Aus des Schnees Einsamkeit

… ist leider inzwischen knöcheltiefer Schneematsch geworden. Dass Markt und Straßen verlassen stehn, ist kein Wunder – wer irgend kann kann, bleibt daheim oder flüchtet sich in die Kaufhäuser. Und das „heil’ge Schauern“ rührt eher von nassen Füßen her als von der Ehrfurcht, die man angesichts der Weite des winterlichen Sternenhimmels empfindet. Letzteren bekommt man sowieso nicht zu Gesicht, weil er hinter dicken Regenwolken verborgen liegt.

Nur nicht zu früh die Hoffnung fahren lassen! Vielleicht wird das – wenigstens für mich – doch noch was mit der „Weißen Weihnacht“!  Wenn Herr Grube und seine Truppe nämlich ihr „kleines Transportproblem“ bis Freitag einigermaßen in den Griff kriegen, werde ich den Heiligabend unter einem norddeutschen Tannenbaum verbringen – mit guten Aussichten auf einen nächtlichen Schneespaziergang. Und wenn nicht? Wer weiß … 8)

Ich wünsche euch allen ein paar fröhliche, erholsame und friedvolle Weihnachtstage!

Und nun kommt endlich Herr von Eichendorff im O-Ton zu Wort:

Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen,
still erleuchtet jedes Haus.
Sinnend geh ich durch die Gassen,
alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
sind so wundervoll beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
bis hinaus ins weite Feld,
hehres Glänzen, heil’ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
aus des Schnees Einsamkeit
steigt’s wie wunderbares Singen –
O du gnadenreiche Zeit!

(Joseph von Eichendorff)

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17 Gedanken zu “Aus des Schnees Einsamkeit

  1. Liebe Anne, hätte mich doch gewundert, wenn du nicht Richtung Norden Reisen würdest, und hier erwartet dich mit größter Wahrscheinlichkeit weiße Weihnacht – zumindest bei uns mit 90 % Trefferquote.

    Lass es dir gut gehen, genieße deine freien Tage, komme gut hinüber, toi, toi, toi, für deinen Fuß, damit das neue Jahr wieder sportlich starten kann.

    Frohe Weihnachten ! 8)

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    • @Margitta: Ein wenig graut mir vor dem Weg in die „weiße Weihnacht“ – ich sehe mich schon irgendwo unterwegs mit dem Zug liegenbleiben. Trotzdem: Ich freu mich auf ein paar freie Tage (und habe sie bitter nötig)! Ganz liebe Grüße und dankeschön für die guten Wünsche. Irgendwann muss es doch besser werden …

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  2. Ich drücke dir die Daumen, daß deine Reisepläne über die Feiertage reibungslos funktionieren. Zumindest für morgen wird ja Entspannung prognostiziert und erst für Heiligabend Nachschub von oben. Ich hoffe, daß du vor dem nächsten Schneefall wohlbehalten ankommst.
    Ich wünsche dir schöne, besinnliche weiße Weihnachten!
    lG
    Ralph

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  3. ach, das mit der Bahn, das wird schon klappen! Wir hatten von gestern auf heute auch Übernachtungsbesuch, der von weit herkam und heute mit dem Flieger weiterflog. Eine Stunde Verspätung hatten sie – na und? Das müsste man mit dem Auto auch einkalkulieren und der Flieger flog ganz planmäßig.

    Bisschen Geduld mitnehmen, dann wird das was mit Bahnfahrt und nördlichem Weihnachtsbaum. Viel Spaß da oben!

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    • @Lizzy: Ach ja, wenn’s bei einer oder zwei Stunden bleibt, kann ich damit gut leben. Hätte nur keinen Bock drauf, in einem Zug mit ausgefallener Elektrik auf freier Strecke liegenzubleiben. Aber selbst für den Fall werde ich mich wappnen: Pullis und Socken ins Gepäck, ein Fresspaket, Getränke (aber nicht zu viele, falls die Toiletten mal wieder defekt sind), zwei,drei Bücher, dann lässt sich das aushalten!

      Danke, Lizzy! 8)

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    • @Rainer: Tja, es gibt wohl nirgends ein Ersatzteillager … und das mit dem Gesundbeten funzt auch nicht so richtig! 😉 – Vielen Dank für die guten Wünsche! Auch dir ein frohes und gesundes Weihnachtsfest!
      LG,
      Anne

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  4. Erst mal auch von mir frohe Weihnachten!

    Wenn ich so aus dem Fenster schaue, kann ich nur sagen, herzlichen Glückwunsch. Es schneit seit Stunden heftig und ununterbrochen, der Schnee ist aber sehr nass, deshalb weht es nicht ganz so schlimm.

    In dein Bahnreiseüberlebenspaket solltest du übrigens noch Kerzen und Streichhölzer aufnehmen. Wenn wiedermal ein Zug wie letztens in der Nähe von Lübeck 4 h auf freier Strecke ohne alles im Dunkeln stehen bleibt, nützen dir deine Bücher sonst gar nichts.

    Ich bin übrigens ein Weichei und bleibe angesichts des Wetters zu Hause! Ich finde es einfach angenehmer, das Fest im warmen Wohnzimmer als auf einem zugigen Bahnhof oder wo auch immer man stranden kann zu verbringen.

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    • @Nordläufer: Was heißt „Weichei“? Am liebsten würde ich die Reise auch nicht antreten. Aber ich muss mal wieder nach meinen Eltern schauen und bin zuversichtlich, dass ich irgendwie ankommen werde. Danke für den zusätzlichen Hinweis: In mein Überlebenspaket kommen die kleine Maglite und einige Reserveakkus! 😉

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  5. Muß mich auch mal wieder melden und wenigstens weiße Weihnachten, und auch sonst alles Gute wünschen. Hab in den letzten Wochen deine Misere durchaus mitverfolgt – es fiel mir halt nur wenig sinnvolles ein was ich dazuschreiben könnte (Einmal hatte ich sogar ein paar Zeilen verfasst aber die hat der P(löde)C(omputer) irgendwie geschluckt) Jedenfalls wünsche ich dir daß es bald wieder läuft – und eins muß ich noch sagen: Du hast dein Unglück und deinen Unmut immer noch bestechend gut sprachlich umgesetzt. Mein Respekt! Hilft natürlich auch nicht viel!?!

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    • @Matthias: Lieber Matthias, schön, dich mal wieder zu lesen – ich war schon etwas besorgt! Verstehe dich schon, wenn jemand sich so ewig mit Problemen rumplagt, fällt einem irgendwann nichts mehr ein außer Durchhalteparolen. Ich freu mich jedenfalls, wenn du mitliest, auch wenn du nicht immer was dazu schreiben magst! Danke!

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  6. Liebe Anne,
    du (und der liebe Joseph von E.) hast es geschafft. Ich durfte in der stressigen Vorweihnachtszeit ein wenig innehalten, das Kerzenbild bestaunen. Und die aus „wundervoll beglückten“ Kindertagen mit glänzenden Augen und wohliger Vorfreude bekannten Zeilen genießen.
    Das „heilige Schauern“. Da habe ich direkt vor Augen, wie schön es ist. …wenn ich ferienbedingt morgens früh oder abends spät im Dunkeln….zum Glück ist es nicht mehr ganz so rutschig…und dann im hohen Bogen….mitten rein in die knöcheltiefe Pfütze, die man für eine schneefreie Stelle gehalten hat. Naja, schneefrei ist die Stelle ja schon…
    Eine komplikationslose und warme Bahnfahrt und ein schönes (weißes) Weihnachten wünsche ich dir.
    Birthe

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    • Liebe Birthe, schön, dass ich dir eine kleine Atempause verschaffen konnte – die Zeit vor dem Fest ist wirklich hektisch genug!

      Weiße Weihnachten habe ich nun ja auch in Trier. Im Nachhinein eine SEHR kluge Entscheidung, die Reise schon am Donnerstagabend abzusagen, denn ich wäre am Freitag voraussichtlich gar nicht angekommen. Statt Großfamilie und Tannenbaum also Freundinnen und ein mit Holzfigürchen, Stohsternen und roten Glöckchen geschmückter Ficus – mehr als brauchbare Alternativen.

      LG,
      Anne

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  7. Nein, das ist nicht der Eichendorff, sondern das ist O-Ton Weinbergschnecke! 🙂 Hätte mich doch auch gewundert, wenn Du nicht vor den Feiertagen wieder so einen famosen und sehr lesenswerten Beitrag geschrieben hättest! Danke für diese besondere Klammer zwischen Lyrik und Alltag!

    Ich selbst habe sie mir als persönliche Anregung über die Festtage genommen und umgesetzt. Tat richtig gut!

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