Miezekatze

„Ich wünsch mir ’ne kleine Miezekatze für mein Wochenendhaus! …“ – Mit diesem Liedchen auf den Lippen wird wohl mancher Nimrod in den kommenden Tagen seine Waffe aus dem Schrank holen und durch die heimischen Wälder pirschen. Der Panther ist los! Und Triers Waidmänner blasen das Halali, auf der Jagd nach einer ganz besonderen Trophäe für die Wohnzimmerwand.

Seit Monaten schon streift das Tier, das vermutlich aus einem französischen Privatgehege ausgebüxt ist, durch die Wälder der Eifel. Ein Phantom, scheu, ängstlich, kein Hühnerdieb oder Schafmörder wie Bruno der Bär, der einst Bayern unsicher machte. Nein, ein „Problempanther“ ist Paulchen – bislang wenigstens –  ganz gewiss nicht!

Vor ein paar Tagen allerdings hat er einen fatalen Fehler gemacht: Er ist einer wanderlustigen Redakteurin der hiesigen Lokalzeitung direkt vor die Füße gelaufen! Nachdem die junge Dame unversehrt den Ort der Begegnung verlassen und ihren ersten Schrecken überwunden hatte, wurde flugs ein Erlebnisbericht in die Tasten gehackt und die Information über die Nachrichtenticker verbreitet.

Und so kam, was kommen musste: In diesem unserem Lande darf eine Bestie natürlich nicht einfach so durch die Wälder streifen – wo kommen wir denn da hin? Also beschloss die zuständige Behörde: Paulchen muss sterben! Freigegeben zum Abschuss, nicht mit dem Betäubungsgewehr, sondern mit der tödlichen Kugel.

Er wird es den Jägern nicht einfach machen. Eine Horde Beschützer hat er schon gefunden: Triers „Grüne Jugend“ hat eine Protestdemo gegen Paulchens Abschuss organisiert. Tierfreunde haben zudem angekündigt, schwarz gekleidet in den Wäldern umherzuwandern, um die Waidmänner in ihrem Tun zu stören. Ob sie dabei wie Paulchen auf allen Vieren laufen, knurren oder fauchen werden, ist allerdings nicht überliefert.

Tja, so beschäftigt eine überdimensionale Miezekatze eine ganze Region und sorgt sogar bundesweit für Schlagzeilen. Bei aller notwendigen Vorsicht im Umgang mit einem Raubtier – ein Foto vom getöteten Eifel-Panther gehört zu den Bildern, die die Welt nicht braucht. Bleibt daher nur, auf Paulchens Cleverness zu hoffen, die ihm bislang das Überleben gesichert hat. Vorerst ist er wieder abgetaucht! Warten wir ab, ob für ihn dasselbe gilt wie für seinen flotten pinkfarbigen Verwandten!

P.S.: Die Vernunft sagte mir, das ich meiner Ferse zuliebe das Radfahren gegenüber dem Laufen bevorzugen sollte. Gut anderthalb Stunden mit flottem Tritt, aber ohne den Fuß zu belasten – so soll es sein! Die letzten kümmerlichen Reste der Herbstsonne im Moseltal hab ich dabei eingefangen und mich just vor dem beginnenden Herumgeniesel nach Hause gerettet. Regen auf dem Rad ist VIEL unangenehmer als Regen beim Laufen!

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15 Gedanken zu “Miezekatze

  1. Wirklich ein echter Panther ?

    Und eine Jagd auf das Tier von allen Seiten.
    Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Jäger nicht gegenseitig abknallen.

    Ehrlich gesagt, so ganz ruhig wäre ich auch nicht, wenn hier bei uns ein Panther frei herum laufen würde, mir reichen schon die Wildschweine.

    Man könnte dieses Tier doch einfangen mit einem Netz oder betäuben, aber töten, das geht definitiv zu weit, die gleiche Geschichte wie damals die mit dem armen Bär.

    Und du hast es richtig gemacht, deine Ferse zu schonen, was ist denn bloß mit der los ? Sprich mit ihr, verwöhne sie, dann ist sie dir vielleicht bald wieder gnädig.

    Liebe Grüße, liebe Anne, genieße dein Wochenende und denke immer an die Balance !!! 😉

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  2. Ehrlich gesagt: ich glaub‘ nicht an den Panther (hab‘ natürlich auch davon gelesen). Kein Foto, keine einzige Spur, die sich als echt erwiesen hat, kein gerissenes Tier … und das über Jahre in eng besiedeltem Gebiet? Neenee, das ist so ein Nessi-Panther 😉

    Aber wenn du dir eine kleine Miezekatze wünschst .. ähm … ja .. ich wüsste da welche … zu haben ab in 3 Monaten *hüstel* Such dir einfach eine aus ;-D

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  3. @Margitta: Die einen sagen so, die anderen sagen so – ich bin nicht 100%ig überzeugt, dass es ihn gibt. Aber wenn ja, würde ich mir auch wünschen, dass man ihn lebend fangen kann.
    Um meine Balance kümmere ich mich auf jeden Fall – und zu meiner Ferse bin ich ganz besonders lieb: Dehnen hier, Massage dort, Kühlen, Salben, gut Zureden, das volle Programm! Wär doch gelacht, wenn sie sich nicht becircen ließe … 😉

    Dankeschön, liebe Margitta!

    @Lizzy: Ja, du hast recht, ich hab auch so meine Zweifel. Aber der Hype ist schon beeindruckend. 😉

    Was die Miezekatzen angeht: Herrlich! Wunschkinder oder – wie ich vermute – verunglückte Familienplanung? 😉 Wenn meine Wohnung katzentauglich wäre … und ich mehr Zeit hätte … ich wäre schwer in Versuchung! 🙂

    Liebe Grüße
    Anne

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  4. Da ich ja hier in der gegend wohne – ja, ich glaube, daß es ihn gibt. Man schreibt ja nicht nur in Trier über ihn, sondern auch im Ländchen. Ich wünche ihm ein langes Leben und deshalb die cleverness, schnell wieder nach Belgien oder Frankreich überzusiedeln, da sollte er vorerst siche sein.
    Dein Entschluß, voerst lieber mit dem rAd zu fahren ist zwar aus läuferischer Sicht bedauerlich, aber sicherlich vernünftig. Gute Besserung!
    lG
    Ralph

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  5. ungeplant – Ursache: Fehleinschätzung der Rolligkeitsabstände und des Gretchenverhaltens (sie lernt eben dazu 😉 ) und natürlich Schlamperei in der Planung.

    Aber: grandiose Erfahrung. Aller guten Dinge sind erstens drei und zweitens ist es ein Unterschied wie Tag und Nacht, wenn die Mamakatze erwachsen und erfahren ist. Total schön: gelassen, souverän, wohlgenährt (der Nachwuchs – drei davon mit „Rassekatzeneinschlag“ nimmt rekordverdächtig zu jeden Tag), stolz und nix mehr von der Unsicherheit, Nervosität beim ersten Mal – das überträgt sich auch auf die Oma, die diesmal kein bisschen genervt oder grantig reagiert. Wir haben hier ein Haus voller fröhlicher, glücklicher Katzen (incl. Jacko, der sich mit Gretchen inzwischen auch versteht und von ihr reingelassen wird durch die Katzenklappe und rangelassen ans Futter. Wir haben ihn schon mehrmals erwischt *grmpl* Die machen hier einen auf Soap-Großfamilie, die verrückte Bande (und ich füttere Akkord).

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  6. @Ralph: Vielleicht sollte ihm jemand diesen Tipp geben, dann kann er Asyl in BEL beantragen! 😉
    Was den Fuß angeht, ist tatsächlich Vernunft angezeigt. Keine Ahnung, wo die Ursache liegt. Ich bin in den letzten Wochen ja schon deutlich geringere Umfänge gelaufen, aber das hat scheinbar nicht gereicht. Danke für die guten Wünsche, lieber Ralph! 8)

    @Lizzy: Eine beeindruckende Patchworkfamilie – pass auf, dass die euch nicht die Haare vom Kopf fressen! 😉 Schaffst du die Versorgung eigentlich noch im normalen Alltag oder musst du schon Urlaub nehmen, um die Bande angemessen zu versorgen? 8)

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  7. Ja, ja, der wilde Panther… Das ist ja wirklich ein Reizthema. Meiner Kollegin glaube ich schon, dass sie ihm wirklich begegnet ist. Sie ist dennoch wie alle, mit denen ich gesprochen habe entschieden gegen einen Abschuss.
    Die gute Nachricht: Bei der Treibjagd gestern, die eh wegen zu vielen Wildschweinen im Ruwertal angesetzt war, haben sich keine Spuren von einem Panther gefunden. Und wie mir ein Jäger erzählte, würden seine Standesgenossen sich eh in der Mehrzahl weigern, ein solches Tier zu schießen.
    So wird der Panther also noch einige Tage ein Thema bleiben…

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  8. @Rainer: Dass sich nirgends Spuren finden, weder Trittsiegel noch Losung noch Reste von gerissenen Tieren, macht mich eben stutzig. Aber ich will deiner Kollegin auch keine Märchenerzählungen unterstellen; ich glaube, sie ist etabliert genug, um sich nicht auf so peinliche Weise profilieren zu müssen. Nichtsdestotrotz ist alles sehr mysteriös!

    Es wäre ja klasse, wenn die hiesigen Jäger tatsächlich nicht bereit wären, ihre Waffe einzusetzen; hier in der Region gibt’s dann wohl Gottseidank noch vernünftige Leute, die Jagd auch als Naturschutz begreifen. Die wirklich gefährlichen (weil großwildjagderfahrenen und trophäengeilen) Jagdpächter haben ihre Reviere m.W. eher in der Nordeifel (Nähe Köln/Düsseldorf) – weit weg von Paulchen! Es besteht also Hoffnung … 8)

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  9. Ich wünsche Deiner Ferse gute Besserung, Deine Entscheidung lieber Rad zu fahren finde ich richtig.

    Zum Thema Panter und dem Umgang damit: Es passt in ein Land und in eine Gesellschaft wo Tiere immer noch mehr als §achen denn als fühlende Lebewesen angesehen werden, einfach abballern es ist ja schließlich kein Mensch mit Menschenrechten. Auf der anderen Seite die Liebe zu Haustieren und dann wieder der Umgang mit den sogenannten „Nutztieren“ im Stall und im Schlachthof und die „Strafen“ die man bei Tierquälerei zu erwarten hat. Auch wenn es heute wenigstens nicht mehr „Sachbeschädigung“ heißt.

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  10. Danke, lieber Bernd!
    Ja, der Umgang mit Tieren in unserem Land ist traurig! Die Selbstverständlichkeit, mit der die Behörde die Abschussgenehmigung erteilt hat, schockiert hier viele Menschen! Tja, und dann auf der einen Seite verhätschelte Haustiere, auf der anderen Seite Massentierhaltung … Konsequenz ist anders! 😦

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  11. Die Miezekatzeschlagzeile stand sogar bei uns im fernen Sachsen in der Tagespresse.
    Ich wäre übrigends auch für einfangen statt abschießen. Nicht das die in ihrem Eifer auf harmlose Läufer….., die gemütlich durch den Wald zuckeln….

    Lilly

    eine Warnweste wäre vlt. gut.

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  12. Liebe Anne,
    gute Besserung dem (blöden) Fuß. Fahrrad fahren ist ja auch ganz nett (hatten wir im Urlaub auch). Aber natürlich absolut nicht mit Laufen zu vergleichen.
    Allerdings kommt man in der selben Zeit viel weiter rum und hat noch mehr zu sehen als zu Fuß.

    Panther: Sicherheitshalber sollte man hier zumindest evtl. nicht schwarz gekleidet im Wald unterwegs sein. Das wäre mir dann mit frei laufenden Jägern doch zu gefährlich. 😉

    LG
    Birthe

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  13. @Bärbel: Ja, Einfangen wäre die bessere Lösung. Und mein schwarzes Laufshirt bleibt im Schrank, bis die Hysterie abgeebbt ist. 8)

    @Birthe: Danke! Radfahren ist halt nicht dasselbe wie Laufen, es macht zwar auch Spaß und man kommt rum, aber es ist v.a. nicht der geeignete Sport im Dunkeln. 😦

    Was den Panther angeht: Mein Laufstil ähnelt wohl eher dem Getrampel eines Elefanten als der Eleganz eines Panthers – die Verwechslungsgefahr ist also gering! 😆 Sicherheitshalber laufe ich aber nicht in Schwarz … man weiß ja nie! 😉

    LG,
    Anne

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  14. Ha, zum Panther kann ich auch was sagen! Kürzlich habe ich einen Fernsehbeitrag in einer von diesen Boulevardsendungen (brisant?) geguckt, da wurde über das Viech berichtet. Ich musste bei Trier auch sofort an dich denken! Es wurde ein Handyvideo gezeigt, in dem man das Tier über’n Weg laufen sah, also ich fand, es sah mehr nach großer schwarzer Katze aus.

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  15. @Ulrike: Hihi, genau das habe ich bei den bisherigen Bilddokumenten (auf youtube ist auch irgendwas) ebenfalls gedacht. Wenn man da die Größe des Tiers im Verhältnis zur Wegbreite, v.a. zur Spurweite der Fahrspuren sieht, kann das keine Großkatze sein, sondern nur ein etwas größerer Stubentiger. 😆

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