Ein „Jürgen“ und 10 Zügige

Abends 19 Uhr an einem Schreibtisch in einem Büro oberhalb der Stadt. Nee, jetzt bin ich müde. Und hungrig. Und ein bisschen zuppelt mein linkes Knie. Nee, heute lauf ich nicht mehr. Nur noch den einen „Jürgen“ nach Hause.

Das muss ich wohl erklären: Der „Jürgen“ ist eine Längeneinheit. Benannt ist diese Einheit nach dem Mann einer sehr geschätzten Laufkollegin, der vor einigen Wochen mit dem Laufen begonnen hat, gecoacht von seiner ihn liebenden Gemahlin. Dreimal pro Woche heißt es derzeit für ihn: „Laufen – Gehen – Laufen – Gehen – Laufen …“ und das Ganze auf einer Hausrunde von 4 Kilometern.  Darum: 4 Kilometer = 1 Jürgen.

Für unsereins eine harmlose Distanz zum entspannten Beine-Ausschütteln am Feierabend. Es geht bergab mit einem kleinen Schlussanstieg. Dem Bewegungsdrang ist Genüge getan, dem Knie macht es nichts – und der Magen kommt auch schneller zu seinem Recht: Nach einer Pfanne voll Zucchini-Tomaten-Gemüse mit Kräuterquark dazu ist die Welt wieder in Ordnung.

„Richtig“ gelaufen wird dann eben am nächsten Morgen, das Knie zuppelt nicht mehr, die Schnecke ist munter und die Regenwolken ziehen zwar noch drohend über ihren Kopf hinweg, entladen sich aber nicht mehr in heftige Güssen. Davon, dass sie genau das gestern noch getan haben, zeugt die Seenlandschaft auf dem Moselleinpfad.

Nach 2 Kilometern Einlaufen lege ich auf der Brücke den vierten Gang ein. „Zügig, aber nicht schnell“ heißt das Programm, das ich mir heute vorgenommen habe, „fiktives Marathontempo“ sozusagen. Ein „komisches“ Tempo, finden meine Beine – sie kennen es nicht, weil ich es ewig nicht gelaufen bin. Normale Dauerläufe sind natürlich langsamer, die „schnellen Sachen“, die ich zur Vorbereitung auf den Halbmarathon übernächstes Wochenende gelaufen bin, sind ein gutes Stück flotter.

So brauche ich etwa 2 Kilometer, um meinen Körper auf eine gleichmäßige Reisegeschwindigkeit einzustellen. Zu schnell, zu bummelig, zu schnell … Irgendwann passt es. Und fühlt sich sehr angenehm an. Ein Tempo, in dem ich gut vorankomme, aber genügend Muße habe, den Blick schweifen zu lassen, vor mich hin zu träumen, die Vielfalt der Enten- und Gänserassen am Ufer zu studieren ….

Nach gut 5 zügigen Kilometern am Abzweig nach Zewen die Wende, zurück auf gleicher Strecke. Im Anstieg zur Brücke ist Kilometer 10-zügig abgehakt, ich lasse austrudeln und gönne mir eine Dehnpause, vor allem für die vordere und hintere Oberschenkelmuskulatur, bevor ich die letzten 2 Kilometer in Abgriff nehme. Im Slalom um Mülltonnen und Gelbe Säcke, die den Bürgersteig blockieren, geht’s den Kiewelsberg hinauf. 14 Kilometer am Morgen – der Tag kann kommen!

Advertisements

16 Gedanken zu “Ein „Jürgen“ und 10 Zügige

  1. Jetzt habe ich wieder etwas gelernt – die Entfernungsangabe Jürgen kannte ich bisher nicht 😆 .
    Respekt – zwei Läufe innerhalb so kurzer Zeit! Und dann noch ungewohntes Tempo. Das Phänomen mit dem „Dazwischen-Tempo“ kenne ich auch. Das fühlt sich oft unrund an.
    Für den Einstieg in die Tapering-Phase vor dem HM war das ein strammes Programm. Schön brav bleiben 😉 .
    lG
    Ralph

    Gefällt mir

  2. @Ralph: Beruhigend, dass ich mit dem komischen Gefühl nicht allein bin. Naja, nach ein paar km ging’s sehr gut – war halt ungewohnt! 😉
    Allzuviel tapern werde ich vor dem HM nicht. Diese Woche werde ich normales Programm laufen mit einem ganz langen Lauf am Wochenende, nächste Woche allerdings viel ruhiger und geringere Umfänge. Das muss reichen, nachdem sich in den letzten Wochen die Prioritäten doch ein wenig verschoben haben. 8)
    Bei dir sieht’s natürlich wegen des M anders aus, du nimmst schon in dieser Woche deutlich raus, oder?

    LG,
    Anne

    Gefällt mir

  3. Unfreiwillig reduzierte ich den Wochenumfang ja schon letzte Woche. Und diese Woche werden es planmäßig noch einige Kilometer weniger 8)
    Natürlich gönne ich dir den ganz langen Lauf am Wochenende 🙂 . Genieße ihn.
    lG
    Ralph

    Gefällt mir

  4. Ach welch nette Idee…“Ich geh heute noch für 3 Jürgen raus“…“Am Samstag lauf ich 7,5 Jürgen, und du?“ Ein neues Längenmaß ist geboren!! Das setzt sich durch…bestimmt!
    Hast du eigentlich schon das Kochbuch „1000 feine Ideen die Zucchini-Plage in den Griff zu bekommen“ in der Mache??? Nicht dass ich es kaufen wollte….ich frach nur! : – )
    Liebe Grüße
    Marga
    P.S. der Rest ist eh klar….Super!

    Gefällt mir

  5. @Ralph: Stimmt – das war ja bei dir anders gedacht! Aber du wirst das auch ohne den letzten Langen prima machen, ganz bestimmt! – Ob mein 30er ein Genuss wird – wir werden sehen?! 8)

    @Marga: Klar setzt sich das durch … nur wenn ein Jürgen irgendwann mal 10 km lang sein sollte, wird es mit dem 7,5-Jürgen-Trainingslauf schwierig! 😉
    So ein Kochbuch könnte ich vielleicht irgendwann mal schreiben … aber es gibt schon das Konkurrenzwerk „Erste Hilfe gegen die Zucchinischwemme“ – da werde ich Mühe haben, einen Verlag für mein Opus zu finden! 🙂
    Danke!

    lg,
    Anne

    Gefällt mir

  6. Der Jürgen wird nicht mein Freund, definitiv nicht, 4 Kilometer, ich hoffe es hört sich nicht arrogant an, dafür schnüre ich meine Schuhe nicht, das geht gar nicht – Jürgen, schön dass es dich gibt, aber der Zug ist schon lange vorbei.

    Ansonsten liest sich alles recht optimistisch – bis auf das Zuppeln (was ist das für ein Wort !!) im Knie ! 😉

    Gefällt mir

  7. Ein Jürgen, wie köstlich. (Also nicht der Jürgen, dazu kann ich nichts sagen, den kenne ich nicht, hihi.)
    Ich hatte gestern 2 mal 1 Jürgen HMRT auf dem Programm. Hätte ich das gewusst, hätte ich bestimmt beim Laufen ständig giggeln müssen.
    Wie lang ist ein HM? 5,275 Jürgen.
    Wie schnell warst du? 18 Min./Jürgen.
    Das mit dem Nicht-Tempo kenne ich. Irgend so ein Zwischentempo, das man lange nicht mehr bewusst gelaufen ist. Da trifft man ständig daneben.
    Bei MRT z.B. werde ich immer zu schnell. Und wenn ich Tempo rausnehme kann es passieren, dass ich „einpenne“.
    Zucchinischwemme? Könnte mir nicht passieren. Die Dinger sind scheußlich. Brrr. Kommen mir nicht in den Garten. Allerdings könnte in absehbarer Zeit eine Kürbisschwemme drohen. Sie sind unter ständiger Beobachtung….
    Schöne Grüße,
    Birthe

    Gefällt mir

  8. Das beste ist doch ohnehin, man verlegt seine Bücher selbst, dann kann man auch die ganze Kohle behalten.

    10 km knapp über Halbmarathonrenntempo könnte ich morgen eigentlich auch mal laufen, mal sehen ob ich das morgen dann noch genauso sehe.

    Gefällt mir

  9. @Margitta: Nun sei mal nicht so streng mit dem armen Jürgen … er fängt ja erst an! Und ist relativ stämmig (überwiegend Muskeln natürlich!). Ich bin sicher, dass er auch bald 2-3 Jürgen bewältigen kann. 😉
    Das „Zuppeln“ (auf hochdeutsch: ganz leichte Ziehen) rührte vermutlich von falschem Schuhwerk beim Langen her – schon unterwegs fühlte sich der Schuh zu hart an. Heute war alles wieder gut! Also bin ich zuversichtlich! 🙂

    @Birthe: 2 Jürgen HMRT – das ist hart! 8) – Dieses Pendeln zwischen zu schnell und zu verbummelt ist ätzend, zwischendurch bin ich auch mal viel zu langsam geworden, weil die Konzentration nachließ. Ich hoffe, das übt sich!

    Kürbisschwemme finde ich ehrlich gesagt fast schlimmer als Zucchinischwemme … irgendwann mag ich im Herbst keine Kürbissuppe mehr sehen! Bei Zucchini fallen mir mehr Zubereitungsarten ein. 8)

    @Nordläufer: Hmmm, Selbstverlag? Dem Verkauf ist es m.W. zuträglicher, wenn man seinen Kram bei einem renommierten Verlag unterbringt, der hat einfach das bessere Vertriebsnetz, macht Werbung etc. – Hau rein morgen, ich bin gespannt, ob du das durchziehst!

    LG,
    Anne

    Gefällt mir

  10. @Martin: Jau, alles halb so wild – was sind schon 10,5 Jürgen? 😉

    5 Gänge hab ich mindestens, vielleicht ist es auch ein 6-Gang-Getriebe, aber wenn ja, dann klemmt der 6. bislang noch. 🙂

    Gefällt mir

  11. Nein, so war das nicht gemeint, ich finde es toll dass es solche wie Jürgen gibt und habe oft genug Anfänger begleitet, es sollte NUR auf mich bezogen sein, und wenn Jürgen so weiter macht, wird er auch eines Tages…………………………ich wünsche es ihm ! 8

    Gefällt mir

  12. „Jürgen“ in Hochform gemeinsam mit „La Lopez“* … ein Powerpaar, das es krachen lässt im Teuto 😉

    Lopez I und II: zwei aufeinander folgende, nach dem Hinterteil der schönen Jenny Lopez benannte, lang gezogene Steigungen, Waldboden und Geröll, gefühlt unendlich; steile Angelegenheit, die für knackige Rückansichten sorgt. Nachhaltigkeit in unvermutetem „Dress“. Temperamentvoll und stark. Lopez eben! 😉
    Eine meiner Hardcore-Vorbereitungsstrecken für „Hermann“. Alles klar?

    Liebe Grüße, auch an Jürgen 😉 Christine

    Gefällt mir

  13. @Margitta: Klar, für eine geübte Läuferin wie dich müssen es schon ein paar Jürgen mehr sein, damit sich das Umziehen lohnt … für mich inzwischen (meistens) auch! 8)

    @Christine: Soso, Lopez I und II … hat’s schon gewirkt? 😉 Für sowas Hartes wie den Hermann muss man offenbar ungewöhnliche Wege gehen – und solche Bezeichnungen können unglaublich motivierend sein. 8)

    LG, Anne

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s