Noch’n Gedicht

Wenn man an einem düsteren Novembertag mit schmerzendem Fuß und einer bevorstehenden übervollen Arbeitswoche ein Gedicht liest, das so anfängt wie dieses, sieht man sich nach den ersten Zeilen endgültig in der Depression versinken. Aber zum Glück bekommt Herr Geibel dann doch noch die Kurve . Nehmen wir uns ein Beispiel an ihm! 8)

Herbst

Ich sah den Wald sich färben,
Die Luft war grau und stumm;
Mir war betrübt zum Sterben,
Und wußt‘ es kaum, warum.

Durchs Feld vom Herbstgestäude
Hertrieb das dürre Laub;
Da dacht‘ ich: deine Freude
Ward so des Windes Raub.

Dein Lenz, der blütenvolle,
Dein reicher Sommer schwand;
An die gefrorne Scholle
Bist du nun festgebannt.

Da plötzlich floß ein klares
Getön in Lüften hoch:
Ein Wandervogel war es,
Der nach dem Süden zog.

Ach, wie der Schlag der Schwingen,
Das Lied ins Ohr mir kam,
Fühlt‘ ich’s wie Trost mir dringen
Zum Herzen wundersam.

Es mahnt‘ aus heller Kehle
Mich ja der flücht’ge Gast:
Vergiß, o Menschenseele,
Nicht, dass du Flügel hast.

(Emanuel Geibel)

 

 

Nichsdestotrotz geht mir die Laufpause auf den Wecker. Im Moment kann ich nicht einmal beschwerdefrei radeln. Das Radfahren schmerzt zwar nicht wirklich, aber ich spüre den Zug am Sehnenansatz und den Druck unter der Ferse deutlich. Immerhin: Mittwoch ist endlich der Arzttermin. Mal sehen, was der bringt – vermutlich nichts, aber ich versuche, die Hoffnung nicht aufzugeben.

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17 Gedanken zu “Noch’n Gedicht

  1. Meine liebe Anne, bitte bloß keine depressiven Gedanken, obwohl ich es schon nachvollziehen kann, wie es dir im Moment ergehen mag.

    Vielleicht kann dir dieser Arzt doch helfen, blicke dem Termin positiv entgegen, ich würde dir so gerne die Hände auflegen und warten, bis der Spuk ein Ende hat, aber erstens geht es räumlich nicht, und zum zweiten hege ich leise Zweifeln, dass es wirklich helfen würde.

    Toi, toi, toi – ich schicke ein Stoßgebet für dich in den Himmel !

    Ganz liebe Grüße
    und
    wie wäre es jetzt mit einem heiteren Gedicht ?

    In Hamburg lebten zwei Ameisen,
    Die wollten nach Australien reisen.
    Bei Altona auf der Chaussee
    Da taten ihnen die Beine weh,
    Und da verzichteten sie weise
    Dann auf den letzten Teil der Reise.

    Ringelnatz

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  2. Dankeschön, liebe Margitta! Allein das virtuelle Handauflegen baut mich etwas auf.

    Das Gedicht nicht ganz so … handelt es doch von zwei Schicksalsgefährtinnen („Da taten ihnen die Beine weh,“). Was ist das nur für eine furchtbare Welt, in der nicht einmal unternehmungslustige Ameisen ihren Freiheitsdrang ohne orthopädische Beschwerden ausleben können?! 😦

    😉

    LG,
    Anne

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  3. Lass dich nicht von so einer dämlichen Herbstdepression einfangen Anne. Noch 2 Tage und dann weist Du mehr, Bis dahin denk an die vielen Farben die uns der Herbst dieses Jahr geschenkt hat.
    Was macht Dein Rudergerät? Hast Du es schon bestellt?
    ich klammer mich auch an die letzten schönen Bilder des Herbstes. Wir hatten ja gestern 20 Grad und Sonne und ich war im Garten. Meine Eltern waren auch da und haben mir geholfen. Rosen anhäufeln und so. Dann haben wir in der Sonne auf der Terrasse gesessen und Nachmittags Kaffee getrunken und Lebkuchenherzen gegessen.
    Stell Dir das mal vor.

    Liebe Grüße Bärbel

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  4. Auch ich drücke dir ganz fest die Daumen für den Termin beim Doc! Auf daß er eine passende Therapie kennt, die dir duerhaft wieder den Weg zurück zum Laufen bringt. Das geht ja gar nicht, daß dir jetzt schon das Radfahren Probleme bereitet 😦
    Und die Depression lassen wir schön in der Versenkung. Kopf hoch!
    lG
    Ralph

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  5. @Bärbel: Hab mir schon ein buntes Bild auf den Desktop geladen. Und warte ansonsten auf die Rudermaschine, die ich am Wochenende bestellt habe. Hab inzwischen weitere Clips dazu im Netz gefunden: Man kann auch spezielle Übungen für Rücken und Oberkörper damit machen, wenn einem das Rudern zu langweilig wird. Ich bin gespannt! 8)

    Sonnig und mild war es hier gestern vormittag auch noch. Aber da saß ich im Büro und habe aufgearbeitet, was unter der Woche liegen geblieben war! 😦

    @Ralph: Prinzip Hoffnung … ich halte ja von Ärzten nicht so viel, aber vielleicht wird der am Mittwoch eine rühmlich Ausnahme sein. Ich kann einfach nicht verstehen, warum es trotz Pause einfach nicht besser wird. Der Kopf bleibt trotzdem so weit wie möglich oben! Danke! 8)

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  6. Hey Anne,
    lass dich nicht unterkriegen. Ein buntes Bild hast du ja schon auf dem Rechner und wenn du dich bald an deinem Rudergerät auslassen kannst, dann fühlst du dich bestimmt schon besser.
    Hoffentlich kann dir der Arzt am Mittwoch schon genaueres zu deinen Beschwerden sagen. Damit du auch bald wieder durch die Landschaft düsen kannst.
    Ich drücke dir ganz fest die Daumen.

    LG,Bianca

    PS: Dieses Wochenende dachte ich, dass sich deine Schweineelche bei uns sehr wohlgefühlt hätten… 😉

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  7. Danke, liebe Bianca! Ja, mal sehen, was der Doc sagt – ich möchte vor allem erfahren, wo die Beschwerden herkommen und ob irgendwelche Fehlstellungen oder -haltungen die Ursache sind, die sich beheben lassen. Schließlich will ich möglichst bald wieder Schweineelche verscheuchen! 😉

    LG,
    Anne

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  8. Anne, was du von Ärzten hältst, ist in diesem Fall eine Sache – was du von ihnen erwartest, eine andere und letzteres in diesem Fall zuviel.

    Der einzige Fehler, den Ärzte machen, zu denen Patienten mit Fersensporn / Plantarsehnenreizung /-entzündung kommen, ist, dass sie meist bereit sind, IRGENDWAS zu tun. Das ist im besten Fall neutral – im schlimmeren schädlich.

    Dass Ärzte dabei nicht helfen können, liegt m. E. nicht an der mangelnden Qualität seiner Kunst – es liegt einfach daran, dass viele Patienten nicht akzeptieren wollen, dass es gegen manche Zipperlein ‚(noch?) keinerlei ärztlichen Kunstkniff GIBT.

    Lass dir nix aufschwätzen – wenn der Arzt wirklich ein guter ist, dann sagt er dir, dass es für dich nichts anderes zu tun gibt (und für ihn eben gar nix) als das zu beherzigen, was Nele 2007 in DIESEM Beitrag zusammengetragen hat bzw. (da er diesen Beitrag kaum kennen wird ) ähnlich lautende Ratschläge zum Verhalten geben.

    Mehr geht nicht – natürlich kannst du schnippeln lassen. Aber ich habe damals gelesen, gefragt, mich umgehört unter Betroffenen (nicht nur in Foren – bei Läufen trifft man ja allerhand Leute) – auch „Profis“.

    Du kannst schnippeln lassen (eine teure und umständliche Art, die Füße zum stillhalten zu bringen so gesehen), du kannst spritzen lassen … letztlich hilft nur irre viel Geduld, auf den Körper wirklich hören lernen, probieren und austesten … wenn das ein Arzt beibringen sollte, wäre Orthopädie die falsche Fachrichtung ;-D

    Wenn es so weit ist, dass du auch andre Dinge nicht mehr schmerzfrei tun kannst (ich konnte nichtmal mehr schmerzfrei SCHWIMMEN *argh*), dann wird’s eben dauern. u. U. auch lange – aber es kann komplett ausheilen. Ehrlich! Zwischendurch gab’s bei mir auch eine Zeit, in der ich – ohne Groll sondern ziemlich sachlich – davon überzeugt war, niemals mehr im Leben ohne „Bewusstsein einer Ferse“ zu sein. Es war manchmal nicht mehr akut, es klang ab, die Schmerzen wurden zu einem „nur dumpfen Anwesenheitsgefühl von Anderssein“. Aber es war da und der Glaube, jemals wieder so unbeschwert auf den Füßen zu sein wie vor der Geschichte, irgendwann abhanden gekommen.

    Hat nur ca. ein bis zwei Jahre gedauert – irgendwann dazwischen schlich es sich weg. Ein bisschen wohl auch vertrieben von den vielen – zunehmend freundlichen, kein Widerstand, kein böser Kampf. Meine Erfahrung: auch unerwünschte Gäste möchten höflich behandelt werden. Zumal dann, wenn man sie selber eingeladen hat – Maßnahmen, es zum Verlassen aufzufordern.

    Wie soll ein Arzt wissen, was gerade DEIN einerseits ungebetener – andererseits geradezu ins Haus gezerrter – Gast benötigt? DU bist Gastgeber!

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  9. @Lizzy: Danke für die Verlinkung dieses Fadens – irgendwie hatte ich ihn schon mal gesehen, aber komplett vergessen.

    Ich weiß nicht, ob ich tatsächlich zu viel vom Arzt erwarte, glaube es aber eigentlich nicht. Vielleicht schreibe ich’s mal klarer: Ich möchte herausfinden, ob es offensichtliche orthopädische Ursachen gibt, die zu meinem Problem beitragen. Wenn der Arzt da irgendwas findet, kann ich vielleicht in dem Katalog von zig Selbsthilfemaßnahmen besser Schwerpunkte setzen. Er ist übrigens kein reiner Orthopäde, sondern erfahrener Sportmediziner, der die großen Sportvereine hier in der Gegend betreut.

    Darüber hinaus setze ich natürlich weiter auf das Prinzip „Versuch und Irrtum“, gepaart mit viel Geduld. Maßnahmen wie Cortisonspritzen, Stoßwellen etc. (von Schnippeln gar nicht zu reden) sind kein Thema für mich.

    Tröstlich zu hören, dass du dich mit deinem „unerwünschten Gast“ momentan auf eine Art friedlicher Koexistenz geeinigt hast bzw. er dich sogar phasenweise gar nicht mehr mit seinem Besuch beehrt. Da habe ich sicherlich noch einen Lernprozess vor mir.

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  10. der Gast hat mich vor inzwischen mehr als 3 Jahren verlassen und danach nichtmal mehr auf Stipvisiten vorbeigesehen 😉

    Seine Vorhut / Begleiter allerdings, die kamen auch danach öfter nochmal kurz nachschauen, obs wieder ein passendes Quartier für den Chef gibt. Bei mir hießen die Begleiter: instabiles Fußgelenk und harte Wade. Ich habe die beiden dann jeweils mit ungemütlichen Dingen (siehe o. g. Beitrag) schon bei ihrer Ausspähtour davon überzeugt, dass bei mir kein Bleiben ist.

    Herr oder Frau Fußschmerz hat daraufhin immer einen großen Bogen um mich gemacht und auch die Vorhut guckt schon gar nicht mehr.

    Im Grunde war es der übliche Fehler: zu schnell zu viel gewollt.

    Wie meinst du bzw. mit welchem Handwerkszeug sollte ein Arzt besser als du selber rausfinden, wo genau die (meist diversen) Ursachen gerade bei dir sitzen? Laufanalyse? Sagt bei mir immer: extreme Überpronation. Die vermutlich wiederum Ursache für das „instabile Fußgelenk“

    Okay, und was nützt mir das Wissen? Welche Schlüsse daraus zu ziehen sind, dafür gibt’s doch auch x-undzwanzig unterschiedliche Meinungen. So richtig hilft dagegen wohl nur mehr Jahre des Trainings, so dass die Bänder das von alleine abfangen können, indem sie stark und belastbar wurden. Ich proniere immer noch wie Hölle und Teufel – letztes Jahr beim Firmen-Gesundheitstag wurde es wieder mal analysiert und der Mensch meinte, ich wäre ein klassischer Fall für Einlagen. Er wusste gar nicht, dass ich jogge – er meinte: für den Alltag! Sonst würde ich mir die Füße ruinieren meinte er … tja … Das hätte mir damals vermutlich auch fast jeder Orthopäde und Sportarzt geraten. Ging aber auch so weg. Komplett!

    Und vor allem: was sollte ein Arzt neues dazu zu sagen haben? oder zu raten? Es gibt nichts neues dazu. Behaupte ich 🙂

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  11. Lizzy, ich glaube, in dem Punkt möchte ich gern meine eigenen Erfahrungen machen. 8) Es geht mir ja nicht darum, was Neues zu erfahren in dem Sinne, dass ich irgendeine Wundertherapie erhalte. Es ist einfach so, dass du im Laufe der Jahre notgedrungen rausgefunden hast, welche Übungen dir helfen und welche nicht, wie stark du dich belasten darfst und was nicht geht. Bei mir war das bisher nicht nötig, weil ich noch keine so hartnäckigen Probleme hatte. Aber natürlich werde ich das nun auch langsam herausfinden müssen – vieles ist Versuch und Irrtum, da bin ich realistisch und weiß, dass ich Geduld haben muss. 🙂

    Trotzdem: Einen Rest Hoffnung habe ich, dass mir ein Arztbesuch / eine Laufanalyse Aufschluss darüber geben kann, wo (momentan) einige besonders deutliche Schwachstellen liegen. Warum sollte ich das auch nicht versuchen? Es gibt ja durchaus Menschen, die davon profitiert haben. Vermutlich werde ich morgen vormittag genau so schlau sein wie heute. Aber das hat mich dann nur eine Stunde Zeit und die Krankenversicherung ca. 22 € gekostet (so hoch etwa ist die Fallpauschale, die der Arzt bekommt). Das sind Kosten, die ich vertreten kann – ich habe schon in weit unsinnigere Dinge Zeit und Geld investiert … 😉

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  12. Natürlich gönne ich dir den Versuch gerne und will ihn dir nichtmal zwingend ausreden. Hab‘ mich gerade selber gefragt, auf welches Stichwort ich hier angesprungen bin bzw. welches Knöppchen der Auslöser meines ziemlich überflüssigen Romans war. Hab’s gefunden:

    ich halte ja von Ärzten nicht so viel, aber vielleicht wird der am Mittwoch eine rühmlich Ausnahme sein.

    Das wars. Bin endlich weg von der Bühne 😉

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  13. Vor lauter Troisdorf habe ich gar nicht mitbekommen, dass es dir gar nicht gut geht! hey sag mal, was machst du denn für Sachen?
    Ich bin echt mal gespannt was du morgen schreiben wirst. Jetzt bin ich mal dran mit Daumendrücken!

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  14. @Lizzy: Um Himmelswillen, ich wollte dich nicht vergraulen! Deine Postings waren auch alles andere als überflüssig! Sie haben mir nochmal bewusst gemacht, dass ich meine Hoffnungen im Wesentlichen auf die Wirkung von Selbsthilfemaßnahmen und auf eine Sensibilisierung der Körperwahrnehmung richten sollte. Das Frühwarnzeichen „Harte Waden“ hatte ich nämlich auch, nur habe ich es eben nicht als solches interpretiert, weil ich es nicht kannte. Stattdessen gedacht: „Biste eben ein wenig verspannt, dehnste etwas mehr, aber ansonsten kein Problem“. Jetzt denke ich, dass es eben doch ein Problem war … Danke also für deine Hinweise! Ich hoffe, ich hab dich jetzt nicht dauerhaft aus meinem Blog vertrieben! 😉

    @Martin: Naja, wer zum ersten Mal 6 Stunden im Kreis rennt – und dann auch noch stundenlange „Naturdusche“ dabei aushalten muss, kann nicht für alles einen Kopf haben. Dankeschön für’s Daumendrücken! 8)

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