt der „Grand Canyon“ der Saar auf; der rote Sandstein ist in der Region ein beliebtes Baumaterial. Und weiter strampele ich an den Flussschleifen entlang, ab Saarhausen den Markierungen des Saarschleife-Marathons folgend.

Wenn nur der ##%%§§$& Wind nicht wäre, der alle Kraft aus den Oberschenkeln saugt und die Energiespeicher bis zur Erschöpfung leert. Am Ortseingang Mettlach entere ich den Supermarkt, um wieder aufzutanken. Gesunde Bananen und Wasser – aber in der Bäckerei am Eingang erliege ich dann doch der Versuchung eines appetitlichen Johannisbeer-Streuselkuchens und einer Latte macchiato!

Weiter in den Ort Mettlach, der sich vor allem durch zwei Merkmale auszeichnet: Das Villeroy & Boch-Werk mit dem Schlösschen und dem umgebenden Park.

Und Outlet-Center: Mit V&B fing es natürlich an. Weitere kamen hinzu: Rosenthal-Geschirr, Rösle und andere Küchenutensilien, Birkenstock, Bassetti und Laura Ashley und noch ein paar andere. Lasse mich ein halbes Stündchen treiben durch die Läden in der putzigen kleine Fußgängerzone, gucke hier, gucke da, wundere mich darüber, was Menschen so zu brauchen glauben oder als Statussymbol besitzen wollen.

Dann geht’s zurück. Wie sich das gehört, nun mit dem Wind im Rücken. Die Sonne steht noch zu tief, um auch am Spätnachmittag noch das enge Flusstal zu bescheinen. Dort, wo die Westhänge besonders steil aufragen, sause ich durch den Schatten. Ich bin nicht unglücklich darüber – der erste Sonnenbrand des Jahres zeichnet sich an den Oberarmen bereits ab.

Langsam werde ich doch müde. Und träume vor mich hin. Keine gute Idee. So schaffe ich’s nämlich, am Übergang zum Kanal einen falschen Abzweig zu nehmen, der mich erst auf einen Feldweg und dann auf ein Sträßchen führt, das leider nicht  beschaulich im Tal bleibt, sondern an Wiltingen vorbei über die Filzer Kupp führt. Eigentlich nur ein kleiner „Hubbel“. Trotzdem kann ich mir mit bereits 70 Kilometern in den Beinen Angenehmeres vorstellen, schließlich ist es noch früh im Radjahr. Und die Autofahrer, die mich auf dem engen Sträßchen überholen müssen, sind erst recht „not amused“.

Aber die Abfahrt hinunter nach Konz belohnt für die Schufterei des Anstiegs. Und unten an der Mosel ist die Mühe fast schon vergessen. Durch Alleen blühender Ahornbäume, Forsythien und weiß leuchtender wilder Kirschen rolle ich der Heimat entgegen. Duschen, Pferdesalbe auf die müden Beine – und die „Notfallpizza“ aus dem Tiefkühlschrank zum Abendessen. Nach 84 Radkilometern darf sowas auch mal sein.

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20 Gedanken zu “April? Mai!

  1. Ich war gestern auch mit dem Rad unterwegs, hier war auch so ein Maitag im April. Dafür war heute Vormittag hier wieder April, mit ordentlich Regen. Schön das Du den Tag gestern ebenfalls mit einer schönen Runde genießen konntest. 8)

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    • @Bernd: Inzwischen ist der Regen auch hier eingetroffen – den Garten freut’s. Um so besser, dass wir den gestrigen Tag für unsere Touren genutzt haben! 8)

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  2. 84 Kilometer ! Das ist schon stark, liebe Anne, und was sagt das Hinterteil dazu ? Dass du danach keine große Lust mehr zum Kochen hattest, wer kann das nicht verstehen !!

    Schöner Frühling, schöne Natur, danke fürs Mitnehmen !

    Ganz so grün ist es bei uns nicht, aber es fängt an,man kann förmlich zusehen. 8)

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    • @Margitta: Ein wenig mault der Hintern schon. Aber da ich nicht zum ersten Mal in diesem Jahr unterwegs war, hält sich das in Grenzen. Das mit der Pizza ist wirklich nur Notfallprogramm (und es war eine vergleichsweise fettarme mit sehr wenig Käse). Ich war müde, es war spät und mir war so nach „Vor der Glotze versumpfen“ („Brokeback Mountain“) … dann bin ich aber doch auf dem Sofa eingeschlafen. 😉

      Gern geschehen, Margitta! Und gar nicht mehr lang, dann ist es auch bei euch so grün! 8)

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  3. 84 km!! Da hast Du es Dir aber gegeben. Ich war gestern auch radeln, habe aber meinen Garmin dabei zuhause gelassen. War auch Schonprogramm, wollte einfach das Wetter geniessen. Einem Sonnenbrand bin ich wohl gerade noch entkommen. Dafür bin ich abends denn aber noch gelaufen;-)

    Die Natur ist so viel weiter bei Dir. Überhaupt ist die Moselgegend wunderschön. Ich war schon ewig nicht mehr in der Region. Durch das Bloggen sieht man mal wieder wie schön es überall in Deutschland ist. Ich muß wieder mehr reisen!

    Einen schönen Sonntag wünsche ich Dir.

    LG aus dem schon wieder grusliggrauen Oldenburg
    Volker

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    • @Volker: Ja, das war schon recht intensiv. Ich wusste aber, dass ich notfalls den Zug nehmen kann, falls Kraft oder Lust mich verlassen. Hätte auf dem Rückweg Gegenwind geherrscht, hätteich das wohl auch getan. Aber so wollte ich einfach den leichten Rückenwind ausnutzen … und irgendwann hätte Bahnfahren auch nicht mehr gelohnt! 8)

      Mehr reisen – ein guter Vorsatz! Ich war auch schon seit Monaten nicht mehr im Norden. Und in Deutschland git’s so viele schöne Ecken, dass ich meist gar nicht das Bedürfnis nach irgendwelchen ferneren Zielen habe.

      Liebe Grüße aus dem Trierer Regen,
      Anne

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  4. Eine tolle Tour! Super Fotos! Lustvolle Erzählung! Alle Achtung! Die länge der Tour beeindruckt mich. Von Deiner Kndition scheint trotz der Laufpause nicht viel verloren gegangen zu sein. Radfahren ist für das Laufen sich eine gute Alternative.

    Was machen die Füße? Wird es besser? Ich drücke weiterhin die Daumen und wünsche dir einen gemütlich verregneten Sonntagnachmittag.

    Liebe Grüße
    Rainer

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    • @Rainer: Die Strecke ist wirklich toll, da kann man eigentlich nur tolle Fotos machen. Und ich war selbst positiv überrascht, dass es konditionell gereicht hat. Jetzt in den nächsten Wochen „am Ball bleiben“, dann nehme ich mal den Kylltalradweg unter die Reifen (Trier bis Gerolstein). Dafür muss ich aber noch ein paar Trainingshügel fahren, sonst komme ich nicht unbeschadet über die Wilsecker Höhe.
      Was die Füße angeht: Ich kann’s eigentlich nicht einschätzen. Beim Gehen stört nichts, aber der Druckschmerz ist unverändert da. Noch gut 1 Woche bis zum MRT, vielleicht bin ich dann schlauer.

      Liebe Grüße,
      Anne

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  5. 84 km ? So weit bin ich noch nie mit dem Rad unterwegs gewesen. Respekt meiene liebe Weinberg-rennschnecke! Wenn jetzt noch die Krautwickel anschlagen, müsste es ja wirklich locker mit dem laufen gehen. Wie sieht es aus ?

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    • @Martin: Ach ja, die Füße. Durchgreifende Besserung sieht anders aus, ich habe eher den Eindruck, es tut sich nichts. Aber solange es noch Kohlköpfe gibt … 8) 84 km „am Stück“ bin ich auch noch nicht oft gefahren … mein „Hausrekord“ steht bei 92 km (allerdings mit dem MTB), der ist ins diesem Jahr voraussichtlich fällig. 😉

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  6. wow – 84km sind schon stark für so früh im Frühling! Und ich finde gut, dass du dabei so weit rumkommst und so viele unterschiedliche Fotoeindrücke mitbringst 🙂 Hat schon auch was die Radlerei, oder? Ich meine: wer in einer sooo schönen Landschaft lebt, der MUSS sie doch erradeln!

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    • @Lizzy: Der Vorteil am Radeln ist tatsächlich, dass man so weit rumkommt und viele Fotos mitbringen kann. Erlaufen kann man diese Gegenden nur, wenn man mit Zug/Rad/Auto zu heimatfernen Startpunkten anreist.

      Es gibt noch viele nette Radwege in der Region (Maare-Mosel, Kylltal, Nimstal und Sauer, Ruwer-Hochwald, …), und da es noch lange dauern wird, bis ich mich wieder auf richtig langen Läufen „austoben“ kann, wird es bis in den Sommer hinein sicher noch öfter mal solche bebilderten Tourberichte geben. 8)

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  7. Alle Achtung – da bist du ganz schön weit geradelt! Es war wirklich ein Traumwetter, klar daß es dich da immer weiter das Saartal hinaufgezogen hat. Und wunderschöne Bilder hast du mitgebracht 8)
    Nur die Kupp hättest du dir zum Schluß ersparen können. eigentlich kennst du dich an der Saar doch aus. Egal, liest sich nach einem lustvollen Ausflug 🙂
    Jetzt erhole dich gut!
    lG
    Ralph

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    • @Ralph: Tja, sowas wie die Tour über die Kupp kommt raus, wenn man träumt und geradeaus fährt, wo man links über die Brücke müsste. Ich habe den Anstieg zum Glück gut überstanden – und Unfälle habe ich auch keine verursacht. Zudem war der Ausblick durchaus lohnend. Insgesamt rundum gelungen und in der Tat sehr lustvoll! 8)
      Danke und lG,
      Anne

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  8. Herrliche Bilder und ein feiner Bericht, vielen Dank.
    Mal sehen wann ich mal Zeit finde das Fahrrad aus der Garage zu holen und eine erste Runde zu drehen.
    Liebe Grüße
    Tati

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    • @Tati: Gerne! Radfahren kann wirklich einen Heidenspaß machen – und man kommt sehr weit damit. Ist ein gutes Ersatzprogramm, wenn deine Sehne mal wieder zicken sollte!

      Liebe Grüße
      Anne

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  9. 84km!!! Wow, Anne. Das finde ich ja mal echt ’ne Leistung. Wenn wir mit unseren Familienfarradtouren im Frühjahr beginnen, habe ich schon nach 10km Schwierigkeiten mit meinem Hinterteil. 😉
    Gar nicht vorzustellen, was da nach 84km los wäre. Klasse!
    Schöne Bilder hast du auch wieder mitgebracht von deiner Tour.

    Liebe Grüße
    Bianca

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  10. @Bianca: Zum Glück war es nicht die erste Tour in diesem Jahr. Ich habe schon ein paar „Kaffeefahrten“ von 35-40 km hinter mir. Da hat sich die hintere Körperregion schon auf das einstellen können, was auf sie zukommt. 8)

    Dankeschön – die Bilder fangen wenigstens ansatzweise ein, wie intensiv frühlingshaft sich die Welt anfühlte – in Wirklichkeit war natürlich alles noch viiiel schöner!

    LG,
    Anne

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  11. Schnecken – Trierer Exemplare zumal und solche mit zwei Rädern unter dem Hintern erst recht – sind ganz und gar außergewöhnliche Geschöpfe. Mit nur einem Fuß treten sie intensiv in die Pedalen, legen in für sie ungewohnter Geschwindigkeit völlig artuntypische Entfernungen zurück (in Worten: vierundachtzig Kilometer! ) und verfassen anschließend auch noch atemberaubend schöne und höchst lehrreiche Erlebnisberichte. Boaaah! 🙂 Abolute Spitze!

    Und Du hast es mit diesem faszinierenden Kunststück auch gleich fertig gekriegt, den Fuchs einerseits neidisch zu machen, ihn andererseits richtig zu beeindrucken und zum dritten auch noch zu inspririeren, es Dir nach zu tun. Bis ich die 84 km schaffe, wird es allerdings noch ein paar Tage dauern.

    Ich freu mich richtig mit Dir … und wäre so gerne dabei gewesen, Du. Daaanke für das, was Du da mitgebracht hast und einen dicken Glückwunsch zu Deiner Heldentat!

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